Sorry, aber als jemand, der 1982 geboren wurde und diese Zeit des „Schutzes“ aktiv miterlebt hat, kann ich nur sagen: Das war kein Schutz, das war Bevormundung. Das Einzige, was da „geschützt“ wurde, war das konservative Weltbild der selbsternannten Jugendschützer.
In der Praxis war das, was die BPJS (später BPJM, heute BzKJ) getan hat, stets kontraproduktiv. Wo hat sich in den 1990ern der Jugendliche informiert, was der „richtig heiße Scheiß“ ist? Richtig, er hat auf den Index geschaut… Gerade im Bereich der Computerspiele konnte man das super beobachten - die brutalsten Spiele ihrer Zeit (z.B. Moonstone auf dem Amiga, Wolfenstein 3D auf dem PC) waren stets die ersten, die auf dem Schulhof getauscht wurden. Bei Filmen kann man das auch schön beobachten, Klassiker wie Braindead oder Bad Taste standen damals bei jedem Jugendlichen, der auch nur entferntes Interesse an derartigem hatte, ganz oben auf der Watch-List (und waren überall im Freundeskreis erhältlich…).
Warum das heute nicht mehr so stark verfolgt wird, ist relativ einfach zu erklären:
Die Standards, vor was die Jugend „geschützt“ werden müsse, haben sich immer weiter der Realität angepasst. Die ersten von der BPJS indizierten (also tatsächlich verbotenen!) Schriften waren übrigens in den 1950ern Comics, weil sie „nervenaufreibend“ seien und „die Kinder in eine Welt voller phantasie und Lügen“ reißen würden (oh wie böse!). Später wurde dann alles verboten, was Blut gezeigt hat. Mit Grauen erinnere ich mich an die deutsche Version von Half Life, in der das Blut der Soldaten schwarz gefärbt wurde („Das sind keine Menschen, das sind Roboter, das ist kein Blut, das ist Öl!“). Was zur Hölle hat das mit Jugendschutz zu tun? Heute sieht man das - zum Glück! - entspannter, daher wird weniger zensiert und vor allem weniger vollständig verboten. Und was hat die Zensur damals gebracht? Die Spiele waren in aller Munde. Als „Doom“ indiziert wurde, haben die Computermagazine sich darüber lustig gemacht und nur über ein fiktives Spiel namens „Bloom“ berichtet - jeder wusste aber, was gemeint war. Nichts hat der Doom-Reihe in Deutschland stärker geholfen, bekannt zu werden, als die Indizierung.
Dazu kommt, dass eine Indizierung im Zeitalter des Internets noch offensichtlicher unsinnig ist. Webseiten wie Schnittberichte.com machen eine Live-Berichterstattung über jede Indizierung oder Aufhebung der Indizierung, wodurch jede Indizierung noch mehr zu Werbung für das Produkt wird. Und die Bezugsquellen von Spielen und Filmen sind weitestgehend international und entziehen sich damit einer Regulierung, selbst bei nicht-digitalen Inhalten ist durch den europäischen Binnenmarkt kein Verkaufsverbot für verbotene/beschlagnahmte Medien mehr sinnvoll umsetzbar, weil natürlich nicht jedes Paket innerhalb der EU auf solche Medien kontrolliert werden kann.
Also ich bin froh, dass die Zeiten des „Jugendschutzes“ in dieser Form endgültig vorbei sind.