Zu aller erst hat es mich sehr gefreut, dass ihr das Thema Naturschutz und Biodiversitätsverlust, aufgrund des aktuellen Anlasses (Faktencheck Artenvielfalt) aufgegriffen habt und natürlich auch euch mal live und in Farbe zu sehen (Leipzig)! 
Ich habe schon früher versucht das Thema an der ein oder anderen Stelle hier im Forum etwas zu pushen versucht:
Daher fand ich es schade, dass ihr Anlässe, die es in diesem Jahr einige gab, leider ausgelassen habt um das Thema näher zu beleuchten. Als Beispiele fallen mir hier ein: Internationaler Tag der Artenvielfalt am 22. Mai, Hochwasser in Süddeutschland (Stichwort Auenrenaturierung), überraschende Verabschiedung des Nature Restauration Law im EU-Parlament inkl. Regierungskrise in Österreich, edit: Stellungnahme des Sachverständigenrats vom April 2024: „Renaturierung: Biodiversität stärken, Flächen zukunftsfähig bewirtschaften“, Link siehe unten). Daher hat es mich nun, wie gesagt, umso mehr gefreut, dass ihr das Thema endlich, und noch dazu bei einer Lage live, ins Programm genommen habt. Ich hoffe darauf, dass das Thema in Zukunft mehr Platz bekommen wird.
Auf mich wirkte das Biene Maja-Lied am Ende jedoch auch etwas deplatziert und der Wichtigkeit des Thema, die es verdient hat und der fehlenden Medienpräsenz, nicht angemessen. Es geht nicht einfach darum, dass hier mal eine Bienenart ausstirbt und dort ein „Käferchen“. Wenn Arten aussterben, kann das Folgen nach sich ziehen, die man vorher nicht absehen kann. Das liegt oft schlicht und ergreifend daran, dass der Kenntnisstand unzureichend ist. Es gibt Beispiele für ‚Kaskaden‘ nach dem Aussterben einer einzelnen Art, die am Ende zum Umkippen von Ökosystemen geführt haben.
Warum sind Ökosysteme so wichtig, allgemein und im Besonderen für den Menschen? Ökosysteme erfüllen wichtige Funktionen (Stichwort: Ökosystemdienstleistungen, ecosystem services) die für den Menschen Existenzvoraussetzungen darstellen, z. B. Bodenfruchtbarkeit, Produktion von Lebens- und Arzneimitteln und Kleidung, Klimaregulierung, Schutz vor Überflutungen, Bestäubung, Sauerstoffproduktion …)
Biodiversität ist entscheidend dafür, dass Ökosysteme diese Dienstleistungen überhaupt bereitstellen können. Um es auf einen Aspekt runterzubrechen, und mit den Worten einer Wissenschaftlerin zu sagen (Name entfallen, Quelle: Forschung aktuell des Dlf irgendwann in den letzten sechs Monaten): „Wir brauchen eine biodiverse Landschaft um Nahrungsmittel zu produzieren, also um was auf dem Teller zu haben.“
Die Annäherung ans Thema über die Ökosystemdienstleistungen ist, wie ich finde, gut geeignet um das Thema (für ein größeres Publikum) greifbarer zu machen. Diese Dienstleistungen werden regelmäßig auch mit Geldwerten belegt um entsprechende Aussagen über negative wirtschaftliche Auswirkungen von Biodiversitätsverlust zu treffen, was jedoch nicht unumstritten ist.
In eurer Betrachtung des Begriffs der Biodiversität habt ihr euch hauptsächlich auf die genetische Vielfalt beschränkt, dies ist jedoch nur eine Ebene. Mit Biodiversität ist auch die Vielfart von Arten, die Vielfalt von Ökosystemen und je nach Betrachtung auch noch andere Aspekte von Ökosystemen gemeint (Vielfalt der Funktionen z. B.).
Als Lesetipps (zusätzlich zu den Links in meinen früheren Beiträgen) z. B. hier eine Seite der European Environmental Agency → https://www.eea.europa.eu/de/themes/biodiversity/intro
Stellungnahme des SRU April 2024 → Sachverständigenrat für Umweltfragen - Publikationen - Renaturierung: Biodiversität stärken, Flächen zukunftsfähig bewirtschaften
Viele Grüße