Kritik an Unternehmen

Vielen vielen Dank den Hosts der Lage, dass ihr euch trotz der auch für euch nicht nachvollziehbaren Entscheidungen der deutschen Politik mit diesen befasst.
In den vergangenen Lagen kam häufiger als Aufforderung zu Sprache, dass Betriebe mehr Tests anbieten sollten.
Aus Arbeitgebersicht möchte ich hierzu Stellung beziehen und eine grobe Einschätzung geben, die insbesondere auch langfristige Konsequenzen aufzeigt.
Ein Team für die Durchführung von „tägliche Schnelltests am Werktor“ wenige tausend Euros je Tag.
Diese Teams können zwar jede/n MitarbeiterIn durchtesten und verteilt auf alle Mitarbeitenden sind die Testkosten auch aus Arbeitgebersicht tragbar - aber die Zeit ist dennoch weg.
Wenn wir annehmen, dass jeder Selbsttest 15 Minuten zwischen Abnahme und Ergebnis benötigt, so verliert jede/r MitarbeiterIn während des Prozederes ca. 15-30 Minuten, je nachdem wie weit die Teststelle vom eigentlichen Arbeitsort entfernt ist.

Ausgehend von den 15 Minuten zwischen Abstrich und Arbeitsbeginn werden Vollzeitmitarbeiter entsprechend 4% ihrer Arbeitszeit je Monat für das Warten auf Schnelltests bis zum Arbeitsbeginn bezahlt.
Ausgehend von den 30 Minuten werden Vollzeitmitarbeiter entsprechend 7,6% bezahlter Arbeitszeit je Monat für das Warten auf Schnelltests bis zum Arbeitsbeginn bezahlt.

Bei Teilzeit sieht es sogar noch extremer aus. Die Testzeit verkürzt sich nicht, also sieht das Verhältnis noch übler aus, wenn die Teilzeit sich dennoch auf eine 5-Tage Woche bezieht.
Ausgehend von den 15 Minuten werden Teilzeitmitarbeiter entsprechend 8,1% bezahlter Arbeitszeit je Monat für das Warten auf Schnelltests bis zum Arbeitsbeginn bezahlt.
Bei realistischeren 20 Minuten zwischen Abstrich und Arbeitsbeginn wären es etwa 9,2%.

Die Rechnung gehen von in Deutschland üblichen 1650 Jahresarbeitsstunden bei Vollzeit und 770 Jahresarbeitsstunden bei Teilzeit bei 250 Arbeitstagen aus.
https://www.deutschlandinzahlen.de/tab/deutschland/arbeitsmarkt/arbeitszeit/jahresarbeitszeit

Nicht berechnet sind natürlich die täglichen wirklich-positiven Tests, die entsprechenden Ausfall bedeuten sowie die falsch-positiven Tests (aufgrund von schlechter Testqualität oder falscher Lagerung/ falscher Anwendung usw).

Die folgende These stelle ich hiermit auf und befolge sie selbst:
Jede/r ArbeitgeberIn, der/die diese nur in Deutschland (teilweise in der EU analog geltenden) 4%-9% Produktivitätseinbruch nicht hinnehmen kann oder will, verlagert seine Mitarbeiter, seine Arbeit, sein Geschäft oder seine Aufträge in Regionen oder Staaten in denen diese Produktivitätseinbrüche nicht so hoch sind - denn Manager sind hochrational agierende Personen.

TL_DR:
Lage sagt Betriebe sollten Mitarbeiter testen.
Lib sagt Betriebe wollen sich das nicht leisten und würden lieber geimpfte Mitarbeiter beschäftigen.

… ja, hochrational, aber so, wie Du das beschreibst, eben auch komplett illoyal gegenüber der Gesellschaft, von der sie ihre Arbeitnehmer, Infrastruktur, Sicherheit, etc bekommen. Und: Diese Kosten solcher Test sind, gemessen an den bisherigen und noch kommenden wirtschaftlichen Schäden ein Witz! Und: Viele Arbeitgeber könnten diese Kosten vermeiden, in dem sie endlich die Homeofficequote erhöhen.

Man könnte darüber nachdenken, ob sich Mitarbeiter nicht lieber selbst zuhause testen, bevor sie - ggf mit ÖPNV - in die Arbeit fahren. Das ließe sich schlecht kontrollieren, aber wenn das 80% aller Mitarbeiter freiwillig zum Schutz der Kollegen machten, wäre schon viel gewonnen.

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Das scheint mir, ehrlich gesagt, für viele Produkte entweder zu einfach gedacht oder eine leere Drohung. So einfach und schnell ist Arbeit ja auch nicht zu verlagern ohne diverse Komplikationen und Nachteile (ramp-up, Risiken für Qualität und Liefersicherheit, etc.). Und das, wo überhaupt nicht absehbar ist, wie sich die Situation in diesem anderen Land entwickelt.

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Nach dem Argument würden Firmen auch auf die Feuerlöscher verzichten. Oder den ergonomischen Arbeitsplatz. Oder oder.

Das ist völlig irrelevant was Betrieber lieber tun würden. Das ist hier kein Wunschkonzert, für niemanden.

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Arbeitgeber haben ein hohes Interesse an Arbeitnehmern die nicht in Brand stehen. Die erfolgreichsten (innovativsten bzw. finanziell erfolgreichsten) Unternehmen wie Google, apple usw. bieten ihren Mitarbeitern eine Fülle von Annehmlichkeiten die weit über das gesetzlich vorgeschriebene hinausgehen. Die Zufriedenheit von Arbeitnehmern mit ihrem Arbeitsplatz zahlt sich also aus.

Und genau das kritisiere ich ja. Jeder Unternehmer hätte freudestrahlend tausende Euros für jede Impfdosis für seine Belegschaft gezahlt - weil es sich eben zigfach zurückzahlt. Diese Möglichkeit wurde den Unternehmern nicht gegeben. Die Impfdosen sind an die meistbietenden Regierungen gegangen, und jetzt ziehen eben Arbeit oder Aufträge (wo möglich) in diese Regionen. Das hat für mich auch nichts mit Illoyalität zu tuen. Beispiel: Wenn Deutschland es nicht hinbekommt seine Sportbegeisterten zu impfen, dann findet die Fußball-Europameisterschaft eben in Großbritannien statt. Das ist für die deutschen Menschen ohne Zweifel sicherer, für die deutschen Stadionsprecher aber weiterhin problematisch - und die Briten haben den Umsatz der in Deutschland eben nicht gemacht wird.

"Das ist hier kein Wunschkonzert - " schade eigentlich. Für das Wunschkonzert hätte ich gern Eintritt gezahlt. Leider wurde die Produktion und Verteilung der Impfstoffe eben nicht der Wirtschaft überlassen - dabei kennen die sich mit genau so was aus.

Für viele Unternehmen stellt sich Deutschland als immer schlechterer Standort da. Deswegen werden ja auch seit 2019 mehr Autos deutscher Fabrikate außerhalb Deutschlands gebaut als innerhalb. Selbst VW (das ja teilweise dem Land Niedersachsen gehört), baut mehr Autos außerhalb Deutschlands - und zwar trotz

.
Die Loyalität gegenüber der deutschen Gesellschaft ist also auch bei einem Unternehmen, bei dem der deutsche Steuerzahler im Vorstand sitzt, nicht gegeben.
Loyalität einzufordern wird bei Unternehmen nicht funktionieren. Deutschland muss ein attraktiver Standort werden.
Deutschland ist kein Wunschkonzert, aber wenn mir die deutsche Stadlmusik nicht gefällt geh ich halt zum SeaShantyChor.

Hi Lib,

Ich glaube, dass du solch ein Rechenbeispiel nur durchziehen kannst, da die Konsequenzen und Vorgaben für Arbeitgeber so unglaublich lasch sind. Gäbe es konsequente Quarantäne für Arbeitnehmer bei einem positiven Test, nicht nur für den positiv getesteten, sondern für alle MA mit Kontakt, dann sähe die Lage deutlich anders aus. Dann wäre nämlich das Risiko real, dass ganze Schichten ausfallen. Das sehe ich nur bei Betrieben, so es medial aufkommt. Bei allen Coronafällen, die ich persönlich mitbekommen habe, war es nämlich so, dass nur die Betroffene Peron nach Hause musste.

Aber die Unternehmen werden in dieser Krise (imho) mit Samthandschuhen angefasst.

In dieser Zusammenfassung der Auflagen sieht man, dass Arbeitsgeber alles frei Schnauze machen können. Rechtlich gibt es ausreichend Schlupflöcher. Die MPK diskutiert gerade über Ausgangssperren
und ich sehe keine Einschränkungen für Arbeitgeber. Alles in Eigenverantwortung. „Der Markt regelt das schon“…
Sogar aus der Maskenpflich gibt das Schlupfloch „oder andere o.g. Vorgaben“ - so kann ein offenes Fenster bereits als Maßnahme eingestuft werden und es gibt keine weiteren Verpflichtungen.

In dieser Unverhältnismäßigkeit und Disbalance liegt auch meiner Meinung nach ein großer Teil der Unzufriedenheit in der Bevölkerung.
Warum darf die Kassiererin im Supermarkt die Maske weglassen, während ich die Maske aufsetzen muss. Das Virus interessiert doch nicht, wer arbeitet.
Ich habe gehört, dass bei der Nutzung von FFP2 Masken mehr Pausen gemacht werden müssen. Dann ist das so! Restaurants, Bar, etc. dürfen gar nicht öffnen und in Büros und anderen Arbeitsstätten gibt es ein großes „Wünsch dir was“.
Wir brauchen hier generelle und verpflichtende Maßnahmen.
Denn sonst kommen Manager hier an, die interne Berechnungen und P&Ls erstellen und die Gesundheit der MA und der restlichen Bevölkerung irgnorieren. Wir sind in einer Pandemie. Die kann nur gemeinsam gewonnen werden. Das Virus macht nicht halt, nur weil man gerade arbeitet.

Quelle: Coronapflichten und -vorgaben am Arbeitsplatz gegen Welle 4 und 5 | Recht | Haufe

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Volle Zustimmung, dass Unternehmer mit Samthandschuhen angefasst werden. Noch mehr Gängelung durch den Staat würde das schon jetzt hohe Gefühl, dem Staat ausgeliefert zu sein, nur noch weiter erhöhen.

möchte ich entgegnen: Deutschland ist nach Schätzungen bis ca. Oktober in einer Pandemie. Israel bis nächste Woche, UK oder USA bis Juli.
Der (Welt)Markt regelt also sehr wohl - Länder die mehr für Pandemiebekämpfende Maßnahmen ausgibt, die sind auch schneller wieder aus der Pandemie.
Die Konjunkturdaten der einzelnen Länder im Vergleich werden zeigen, dass das teure und frühe Einkaufen durch Regierungen die uns im Impftempo voraus sind sich auszahlt.

Und weil Sie die WünschDirwas Mentalität ansprechen, keine Sorge:
Alle deutschen Mitarbeiter habe ich entlassen, in KuG oder ausgeflogen und geimpft.
Ansonsten habe ich alle Aufträge (soweit möglich) international ausgelagert.
Somit ist eine Ansteckung bei meinen Mitarbeitern nahezu ausgeschlossen. Dafür zahlt der deutsche Steuerzahler nun deren KuG, AlG usw.
Damit gilt folgender Satz für mich nicht:

Denn bei mir kann sich niemand während der Arbeit in Deutschland anstecken, wenn die Arbeit nicht mehr in Deutschland erledigt wird. Wenn alle diese Logik befolgen würden, wäre das aber ganz schlecht für Deutschland.

Das Loyalitätsgame funktioniert übrigens auch andersherum:
Nach Jahren von viel Steuergeld, das mein Unternehmen an den Staat Monat für Monat überweist, kriegen wir noch nichtmal genügend Impfdosen, Schnelltests usw.
Man hätte so viel machen können: zB. Die tägliche Arbeitszeit um 15 Minuten verlängern, und diese 15 Minuten werden vom Staat bezahlt. Die Arbeitszeitregelung so flexibilisieren dass ein Kontakt zwischen den Schichten ausgeschlossen werden kann. Oder oder oder…

Was mich so stört ist diese Haltung, dass Achselzuckend hingenommen wird, dass Unternehmen in Deutschland noch unproduktiver werden, insbesondere im internationalen Vergleich.
„Das müssen die Unternehmen aushalten“ - werden viele aber nicht können oder wollen.

Das Geschrei wird noch groß werden, wenn die ersten Manager öffentlich sagen:
Ich produziere doch nicht in Deutschland, wo die Leute wegen ihrer FFP2 Maske alle 20 Minuten 5 Minuten Pause machen und jeden morgen erstmal am Werktor herumlungern müssen um einen Test zu machen oder den zuhause gemachten verifizieren zu lassen.

Hier ein radikaler Lösungsvorschlag der Situation:
Deutschland überweist 1.900.000.000.000$ an die USA und bekommt dafür im April 100.000.000 Dosen, genug also um Deutschland durchzuimpfen.
Wir zahlen den Amerikanern also ihr Stimulus Package und bekommen dafür Dosen bis zum abwinken. Bei dem Preis werden die Amis den Deal eingehen.
Dann muss natürlich das Zeug auch noch in die Arme der Leuten - aber auch das geht, wenn man will und entsprechend radikal handelt, indem man alle nichtessentiellen Geschäfte zu Impfzentren macht.
Zu teuer ist das nicht, man hätte das Geld nur schon früher ausgeben sollen.
Um am 1. Mai Herdenimmunität in Deutschland zu erreichen ist ein Preis von 19.000$ je Dosis nicht zu hoch, das Geld holt man in dem halben Jahr das Deutschland schneller aus der Pandemie kommen würde locker wieder rein.

Die Gesetze zur Arbeitssicherheit u.ä. gibt es gerade weil viele Unternehmen sich ansonsten den Feuerlöscher sparen würden. Kostet ja Geld. Das Interesse allein ist nicht ausschlaggebend, denn ich unterstelle mal, dass Sie auch Interesse an gesunden und arbeitsfähigen Angestellten haben. Testen wollen Sie deshalb trotzdem nicht.

Jaja, die Zufriedenheit, extrem wichtig. Die Firma ist ja auch zweite Heimat, die Kollegen wie Familie. Bei Ihnen ist es mit der Zufriedenheitsförderung (und nicht nur mit der) aber offensichtlich spätestens dann vorbei, wenn 4-9% zu wenig gearbeitet würde.

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In den letzten dreißig Jahren lag das BIP-Wachstum nie über 4,2%.
Das zeugt davon, dass nicht besonders viele Unternehmen mit einem Einbruch von 4-9% klarkommen würden.

Ein Unternehmen, das statt 5% Gewinn (was in der Tat schon sehr stattlich ist) nun null oder sogar negatives Wachstum hat, ist kurzfristig für Arbeitnehmer unattraktiv, mittelfristig Investitionsunfähig und langfristig ein insolvenzfall.
Gewinn ist für ein kapitalistisches Unternehmen überlebenswichtig. Nichtkapitalisitische Unternehmen erfahren weniger Innovationsdruck, da diese ihr Eigentum nicht verteidigen müssen.

Klar - geht auch anders: Zwangsarbeit.
Was keine Option ist, ist das keine/r arbeitet.

Die aktuelle Version des globalen Kapitalismus ist das beste System und hat in den vergangenen 40 Jahren alleine hunderte Millionen von Menschen aus der Armut gehoben.

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Besten Dank für deine Antwort, auch wenn ich nicht ganz einschätzen kann, wann du hier übertreibst und wann nicht.
Ich versuche mal auf die Grundgedanken einzugehen.

Absolut und unbestritten. Mehr Geld kauf mehr Impfdosen. Aber ich finde es auch erwähnenswert, dass die Länder, die am besten durch die Krise gekommen sind, gar nicht auf Impfungen gesetzt haben. Ja es gibt andere politische Verhältnisse, aber die Maßnahmen zeigen trotzdem, dass es Wege ohne Impfung gibt. Japa, Taiwan, China, Australien, Neuseeland, Vietnam, etc. Dort ist Maske tragen z.B. keine große Diskussion. Natürlich gibt es weit mehr Maßnahmen, wo ich auch sagen muss, dass einige zu recht umstritten sind. Aber es zeigt, dass die impfung allein nicht der heilige Gral ist. Und es muss nur eine Mutante kommen, die aus der Impfung heraus fällt und das ganze Spiel geht von vorne los.

Auch richtig. Der Deutsche Staat hat sich nicht wirlich als flexibel dargestellt. Arbeitgeber aber auch nicht. Wenn ich mir ausmalen würde, dass mein Chef meine Arbeit minutiös nachhalten würde, wäre meine Bereitschaft mal was extra zu machen oder den Test halt hinzunhemen und normal weiterzuarbeiten gleich null. Und ich wäre auch schnell weg. Aber egal. Du scheinst aus einem Bereich zu kommen, wo es um Präsenzarbeit geht. Ich bin nur in Büros unterweg. Hier wäre es wichtig mehr Home Office durchzusetzen. Man verliert kein Geld, wenn MA von daheim arbeiten. Vom Staat hätte es hier mehr Förderungen geben sollen, um Arbeitsplätze auszustatten.

Home office, Maske tragen (lasst doch wenigsten mit einfachen Masken anfangen) & Luftreiniger machen uns nicht unproduktiver, aber die Lage schon sicherer. Und dass ein kleiner Luftreiniger in einer großen Fabrik nicht bringt, ist mir auch klar. Aber deswegen sollten wir es doch nicht in Büros sein lassen. Wenn man das national denkt bringen kleine Verbesserungen schon einen deutlichen Effekt.

Dies ist bei FFP2 Masken. Leichtere Masken wären doch schon mal ein Anfang und bringt keine Zwangspausen mit sich. Ärzte und Krankenschwestern schaffen das ja auch.
Und die Tests müssen doch erstmal gar nicht täglich sein. Einmal pro Woche wäre doch erstmal ein Anfang.

Es geht ja auch darum, dass wir mit mehr Einschränkungen im beruflichen, auch wieder mehr Lockerungen im privaten hinbekommen könnten.

Ganz abgesehen davon, dass weniger Arbeitszeit nicht zwingend = weniger Produktivität ist… Mir ist sehr wohl bewusst, dass Sie als Unternehmer nicht aus Ihrer Haut können. Ich mache Ihnen keinen Vorwurf insoweit, dass auch Sie darauf achten müssen, dass der Laden läuft.

Ihr ganzer Beitrag lässt sich dennoch als „wirksame Maßnahmen zum Gesundheitsschutz meiner Belegschaft sind zu mir teuer“ zusammenfassen. Das mag ökonomisch zwingend sein. Eine derart eiskalte Ratio kann man aber auch mal ruhig so benennen.

Ich lass das mal so stehen. Die Aussage spricht wunderbar für sich.

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Du scheinst der Meinung zu sein, dass Arbeitszeit eine direkte und lineare Korrelation zu dem Unternehmensgewinn hat. Ich würde behaupten, dass 15 Minuten Testen kompensiert werden kann. Zigarettenpausen und gespräche zwischen Mitarbeitern sind ja auch erlaubt und haben Deutschland nicht in den Ruin getrieben.

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Solche Dinge zu lesen ist einfach nur ekelhaft. Alles an Kultur ist komplett geschlossen (de facto übrigens ein Milliardenmarkt). Konzerte: tot. Schulen/Museen: tot. Shopping: tot. Reisen: tot. Restaurants: tot. Bars: tot. Eventbranche: tot. Schwimmbäder: tot. Sport: tot. Das alles oben findet nicht statt. Krankenhäuser machen Verluste, weil sie aufstocken sollen. Pflegekräfte wandern stärker ab, als je zuvor. Alles ist für die Katz.

Gleichzeitig:

BMW: setzt über 30000 Mitarbeiter in Kurzarbeit, zahlt aber fast 1 Milliarde Dividende aus dem Vorjahr aus.

Daimler: setzt auf Kurzarbeit, macht Rekordgewinn.

Lufthansa: wird von Staat für einen überhöhten Preis gerettet, es gibt nicht einmal einen staatlichen Vorstand. 35000 Menschen werden entlassen.

Einschränkungen bei allem, was privat ist. Und dann muss man hier ernsthaft von 4% Produktivitätsverlust lesen? Selbst bei guten Verhältnissen müssen Mitarbeiter massenweise auf zweistellige Prozentsätze ihrer Einkommen verzichten und ein Arbeitgeber möchte das nicht mittragen?

Und dann brüstet man sich hier noch damit, dass man Aufträge und Jobs ins Ausland verlegt? Ich persönlich finde es unerträglich, dass sowas überhaupt eine Option ist.

Manche Menschen verlieren ihr Lebenswerk und Sie finden Tests unangemessen? Pfui!

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Diesen Luxus kann sich Deutschland nicht leisten. In Deutschland lebt eine Bevölkerung die keine Historie mit Maskendisziplin hat. Die Bevölkerung Deutschlands würde ich eher mit der Bevölkerung Großbritanniens vergleichen als irgendeiner ihrer genannten Inselstaaten oder durch SARS1 gebeutelten Beispiele. Entsprechend ist ein pragmatisches staatliches Durchgreifen Deutschlands einzige Hoffnung. in der Bürokratie - pardon, Demokratie - Deutschlands ist Schnelligkeit jedoch nicht machbar.

Diese Panikmache ist unbegründet. Die Mechanismen hinter der mRNA Impfstoffe werden in Zukunft eher schneller als langsamer auf neue und alte Erreger reagieren können. Aktuell waren es fast ein Jahr, die WHO geht in Zukunft von 100 Tagen aus.

In der Tat komme ich aus einer Nische der PR-/Marketingecke, die noch Präsenz erfordert. Dass Homeoffice wo möglich eingesetzt werden sollte galt schon vor Covid. Ich stimme also voll zu - jede/r nicht notwendige am Unternehmensstandort sollte dort nicht sein.

Tja. Hier erkenne ich einen großen Unterschied unserer Arbeitsumgebung. Ich zahle einigen Mitarbeitern über eintausend Euro Stundenlohn. Diesen Mehrwert bringen diese Mitarbeiter aber auch wieder rein. Das „einfach mal“ Überstunden machen gibt es bei solchen Mitarbeitern nicht. Und dass Sie unbezahlte Überstunden machen ist ja nett - aber eben in manchen Branchen unüblich.
Meines Erachtens sollte jede/r für seine Leistung entlohnt werden. Aber seine Nase hinhalten ist keine Leistung, insbesondere wenn in anderen Staaten keine Nase sondern ein Arm hingehalten werden muss.

Die Aussagen von @Alex0815 und @BrewSwillis würde ich zusammenfassen mit: weniger Arbeiten ist nicht zwingend weniger produktiv.
Das heisst ja nur, dass sie in der bezahlten Arbeitszeit bisher nicht maximal produktiv waren. Als Arbeitgeber würde ich mich fragen wie ich das steigern könnte.

Eiskalt, kapitalistisch… nennen Sie es wie Sie wollen. In Deutschland sind die wirksamen Maßnahmen zum Gesundheitsschutz meiner Belegschaft definitiv so teuer, dass ich lieber diese Belegschaft zum Impfen ausfliege oder Aufträge woanders ausführen lasse.

Ich bin mir nicht sicher wie ich diese Aussage deuten soll.
Entweder als „Deutschland ist nicht auf dem Weg in den Ruin“. Global betrachtet würde ich schon sagen, dass Deutschland auf dem absteigenden Ast ist (Demografieentwicklung, Bildungsabstieg, EuroTransferunion, Impfschneckentempo…)
Oder als „dass Deutschland absteigt liegt nicht IN ERSTER LINIE an den Zigarettenpausen und Gesprächen zwischen den Mitarbeitenden.“. Dem würde ich in Hinblick auf die oben genannten Argumente zustimmen - in Deutschland gibt es größere Probleme als eine rauchende oder tratschende Belegschaft.

Ich nutze dieses Forum um mit Dritten ins Gespräch über relevante gesellschaftliche Themen zu kommen. Hierzu zählt auch, seine Lebens/Arbeitsumstände zu teilen um mehr Verständnis zu erzeugen (zumindest ist dies bei mir die Intention).
Sie nennen einige Beispiele für ähnlich wie mein Unternehmen agierende Unternehmen. Entlassungen, Kurzarbeit auf Arbeitnehmerseite; Gewinne ausweisen, Dividenden zahlen auf Investorenseite. Lufthansa wurde übrigens vom Staat gerettet, weil es sich als Private Equity nicht rechnet. Kein Kapitalistisch denkender Investor würde einem Unternehmen mit überhöhten Löhnen eine Kapitalerhöhung geben. Deshalb konnte sich die Lufthansa auf dem freien Markt kein Kapital beschaffen. Der Staat wollte die in Angesicht der kurzfristig zu erwartenden Massenentlassungen die bei einer Insolvenz erwartbar waren nicht in einem Wahljahr haben und rettete ein Unternehmen das auf dem freien Markt keine Investoren findet.
Ob die Menschen ein Lebenswerk mit ihrer Arbeit verbinden sollte nie ein Grund sein es zu retten. Leider greift der Staat immer häufiger in die Marktmechanismen ein und rettet Unternehmen ohne Marktfähigkeit wie Banken, Airlines oder irgendwelche TooBigTooFail Geschichten wie KarstadtKaufhof.
Die Lösung dahinter ist entweder eine massive Marktbereinigung von diesen sozialistisch am leben gehaltenen Unternehmen (was politisch unpopulär und demokratisch unrealistisch ist) oder man rettet alle durch den Notenbankensozialismus und druckt das für die Rettungen nötige Geld und entwertet die Schulden durch Inflation.

In Deutschland gibt es Jahr um Jahr mehr zu Pflegende und gleiches Geld. Die Attraktivität auch dieses Jobs in Deutschland ist also gering.
Lösungsvorschläge: Entweder automatisieren wir Industriejobs in Deutschland, damit die freiwerdenden Arbeitskräfte in die Pflege gehen, oder wir werben Personal aus dem Ausland an, die die alten pflegen.
Ersteres birgt die Gefahr, dass aufgrund von Automatisierung und hohen Energiekosten in Deutschland auch diese Aufträge ins Ausland verschoben werden (denn warum sollte man vollautomatisiert in Deutschland von Robotern schrauben lassen, wenn das ganze in China günstiger geht?)
Zweiteres ist Gesellschaftlich diffizil. Eine große Menge an ausländischen (Fach-)Arbeitern zu importieren fällt Deutschland wohl schwer: auf finanzieller, integrationspolitischer sowie gesellschaftlicher Ebene. Japans Weg der automatisierten Altenpflege wird hierzulande nicht auf Gegenliebe stoßen.

Den von @Justjaythings vorgeschlagenen (?) Weg, die Unternehmen weniger gewinnorientiert aufzustellen, macht diese langfristig wertlos.

Ich wünschte ich hätte gerade mehr Zeit und könnte auf alles eingehen. Vielleicht komm ich noch dazu, denn die Intention Verständnis erzeugen zu wollen finde ich sehr löblich.

Fürs erste will ich Sie mal auf Folgendes aufmerksam machen.

Nehmen Sie ein paar Raucherpausen à 5 Minuten und ein bisschen Flurfunk und Sie sind easy bei den 15-20min, die das „vor dem Werktor rumlungern“ verschlingen würde. Wieso ist das eine vernachlässigbar, das andere der Todesstoß der Wirtschaftlichkeit?
(Witzig, dass in diesem Beispiel zufällig ausgerechnet gesundheitsschädlich direkt gesundheitserhaltend gegenübersteht).


Ist eingreifen nun unerwünscht oder nicht? An wen wenden sich denn Ihre Forderungen mit diesem „man“, wenn nicht an den Staat? Was ist das anderes als der Wunsch nach Eingriffen, nur eben zu Ihren Gunsten?

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Es ist beides nicht vernachlässigbar und beides schlecht. Wenn wir wie Sie davon ausgehen, dass dieselbe Zeit für Zigaretten und Flurfunk wie für die Selbsttests aufgewendet würden, dann verringert sowohl das eine als auch das andere die Produktivität um die selbe Menge.
Statt 10% Prozent Gewinn ist ein Unternehmen beispielsweise dann nach Abzug der ZigarettenFlurfunkerei bei 5%, nach dem Abzug der Selbsttestzeit dann bei 0%.
Ich würde dennoch behaupten dass es deutlich größere Produktivitätskiller in Deutschland gibt, einige hatte ich oben ja bereits aufgezählt.

Ich fordere ein verringern der Eingriffe durch den Staat. Also: Unternehmen pleite gehen lassen und nicht retten, egal wie groß die Entlassungsmenge ist. Dass der Staat Unternehmen rettet sendet das falsche Signal, nämlich dass Spekulationen in Ordnung sind.
Dasselbe gilt auch für das Arbeitszeitgesetz, das den Unternehmen eben nicht erlaubt, in einer Pandemiesituation die Arbeitszeit um 15 Minuten flexibel zu verlängern. Auch hier fordere ich ein weniger an Regulation, nicht mehr. Das ist aber nicht als Ruf nach mehr Eingriffen, sondern ein zurückfahren der bestehenden Eingriffe zu verstehen.

Über kurz oder lang ist der deutsche Staat ja auch dafür verantwortlich, dass die deutschen Bürger weniger geimpft sind als ihre (beispielsweise) britischen Nachbarn. Der Staat hat den Unternehmen eben nicht erlaubt sich Impfstoffe auf dem Markt zu kaufen. Dass die deutschen Bürger also länger in der Pandemie gefangen sind ist ein Standortnachteil für Deutschland der auf die Kappe der Regierung geht. Der Staat ist verantwortlich für diesen Umstand und sollte entsprechend eben auch die Kosten tragen.

Vielleicht wird es jetzt ein wenig zu grundsätzlich hier - aber ich denke es ist doch noch relevant wie mein Verständnis von Staatsaufgaben ist.
Dem Staat wurden verschiedene Aufgaben aufgetragen. Infektionsschutz der Bevölkerung beispielsweise. Um diese zu erfüllen zieht der Staat Steuern ein. Meistens sind die dem Staat übertragenen Aufgaben Monopole. Wenn der Staat nun aber eine Aufgabe falsch oder misserfüllt, dann muss dieser auch Entschädigungen zahlen.
So hat der Staat beispielsweise die Erlaubnis zur Betreibung von AKWs vor Ende der zugesicherten Laufzeit die Betriebserlaubnis wieder zurückgezogen und muss den Betreibern entsprechend Entschädigungen zahlen.
Oder wenn der Staat jemanden aufgrund eines Justizirrtums jahrelang hinter Gittern bringt ist auch hier eine Entschädigung fällig.
Oder der Staat schränkt aufgrund von nicht geleistetem Infektionsschutz die Gewerbefreiheit ein und zahlt hierfür Entschädigungen.

Der Staat macht Fehler. Für diese Fehler muss der Staat aber eben auch gerade stehen. Die schlechte Verhandlung bei den Impfstoffen war ein Fehler, sogar ein international leicht quantifizierbarer Fehler. Also fordere ich auch eine Entschädigung für alle Personen und Unternehmen, die durch diese Fehler geschädigt wurden.

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Wow, das geht einfach so? Welches Land war denn so freigiebig, deine Angestellten zu impfen?

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Hi Lib,

ich glaube dieser Satz beschreibt es ganz gut.

Du hast eine sehr kapitalistische Sicht der Dinge und das ist eine Weltanschauung, die man haben kann und die dann auch ihr eigenes Set an Moral und Ethik mit sich bringt.
Du wirkst in deinen Ausagen so, als wäre der Mensch eine Ressource und diese muss maximal genutzt werden. Das kann man gerne so sehen, nur passt das nicht im Kontext Deutschlands, da wir hier schon eine sozialere Marktwirtschaft haben. Und das bringt dann halt ein Eingreifen des Staates mit sich und auch gewisse Rechte und Pflichten gegenüber dem Arbeitnehmer.
Das Versagen des Staates ist im Bezug auf die Pandemie aber auf ein absolutes Unvermögen der Akteure zurückzuführen, die versuchen, es allen recht zu machen, und dabei alle verlieren.

Du spichst vone einer Wiedergutmachung vom Staat, aber wie das in dieser Pandemie aussehen könnte, weiß ich nicht. Ich glaube nicht, dass mit irgendwelchen Konsequenzen gerechnet werden muss, da das Verantwortungsverhältnis so diffus ist.
Du Beschreibst beispielsweise die Impfstoffbeschaffung. Es war eine Entscheidung dies europäisch zu organisieren. Somit ist die Verantwortung hier gar nicht in Deutschland.

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Das Thema habe ich bereits hier dargestellt. TLDR: Wenn ein Unternehmen nicht auf größere Infrastruktur angewiesen ist, ist der Weg zu einer Impfdosis in einem kleineren aber wohlhabenderen Land als Deutschland kürzer.