O.K., ich gebe gern zu, dass man dass missverstehen konnte. Aber ich habe MM"T" keineswegs als Verschwörungstheorie abgestempelt. Vielmehr habe ich gesagt, dass MM"T" (zumindest nach dem Informationsstand, den ich habe) das gleiche inhärente Problem hat wie Verschwörungstheorien: Man kann sie per definitione nicht widerlegen, weil es ihr am theoretischen Umbau mangelt. Damit kann man sie empirisch auch nicht be- oder widerlegen.
Wenn bei in Umfrage in 2019 unter den führenden US-Ökonomen nicht einer den Kernthesen von MMT zustimmt, brauche ich schon wirklich gute Argumente, um Zeit dafür aufzuwenden.
Auf den Zusammenhang zwischen Einkommens- und Vermögensverteilung auf der einen und Wirtschaftswachstum auf der anderen hat ja schon Thomas Piketty in einer eindrucksvollen, umfassenden, mit sehr viel Empirie Unterlagen Untersuchung hingewiesen (auch wenn die nicht frei von Kritik ist). Ist das aber ein Beleg für die Richtigkeit von MM"T"? Nein.
Ganz im Gegenteil: Ich (und viele Ökonominnen) sehen im Kampf gegen die Klimakrise das wohl größte Wirtschaftswachstumsprogramm der Geschichte. Aus zwei Gründen: Zum einen weil wir als Gesellschaft sehr, sehr viel Ressourcen werden investieren müssen: Staat, Unternehmen, Konsumenten. Zum anderen, weil wir das nicht etwa in bestehende, sondern vielfach in völlig neue Infrastruktur, Investitions- und Konsumgüter. Also, keine Instandhaltungsinvestitionen, sondern Ersatzinvestitionen von (vielfach noch nicht abgeschriebenen) Gütern.
Damit verbunden wird aber ein gewaltiger Strukturumbruch sein, während dem in einer Branche massiv Arbeitsplätze abgebaut und in einer anderen wieder aufgebaut werden. Die mentalen, physischen und monetären Herausforderungen für die weit überwiegende Mehrheit der Bevölkerung wird immens sein. Diesen Strukturwandel muss die Politik „begleiten“, und zwar nicht nur mit Geld, sondern auch mit „Marketing“, d.h. dem richtigen „Framing“. Da gibt es keine Verlierer, denn letztlich gewinnen alle, wenn wir die Klimaerwärmung auf idealer Weise doch noch 1,5° begrenzen. Und diejenigen, die sich großer Veränderung ausgesetzt sehen, sind „Helden“, die es zu unterstützen gilt! Auch pekuniär!!
Nur so nebenbei: Ich bin überzeugt, dass weder die Union noch die SPD in den nächsten 5-10 Jahren in der Lage sein werden, diese Aufgabe verantwortungsvoll zu stemmen.
Da sind wir uns völlig einig. Das aber ist ein Subthema des Generaltthemas „Gerichtigkeit und Verteilung“. Ich bin mir dabei gar nicht sicher, ob wir unser Steuersystem grundlegend verändern müssen (bis Bestimmung der Region der Unternehmensbesteuerung nicht mehr auf Basis der Wertschöpfung, sondern auf Basis dessen, wo der Umsatz gemacht wird - das dann aber zum Nachteil der Exportnation Deutschland). Wir müssen vielmehr die Regeln entschlacken und vereinfachen, dabei die vielen Schlupflöcher schließen, die Steuersätze justieren und Steuerhinterziehung sehr viel krasser verfolgen (und als Gesellschaft verdammen). Die in diesem Forum ja auch hitzig diskutierte einmalige Vermögensabgabe gehört ebenfalls zu den Maßnahmen, die wir wirklich ernsthaft erwägen und prüften sollten.
O.K., zurück zu dieser Diskussion: Ich kann den grundlegenden Unterschied zwischen Staat auf der einen und Privathaushalten und Unternehmen auf der anderen in Bezug auf die Finanzierung nicht erkennen. Auch ein Privathaushalt (und auch ein Unternehmen) kann Umschulden (tilgten und Darlehen bei einer andere Bank aufnehmen) und bekommt dabei noch zusätzliche Kredite, wenn er über weitere Werte verfügt, die der Bank die Sicherheit gibt, dass er wird tilgen können.
Der wesentliche Unterschied ist: Die Schuldentilgungsfähigkeit des Staates ist grundsätzlich wesentlich höher und die Anleihenkäufer verlangen keine Sicherheiten (ersetzen diese in Vertrauen). Aber aber nicht ohne Grund haben sich die Gründungsnationen des Euros und der EZB auf Regelungen im Maastricht Vertrag geeinigt, die vorher schon für die DM und die Bundesbank galten: Das jährliche Haushaltsdefizit eines Landes sollte 3 % und der öffentliche Schuldenstand insgesamt 60 % des Bruttoinlandsprodukts (BIP) nicht überschreiten. Ob diese Grenzen heute noch sinnvoll sind? Wenn das BIP nicht nur ein rein quantitatives, sondern auch ein qualitatives Maß wäre (z.B. negative Konsequenzen der Güter und Dienstleistungen in die Rechnung einfließen) und 60% diese qualitativen Inlandsprodukt in einen „gesellschaftlichen Kapitalstock“ (neben Infrastruktur wäre das z.B. auch immaterielles Gesellschaftsvermögen wie Bildung) investiert würde, dann ja. Ob letzteres so ist, weiß ich schlicht nicht.
Wenn Du mit „Schlechte Staaten“ Staaten wie Argentinien (die ja schon mehrmals eine Staatspleite hingelegt haben) sowie die EU-Staaten, gegen die in der Euro-Krise gewettet wurden (Griechenland, Portugal, Spanien, Irland, Italien, z.T. Frankreich): Nun, das waren halt alles Staaten, die die o.g. Regel einfach nicht eingehalten hat (wobei unsere Regierung unter Schröder dem Vorschub geleistet haben, als sie sich selbst darüber einfach mal hinweggesetzt hatten).
Verstehe ich nicht. Natürlich könnte der Staat die Steuern erhöhen, die Ausgaben senken und den Überschuss zur Tilgung verwenden. Dafür müssen ja diejenigen, die jetzt mehr Steuern bezahlen, keine Schulden aufnehmen!
Dem Staatsschulden steht ein Geldvermögen gegenüber?
Nein, wenn Du diesen Begriff schon so verwendest: „Kinderglaube“ ist, dass der Staat sich völlig unabhängig von Vermögensstock der Gesellschaft beliebig verschulden kann.
Selbstverständlich steht der Staat viel besser da, wenn er keine Schulden hat, d.h. sämtliche Einnahmen für sinnvolle Ausgaben (statt für Zinszahlungen) ausgibt. Zinsausgaben](Zinsausgaben des Bundes 2021 | Statista) waren für viele Jahre einer der größten Haushaltsposten! Trotz Schuldenbremsen hätte ohne Zinsausgaben die BRD 800 Mio. EUR mehr für Pflege, Bildung, Klima, Umwelt, … ausgeben können …
Das mag so sein. Aber das ist kein stabiler, und auf keinen Fall ein ökonomisch gesunder Zustand.