Hm, ich verstehe ja die Hoffnung, dass man die Probleme der Unions-Politik nur richtig erklären müsste und dann würden manche ihrer Wähler:innen sich schütteln und überrascht erkennen, dass sie betrogen wurden und dazu lernen.
Ich teile diese Hoffnung aber nicht. Die wollen überwiegend genau das, was Merz liefert.
Wer nach den Amigos der 80er den “jüdischen Vermächtnissen” und Kohls Spenden"affäre” der 90er, nach den dutzenden größeren und kleineren, mal gerichtsfest beweisbar mal lediglich überdeutlich indizierten Korruptions- und Geldverschwendungsskandalen der Merkel-Jahre, nach Dobrindt, Scheuer und Spahn wirklich noch glauben wollte, dass nun ausgerechnet Friedrich Merz irgendwas “für sie tun” würde, den wird nichts, was irgendein Podcast oder Sender nun berichtet und analysiert, von dieser Idee abbringen.
Ich persönlich glaube auch nicht, dass hier Unwissenheit vieler Wähler:innen das Problem ist. Vielmehr wissen viele genau, wen sie da wählen, aber sie haben einfach andere Prioritäten. Diese Welt verändert sich rasend schnell und auf allen Ebenen gleichzeitig. Wenn einem das einfach zu schnell geht, wenn man das etwas gebremst, gestoppt oder etwas zurück gedreht haben will, ohne gleich 1939 aufwachen zu wollen, wen wählt man dann, um diesem Wunsch Ausdruck zu verleihen? Nicht, weil es ein besonders durchdachter oder realistischer Wunsch wäre, sondern einfach um diesem Lebensgefühl Ausdruck zu verleihen? Dass sich Tempo und Inhalt der Entscheidungen und Entwicklungen bitte mehr in die Komfortzone der “normalen Leute”, die einem selbst immer zufällig zum verwechseln ähnlich sind, verlegen sollen. Man kann diesen trotzigen Wunsch gegen die immer drängenderen Veränderungen nur dann in Politik umgesetzt sehen wollen, wenn man selbst bereit ist, bei intellektueller Redlichkeit, bei Logik, Konsistenz etc. große und wachsende Abstriche zu machen. Damit steigt auch die Bereitschaft, Lügen und moralischen Verfall bei Politikern zu akzeptieren.
Bis zu dem Endpunkt, an dem einem alles so egal ist, dass man einen Trump wählt, einfach um sich und anderen zu demonstrieren, dass man sich von keinen Tatsachen eine Wahlentscheidung vorschreiben oder verbieten lassen wird, dass man sich seine Freiheit zu dem was “diese linken und grünen Spinner, die nicht mehr alle Tassen im Schrank haben” für Rassimus, Sexismus, Klimazerstörung etc. halten, nicht nehmen lassen wird.