LdN 384 - Umverteilung: Geht die Schere wirklich auseinander?

Mir geht es nicht um das Geld, welches nachträglich in Anteile von Unternehmen investiert wird.
Ein Unternehmenswert kann nach der Gründung oder Übernahme ja auch durch verschiedene Gründe steigen. Wie viel Wert ein Unternehmen hat hängt dabei von der Art der Bewertung ab. Es gibt aber zB in der Tech-Branche genug Unternehmen die mit einem hohen Wert (Teils mehrere Mrd.) bewertet werden, aber noch nie auch nur einen Cent Gewinn gemacht haben. So schnell wie der Wert steigt, kann er aber auch wieder sinken wenn andere besser sind.

Oder nehmen wir viele familiengeführte Automobilzulieferer. Da gibt es einige die aktuell richtig kämpfen müssen die Transformation hin zur E-Mobilität zu meistern. Das ist auch kein Prozess von 2-3 Jahren sondern eher von einer Generation. Da tut es dem Unternehmen schon weh, wenn Geld rausgezogen werden muss, weil das Unternehmen ja weiterhin einen Wert hat.
Eine AG könnte ja jetzt einfach eine Zeit lang keine Dividenden zahlen.

Natürlich ist das alles nicht unlösbar und man könnte hier Bewertungen so machen, dass Unternehmen ausschließlich nach dem Ertrag bewertet werden und nicht nach Substanz oder fiktiven Werten wie Patenten etc.
das müsste man aber dann in der Realität auch sicher so regeln um zu verhindern, dass der Fortbestand am Ende an der Auslegung eines Sachbearbeiters liegt, mit welcher Art der Bewertung er das Vermögen bewertet.

Oder anderes Beispiel Inhaber von historischen Gebäuden. Diese haben oft einen hohen Wert, sind aber im Unterhalt eine teure Sache und eigentlich nur Liebhaberei.

Worauf ich hinaus will ist, dass der Wert und der Ertrag nicht immer miteinander korrelieren. Ich wäre daher dafür, statt einer Vermögenssteuer Erträge höher zu besteuern. Wer also Geld aus seinem erfolgreichen Unternehmen zieht zahlt höhere Steuern darauf, wer das Geld im Unternehmen belässt und investiert nicht. Bei Veräußerungen dann natürlich auch entsprechende Besteuerung auf den Veräußerungsgewinn.

Damit umgeht man nicht nur die Problematik der Härtefälle sondern spart auch erheblich beim Aufwand der Ermittlung und Bewertung, der bei der Besteuerung von Vermögen nötig wäre.

Nachtrag:
Ein bis zwei Prozent wären wohl tatsächlich weit weniger problematisch als z.B. die Pläne der Linkspartei.
Aber dann fügen ja Gegner an, dass die Bewertung von Vermögen und der Ertrag in keinem Verhältnis stehen würden.

Und genau deshalb sehe ich die Besteuerung auf realisierte und entnommene Gewinne als den praktikableren Weg mit zudem dem Vorteil, dass es lukrativer wäre Geld im Unternehmen zu halten und zu investieren, als Geld rauszuziehen. Denn auch übermäßige Entnahmen haben ja schon Unternehmen zu Fall gebracht.

Das ist in der Praxis von Klein- und kleineren mittelständischen Unternehmen oftmals nicht so. Ich begegne oft Unternehmen in diesem Bereich, deren Rentabilität ich eher als „kümmerlich“ empfinde. Die Eigenkapitalrendite ist oft nicht das Problem (weil die Eigenkapitaldecke sehr dünn ist). Das sind Unternehmen, ist aber dann letztlich einen niedrigen Kaufpreis erreichen. Steuerlich werden solche Betriebe leider oft ganz anders bewertet, sodass sie dann unter die Vermögenssteuer fallen würden. Denen täte dann eine 1-2%ige Vermögenssteuer ziemlich weh.

Das könnte man lösen, indem man die Bewertung von betrieblichem Vermögen an die Realitäten, also an die realisierbaren Kaufpreise anpassen würde (Bewertung nach Ertragswertmethode in Anlehnung an IDW S1).

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Die Schweiz hat eine Vermögenssteuer, die sehr gut funktioniert und jährlich 7 Milliarden Franken einspielt.
Dass die Schweiz damit für Unternehmen ein schwieriges Pflaster wäre, habe ich bisher nicht mitbekommen.
Auch scheint es nicht zu großer Vermögensarmut zu führen. In der Schweiz wurden letztes Jahr 90 Milliarden Franken vererbt.

Zum Vergleich, das BIP der Schweiz betrug letztes Jahr 780 Milliarden.

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Da Sie sich mit der Vermögenssteuer in der Schweiz wohl gut auskennen, wäre für mich interessant wie die das regeln mit Betrieben die mit passender Berechnungsmethode viel wert sind aber wenig Ertrag bringen.
Welche Methode wird da zur Ermittlung von Vermögen in Form von Unternehmensanteilen angewendet und welche Regelungen gibt es für Härtefälle?

Nein, ich kenne mich damit nicht aus. Die Zahlen habe ich aus dem Podcast „Servus, Grüezi und Hallo“, den ich an dieser Stelle besonders empfehle.
Ich nehme aber an, dass die Schweiz sich eher dem System annähert, das auch bei Unternehmensverkäufen zu Grunde liegt. Wir müssen uns auch vor Augen führen, dass es derzeit keine Vermögenssteuer gibt. Wie die Bewertung in Deutschland aussehen würde, ist also reine Spekulation.
Es war gerade die Bewertung, die ja vom Verfassungsgericht kassiert wurde.

Edit:
Anscheinend ist es eine Mischung aus Substanzwert und Ertragswert.
Für Unternehmensgründungen gibt es eine Sonderregelung, dass der Ertragswert in der Aufbauphase außen vor bleiben darf. Auch Finanzierungsrunden werden in dieser Zeit nicht berücksichtigt.

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Es wird ja immer Härteregeln geben. Auch bei dem Thema kann man nicht immer alles nur in Schwarz-Weiß sehen und deswegen von einer solche Besteuerung generell absehen.

Es ist ein wenig Glaskugel jetzt festzustellen, dass die unter die Vermögenssteuer fallen würden. Man könnte es auch so ausgestalten, dass sie es nicht tun.

Eine Möglichkeit wäre es auch, eine Art einer neuen Rechtsform einzuführen, bei der der Staat quasi stiller Teilhaber ist und die Steuer selbst nicht direkt gezahlt wird. (Eigentlich hatte ich das bei Erbschaftssteuer mal überlegt, aber das würde auch zu einer Vermögenssteuer passen.)

Dabei wäre der Staat dann stiller Unternehmenseigner (zu X%) und Ausschüttungen oder Verkaufserlöse würden zu X% an den Staat geben. Der Eigentümer hätte zusätzlich die Möglichkeit Anteile zurückzukaufen.

Für den Tante-Emma-Laden ist das sicher zu kompliziert, aber ein Unternehmen mit Millionenumsätzen könnte so mit einer Erbschaftssteuer versehen werden, ohne dass es ruiniert wird. Das wird ja immer als Argument gegen Erbschaftssteuer angesehen.

Und das lässt sich eben nicht sicherstellen. Wenn sie mehr schlechte Dinge tun als gute, können wir sie nicht abwählen.

Mal ein anderer interessanter Denkansatz.
Ich war kürzlich auf einer Veranstaltung der Wirtschaftsförderung Dortmund. Es ging primär um Recruiting und Mitarbeiterbindung.
Dort stellte Stefan Fiedler von der Handwerkskollektiv GmbH Castrop-Rauxel ein spannendes Element der Gehaltsstruktur vor.

Alle Mitarbeiter, von ausgelernten Gesellen bis zum Geschäftsführer, bekommen das gleiche Gehalt.

vielleicht auch ein Ansatz zur gerechteren Verteilung von Reichtum?

https://www.newdeals.de/termine-news/114-newdealslive-bericht

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Interessante Idee aber wäre die Abschaffung der Leistungsgesellschaft.

Das alleine ist kein Argument, deshalb abseits dessen gibt es weitere Argumente dagegen:

  • Abwanderung von besonders motivierten, leistungsfähigen oder finanziell bedürftigen Menschen zu anderen Firmen / in andere Länder.
  • Einbußen bei Kreativität und Innovationen durch reduzierte Anreize (Menschen sind unterschiedlich motiviert, aber sich z.B. finanziell absetzen zu können ist eine Motivationsfeder für manche Personen und Organisationen)
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Würde bedeuten das es in diesem konkreten Fall keinen Leistungsanreiz für diese Handwerker gäbe? Warum arbeiten sie dann da, wenn es woanders mehr Geld geben kann?
Leistungsgesellschaft wird mir zu sehr auf den rein monetären Faktor reduziert. Es ist ja nicht so, das in unserer Gesellschaft durchgängig leistungsgerecht bezahlt wird.
Wenn Geld der einzige Motivationsfaktor wäre, müssten wir den kompletten sozialen Bereich dicht machen, befürchte ich.
Ich kann mir auch andere Anreize vorstellen, um gute Arbeit zu machen und Leistung zu zeigen:

  • Menschen helfen (sozialer Bereich)
  • etwas kreatives und handfestes schaffen (Handwerk)
  • innovative Lösungen entwickeln (IT, Medizin, …)

Mal nur einige Beispiele.

Und auf genannter Veranstaltung war ein Fazit der Unternehmer, das für die junge Generation das Geld nicht die zentrale Triebfeder bei der Entscheidung für oder gegen einen Job ist.

Eise Statistik aus den USA, die mich wirklich überrascht hat. Die Einwanderergruppen aus eher ärmeren Ländern haben inzwischen ein höheres Durchschnittseinkommen als die „alteingesessene“ weiße Bevölkerung. Ich finde es gut, wenn die die kommen und wirklich hart arbeiten irgendwann auch mehr verdienen. Es muss natürlich immer eine auskömmliche Untergrenze geben (Bürgergeld, Wohngeld, Freie Bildung und die Gesetzlicher Krankenkasse)


)

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Es gibt ja wie ich geschrieben habe absolut unterschiedliche Menschen. Also da kein Widerspruch.

Dennoch ist Geld eben sehr wichtig - schließlich ist es ein Job und kein Hobby. Das gilt auch für jüngere Generationen:
Gehalt: Was der Generation Z noch wichtiger ist als Spaß im Job

Wenn es um mich persönlich geht, dann bin ich eher ein Fan von Gehaltsbändern statt konkret gleichen Gehältern. Gleichheit gibt es einfach nicht und halte ich persönlich in dem Kontext für ungerecht und kontraproduktiv - mindestens ist es aber eine vertane Chance zur Gestaltung.

Für gewisse Positionen gibt es von X bis Y Geld. Und dann schaut die Organisation ob sie wirtschaftlichen Beitrag als Faktor nimmt, Arbeitsqualitaet, Bedürftigkeit (hat Familie, Krankheit o.ä.). Auch Betriebszugehörigkeit ist eine Option - auch wenn ich sie persönlich für quatsch halte.

Das Geld ein wichtiger Aspekt im Job ist, auch für Leistungsbereitschaft, bestreite ich gar nicht. Selbst ich arbeite für Geld. :wink:

Ich bezweifle nur das Credo, das mehr Leistung automatisch zu mehr Geld führt, bzw wer mehr verdient auch automatisch mehr leistet.
So einfach ist unsere Leistungsgesellschaft nicht gestrickt. Selbst Angebot und Nachfrage regeln nicht alles gerecht.

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Gebe dir Recht. Je nach dem in welchem Unternehmen/System man arbeitet ist das nicht so. Auf jeden Fall auf der Micro-Ebene der einzelnen Person. Aber auch da gibt es im Markt gute Ansätze wie Unternehmen sich so aufstellen, dass gute Leistung zu Karriere Möglichkeiten im Unternehmen führt. Häufig werden da die falschen Anreize gesetzt und das in beide Richtungen - dass schlechte Leistung sich auch nicht lohnt. Insb. Beamententum in nicht notwendigen Bereichen ist da ein Paradebeispiel für einen Fehlanreiz. Für die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt halte ich das Arbeitsrecht und Kündigungsrecht für völlig überzogen. Zum Teil “verstopfen” Low-Performer Stellen, sodass Unternehmen weniger Möglichkeiten haben, Leistung auch belohnen zu können.

Daher ist es ja so wichtig, dass wir zumindest auf der Macro-Ebene ermöglichen, dass man aufsteigen kann. Dazu brauchen wir eine massive Bildungsoffensive, das ist die Grundvoraussetzung und da müssen wir besser werden. Darüber hinaus ist es aber auch wichtig bzgl. Steuern und Sozialleistungen ein System zu schaffen, in dem die Anreize auch so liegen, dass Leistung sich lohnt. Es ist wissenschaftlich ja hinlänglich gezeigt, dass “Fairness Concerns” demotivierend wirken. Da schaut der Paketbote natürlich was andere ohne Arbeit bekommen.

Ein schlechtes System zu bauen und zu appellieren, dass nicht zu arbeiten ja “weniger gut für die Integration ist” und Arbeit “gesellschaftliche Teilhabe bedeutet”, reicht da eben nicht. Da wäre ich persönlich auf CDU-Linie.

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Existenzminimum ist Existenzminimum.
Lohnabstand kann geschaffen werden, indem man Geringverdiener mehr verdienen lässt.
Es ist mir z.B. unbegreiflich, warum Unternehmen subventioniert werden, indem man die Einkünfte von Geringverdienern mit Bürgergeld aufstockt.
Der Mindestlohn muss höher sein.

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Die CDU Linie ist aber populistisch und falsch. Wir reden hier von höchstrichterlich längst festgelegten Existenzminimum. Außerdem ist die große Sauerei die Subventionen für Unternehmen durch das Aufstocken der Löhne durch den Staat. Stattdessen müsste man die Betriebe zwingen endlich anständig zu zahlen. Die Unternehmen sind nämlich der größte Sozialhilfeempfänger in Deutschland, gewiss nicht die Bürgergeldbezieher.

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Gerade während der Pandemie und der Energiekrise sind die Reallöhne so stark gesunken wie in den letzten 15 Jahren nicht mehr. Der Glaube, dass mit geringer Arbeitslosigkeit die Inflation steige, weil die Löhne steigen, nennt sich Philips-Kurve und ist widerlegt.

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Klar, kann man machen. Bringt nur nichts:

Interessant ist auch das: https://www.bundestag.de/resource/blob/817914/1597c41f2dbc8e805b6fffee1743b032/WD-5-137-20-pdf-data.pdf

3.2. Mindestlohnkommission

In ihrem 2018 erschienenen zweiten Bericht an die Bundesregierung merkt die Mindestlohnkom- mission zu den Auswirkungen des gesetzlichen Mindestlohns Folgendes an:

„Eine weitere mögliche Reaktion von Unternehmen auf die Einführung oder Erhöhung des Mindestlohns kann in der Anpassung von Preisen für Waren und Dienstleistungen beste- hen. Unternehmensbefragungen verdeutlichen, dass sowohl im Jahr 2015 als auch im Jahr 2016 Preiserhöhungen infolge des Mindestlohns vorgenommen wurden. Branchen, die vom Mindestlohn besonders betroffen waren, weisen teilweise überdurchschnittliche Preissteigerungen auf. Zudem ermitteln erste Kausalanalysen auf der betrieblichen Ebene einen mindestlohnbedingten Anstieg der Produzentenpreise.“