Man kann sagen, klares jein.
Es gibt verschiedene Punkte, die hier reinspielen, ich versuche mal auf Volkswirtschaftlicher Ebene zu argumentieren. Deutschlands Wirtschaft wächst seit Jahrzehnten mit wenigen Ausnahmen an. Dieses Wirtschaftswachstum wird aber erreicht, indem man den Input verringert (Steigerungen der Effizienz, Digitalisierung, Automatisierung). Damit steigt der erbrachte Mehrwert und somit die Wirtschaftsleistung.
Jetzt ist aber die Frage, wie sich dieses Wirtschaftswachstum auswirkt. Leider ist es nämlich so, dass immer weniger Menschen daran teilhaben können. Besonders schön sieht man das beim Anstieg der so genannten prekären Beschäftigung. Diese hat nämlich kontinuierlich zugenommen. Wir reden hier zum einen von Arbeitsplätzen, die früher in Deutschland waren (bspw. Fabrikarbeiter, deren Stellen jetzt in China / Polen etc.) sind. Beispiel: VW baut in China Autos mit 50000 Menschen, diese 50000 Menschen sind jetzt in Deutschland nicht mehr beschäftigt. Getriebe werden bei Skoda in Tschechien gebaut, viele VW Teile und Modelle in China oder Polen. Der Prozess ist also bereits schleichend erfolgt.
Durch die Gehälter bekommen Menschen in den „günstigeren“ Ländern eine höhere Kaufkraft und können durch den Konsum das Wirtschaftswachstum im jeweiligen Land ankurbeln (erhöhter Konsum).
Die Nachfrage auf dem deutschen Markt nach diesen Arbeitskräften nimmt folglich ab. Die Preise der Arbeitnehmer brechen ein. Und es kann halt nicht jeder ein Ingenieur werden, der vorher im Lager oder am Fliessband einer Fabrik stand. Die Menschen, die du früher im Inland hattest haben jetzt keine Stelle mehr, während die Wertschöpfung in China erbracht wird. VW macht also mehr Gewinn, während in Deutschland die Menschen diese Arbeit nicht mehr verrichten können.
Gleichzeitig wird manchmal gar nicht erst richtig versucht, die Arbeitslosen wieder einzugliedern. Trotz der Bemühungen an vielen Stellen und massivem Steuergeldfluss an Vermittlungsmassnahmen und Ausbildung werden manche Arbeitssuchenden diskriminiert, versucht an unzumutbare Jobs zu vermitteln und in sinnlosen Kursen Beschäftigungstherapie zu betreiben. Der Vorteil für die Politik: in diesen Massnahmen werden die Arbeitslosen „versteckt“, solche Arbeitslosen tauchen in manchen Statistiken nicht mehr auf.
Was heisst das?
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Viele Menschen arbeiten in Berufen und/oder Arbeitsverhältnissen, in denen sie nicht ausreichend verdienen (bpw. Logistikbranche: LKW Fahrer stehen durch osteuropäische Speditionen massiv unter Druck und können selbst wenn sie es wollen keine fairen Löhne zahlen)
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Viele Dinge des Alltags werden bei tendenziell sinkenden Gehältern in diesen Branchen (siehe Beispiel oben) immer teurer (bspw. Miete, Eigenheim, Energie etc,) → siehe nachfolgendes Beispiel für den Häuserpreisindex.
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Wir „verschenken“ sogar Gelder der Allgemeinheit für private Investoren wie die Quandts, während wir vergessen, dass man die Allgemeinheit auch teilhaben lassen müssen.
- Viele - vor Allem globale - Firmen drücken sich um Steuerzahlungen. Diese Gelder würden wir aber in unserem System gut gebrauchen können. Diese Mechanismen sind teilweise seit Jahrzehnten bekannt, werden aber nicht bekämpft. Auch unethische Geschäftspraktiken wie die von Amazon oder Steuerbetrug werden aus meiner Sicht zu wenig verhindert. Da müsste man auf europäischer Ebene umdenken und beginnen, etwas „gerechter“ zu werden.
Das sind alles so kleine Faktoren, die zu dieser Situation beitragen. Weiter gibt es noch die Chancengleichheit und viele weitere Themen.

Ich komme zum Schluss:
Ja, aus meiner Sicht gäbe es viele Möglichkeiten diese Schrauben zu korrigieren und damit eine bessere Lebenssituation für weite Teile der Bevölkerung zu schaffen. Für mich ist das zwar verwunderlich, doch es hängt alles zusammen, es gibt nicht die eine Lösung. Ich habe die Hoffnung, dass das passiert und man sich nicht zu sehr auf die angeblich „einfachen Lösungen“ versteift, sondern dass wir als Gesellschaft die soziale Marktwirtschaft neu verhandeln.