Ich bin kein großer Freund von Verboten, bin aber ein Freund von Anreizsystemen. Wenn jemand keine Pausen machen will und entsprechend in der selben Zeit mehr Arbeit schafft, dann wird diese Person eben höher entlohnt.
Ich würde wo immer rechtlich möglich Personen immer auf Basis der Arbeitsleistung entlohnen, nicht auf Basis der Arbeitszeit. Dies setzt dann den Anreiz, während seiner Arbeitszeit die maximale Arbeitsleistung zu erbringen.
Ich sehe die Zeit auf Arbeit, die für Schnelltests, Raucherpausen oder ähnliches aufgewendet wird auch nicht als Arbeitszeit. Arbeitszeit ist Zeit, die dem Unternehmen einen Mehrwert bringt. Dies würde ich natürlich relativ weit interpretieren - ein/e RezeptionistIn bringt beispielsweise immer den Mehrwert theoretisch Gäste zu empfangen - auch wenn in der Sekunde kein Gast da ist.
Der Staat versucht hier, bei zurückgehender Nachfrage das Angebot beizubehalten. Damit werden aber auch Unternehmen gerettet, die eigentlich schon vor der Coronakrise kein langfristig funktionierendes Geschäftsmodell haben. Ein guter Indikator hierfür ist, ob ein Unternehmen auf dem freien Markt Kredite bekommen würde. Wenn Geschäftsbanken (oder Privatanleger) nicht an das Geschäftsmodell glauben, dann bekommen diese Unternehmen eben keine oder nur sehr teure Kredite.
Der Markt würde einem Unternehmen wie KarstadtKaufhof keinen Kredit geben. Große Läden in teuren Innenstädten und das auch noch ohne Besitz an der Immobilie? Wird langfristig nicht gegen Amazon & Co konkurrieren können. Deshalb ist GaleriaKarstadtKaufhof jetzt bereits in seinem zweiten Insolvenzverfahren.
Die Lufthansa würde aber eben auf dem Markt auch keinen Kredit bekommen, weil eben nicht davon ausgegangen werden kann, dass die Lufthansa wieder ihr Vorkrisenniveau erreichen kann und sich gegen die diversen Airlinekonkurrenten wird durchsetzen können. Ein geordnetes Insolvenzverfahren hätte auch hier eine Schrumpfung auf ein gesundes Niveau erreichen können.
Der Staat ist ein schlechter Unternehmer (siehe oben). Ich gebe Ihnen Recht, dass der Staat aber immer wieder versucht in den Märkten mitzumischen und entsprechend der Markt nicht staatsfrei ist. Der Staat zieht einige Aufgaben an sich, denen er eindeutig nicht gewachsen ist und die er besser in professionellere Hände gelegt hätte.
Den „Status Quo von dem wir profitieren“ müssen Sie mir näher ausführen. Im globalen Vergleich der Länder fällt Deutschland doch in quasi jeder Kategorie zurück.
Das Unternehmen strebt nach der größtmöglichen Menge an Gewinn. Und all diese Rechte sind doch Rechte, die eine langfristig gesunde Schar aus Personen die im Unternehmen arbeiten oder die Unternehmensprodukte kaufen können vermuten lassen.
Wenn mein Atomkraftwerk die Umgebung verstrahlt kann ja niemand mehr meinen Strom kaufen.
Ich sehe also durchaus eine Deckung von inhärenten langfristig denkenden Unternehmenszielen sowie gesellschaftlichem Idealzustand.
Der große Unterschied wäre die Geschwindigkeit gewesen. Man hätte die Patente der Wirkstoffe handeln können, Dosen zwischen Ländern frei verkaufen können usw. Zudem scheint es ja so, als ob die Impfung auch ein weitergeben weitgehend verhindert. Die Jungen zuerst zu impfen wäre also nicht zwingend schlechter.
Wenn der Einkauf der Dosen nicht über die Staaten gelaufen wäre, dann wäre die Impfproduktion nicht durch die Marktmechanismen ausgebremst worden. Die EU hat sich das Monopol genommen, Impfstoffe einzukaufen. Entsprechend kann dem Impfhersteller nach einem Deal egal sein, wann der Hersteller liefert. Das einzige Problem liegt nun darin, dass die EU mit anderen Einkäufern konkurriert hat. Solche anderen Einkäufer bieten nun mehr (mehr Geld, mehr Informationen, mehr Prouktionskapazitäten…) und der Hersteller liefert natürlich zuerst an diese Premiumkunden.
Währenddessen hält die EU nur den Vertrag in der Hand. Das Problem entsteht nun, wenn ein neuer Kunde so viel Geld bietet, dass die Vertragsstrafen durch Nichterfüllung gegenüber der EU lächerlich erscheinen. Hinter Gittern wird schon keiner kommen, wenn man die EU nur weiter in der Prioritätsliste nach hinten schiebt.
Die EU-Politik war in dieser ganzen Geschichte ein schlechter Einkäufer, der versucht hat mit Druck und Verträgen gegen Marktmechanismen anzukommen und ist grandios gescheitert.
Oben schrieb @BrewSwillis dass er Schutzgesetze nicht für einen guten Standort aufgeben würde. Ich hätte gerne meinen Datenschutz hergegeben, damit der Einkäufer ein weiteres Goodie als Angebot an den Impfhersteller gehabt hätte. Mein Steuergeld und meine Daten gegen eine Impfung heute ist besser als nur mein Steuergeld gegen eine Impfung morgen.
Em Ende ist es alles eine Güterabwegung.
Berlin hat beispielsweise eine Aufklärungsquote von 44% bei Straftaten, Tendenz fallend. Von einem verlässlichen Rechtssystem zu sprechen halte ich dort auch für mittelfristig nicht mehr haltbar.
Ich würde dies als Staatsfunktionen verstehen. Also als Zielvorgaben des Staates eine wachsende Wirtschaft zu haben. Dies bedeutet auch, dass einmal erteilte Betriebserlaubnisse nicht wieder zurückgezogen werden dürfen, ohne entsprechende Entschädigungszahlungen.
Das sehe ich anders. Die Aufgabe des deutschen Staates ist es, seine Bevölkerung im Pandemiefall schnellstmöglich zu impfen. Jede Impfung, die nicht in Deutschland verabreicht wird, bedeutet dass der deutsche Staat nicht das bestmögliche für seine Bevölkerung getan hat - diese Impfung ist dann nämlich weg.
Das kann man bis zu einer gewissen Größenordnung natürlich tolerieren - aus außenpolitischen Gründen beispielsweise. Aber zu wenig, zu billig, zu spät, mit brechbaren Verträgen zu bestellen, nicht das maximale für das Hochfahren der Impfproduktion und maximal schnelle Verteilung des Impfstoffes im Lande - das sind so viele Fehler, dass man sich fragen muss ob dieselbe Struktur bei der nächsten Krise wieder am Ruder stehen sollte.