Eine Verteidigung der Schuldenbremse

Ich möchte mal eine kleine Lanze für die Schuldenbremse brechen, die aus meiner Sicht durchaus ihre Daseinsberechtigung hat.

Grundsätzlich sind wir uns denke ich alle einig, dass ein hoher Schuldenberg im Interesse zukünftiger Generationen zu vermeiden ist, insbesondere da man nie wissen kann wann die Zinsen für die Tilgung der Kredite wieder steigen.
Wenn nun eine Situation entsteht, die hohe Mehrausgaben verlangt (unabhängig von der ja schon eingebauten Flexibilität je nach Konjunktur), kann der Bundestag sie ja relativ einfach vorübergehend aufheben, so wie letztes und dieses Jahr geschehen.
Die Möglichkeit Schulden aufzunehmen für sinnvolle Investitionen ist also bereits jetzt weitgehend gegeben.
Was würde passieren wenn die Schuldenbremse ganz abgeschafft würde? Die regierenden Parteien müssen sich öffentlich weniger rechtfertigen, warum sie ihre Vorhaben nicht durch andere Einnahmequellen finanzieren können. Und selbst wenn diese Debatte stattfindet, ist sie unfair, da die Lasttragenden oft nicht einmal wahlberechtigt sind und sich daher kaum dagegen wehren können. Gerade weil unser politisches System also diese Schwachstelle hat, dass es verlockend ist, unangenehme Folgen der eigenen Politik auf die Zukunft zu verschieben, die dann ebtroffenen Bürger sich zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht wehren können, erscheint es mir das mindeste, dass die Regierung ordentlich begründen muss, warum eine vorübergehende Aufhebung notwendig ist und nicht woanders gespart werden kann oder Steuern angehoben werden können (was beides politisch sehr viel Widerstand auslöst, mehr als die Aufnahme von Schulden weil wie gesagt da die Betroffenen Bürger sich ordentlich wehren können)
Als junger Mensch möchte ich daher nicht auf finanzielle Generationengerechtigkeit verzichten für eine ökologische Generationengerechtigkeit.

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Volle Zustimmung!

Ein weiterer Aspekt besteht darin, dass Staatsschulden effektiv eine Kopfsteuer und damit eine regressive Steuer sind. Regressive Steuern scheinen in Deutschland nicht mehrheitsfähig zu sein, also wäre es auch nur konsequent wenn die Mehrheit auch gegen Staatsschulden ist. Letzten Endes hat der Staat die Wahl das Geld entweder via Vermögens-/Erbschafts-/Spitzeneinkommenssteuer oder via Staatsanleihe von den Vermögenden einzutreiben. Ein Glück für das Bundeskabinett, dass die Lobbyverbände der Vermögenden gerne bei der Entscheidungsfindung behilflich sind.

Zur Veranschaulichung: der Staat könnte ein neues Vorhaben statt mit neuen Schulden auch mit einer Erhöhung der Einkommenssteuer um 0,x % erreichen. Dann würden einkommensschwache „Köpfe“ in absoluten Euros weniger stark belastet werden.

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Das ist doch ein sehr interessanter Punkt, der im grünen Jubel über das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zum Klimaschutzgesetz ein wenig untergegangen ist: warum die vom Gericht letztlich eingeforderte Generationengerechtigkeit auf die Umweltpolitik begrenzt sein soll und nicht auch die Finanz- und Rentenpolitik umfassen soll, erschließt sich mir nicht. Und wie können die Grünen einerseits das Urteil des Bundesverfassungsgerichts beklatschen, andererseits aber die Schuldenbremse abschaffen und die Rücklagen der Pflegeversicherung zur Abmilderung des demokratischen Wandels plündern wollen?

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Was wir unseren Kindern hinterlassen, ist nicht nur ein Berg von Schulden, sondern auch ein Land und eine Umwelt. Es ist zwar schön, wenn unsere Kinder keine Schulden erben, wenn allerdings das Land nichts Wert oder das Klima zerstört ist, dann ist das Erbe ins Gesamt weniger Wert. Wie in der Lage auch gesagt wurde geht es darum, wofür man Geld ausgibt. Aufgrund der Schuldenbremse nehmen wir aktuell zwar keine Schulden auf, aber notwendige Infrastruktur, Klima/Energieausbau kommt zu kurz. Wir müssen vermeidbare Ausgabe minimieren und unsere Einnahmen maximieren. Und dies trifft auch auf die Zukunft zu. Wenn ich heute 1€ ausgeben kann, um in 10 Jahren nicht 100€ ausgeben zu müssen, für den gleichen Effekt, dann hat sich in 10 Jahren meine Investition gelohnt. Die künftigen Generationen haben dann mehr, trotz temporärer Verschuldung.
Also eine Schuldenbremse, die dadurch Zustande kommt, das notwendige Investitionen nicht stattfinden, ist für die Zukunft definitiv negativ.

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Aber das ist doch einfach nur ein Zeichen von Politikversagen, denn (um es mit A. Nahles zu sagen): „das Geld ist ja da!“. Die Haushalte der öffentlichen Hand sind in den letzten 10 Jahren schneller gewachsen als das BIP. Dass diese Freiräume dafür genutzt wurden (und werden), um sich Wählerstimmen zu kaufen, statt in die Zukunft zu investieren, ist ein denkbar schlechtes Argument dafür, der öffentlichen Hand mehr Geld anzuvertrauen, zumal wir es durch Schulden einer Generation wegnehmen, die darauf keinen Einfluß nehmen kann.
Es ist Aufgabe von Politik, für ihre Entscheidungen zu werben und den Bürgern heute zu erklären, warum die damit einhergehenden Kosten zu tolerieren sind. Es ist für mich unter keinem Aspekt nachvollziehbar, wie man der Meinung sein kann, dass sich Politik durch ungehemmte Schuldenaufnahme um diese Verantwortung drücken können sollte.

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Die Gesamtverschuldung steigt sowieso. Schlicht weil gilt: Schuldenstand auf der einen Seite = Geldvermögen auf der anderen Seite.

Solange unser Wirtschaftssystem darauf basiert, dass die Eigentümer der Privatwirtschaft durch die Tätigkeit ihrer Unternehmen das eigene Geldvermögen vermehren, solange muss irgendjemand die dem Vermögenszuwachs gegenüberstehenden Schulden aufnehmen.

In Zeiten, in denen der deutsche Fiskus Überschüsse macht, sind es halt andere Akteure, die gerade Schulden machen: Unternehmen, Privatpersonen und vor allem das Ausland. Fallen die als Schuldner aus, weil gerade Wirtschafts- und Finanzkrise ist, dann werden diese Verbindlichkeiten auf das Konto des Finanzministers umgebucht. Siehe „Rettungspakete“. Und so geht das immer weiter mit dem Schuldenwachstum. Mal schneller, mal langsamer. Die deutsche Staatsverschuldung robbt sich gerade wieder Richtung 100% der jährlichen Wirtschaftsleistung vor, in Japan ist man schon bei 250%. Und weiter geht’s.

„Schuldenbremse“ ist was für Dummköpfe. Spricht sich glücklicherweise langsam rum.

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Der Staat ist allerdings kein Privathaushalt die Frage ob staatliche Schulden problematisch sind hat nur sehr bedingt etwas mit ihrer Höhe zu tun. Daher ist eine Argumentation auf der Basis von Schulden als etwas abzuzahlendes schlicht nicht sinnvoll.
Ich empfehle hier sich mal mit Japan zu beschäftigen gerade auch im Vergleich zu Griechenland. Dies zeigt dass sich diese aus dem Alltagsverständnis abgeleitete Rolle von Schulden empirisch schlicht nicht halten lässt.

Ich würde auch argumentieren, dass selbst im privatwirtschaftlichen wie auch privaten (also familiären) Bereich dieser Blick auf Schulden nur bedingt zutrifft. Viele dieser Kredit oder Schuldenstrukturen sind nicht nur wirtschaftlich notwendig sondern auch darauf angelegt nicht zurückgezahlt werden. Der Ausfall ist in den meisten Fällen mit eingerechnet und es bestehen Abfangsysteme auch für private Menschen, auch wenn diese ungemein einschneidender als für Staat oder Wirtschaft sind. Entsprechend ist der Blick auf Schulden eher moralisch aufgeladen.
Die Betrachtung von Schulden als etwas auszugleichenden basiert doch eher auf dem etwas älteren Prinzip der Schulden als soziales Verhältnis, also Leihen zwischen Leuten die sich unmittelbar kennen oder zumindest mittelbar eine Form sozialen Verhältnisses zueinander haben. Denn hier besteht der direkte soziale Druck, dass Geld auch zurück zuhalten. Das abstrakte Kreditverhältnis im wirtschaftlichen Sinne, welches stark formalisiert und reguliert ist hat damit wenig zu tun.

Bitte nicht missverstehen ich negiere hier nicht den materiellen Druck (Zinsen, Rückzahlung etc) den Schulden erzeugen, nur sollte man das moderne abstrakte Kreditwesen nicht aus diesem ursprünglichen sozialen Verhältnis heraus betrachten. In dem Sinne ist schon der Begriff der Staatsverschuldung in gewisser Weise problematisch, weil der Begriff der Schulden nicht universell ist. Staatsschulden sind nicht das selbe, wie privatwirtschaftliche Schulden, beide Unterscheiden sich von Schulden von Privatpersonen und das gesammte Kreditwesen ist etwas anderes als Kredite/Darlehen zwischen Privatpersonen.

Entsprechend ist die Frage der Schuldenbremse nur bewertbar, wenn man die spezifische Struktur, Funktionen und Konsequenzen von staatlichen Schulden aufzeigt. Deshalb ist die Gegenposition zur Schuldenbremse auch so traurig. Hier wird nur Argumentiert dass Schulden notwendig für Investitionen ist. Dahinter stehen dann leider wieder nur linke Sehnsüchte nach staatlicher Führung.

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Ich hab ja über die letzten Jahre auch gelernt weil immer wieder gelesen „Staatsschulden sind was anderes als Privatschulden“.

Nur fehlt mir weiterhin die Erkenntnis, worin genau denn dieser Unterschied besteht. Zins und Tilgung muss doch in beiden Fällen geleistet werden. Ist es nicht das, worauf man die Angst vor zu viel Schulden grundsätzlich reduzieren kann?

Klar ist das sozale Verhältnis ein anderes, wenn sich der Staat was leiht, als wenn ich meinem Schwager 3€50 borge, aber das worauf es ankommt, ist doch immer der Schuldendienst.

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Leider ist es auch ein Systemversagen, genauer: Versagen unserer Ausgestaltung des Systems Demokratie. Solange Politiker gewählt werden, weil sie großzügig konsumtive Wohltaten verteilen, statt in den Werterhaltung der über viele Jahrzehnte Infrastruktur sowie in Zukunftsthemen wie z.B. Klima- und Umweltschutzschutz, Bildung, Pflege, Digitalisierung etc. zu investieren, solange birgt das System Demokratie Anreize für Staatsverschuldung, dem keine entsprechenden Werte gegenüber stehen.

Eine Schuldenbremse sollte daher nicht pauschal eine Schwarze null verlangen. Eine Schuldenbremse,sollte vielmehr eine Verschuldung zur Finanzierung von Ausgaben, die keine Neu-Investitionen sind, verbietet und ihn gleichzeitig zum Erhalt der gesellschaftlichen Infrastruktur verpflichten.

D.h., der Staat müsste konsumtive Ausgaben sowie Ersatz-/Erhaltungsinvestitionen aus seinen laufenden Einnahmen finanzieren.

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Ich habe mal eine grundsätzliche Frage. Ich, vor vielen Jahren einmal Volkswirtschaftslehre studiert, aber weder in dem Fach beruflich, noch in Forschung oder Lehre in dem Bereich tätig, versuche immer wieder, herauszufinden, was wohl ein guter Grund sein könnte für die immer wieder postulierte Behauptung:

„Ein Staat ist nicht wie ein Privathaushalt und nicht wie ein Unternehmen. Daher kann der Staat unbegrenzt Schulden aufnehmen“

Ich habe immer wieder diejenigen, die so etwas sagen, nach einer Begründung gefragt. Ich habe noch nie eine bekommen, die mich überzeugt hätte. Das heißt nicht, dass es die nicht gäbe (dazu wird dieses Postulat einfach zu oft aufgestellt). Das heißt nur, dass ich es nicht verstehe.

Kann mir jemand von Euch jemand das erklären?

Wie kann das langfristig funktionieren kann, wenn der Staat Jahr für Jahr mehr Schulden aufnimmt als er tilgt. Solange die Verhältnisse stabil und die Zinsen niedrig sind, scheint das zu funktionieren. Wenn aber die Anleihenkäufer Sorge haben, der Staat könnte seine Schulden nicht mehr tilgen, bricht der Staatshaushalt zusammen und die Währung zugleich mit.

Ehrlich gemeinte Frage!

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Es ist mir nicht klar, ob das ökonomisch an irgendeiner Stelle wirklich Sinn ergibt (mein Eindruck ist eher, dass es ziemlicher Unsinn ist). Natürlich haben wir ein Kreditgeld-System, aber der aus dem Beitrag hervorgehende „Alternativlosigkeit“ von Rettungspaketen finde ich befremdlich. Ein Ökonom hat mal gesagt: „Kapitalismus ohne Insolvenz ist wie Religion ohne Hölle“.

Was aber das gewichtigere Argument ist: ohne eine Begrenzung der Staatsverschuldung sind die Euro-Verträge und damit auch das Mandat der EZB als wesentliche umsetzende Institution ab dem Punkt nicht mehr glaubwürdig, an dem bei hohem Schuldenstand die Zinsen beginnen, zu steigen (entweder, weil die Investoren anfangen, an der Schuldentragfähigkeit zu zweifeln oder wegen zu hoher Ausgaben Inflation befürchtet wird). Sie muss dann eigentlich sagen: „Wir pfeifen auf unser Mandat, wir stehen vor der Wahl zwischen errodierender Geldwertstablilität und Finanzkollaps der Staaten, und da wissen wir, was wir wählen“ (tatsächlich denke ich, dass diese Entscheidung implizit im Grunde schon getroffen wurde). Es ist aber einfach nur unredlich, zugunsten des bequemen Geldverteilens heute den absehbar damit einhergehenden zukünftigen ökonomischen und gesellschaftlichen Schaden und die enorme unkontrollierte (relative) Umverteilungswirkung billigend in Kauf zu nehmen.

Ich möchte beide Maxime ungern gegeneinander ausspielen, letzten Endes muss man einfach beides im Kopf haben. Wenn man eine maximal effektive Dekarbonisierung verbunden mit minimaler Neuverschuldung verbinden möchte muss man einen Co2-Zertifikate benutzen, ähnlich wie die FDP das vorgeschlagen hat. Auch wenn das ohne begleitende Maßnahmen wie sozialen Ausgleich, gezielte Subventionen und evtl. auch Verbote allerdings kaum durchzusetzen ist, hat man hier aber doch ein sehr effektives und mit Blick auf Neuverschuldung günstiges Instrument das unbedingt der zentrale Pfeiler der Klimapolitik werden muss. Die Gleichung je mehr Klimaschutz desto mehr Schulden sind nötig lasse ich nicht gelten, das ist eine Ausrede um 1. keine effizienten Marktinstrumente wie den Zertifikatehandel benutzen zu müssen und 2. um politischen Widerständen auszuweichen, da nicht an anderer Stelle eingespart werden muss oder Steuern erhöht werden müssen.

Kennst du die Modern Monetary Theorie? Die beschäftigt sich mit dieser Frage - kurz gefasst bessgt, das es weniger darauf ankommt, wieviel Geld ausgegeben wird sondern wofür es ausgegeben wird.

Das bedeutet: Geld für Schulen & Bildung, für Infrastruktur (Straßen, Brücken, Schienen, Glasfaser), für Polizei und allgemein funktionierende Behörden sind ok - Ausgaben, die vor allem dem Prestige der Politiker dienen oder Wahlkampf-Geschenke nicht.

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Ich würde es mal versuchen und freue mich auf einen spannenden Diskurs :slight_smile:

Der den erste Unterschied wie beide Parteien sich verschulden hatte vor kurzem in einem anderen Thema hier dargelegt das du meines Wissens auch gelesen hast, oder soll ich das hier nochmal anführen?

Ein anderes Thema welches aber zugegeben noch sehr Kontrovers diskutiert wird ist die Frage ob der Währungserzeuger und derjenige der die, in der Gesellschaft zu akzeptierende Währung vorgibt überhaupt verschulden muss!

Theorien wie MMT und andere blasen ja genau in dieses Horn. Ich arbeite schon einige Zeit an diesem Thema und finde immer wieder neu Aspekte die das Thema nicht einfacher machen.

Grundsätzlich hat der Staat mit einer eigenen Notenbank und Währung die Möglichkeit soviel Geld zu drucken wie er will. Das Problem ist ja vereinfacht gesagt nur die Wert und Preisstabilität. Weil man genau damit historisch schlechte Erfahrungen gemacht hat wurde im Nachkriegsdeutschland und später in der EU die Zentralbank von Staat „entkoppelt“. Wobei das eigentlich auch nicht wirklich stimmt aber nehmen wir das mal so hin.
Selbiges Argument kommt vom DIW zu einer Stellungnahme zum Thema MMT. Darin wird darauf verwiesen das es Grundsätzlich nicht falsch ist aber nur ein begrenztes Gut einen stabilen Wert hat. Wenn man also unendlich Geld drucken würde fehlt die Möglichkeit der Stabilität.

Nun ist es aber so das wir uns über letzten Jahre durch die Abkehr von Bretton-Woods und von der Goldbindung immer mehr genau in Richtung „offene“ Währung bewegen und dies weiter tun. Somit wäre so etwas wie MMT eigentlich nur der logische nächste Schritt sofern man die „Probleme“ in den Griff bekommen würde.
Das dieses Prinzip schon in der Realen Geldpolitik mancher Länder angekommen ist zeigen Beispiele wie Japan, und USA.
Wenn man jetzt wieder auf meine Erklärung zur Verschuldung von Staaten zurückkommt muss man sagen, das Prinzip Gelddruck funktioniert aktuell in Ländern mit einer stabilen Wirtschaft ohne Probleme.
Was die MMT-ler und andere meiner Meinung nach außer acht lassen ist die Tatsache das wir das Wirtschaftssystem umbauen müßten damit dieser Gelddruck überall und „immer“ stabil funktioniert.

Solange das Staatseinkommen von der Wirtschaft direkt abhängig ist, solange wird es Staaten geben die Pleite gehen können. Das die Staaten Pleite gehen liegt ja nicht daran das der Staat sich übermäßig verschuldet, sondern das rein Rating so schlecht wird das er kein Geld mehr bekommt. Das Rating wiederum wird so schlecht weil das Wirtschaftswachstum zu schlecht ist.

Bin gespannt ob dir das als Anfang weiterhilft.
VG

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Weil Staatsschulden immer falsch verstanden werden und einfach keine Verschuldung wie im Privatleben darstellt. Die in meinen Augen künstlich herbeigeredete Generationenfrage stellt sich hier einfach nicht.

Das ist genau auch meine Frage!

Ganz banal, Privatperson, Unternehmen, Staat sind unterschiedlich Akteure in jeglicher Hinsicht (Struktur, Einkommen, Absicherungssysteme etc.). Also warum sollten für alle Akteure die selben Bedingungen bei Schulden gelten ? Du gehst halt per se von einem universellen Begriff von Schulden aus, deswegen müssen die auch zurückgezahlt werden. Ultimativ ist hier das Alltagsverständnis von Schulden eine Tautologie. Schulden sind etwas dass man begleichen muss also sind Schulden ein Problem weil man sie begleichen muss, warum man Schulden den begleichen muss, in welchem Umfang und zu welchen Bedingungen bleibt außenvor.
Die Privatperson muss Schulden bezahlen, weil es staatliche Zwangsmittel gibt, welche das garantieren. Das gleiche gilt zumindest formell auch für Unternehmen. Solche zentralisierten Zwangsmittel gibt es dem Staat gegenüber nicht. Es gibt strukturelle Zwänge die sind allerdings wesentlich diffuser und abhängig von verschiedenen Bedingungen. Vor allem aber sind diese strukturellen Zwänge keine marktwirtschaftlichen Naturgesetze, welche eine grundsätzliche Ablehnung von Schulden begründen könnten. Dies impliziert das Gesetz jedoch. Das es gleich zu Verfassungsartikel wurde unterstreicht diesen seltsamen Blick auf Schulden jedoch.

Aber wirklich ich negiere nicht, dass Schulden materielle Verpflichtungen mit sich bringen, ich sage lediglich das es keine sinnvolle Begründung ist zu sagen (staatliche)Schulden seien per se ein Problem. So grundsätzlich je nach (wirtschaftlicher) Relevanz der Länder (als Absatzmarkt, natürliche Ressourcen, politische Stabilität oder im Fall von Griechenland Stabilität eines gemeinsamen Wirtschaftsraumes) gibt es sowohl für privatwirtschaftliche Investoren als auch andere Länder oder internationale Organisationen, genug Anreize auch Länder die „pleite“ gehen zu unterstützen bzw. Ländern Raum zulassen, um mit den eigenen Schulden freier umzugehen als jede Privatperson das je könnte. Natürlich kann das auf alles mögliche Auswirkungen haben, gerade Griechenland hat es ja mehr oder minder die eigene Souveränität gekostet. Allerdings gilt halt hier die Frage wie viel Souveränität man denn Überhaupt in einem Wirtschafts- und Währungsraum hat der defacto von einen wirtschaftliche extrem starken und großen Staat dominiert wird.

Das ist schon sehr polarisiert. Es geht ja nicht, um unbegrenzte Schulden Aufnahme. Zumal hier die Gläubiger sehr viele verschiedene Akteure sind und diese sich auch konstant verändern ist wohl auch die Betrachtung einer Gesamtschuld schon sehr relativ zu bewerten. Da mit unterschiedlichen Schuldern unterschiedliche Zwangsmittel bzw. Risiken einher gehen.

Auch ist Frage der Schulden abhängig von der Theorie welche als analytische Grundlage dient. Entsprechend ist die Frage der Stabilität hier zentral. Ist die Stabilität relativ unabhängig von den Schulden, dann sind andere Faktoren entscheidend dafür ob Schulden zu einem Problem werden können oder nicht. Vor allem gilt dann aber auch, unabhängig davon wie verschuldet ein Staat ist, dass so ziemlich alles zum größeren Problem, da höheres Risiko, wird. Entsprechend würden bspw. Zinsen nicht durch die Höhe der Schulden steigen sondern durch die Instabilität des Landes. Das Problem der Schulden wird dabei nur zum konkreten Problem der dahinter liegen abstrakteren Probleme.

Zunächst hat der Staat keine „Lebenserwartung“ wie eine Privatperson oder das spezifische Geschäftsmodell eines Unternehmens, die einen zeitlichen Rahmen für eine Rückzahlung setzen würde. UK hat vor einiger Zeit Anleihen gekündigt und zurückgezahlt, die - wenn ich mich richtig erinnere - vor 300 Jahren ausgegeben wurden.

Als zweiten Aspekt hat der Staat die Kontrolle über den gesetzlichen Rahmen, in dem die Kreditaufnahme stattfindet und, wenn er über eine eigene Zentralbank verfügt (was in der Eurozone nur eingeschränkt zutrifft), auch das Monopol zur „Erzeugung“ des Vertragsgegenstands - anders gesagt: er definiert die Spielregeln.

Und schließlich wird die Werthaltigkeit von Staatsschulden durch das ökonomische Potential und die Vermögen der Volkswirtschaft „gedeckt“, auf die der Staat durch Besteuerung jederzeit Zugriff hat und die die Schuldenhöhe in der Regel deutlich übersteigen. Das setzt aber die Bereitschaft der Bevölkerung voraus, die Besteuerung über sich ergehen zu lassen - der oben genannte 2. Aspekt bietet ja einen Ausweg…

Ein Staat kann sich also rein technisch betrachtet fast beliebig verschulden, allerdings würde die Werthaltigkeit, die den bestehenden Zahlungsversprechen zugemessen wird, sinken - entweder, indem die Renditen steigen, und/oder (wenn die Notenbank dies verhindert) indem der Außenwert sinkt, weil andere Währungen als wertstabiler angesehen werden. Die interessante Frage ist, was passiert, wenn alle Währungsräume in dieses Spiel einsteigen…

Im Prinzip ist die Idee, dass Staatsschulden vom (privaten) Kapitalmarkt finanziert werden, sodass sich der „Markt“ (als Summe seiner Teilnehmer) eine Meinung zu deren Werthaltigkeit bildet und dies über die Preise transparent wird, ja schon ziemlich gut - der Markt funktioniert halt leider nicht (mehr), wenn große Kapitalsammelstellen zum Kauf verpflichtet werden und er durch eine Zentralbank kurzgeschlossen wird, die beliebige Mengen aufkaufen kann. Unter diesem Aspekt sind wir eigentlich mittlerweile im Blindflug und der Begriff "Kapitalmarkt " ist eher missverständlich.

Kannst Du mich auf diesen Beitrag verlinken, dann lese ich es gerne nochmal nach.

Offenbar mangels Kenntnis dieses Beitrags verstehe ich nur noch Bahnhof.