Finde ich nicht. Ordnung und Struktur, ausreichend finanzielle Mittel für die Kommunen, Rechtsstaat. Konsequent darauf setzen geht auch für Grün.
Stadtbild - das Gleiche. Probleme anerkennen, Lösungen entwickeln, Ordnung und Recht durchsetzen (und zivile Strukturen fördern) - auch mit Grün.
Klimaschutz - Einführung Klimageld, schon haben niedrige Einkommen mehr von Klimaschutz, Emissionshandel beibehalten, Landwirtschaft umstellen (Grundnahrungsmittel ohne MwSt außer Fleisch😉) - geht auch mit Grün.
Und dann Finanzen - Klingbeil macht doch Tür und Tor auf für kluge Steuerpolitik (aufkommensneutral den Verkauf abflachen, Spitzensteuersatz erhöhen und Grenze nach oben verschieben), dann haben niedrige und mittlere Einkommen mehr in der Tasche, die Reichen etwas weniger - geht mit Grün.
Aus meiner Sicht empören sich die Grünen zu schnell, bleiben selbst vage in ihren Aussagen und sind schlecht darin:
Ich glaube, dass das hier die Problematische Karte ist. Dargestellt ist immer die zweitstärkste Kraft in den Gemeinden. Die AFD ist also nicht unbedingt stärkste Kraft in den Gemeinden, aber eindeutig über 20% und häufig knapp an den 30%. Und das ist das Problem, das @AndreasLDN Ansprechen wollte. Die AFD ist etabliert, auch im Westen. Sie ist nun von einer „Ost-Partei“ zu einer „Dorf-Partei“ geworden.
Ich wollte nicht in Frage stellen, dass auch grün hier sinnvolle Kompromisse finden kann die dem ein oder anderen weniger hemmt grün zu wählen. Aber viele Konservativen auf dem Land lassen sich nicht durch mehr Geld und bessere Integration für Migranten besänftigen, da sie sich vor allem daran stören, dass sie in die nächste Großstadt kommen und dort nicht mehr mitteleuropäisch aussehende Menschen als deutliche Mehrheit wahrnehmen. Sie stören sich daran, dass in der Großstadt am Wochenende die Parks voll sind mit grillenden Menschen mit Migrationshintergrund. Während man sich selbst über den spießigen Nachbarn aufregt der einem das grillen im Garten reglementieren will hat man kein Problem damit der spießige Nachbar zu sein der anderen das Grillen im Park verbieten will.
Bei Migration gehen die Positionen in meinen Augen einfach zu weit auseinander als dass man da wirklich einen weiten Bogen spannen könnte der alle mitnimmt. Was aber nicht heißt, dass man nicht möglichst viele mitnehmen kann indem man Probleme thematisiert und Lösungen anbietet die auch real durchsetzbar sind.
Hey, ich find diese Pauschalisierung nicht in Ordnung. Man kann festhalten, dass es mehr AfD-Wähler:innen unter Spätaussiedler:innen gibt, und das kritisieren, aber der Beitrag geht schon ziemlich weit in Richtung Markierung einer Out-Group (“hätten einfach in Russland bleiben können” erinnert mich unangenehm an übliche xenophobe Äußerungen, die aus einer anderen politischen Ecke kommen und bei der deine sonstigen Beiträge zeigen, dass Du so eigentlich nicht denkst).
Ich kann deinen Eindruck nachvollziehen. Er ist aber doch klar als persönliche Anekdote eingeleitet. Und ich beziehe mich hier auch sehr spezifisch auf Meschen, die damals gekommen sind, die wir persönlich kennen und mit denen wir auch lange befreundet waren und die offensichtlich kein Sonderfall sind, sondern für einen Teil der Spätaussiedler stehen, die - typisch AfDlinge - für sich gern Rechte und Privilegien haben wollen, die sie anderen aber wegen Herkunft, Geschlecht, sexueller Orientierung nicht zugestehen wollen. Wer AfD wählt ist für mich ganz unabhängig von allen sonstigen Eigenschaften auch eine “Out-Group”, dazu stehe ich.
Na ja, da Du Dich auf den Vorpost zu Spätaussiedlervierteln in BW bezogen hast, war mir trotz des Hinweise auf deine Eltern nicht so klar, dass es v.a. um Personen geht, die Du persönlich kennst. Ist ja immer noch ein halb-öffentliches Forum, in dem die Informationen über das Gegenüber begrenzt sind. Und wenn von “den Spätaussiedlern” die Rede ist, entsteht für mich der Eindruck, dass diese alle AfD wählten.
Ich kann den Gedankengang auch nachvollziehen und sehe, dass man den Beitrag so lesen kann, muss aber schon etwas zu viel hermeneutisches Wohlwollen beim Lesen aufbringen, um das nicht als fremdenfeindlich aufgeladen zu verstehen. Käme ein solcher Beitrag bezogen auf “die Türken”, würde es zurecht Empörung über die Ausdrucksweise geben, auch wenn ein inhaltlich absolut legitimes Anliegen gemeint ist. War daher einfach als Erinnerung an mehr Sorgfalt gemeint.
Und schon sind wir wieder bei dem Thema das der AfD weiteren Zulauf beschert. Man kann keine kritischen Äußerungen über „nicht Bio Deutsche“ Gruppen machen ohne, dass man relativ schnell in die Fremdenfeindliche Ecke gestellt wird.
Die AfD ist die neue Arbeiterpartei zumindest dem Großteil der Wähler nach. Auch wenn die sich inhaltlich damit keinen Gefallen tun.
Wurde ich doch nicht. Sprachliche sauber zu bleiben und nicht “alle über einen Kamm scheren” ist doch im Grunde auch genau, was du forderst, indem du darauf hinweist, dass nicht jeder der von Menschen genervt ist, die Migranten sind, deswegen genervt ist, weil es Migranten sind.
Das Bemühen um diskriminierungsarmes Sprechen ist sicher eine beliebte Ausrede aber keinesfalls ein Grund, um Rechtsextremisten zu wählen. Die, die das wollen, finden immer eine Ausrede.
Das sind zwei Behauptungen, die empirisch einfach beide nicht stimmen. Weder wird jegliche Kritik an Menschen in Deutschland, deren Vorfahren nicht ausschließlich deutsch sind, als rassistisch gebrandmarkt, noch ist dieser angebliche Umstand etwas, das der AfD Zulauf verschafft. Vielmehr ist es so, dass rassistische Denkweisen in der Bevölkerung weit verbreitet sind und es dies beim Sprechen über ethnisch odr kulturell definierte Gruppen häufig auch seinen Ausdruck findet. Daher ist es aus meiner Sicht wichtig, das zu reflektieren und möglichst zu vermeiden. Ein Teil davon ist die Unterscheidung zwischen einer nicht rassistisch motivierten Kritik und rassistischen Denkweisen und Ressentiments. Was aber die AfD und viele ihrer Anhänger wollen, ist das rassistisches Denken in allen möglichen Spielarten legitimiert wird. Das ist etwas komplett anderes
Konkret: Es ist aus meiner Sicht absolut unproblematisch, das Wahlverhalten eines bestimmten sozialen Mileus zu beschreiben und aus der eigenen Sicht zu kritisieren. Zu einer solchen Mileubeschreibung kann auch die ethnische Herkunft oder ein rechtlicher Status (wie Aussiedler) gehören, sie sollte sich nur vielleicht nicht gerade darauf beschränken.
Was ich allerdings problematisch finde, ist eine Verknüpfung zwischen dem Verhalten einer Gruppe und ihrem rechtlichen Status. Auch ich wünsche mir natürlich oft, dass Menschen, deren Verhalten ich unterirdisch finde, sich einfach in Luft auflösen. Aber zu fordern, dass bestimmte Gruppen wegen ihrer Ansichten und ihres Wahlverhaltens nicht in Deutschland ier leben sollten, ist etwas komplett anderes.
Das politisch anzustreben oder das zu fordern oder sich das zu wünschen oder nur daruf hinzuweisen, dass man nicht aus bestimmten Ländern nach Deutschland kommen muss, um dann hier in freien Wahlen dem Wunsch Ausdruck zu verleihen, dass man lieber unter einer rassistischen, sexistischen Autokratie leben würde, sind allerdings ziemliche Unterschiede.
Natürlich ist ein Wunsch etwas anderes als eine politische Forderung, darauf habe ich ja explizit verwiesen. Aber mein Punkt ist, dass auch die Aussage, dass jemand nicht „hierherkommen muss“ impliziert, dass jemand weniger selbstverständlich das Recht hat, hier zu leben und sich daneben zu benehmen als wenn sein Geburtsort oder der seiner Eltern ein anderer wäre.
Ich hatte beim Lesen deines obigen Beitrags tatsächlich auch ein Störgefühl @JohanneSAC. Auch wenn ich zu wissen glaube, was du damit ausdrücken wolltest, wäre mMn eine präzisere, differenziertere Formulierung besser gewesen, aber darauf sind andere schon ausführlich eingegangen.
In meiner Geburtsstadt (ca. 50.000 Einwohner) leben sehr viele Spätaussiedler. Wenn ich mir die Wahlergebnisse der ganzen Stadt ansehe, muss ich schon schlucken (AfD stärkste Kraft mit ~ 30%, Grüne ~25%, CDU ~23%, SPD ~ 6%, FDP und Linke ~4%). Schaut man aber noch genauer hin, sieht man Folgendes: In den Stadtteilen, in welchen besonders viele Spätaussiedler (und Menschen mit wenig Geld) wohnen, erreichte die AfD über 50% der Zweitstimmen (Wahlbeteiligung knapp über 50%), die CDU kommt abgeschlagen auf Platz 2 mit 19%, Grüne 13%. Das war auch schon bei den letzten Wahlen so. In der Stadt fanden Autocorsos mit Russlandflaggen nach Kriegsstart von Putin etc. statt. Und dennoch sind es natürlich nicht alle aus der Spätaussiedler-Community, die Putin und die AfD feiern. Von dem was ich aber im persönlichen Umfeld mitbekommen habe, läuft man schon Gefahr innerhalb der Community geächtet zu werden, wenn man stabile, demokratische Haltung zeigt. Aber das ist natürlich nur anekdotisch.
Wohl fühle ich mich dort nicht mehr. Das Wissen, dass einfach dermaßen viele Leute Rechtsextreme wählen (Edit: damit meine ich explizit alle AfD-Wählenden, egal welcher Herkunft!), schließt für mich einen Rückzug auf absehbare Zeit aus.
Mich besorgt generell, dass die AfD in migrantischen Communities (nicht nur bei Spätaussiedlern) immer beliebter wird. Man muss denke ich schon sehen, dass Nationalismus und Rechtsextremismus auch in migrantischen Communities ein großes Problem sind. Dazu würde ich mir auch ein Interview mit eine:r Expert:in wünschen.
Meines Erachtens impliziert die Aussage, dass man ja auch in Russland hätte bleiben können, wenn man gerne in Unfreiheit leben würde, keinesfalls, dass man hier irgendwie weniger Rechte hätte.
Das erinnert mich ein bisschen an die USA, bei der nach der Wahl Trumps plötzlich alle auf Latino-Männer geschaut haben, obwohl weiße Männer und Frauen immer noch mit Abstand die höchsten Zustimmungswerte für Trump hatten und haben, mehr als jede andere Bevölkerungsgruppe.
Ähnlich möchte ich hier in Frage stellen, ob die Unterstützung der AfD durch Migranten wirklich ein signifikanter Faktor ist (sowohl relativ als auch absolut!), oder ob der Fokus darauf nicht doch eher eine bequeme Ablenkung ist, um sich nicht mit den Problemen der in-group (Deutsche ohne Migrationsgeschichte) auseinandersetzen zu müssen.
Es ist doch einfach wenig zielführend, die Herkunft als relevanten Aspekt hervorzuheben. Wenn wir nicht davon ausgehen, dass sog. Russlanddeutsche aus speziellen russland-spezifischen Gründen die AfD wählen, sondern wahrscheinlich aus den gleichen Gründen wie andere AfD-Wählende auch, dann gibt es auch keinen Grund, ihre Herkunft in den Vordergrund zu stellen.
Erstmal in aller Deutlichkeit: Es geht mir keineswegs darum von der Verantwortung der Deutschen ohne Migrationsgeschichte für die Wahlerfolge der AfD und den Rechtsruck in Deutschland „abzulenken“. Natürlich liegt bei dieser Gruppe die Hauptverantwortung. Ich habe hier schon zahlreiche Beiträge diesbezüglich in verschiedensten Threads geschrieben und die machen das denke ich auch deutlich.
Ich stimme dir da grundsätzlich zu. Allerdings erscheint es mir nicht fernliegend, dass die hohen Zustimmung zur AfD unter Spätaussiedlern (zumindest auch relevant) herkunftsspezifische Gründe hat (Russland/Putinnähe). Dass bei Spätaussiedlern die AfD beliebteste Partei ist, geht auch aus der oben angefügten Studie hervor. (Edit: auch die vergleichsweise hohen Zustimmungswerte für das BSW lassen herkunftsspezifische Gründe vermuten.)
Der Aspekt ist für die Bewertung der Wahlentscheidung schon relevant (nicht im Sinne von ursächlich): Bei Menschen mit Migrationserfahrung könnte man mehr Empathie für die Situation von Migranten erwarten, die von der AfD permanent mit “Entsorgung” oder “Remigration” bedroht werden und wenn Menschen, die sehr leicht selbst betroffen sein könnten, trotzdem (oder deswegen, um zu “beweisen” wie “deutsch” sie sind?) eine völkisch-nationalistische Partei wählen, ist der Gegensatz zwischen Wahlentscheidung und rationalem Eigeninteresse besonders stark. Dass die Menschen ohne entsprechenden Migrationhintergrund zu 1/4 bis 1/3 offen für Rechtsextremisten sind, hat für viele halt nicht so einen Neuigkeitswert und ist auch nicht so krass kontraintuitv.
Ich freue mich ja, dass mein Beitrag hier so eine umfassende Aufmerksamkeit erfährt und hab jetzt auch nochmal für mich mitgenommen, zukünftig vorsichtiger und klarer zu formulieren, aber ich wäre doch sehr dafür, wenn wir es zurück zum Thema schaffen würden.
Ein Aspekt, der weiter oben auch schon aufgeworfen wurde, ist in meinen Augen der inner-Grüne Kampf um die Deutungshoheit, den ich wahrnehme. Anstatt anzuerkennen, dass der Erfolg so knapp war, dass jede Stimme zählte und dass die Partei in ihrer ganzen Breite viel beigetragen hat (die einen mit einem moderaten Kurs, der niemanden erschreckt, die anderen mit weitgehendem stillhalten, viel freiwilliger Basisarbeit, Plakate kleben und Wählermotivation), wird in meiner Wahrnehmung quasi in der gleichen Sekunde, als die ersten Hochrechnungen kamen, um die Ausrichtung der Partei als ganzes gezankt und zwar aus beiden Richtungen. Das nehme ich in anderen Parteien anders wahr, obwohl bspw. die Spannbreite zwischen Günther und Söder bei der Union mindestens so groß sein dürfte, wie die zwischen den Berliner und BaWü-Grünen.
Als Wunsch ist das verständlich, aber empirisch stimmt es leieder nicht. Die einschlägige Forschung deutet leider überhaupt nicht darauf hin, das die Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die von Diskriminierung, Ausgrenzung oder Ähnlichem betroffen ist - ich wähle hier mal das umfassende Konzept der gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit (GMF), sich signifikant positiv auf die eigene Haltung gegenüber (anderen) stigmatisierten Gruppen im Sinne der GMF auswirkt. Und ebenso wie Erwerbslose, sozial Schwache oder Beschäftigte im Niedriglohnsektor mit der AfD eine Partei wählen, die mit ihrer neoliberalen Politik ihren objektiven Interessen zuwiderhandelt, wählen Menschen mit Migrationsgeschichte mit der AfD eine Partei, die mit ihrer völkischen und rassistischen Politik ihren objektiven Interessen zuwiderhandelt.
Dass Hispanics und Schwarze niemals Trump wählen würden, war leider genauso Wunschdenken wie dass eine völkisch-nationalistische Partei in einem Deutschland mit knapp einem Drittel Menschen mit Migrationsgeschichte keine Schnitte haben kann.
Vollkommen korrekt. Außerdem gibt es bereits einen Einfluss der Kultur auf das Denken. Ich komme auch aus einer Stadt mit hohem Spätaussiedleranteil. Ein paar Sachen sind mir im täglichen Kontakt immer wieder aufgefallen, die zwar im Folgenden allgemein geschrieben sind, aber Ausnahmen ausdrücklich zulassen.
Spätaussiedler denken/dachten weit konservativer als der Durchschnitt
Spätaussiedler verhielten sich stark patriarchal. Eine Frau hatte oft wenig zu sagen, eher zu dienen. Kinder hatten (zumindest auf den Vater oder große Brüder) zu hören oder es gab eine Schelle
Spätaussiedler sahen sich überwiegend selbst als Deutsche. Deutsche sahen sie hingegen als Russen, die nur aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kamen
Insgesamt begegnete Spätaussiedlern oft eine besonders starke gesellschaftliche Ablehnung
Es gibt eine Tendenz dazu, dass Menschen, die es selbst nicht leicht hatten, es oft ungerecht finden, wenn anderen später der steinige Weg erleichtert wird. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass auch das die hohe Zustimmung gegenüber der AfD in manchen migrantischen Gruppen (ich denke da auch an Türken) erklären kann.