Ich denke, wir sind uns einig, dass man trotzdem nicht verallgemeinern sollte…
Ich denke, wir stolpern da über ein Problem, das normalerweise nicht besonders beachtet wird. Als Minderheit hat man viele Nachteile, zu deren Ausgleich man gewisse Privilegien bekommt. Wenn nun eine neue Minderheit auf den Plan tritt, nehme ich als Minderheit sehr genau wahr, welche Privilegien diese bekommt - und zwar als Gruppe. Und vergleiche das mit mir. Das kann nur nach hinten losgehen, weil ich eine Gruppe mit mir einzelnen Person vergleiche.
Das geht aber auch bei uns, die wir keine Minderheit sind. Nehmen wir die Sozialhilfeempfänger: ich lese von einem, der das bekommt und einem der dieses bekommt. Im Kopf addiere ich das und werde wütend. Dabei sind es zwei völlig andere Fälle, die nichts miteinander zu tun haben.
#nichtallespätaussiedler
Ich wohne auch in einem stark von Spätaussiedlern geprägten Viertel und natürlich gibt es da auch welche die sich offener zeigen, aber dennoch sehe ich z.B. wenig Distanzierung von Prorussischen Arguementen, homophoben Aussagen, etc.
Und das hier angesprochene, dass man nicht möchte, dass andere es einfacher haben könnten als man es selbst hatte hört man Zeichen den Zeilen auch oft.
Das widerspricht meiner Aussage jetzt eigentlich nicht…
Ich glaube, es ist tatsächlich wichtig, beides anzuerkennen:
Keine Gruppe ist uniform, jede Verallgemeinerung nach dem Muster „Die X sind alle Y“ ist daher grundsätzlich falsch und hat immer rassistische Untertöne.
Gleichzeitig muss man anerkennen, dass es in bestimmten Gruppen leider Trends zu bestimmten Ansichten gibt. So sind Polizisten und Soldaten im Kern konservativer als der Durchschnitt, ebenso wie in Deutschland lebende Türken und Spätaussiedler tendenziell konservativer sind als der Durchschnitt. Für diese Tendenzen gibt es in aller Regel Gründe, diese Gründe zu erforschen ist der erste Schritt, diese Problematik (wenn man es als Problem sehen möchte) zu beseitigen. Daher sind offene Diskussionen darüber wichtig und Abwehrreflexe (z.B. der Vorwurf, es seien Vorurteile gegenüber Polizisten oder Ausländern) problematisch.
Wichtig wäre also vor allem, herauszufinden, warum manche migrantische Communities deutlich weiter rechts stehen als andere. Die Kurden z.B. sind traditionell türkisch sehr links und wählen überdurchschnittlich häufig die Linkspartei (Wikipedia), bei den Türken haben wir die absurde Situation, dass sie bei Wahlen in Deutschland eher progressiv wählen (Quelle: DW), aber bei Wahlen in der Türkei vor allem Erdogan unterstützen (Quelle: Süddeutsche). Die Differenz dürfte daran liegen, dass die Türken mit deutscher oder doppelter Staatsbürgerschaft (und deshalb bei deutschen Wahlen wählen) deutlich besser integriert sind als die Türken, die nur die türkische Staatsbürgerschaft haben (die wiederum bei der Türkeiwahl wählen).
Zurück zu Spätaussiedlern und der AfD:
Bei Spätaussiedlern gab es leider immer schon den Trend zur Wahl extremer Parteien. Dass der Bund der Vertriebenen als Lobbyorganisation der Spätaussiedler weit rechts im politischen Spektrum steht ist denke ich unbestritten (so weit, dass Erika Steinbach, die 2022 auch der AfD beigetreten ist und deren politische Stiftung leitet, 16 Jahre deren Vorsitzende war… danach waren es zwei CSU-Politiker, davor ein CDU und ein CSU-Politiker, das spricht schon Bände über die politische Einordnung…).
Daher kann man schon ganz klar sagen, dass Spätaussiedler im Hinblick auf die AfD-nähe sehr problematisch sind. Jetzt geht es darum, die Gründe dafür zu erörtern und zu schauen, wie man dem entgegen wirken kann.
Ich schlage vor, für Milliarde nicht die Abkürzung M zu verwenden, weil das eine Abkürzung für Million ist (Mega), sondern G (Giga), oder Milliarde auszuschreiben. ( Vorsätze für Maßeinheiten – Wikipedia ).
Im Grunde hat sie also überall hinzugewonnen. Das ist doch aber kein neuer Trend.
Die spannende Info ist, dass industrielastige Regionen zu stärkeren Stimmzuwächsen führen. Auch das ist intuitiv erklärbar, denn wir sind in einer Wirtschaftskrise. Außerdem konkurriert in der aktuellen Umbruchsphase effektiver Klimaschutz mit dem Ziel starker wettbewerbsfähiger Industrie. Die Folgen von Klimapolitik macht, zumindest temporär, Produkte teurer, die im Export dann Kostennachteile haben oder stellt sie sogar ganz in Frage (Verbrenner).
Das muss zwar nicht auf Dauer sein, setzt Unternehmen und Arbeiter aktuell aber stark unter Druck.
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