Eigentlich nicht. Defakto wurde in Deutschland 2000 mit dem EEG staatlicherseits die Falsche Priorität festgeschrieben: Der Ausstieg aus der Kernenergie - in der Realität in den letzten 20 Jahren hauptsächlich über Braunkohle - anstelle dem Ausstieg aus der CO2-intensiven Energieerzeugung. Zusätzlich wurde noch der falsche Ansatz gewählt, da man dem Markt misstraut hat. Anstelle einem marktwirschaftlichen Ansatz zur CO2-Reduktion vergleichbar zu England, die im Umbau ihres Energiesystems bei weit geringeren Kosten wesentlich weiter sind als Deutschland, hat man einen staatsfokusierten Ansatz zum Kernaustieg verfolgt.
Das ist so nicht ganz korrekt. AKWs sollen ja nicht im Spitzenlastbereich eingesetzt werden, sondern im Bereich der gesicherte Leistung, der im EE-Verbundssystem primär über P2G und GuD abgedeckt werden soll. Elektrolyse kostet aktuell ca. 16,5 c/kWh, dazu kommen natürlich noch die GuD-Kosten (ca. 7 Cent/kWh) Wasserstoff: Produktionskosten nach Typ bis 2050 | Statista
D.h. in diesem Bereich sind AKWs problemlos konkurrenzfähig.
Die Subventionen für AKWs liegen - selbst wenn man die Greenpeace-Werte hernimmt - im vergleichbaren Bereich bzw. unterhalb der Subventionen für EE:
Insgesamt liegen die Förderungen für EE also oberhalb der von Greenpeace berechneten Subventionierung für AKWs, wobei man dabei berücksichtigen muss, dass die Greenpeace-Berechnung auch nicht-reale Subventionen beinhaltet, während die oben aufgeführten Subventionen mit realen Zahlungen aus Steuermitteln oder Umlagen verbunden sind.
Es ist richtig, dass ein einzelnes AKW sich nicht privatwirtschaftlich versichert wird. Selbstverständlich liese sich aber eine entsprechende Versicherung aber staatlich abbilden, die Kosten dafür wären marginal. Für die Beispielrechnung nehme ich jetzt mal deine Zahlen, wobei die Risiken für Deutschland defakto deutlich geringer sind (Baulicher Sicherheitszustand der AKWs, geografische Begebenheiten,…).
Entsprechend ihrer Zahlen sollten also innerhalb von 22,7 Jahren die Kosten eines GAUs abgedeckt sein. Die Kosten für einen GAU werden von der FÖS 2017 mit 100 Mrd. - 430 Mrd. angegeben (Bei Super-GAU: Atomkraftwerke unzureichend versichert). Nehmen wir also hier noch einen Sicherheitsfaktor von 2,5 und verlangen, dass innerhalb von 20 Jahren das Risiko eines AKWs in H. v. 1000 Mrd € abgesichert sein sollen.
Damit kommt man zu folgender Überschlagsrechnung:
- Versicherungssumme: 1.000 Mrd €
- Laufzeit: 20 Jahre
- Risiko: 0,2% (20 Jahre / 10000 Jahre)
- Risikowert = Schadensumme * Risiko = 2 Mrd €
- Anlagenverzinsung 7%/Jahr (Entspricht dem Durchschnitt einer weitdifferenzierten Aktienanlagen ~15 Jahre)
Dafür müssten für ein AKW pro Monat ca. 3,8 Mio € in den Sicherheitsfond abgeführt werden. Für Isar 2 (1410 MW Nettoleistung) wären dies ~0,4 cent / kWh.
Alleine für Isar 2 hätte dieser Fond zum aktuellen Zeitpunkt einen Wert von ca. 8 Mrd. €. Das Geld hätte man dann auch gleichzeitig als Rücklagen für den Rückbau und Atommüllentsorgung bei regulären Laufzeitende verwenden können.
Das Problem ist also nicht die Versicherbarkeit, sondern die Unfähigkeit des Staates.
Ganz so eindeutig ist das Ganze also nicht.
Unter Anbetracht der politischen Lage wäre höchsten der Weiterbetrieb der laufenden sowie letztes Jahr stillgelegten AKWs tatsächlich ein realistischer - aber unwahrscheinlicher - Beitrag zur schnellen CO2-Reduktion.