Energiewende: Wie sieht die deutsche Vision aus?

Hallo,

ihr schneidet das Thema logischerweise häufig in der Lage selbst an (danke für die tolle Arbeit! - falls das einer von euch liest) und auch hier im Forum gibt es bereits einige Topics dazu. Was mir dabei allerdings immer zu kurz kommt, ist die Frage, wo wir als Land eigentlich hinsteuern wollen und wie das zu realisieren ist.
Während man beim Verfolgen der Diskussion in der deutschen Öffentlichkeit teilweise den Eindruck bekommt, dass wir viel zu wenig in die Erneuerbaren investieren und unserem Vorbildcharakter nicht gerecht werden, ist mir bei der Lektüre des Buches „Apokalypse Never“ von Michael Shellenberger aufgefallen, dass sich das aus dem Ausland gesehen ganz anders darstellen kann. Er nennt Deutschland als das Negativbeispiel dafür, dass im zu hohen Maß auf teure und ineffiziente Wind- und Solarenergie gesetzt wird. Das könnte ein Grund dafür sein, dass der Strompreis sich furchtbar entwickelt. Hier ist Deutschland bekanntlich weltweit Spitzenreiter. Immerhin gehören wir dafür aber auch beim Anteil der Erneuerbaren am Gesamtstrom unter den Industrienationen zu den Spitzenreitern mit in 2019 über 40%. Nur Norwegen und Schweden schneiden noch besser ab, können es sich aber auch erlauben, viel stärker auf Wasserkraft zu setzen. Bei Schweden kommt hinzu, dass auch Atomkraft noch eine größere Rolle spielt.
Shellenberger macht nicht das Preisargument, weil sich ein Klimawandel ökonomisch lohnen sollte oder dergleichen. Stattdessen weißt er auf den Zynismus hin einen Energiewandel ineffizient übers Knie zu brechen, um zukünftige Generationen zu retten, wenn die Konsequenz das Sterben von Kindern überall auf der Welt heutzutage ist, weil dieses Geld nicht in akute Probleme wie die Bekämpfung der Ungleichheit gesteckt wird.
Hinzu kommt, dass das deutsche Modell aufgrund der hohen Kosten für ärmere Staaten ohnehin keine Vorbildfunktion einnehmen kann. Nicht mal in Europa ist diese Funktion gegeben, weil unser Modell nur funktionieren kann, solange man Strom aus dem Ausland einkaufen kann. Das funktioniert logischerweise nicht mehr, wenn alle so vorgehen. Der Grund dafür ist, dass die Konzentration auf Wind- und Solarenergie immer dann problematisch ist, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Trotzdem muss der Strombedarf auch in diesen Zeiten gedeckt sein. Mir fehlt von der Politik die Antwort auf die Frage, wie das mit einem zunehmenden Ausbau dieser Erneuerbaren zu decken sein soll, außer indem wir weiter billige Atomenergie aus dem Ausland kaufen. Könnte es sein, dass weiterhin so krampfhaft an unsäglichen Projekten wie Nord Stream 2 oder unseren Kohlekraftwerken festgehalten wird, weil insgeheim ein weiterer astronomischer Anstieg des Strompreises befürchtet wird, der kurzfristig Wahlen beeinflussen könnte?

Eine einfache Möglichkeit unsere Erneuerbaren abzusichern gäbe es natürlich. Ähnlich wie die meisten anderen Länder könnte man auf Atomkraft setzen. Mir ist natürlich klar, dass das spätestens seit 2011 ein ziemliches Tabuthema ist. Aber muss man im Anbetracht neuer Technologien nicht anerkennen, dass das grob fahrlässig ist? Neue Reaktoren können nicht nur Atomwaffen abbauen und Energie aus unserem bereits bestehendem Atommüll gewinnen, sondern verringern die Halbwertzeit dieses Mülls dabei noch von 300.000 auf deutlich erträglichere 300 Jahre. Außerdem ist Atomkraft eine der Co2 neutralsten und statitisch trotz Horrorszenarien wie Tschenobyl eine der sichersten Energiequellen. Auch in der Endlagerung sind mittlerweile deutlische Fortschritt erzielt worden und Endlager wie in Finnland sind eine angenehme Alternative zu Gorleben und seinesgleichen.
Ich muss gestehen, dass sich mir immer mehr der Kopf dreht, je intensiver ich mich mit dem Thema beschäftige. Der Aktivismus jüngerer Generationen (zu denen ich mich zähle), der einen Run auf die Erneuerbaren fordert, kommt mir zunehmen kopflos vor. Vielleicht bin ich damit ja nicht alleine. :slight_smile:

Gruß

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Wind und Solar wurden zu Beginn der Energiewende kräftig subventioniert. Inzwischen sind sie jedoch nicht nur konkurenzfähig, sondern preiswerter als die fossilen:


Dafür gibt es auch Lösungen. Einmal Energiespeicher (kurz, mittel und langfristig) und dann gibt es auch die Idee das Stromnetz auszubauen. Mit Gleichstrom Hochspannungsleitungen kann man Strom auch über sehr große Strecken transportieren. Je größer das abgedeckte Stromnetz, desto geringer die Schwankungen, denn die Sonne scheint immer irgendwo (Nachst Solarstrom von der anderen Seite der Erde) und Wind weht auch immer irgendwo.

Am teuersten ist Atomkraft. CO2 neutral und Atommüll als Brennstoff ist richtig, doch das errichten eines Kernkraftwerkes dauert mindestens 20 Jahre, eher 30 Jahre, da wir in Deutschland schon seit Jahrzehnten keine KKW mehr bauen und dann sind Auflagen viel höher und Klagemöglichkeiten werden ausgereizt werden. Damit dauert es für den Klimawandel viel zu lange bis wir genügend Strom aus KKWs beziehen könnten.

Alleine sicherlich nicht, aber damit bist Du nicht der gängigen Meinung der Wissenschaft und eher in der Minderheit.

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Ich finde, du greifst viele wichtige Punkte auf. Gerade das Thema Atomkraft scheint in Deutschland leider strikt tabu zu sein und das reine Nachdenken darüber, ob atomare Energie nicht doch sinnvoll genutzt werden KÖNNTE wird häufig direkt abgetan. Die Schädlichkeit der Atomenergie wird auch u.A. In diesem TED Talk aufgegriffen.

Der von vielen als mögliche Lösung gedachte Einsatz von Wasserstoff als Speichermedium scheint auch keine wirkliche Lösung zu sein. Hierzu unterhält sich auch Daniel Stelter in seinem Podcast mit dem Gast Holger Watter von der Hochschule Flensburg. Unpopuläre Fakten zur Energiewende

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Danke für deinen Beitrag. Du sprichst als Kritik an Atomkraftwerken, die lange Baudauer an. Muss man aber nicht so realistisch sein, dass bei den von dir angebotenen Lösungen genauso zu monieren? Effektives Speichern von Energie egal über welchen Zeitraum ist soweit ich weiß ich Moment noch Zukunftsmusik. Siehe auch den Beitrag zu Wasserstoff, der im Kommentar hier drunter erwähnt wird.
Das gleiche muss doch auch für ein internationales Stromnetz gelten, wenn wir davon reden, dass immer genügend Wind wehen und Sonne scheinen soll, um das ganze Land zu versorgen. So sehr ich internationale Bemühungen begrüßen würde, kommt mir das für die nahe Zukunft sehr optimistisch vor. Ich lasse mich aber gerne vom Gegenteil überzeugen.
Ob der Bau eines Kernkraftwerks nun 10 oder doch 30 Jahre dauert, ist übrigens, soweit ich das verstehe, vor Allem eine Frage des politischen Willens. Ich würde hier ja zumindest für ein modernes Werk plädieren, allein schon um die Halbwerzeit des bereits bestehenden Mülls drastisch zu reduzieren.

Alleine deinen Kommentar, dass Atomenergie die teuerste ist, verstehe ich gar nicht. Im Strompreis schlägt sich das, wie in meinem Kommentar verlinkt, schon mal gar nicht nieder. Das unsere Energiewende besonders teuer ist, hat sicherlich auch noch andere Gründe, wie zuletzt in dem Interview in der Lage dargestellt, und ist nicht alleine den erneuerbaren Energien zuzuschreiben. Allerdings ist es doch Fakt, dass Atomkraft die effizienteste Energiegewinnung ist über die wir Verfügen, oder nicht?

Ach ja, hier noch eine aktuelle Verlautbarung der IEA (Internationale Energie-Agentur): Solar ist mittlerweile die kostengünstigste Energieform von allen.


Dabei geht’s zwar erstmal vor allem um die besonders günstigen Standorte, aber auch hierzulande sind Wind und PV längst attraktiver als fossiler oder nuklearer Neubau. Die Kohlekraftwerke laufen nur deswegen noch, weil sie weitgehend abgeschrieben sind, und selbst das „hochmoderne, effizente“ Moorburg wird wahrscheinlich zeitnah stillgelegt, weil es sich nicht rechnet – es wäre nur dann länger am Netz geblieben, wenn es zusätzlich seine Abwärme ins Wärmenetz hätte speissen können.

( Ein möglicher Grund dafür, entnommen einer EMail der Klimabewegungsnetzwerk-Liste:

" Noch ist die Bude nicht abgeschaltet. Aber Vattenfall hat offenbar wirklich keine Freude mehr an seinem Kohlkraftwerk in HH und signalisiert Unlust.

Einen wesentlichen Beitrag zu diesem wahrscheinlich vorzeitigen Ende hat die Initiative Moorburgtrasse stoppen aus altona geleistet, und da besonders die 15 Beherzten, die monatelang bei schlimmser Kälte (vom 5. 12. 2009 - 15. 3. 2020) in einem der Parks auf den Bäumen ausgeharrt haben, durch den Vattenfall seine Fernwärmeleitung legen wollte.
Besonders wichtig für die Rendite wäre der Anschluss des Kohlkraftwerks Moorburg, südl. d. Elbe) an das Hamburger Fernwärmenetz (nördl. d. Elbe) gewesen.
Das haben wir Vattenfall vermasselt, und allen voran eben die 15 BaumbesetzerInnen.
Es kam später noch etliches hinzu, womit wir den Stopp der Moorburgtrasse, sprich der Fernwärmeleitung, abgesichert haben, und daran wiederum waren sehr viele Menschenn in HH beteiligt.
Aber den entscheidenden „Aufstieg“ haben J. und O. Anf. Dez. 2009 gemacht, gefolgt von etlichen Aktiven von Robin Wood aus versch. Ecken dieser Republik, u.a. aus der Lausitz, wo Vattenfall ja mindestens zwei historisch u. ökologisch wichtige Dörfer vernichtet und auch sonst gewütet hat." )

hier eine Kostenübersicht zu diversen Stromerzeugungstechnologien. Deutlich wird: Nuklear ist unattraktiv teuer. https://www.lazard.com/perspective/levelized-cost-of-energy-and-levelized-cost-of-storage-2020/
Das ist übrigens auch ein Thema, das in Großbritannien noch ordentlich Ärger verursachen wird, da Hinkley Point C (im Bau befindliches AKW) einen unverhältnismäßig langen Abnahmevertrag mit unverhältnismäßig hoher Preisgarantie vom Staat bekommen hat. PV und Wind (inkl. Speichern!) wäre dort wesentlich günstiger. Geht dann zulasten der britischen Steuerzahler*innen. Ähnliches Thema läuft beim AKW-Neubau in Frankreich.

Durch einen Ausbau des (europäischen) Stromnetzes und etwas mehr intelligentes Demand Side Management (Strombedarfe, die Angebots-orientiert hoch- und runtergefahren werden) sowie Energiespeicher sind die meisten Fluktuationen auffangbar. Es wird für eine geringe Anzahl Stunden im Jahr allerdings nötig sein, thermische (also auf VErbrennung basierende) Kraftwerke vorzuhalten. Welcher Brennstoff dort zum Einsatz kommt ist noch offen, kann auch von Kraftwerk zu Kraftwerk anders sein. Optionen sind hier vor allem Wasserstoff, sowie synthetisches Methan und Ammoniak (also jeweils mittels erneuerbarer Energien zunächst synthetisierte Energieträger, die entweder inländisch erzeugt oder importiert werden müssen). Die im Vergleich zur direkten Stomnutzung geringeren Wirkungsgrade sind in dem Fall aufgrund der möglichst geringen Auslastung der Kraftwerke halbwegs verkraftbar. Details hierzu sind in diversen Studien zu finden. Da ich diese eben gerade präsenter habe (es gibt aber auch explizit aufs Stromsystem ausgelegte, detailiiertere Studien von anderen!) verweise ich da mal wieder auf die vom Wupeprtal Institut (Disclaimer, an der ich mitgeschrieben habe) https://wupperinst.org/p/wi/p/s/pd/924/

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Ich bin kein Spezialist in dem Gebiet, aber die Bauzeit eines Windrades oder einer Solaranlage ist relativ kurz, so im Bereich von Monaten. Es gibt beides vom Fließband, man muss „nur“ noch den Output bzw. die Anzahl der Fließbänder erhöhen. Ist also ein reines Skalierungsproblem.
Die letzten Kernkraftwerke wurden hier Ende der 80er Jahre in Betrieb genommen. Heißt es gibt hier in Deutschland kein aktuelles Genehmigungsverfahren und auch nicht mehr die Leute mit dem Know How bzw. nicht in ausreichender Menge. Ein Brutreaktor gab es bis 1991 in Deutschland, aber die Technik ist auch weiterentwickelt worden. Heißt diese Reaktoren gibt es definitiv nicht von der Stange, da ist erst umfangreiche Entwicklung angesagt, auch auf Seiten der Genehmigungsbehörden.

Ich zitiere mal Wikipedia: " Derzeit (Ende 2019) befinden sich offiziell 50 Kernkraftwerke im Bau, bei vielen dieser Reaktoren ist die Fertigstellung jedoch fraglich. So befinden sich 11 dieser Reaktorblöcke bereits seit den 1980er Jahren im Bau."

Also über 30 Jahre Bauzeit, für konventionelle Reaktoren! Die modernen Anlagen sind Neuland und brauchen daher länger. Mit politischem Willen geht das schneller, aber es wird dadurch nicht sicherer.

Speicherung von Wasserstoff ist eigentlich gang und gebe. BASF hat ein Pipelinenetz von etlichen Kilometern und im bestehenden Gasnetz können zumindest kleine Mengen an Wasserstoff beigegeben werden ohne, dass es Änderungen bedarf. Als ich an der Uni war, habe ich zudem einen Projektantrag für die Untertagespeicherung von Wasserstoff gestellt, da muss man einmal mit Wasserstoff statt Methan experimente machen, aber das sollte eigentlich funktionieren. In Kavernenspeichern wird Wasserstoff bereits in großen Mengen gespeichert mit sehr kleinen Leckraten.

Was meinst Du mit „effizient“? Den hohen Energiegehalt von Uran?

Der Hinsweis auf die Wuppertal-Studie ist sehr interessant. Vielen Dank dafür (auch wenn ich bis jetzt nur die Übersicht über die Ergebnise lesen konnte).
Die Verweise auf Kostenübersichten in der Produktion von Strom scheinen mir allerdings zu kurz zu greifen. Der springende Punkt bei der Versorgung durch Erneuerbare ist doch, so wie ich das verstehe, die massive Unterversorgung geeigneter Stromnetze, die derzeit Realität ist und deutlich anspruchsvoller ausfällt als bei klassischen Energieträgern. Selbstverständlich muss es langfristig ein Ziel sein hier viel besser zu werden. Aber warum diese Beschränkung auf diese beiden Technologien, während überall anders auch aufregende Sachen passieren? Kommt mir ebenso wie eine verpasste Chance vor, wie dieser absolute Fokus auf Elektroenergie bei der Verkehrswende, bei dem beispielsweise Wasserstoff oder andere innovative Ansätze außen vor bleiben.
Nur so wird ja auch ein Schuh daraus, dass Deutschland seit ein paar Jahren massiv Wind und Solar ausbaut und der Strompreis nicht sinkt oder zumindest stagniert, sondern stark ansteigt.
Wir bezahlen mehr als doppelt so viel wie ein Land wie Schweden, das zu großen Teilen auf Atomenergie setzt und stoßen deutlich mehr Emissionen als ein Land wie Frankreich aus, dass ebenfalls stark auf Atomkraft setzt (siehe der Tedtalk den der User Kugelfun bereitgestellt hat). Beide Länder setzen, das soll nicht verschwiegen werden, aber auch deutlich stärker auf Wasserkraft.

Auf die Kosten bei Atomkraft bin ich glaube ich eingegangen. In den Kosten ist weitere Infrastruktur (u. a. Speicher) zumindest zum Teil mit drin.

Zum Wasserstoff legen wir in der Studie recht deutlich dar, weshalb dieser nicht exzessiv eingesetzt werden sollte. Kommt einfach mit wesentlich höheren Umwandlungsverlusten als der direkte Elektrizitätseinsatz. Der Wasserstoff den wir (inländisch wir auch durch Importe) zusammenbringen dürften, werden wir vorrangig für die Industrie benötigen. Außerdem für jene Anwendungen, in denen kein E-Einsatz möglich ist, wie z. B. in der Schifffahrt, bei Spezialfahrzeugen, bei manchen (möglichst wenigen) Heizanwendungen, etc.
Und ggf auch für thermische Reservekraftwerke für seltenen Einsatz.

Der Ausbau des Stromnetzes ist freilich auch eine Herausforderung, in Vergleich zu den Umwandlungsverlusten der Wasserstoffelektrolyse, -speicherung und Rückumwandlung.

Wasserkraft hat ihre eigenen ökologischen und klimatischen Probleme, u. a. bei großen Staudämmen. Da ist deswegen das Ausbaupotenzial begrenzt.

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Hier ist die Studie vom Wuppertal-Institut

@gekko beschreibt das hier vollkommen richtig. Ich habe hier auch nochmal einen Artikel, der die steigenden Strompreise durch regenerative Energien erläutert:

Der Netzausbau ist natürlich kein selbstläufer, allerdings bestätigen diverse Konzerne bereits, dass 10-40 Millionen E-Autos mit geringem Umbau bereits heute möglich sind.

Das Thema Wasserstoff und auch Power2Gas/Liquid/Fuel/… wird oft falsch angegangen. Um die Energiewende zu meistern müssen wir unseren Energieverbrauch senken. Das muss das Primärziel sein. Dabei sollten wir Technologien so nutzen, dass jedem Einsatzort die effizient Möglichste Technologie gegeben wird. Im Automobil ist das nun mal batterieelektrische Mobilität. Andere Einsatzorte benötigen höhere Energiedichten, z.B. die Schifffahrt oder die Luftfahrt. Hier ist ein Einsatz von eFuels denkbar.
Wasserstoff spielt eine wichtige Rolle im Bereich saisonale Energiespeicherung. In Großanlagen kann man diesen recht effizient herstellen und auch wieder zurückwandeln. Anders sieht es im PKW aus. Kleine Brennstoffzellen laufen nicht so effizient. Gleiches gilt beim Verbrennungsmotor. Dieselkraftwerke laufen bei ca. 40% Wirkungsgrad, immer am idealen Betriebspunkt. PKW Verbrenner schaffen im idealen Betriebspunkt auch ca. 40%, nur dass dieser eben im PKW nie gefahren wird. Realistisch ist man eher bei 8-12% (anfahren, untertourig, wenig Last,…). Daher machen auch Brennstoffzellen keinen Sinn im PKW. Der ideale Betriebspunkt wird selten erreicht.
Der komplette Gegensatz ist der E-Motor und Leistungselektronik. Der lässt sich in einem großen Drehzahlbereich sehr effizient betreiben (90-98% Wirkungsgrad). Erst bei sehr hohen Drehzahlen (Feldschwächebereich, für die Nerds hier im Forum :smile:) sinkt der Wirkungsgrad, was den Verbrauch stark steigert.

Zur Relevanz der Elektromobilität auch eine interessante Podcastfolge mit Martin Doppelbauer vom KIT:

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Für die Energiewende/Klimawandel gibt es dazu wenig Alternativen. Ein bisschen mehr Wasserkraft, Biogas, aber das wars. Das heißt aber nicht, dass man nicht nach weiteren Alternativen suchen sollte. Ganz im Gegenteil. Weiterentwicklung halte ich für extrem wichtig, egal ob Brutreaktoren, Fusionsgenerator, neue Solarzellen, Windräder oder anderes.

Lieber gekko, lieber Lukas, vielen Dank für euer Mühe ein paar wenige wichtige Zusammenhänge zu regenerative Energie zu erläutern. Ich muss schon sagen, man merkt ganz stark, wie wichtig ein gewisses Grundverständnis zu technischen Themen ist. Leider ist das Unwissen in der Gesellschaft extrem verbreitet. Fragt einfach mal in eurer Straße, warum man kein E-Auto fahren kann. Da wird dann glatt behauptet, das könne man im Umkreis von 50 km gar nicht auftanken…Aufklärung ist also angesagt.
Was auch noch nützt, ist sich mit der Realität auseinander zu setzen. Liebe Knalltüte, google doch einfach mal ein wenig zu Fukushima. Dann frage dich, warum nach so vielen Jahren noch immer nicht mal Roboter in die Nähe des Reaktor-Kerns gelangen (vielleiht geht das sogar schon, hat aber ewig gedauert). Oder Frage dich, warum letzte Woche in der Presse stand, dass die Japaner das verseuchte Grundwasser nun doch wieder ins Meer ableiten wollen (weil die Tanks voll sind). Tut mir leid, zu glauben, dass der Mensch so eine Technik beherrschen können soll, ist so etwas von abwegig und zigfach belegt, dass ich manchmal glaube das von Ulf geforderte Wahrheitsministerium wäre gar nicht so schlecht.

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Äh, die Technik an sich ist ziemlich einfach und sicher. Eine große Menge Granit, Wasser drauf und fertig. Hat 500.000 Jahre lang funktioniert. Das ist eine ziemlich lange Laufzeit, die nur wenige Techniken aufweisen.

An der Technik an sich liegt es aus meiner Sicht nicht. Aber der Mensch macht halt Fehler…

Thema Speicher: Volkswagen plant bis 2027 mit einer E-Fahrzeugflotte, die eine Batteriespeicherkapazität hat, die größer ist als die sämtlicher Stauseen der Welt.

Nachzuhören in diesem Interview mit Volkswagen-Chefstratege Michael Jost:

Sehr hörenswert, um zu verstehen, welche Möglichkeiten Sektorkopplung bietet.

Gruß Martin

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Thema Atomkraft: sieht wirklich jemand in absehbarer Zukunft eine gesellschaftlichen Konsens, dass wir in Deutschland massiv Atomkraftwerke bauen? In einem Land, in dem um jedes Windrad gestritten wird.

@MartinH: Das denke ich nicht. Darum finde ich es so spannend, dieses Thema mehr in den Fokus zu rücken, damit man das offener diskutieren kann. Im Moment geht da bei nämlich direkt ein Alarmsignal an und es wird dichtgemacht

LeoWom: Ich kenne die Folgen der Unglücke in Fukushima und habe mich auch ausführlicher mit Tschernobyl beschäftigt. Dir würde ich den Tedtalk, den @Kugelfun gepostet hat, ans Herz legen. Außerdem lohnt sich vielleicht die Lektüre von 1984 bevor du ein Wahrheitsministerium forderst und Leuten, die du nicht kennst, direkt Unwissenheit unterstellt. :wink:

@gekko: Was würdest du den zu den Einwänden Prof. Dr. Watters bezüglich der Machbarkeit einer Energiewende mit ausschließlich Erneuerbaren sagen, die er im Gespräch mit Dr. Stellter im „Beyond the obvious“-Podcast formuliert hat?
Mein grundsätzliches Bedenken habe ich leider noch nicht Überwunden. in Deutschland mag das ja mit einer gewaltigen Kraftanstrengung und unter großen Kosten funktionieren, aber das kann dann ja offensichtlich keine Alternative für ärmere Länder sein. Mal davon ab, dass es nicht mal dann ein Weg für alle sein könnte, wenn diese Reichtumsunterschiede nicht gegeben wären, weil unser Weg noch stark von Importen abhängt.
Und diese Frage muss man sich doch stellen, denn es bringt bekanntlich nichts, wenn eine Energiewende nur in Deutschland funktioniert. Das Gebet der Mäßigung und Einschränkung beim Energieverbrauch mag da ja in unseren Microkosmen möglicherweise noch sinnvoll sein und auf fruchtbaren Boden stoßen, aber weltweit wollen doch unzählige Länder ebenfalls von modernen Technologien profitieren. Beispiele wie zuletzt China und nun Indien zeigen, glaube ich, ganz gut, dass der Energieverbrauch weltweit in den nächsten 50 Jahren enorm zunehmen wird. Ich frage mich, wie das mit Erneuerbaren gut funktionieren kann, wenn die Leistung der erzeugten Energie der Solarzelle auf meinem Dach nicht mal ausreicht Mittags meine Herdplatte anzuschmeißen, um ein Beispiel von Herrn Watters zu bemühen.

Hallo FlorianR, glaube physikalische Vorgänge wie der Zerfall von Uran und Technik um diese zu beherrschen sind zwei paar Schuhe.
Recht hast du natürlich, dass ich den Menschen meine, nicht die Technik. Wobei…wie oft bist du denn mit deinem Auto in der Werkstatt, weil etwas nicht funktioniert? Wie oft hast du deinen Rechner schon neu gestartet?

Hallo @Knalltuete,
Ich finde deine Ausführungen hier gut, aber finde du greifst hier zu kurz.
PV- und Windstrom ist der günstigste Strom, den man erzeugen kann. Billiger geht es nicht. Wir reden hier von 1/5 bis 1/10 des Preises von Kohle und Atomkraft.

Dass es teuer ist hält sich zwar wacker, ist faktisch aber nicht mehr tragbar.

Dazu kommt, dass Deutschland weltweit eine Vorbildfunktion hat. Was die USA auf der technischen Ebene sind (Sillicon Valley,…) ist Deutschland auf politischer Ebene. Viele Länder schauen zu uns und sehen uns als Vorbild. Wir sind in Deutschland für mehr als 1% des CO2 Ausstoßes verantwortlich, obwohl wir gerade mal 0,1% der Bevölkerung ausmachen. Deine Haltung ist also eher ein „sollen erstmal die anderen was machen, bevor ich was ändere!“
Privilegiert und kurzsichtig wenn du mich fragst.
Der Energiebedarf von anderen Ländern wird weiter steigen, korrekt. China ist da allerdings eins der schlechten Beispiele für deine Argumentation, da China massiv auf PV setzt. Sie betreiben meines Wissens nach schon zwei PV-Felder (auf Wasser und an Land), die mehr Strom erzeugen als AKWs. Gerne mal einen Blick nach Qinghai werfen:

Der letzte Vergleich mit der Solarzelle, die nicht für die Herdplatte reicht ist maximal als populistisch zu betrachten.
Ein Verbrennungsmotor kann auch nicht direkt an die Räder angeschlossen werden. Haben wir den Verbrennungsmotor deshalb nicht weiter betrachtet? Nein! Wir haben ein Getriebe mit Gangstufen eingebaut.
Wenn die Solarzelle „nicht mal meinen Herd betreiben kann“ (was nebenbei auch völliger Quatsch ist, ein Dach mit PV schafft das locker), dann baut man vielleicht einen Pufferakku dazwischen, der die über den ganzen Tag gesammelte Energie dann abgeben kann.

Ich würde doch darum bitten das Ganze in einer Diskussion auch realistisch zu betrachten.