EEG Novelle - Tod für die regenerative Energien

Ich möchte als Thema gerne die neue EEG-Novelle vorschlagen. Seit einigen Monaten schon ist die Bearbeitung in Gang, da diese nach 20 Jahren EEG jetzt ausläuft. Im Öffentlichen Diskurs hat man davon eigentlich nur den sog. „Solardeckel“ mitbekommen über dessen weiteren Bestand hitzig diskutiert wurde, auch von FFF.

Gräbt man tiefer (siehe Videos und Studie) fördert dies allerdings Mechanismen zu Tage, die die gesamte Energiewende torpedieren und Bürgerenergieanlagen (Photovoltaik mit Hausakkus) komplett entwerten und unattraktiv machen. Einer der Kernpunkte ist hier das sog. „Prosumermodell“. Genauere Informationen sind in beiden Videos enthalten, das ganze hier auszurollen würde den Rahmen sprengen.

Ich würde mich sehr freuen wenn ihr dies aufgreifen könnt, insbesondere weil es aktuell den Anschein macht als würde Klimaschutz wieder als Wahlkampfthema besonders „wichtig“ sein (siehe z.B. Hr. Altmaier). Wenn man dann hintenrum den gesamten bisherigen Erfolg (der leider noch viel zu gering war) wieder an die Wand fährt und für das Wohlbefinden alter Konzerne sowohl komplette Wirtschaftszweige (Photovoltaik, Hausakkus,…) abwürgt als auch der Bevölkerung massive Kosten aufzubinden, die künstlich geschaffen werden (obwohl PV Strom viel billiger wäre) hat das meines Erachtens wenig Glaubwürdigkeit.
Kurzer Auszug aus dem dritten Video: Die Bundesregierung plant für das Jahr 2021 PV-Ausschreibungen in Höhe von maximal 200 MW für Anlagen von 100-750kWp. Allein im Fenster der 500-750kWp Anlagen wurden 2019 1190MW ausgebaut, wobei Anlagen dieser Größe sogar die Minderheit sind. Und ein Minister stellt sich hin und sagt „Jetzt gehts richtig los!“ Wir sehen hier ein Gesetz zur massiven PV-Ausbremsung in DE, was so keinesfalls kommen darf.

Hier besagte Links zum Thema, zunächst drei Videos zum Thema:

Und hier noch die verlinkte Studie zum Thema in Kurz- und Langform.

Barometer Digitalisierung der Energiewende (Kurzfassung)

Barometer Digitalisierung der Energiewende (Gesamtstudie)

Vielen Dank und beste Grüße, ich freue mich auf Diskussionen!

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Danke @Lukas für den Themenvorschlag!

Ich bin selbst seit ein paar Jahren Besitzer einer PV-Anlage inkl. Akku mit der Ausrichtung auf Eigenversorgung, Autarkie - was sich hier anbahnt verdient den Begriff skandalös!
Hier soll eine zukunftsorientierte, klimafreundliche Energieversorgung zu Gunsten der Profitmaximierung der großen Energieversorger an die Wand gefahren werden.
Ich bin selten entsetzt und verwende auch ungern Begrifflichkeiten wie skandalös, weil es fast immer für alle Seiten nachvollziehbare Argumente und Positionen gibt - auch beim Thema PV-Anlage z.B. ist die Fertigung der Akkus sicher nicht absolut unkritisch zu betrachten. Auch die Windenergie hat Punkte die man sachlich kritisch betrachten muss, dennoch geht für kommende Generation kein Weg vorbei an einer nachhaltigen dezentralen Energiepolitik!
Aber diese Novell ist im groben genau das Gegenteil.

Dazu kommt ja, dass es wohl auch rechtlich gegen die EU-Richtlinie RED II geht.
https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?qid=1575559881403&uri=CELEX:32018L2001
Ich kann das rechtlich gar nicht einordnen, deswegen wäre es toll @vieuxrenard wenn ihr das bei euch in der Lage mal mit aufnehmen könntet.
Das Thema Energieversorgung geht uns alle an, jeder braucht es jeden Tag.
Danke :+1:

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Vielen Dank @AlexS für deine Antwort,

die Energiewende ist nur zu schaffen wenn wir sie dezentral angehen. Es gibt einfach keinen anderen Weg. Klar kann man auch Akkus, PV-Panele und Windkraft irgendwo kritisch sehen, aber die Frage ist ja was die Alternative ist. Ich denke dass wir mit Akkus schon gut fahren, tagsüber an der PV-Anlage auffüllen und Abends/Nachts dann den Strom verbrauchen. Vor allem mit batterieelektrischen Fahrzeugen (BEV) in der Sektorenkopplung.

Aber es geht sogar ohne PV auf dem Dach. Man müsste einfach mal aufhören den überflüssigen Nachtstrom zu Negativpreisen ins Ausland zu verkaufen (für alle die sich weniger auskennen: Das bedeutet, dass wir Geld bezahlen, damit andere unseren überflüssigen Strom nehmen und benutzen) Es wäre finanziell attraktiver ihn der Bevölkerung kostenlos anzubieten. Die könnten sich über Nacht die Akkus aufladen und Tagsüber daraus Strom bekommen. Das wäre sogar sehr kurzfristig realisierbar.

Egal wie man es dreht und wendet, es gibt viele attraktive Optionen die Energiewende zu gestalten ohne die komplette PV- und Akkuspeicherindustrie abzuwürgen. Aber gut, gegen die Lobby der Energiekonzerne ist die Automobillobby wohl Kindergeburtstag…

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Das hätte ja schon fast einen sozialen Anstrich! :grin:

Nicht nur das, es geht ja auch aus den Videos hervor, auch die Elektromobilität ständen dann vor dem aus.
Der Entwurf betrifft ja nicht nur die Akkus im Haus, sondern gleichfalls die in den E-Autos die dann sowohl im privaten wie auch im gewerblichen Bereich nicht mehr mit dem selbst erzeugten Strom beladen werden dürfen.
Nachdem ich mich etwas in die Novelle eingelesen habe, hatte ich mal mit meinem PV-Sachverständigen gesprochen.
Seine Einschätzung, sollte es so kommen wie angedacht, wäre das eine Katastrophe sowohl für die, die nach 20 Jahren rausfallen weil die Anlagen dann faktisch wertlos sind obwohl sie noch funktionieren, und neue Anlagen sind einfach nicht mehr wirtschaftlich.
Es kann eigentlich nur so sein, dass die wirklich gravierenden Änderung nur Blendwerk sind und von Punkten ablenken sollen, die dann durch rutschen?

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Stimmt, sozialer Anstrich in Deutschland, wo sind wir denn hier? Soweit kommt’s noch! :grin:

Am schlimmsten finde ich eigentlich, dass das Thema wirklich konsequent totgeschwiegen wird und nur mal kurz durch Begriffe wie „Solardeckel“ öffentlichkeitswirksam wird. Wo sind denn die Grünen? Warum hört man da nichts?
Man würgt bewusst mehrere Zukunftsindustrien ab die über unseren zukünftigen Wohlstand im Land entscheiden können, die die wegfallenden Arbeitsplätze aus Fossil kompensieren können und keiner bekommt davon was mit?

Mich als einigermaßen junges Mitglied der deutschen Bevölkerung frustriert das enorm.

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Als mittelalt/mitteljung, je nach Sichtweise, könnte es mir eigentlich egal sein, unser PV-Anlage fällt mit Anfang 60 aus den 20 Jahren raus. Ist es aber nicht, weil hier die Ursachen gesetzt werden, die die junge bzw. nächste Generationen tragen müssen.
Ich kann auch verstehen, dass nicht für jedes Thema in der LdN Platzt ist, die Tragweite dessen was hier passiert ist allerdings enorm und deutlich größer als bei einigen anderen behandelten Themen. :disappointed_relieved:
Hier nochmal ein Link @Lukas der aktuellen Stellungnahme des Solarenergie-Förderverein Deutschland e.V. vom 14.09
https://www.sfv.de/artikel/stellungnahme_des_solarenergie-foerderverein_deutschland_ev_zum_referentenentwur.htm

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Danke für den Link, ich hab hier noch ein Interview mit einem PV-Großanlagenbetreiber:

Hier auch noch ein älterer, aber lesenswerter Beitrag zum Thema warum die Strompreise steigen, obwohl erneuerbare Energien faktisch günstigere Strompreise ermöglichen.

Schade dass das Thema auch hier nach wie vor unbeachtet bleibt. Gerade unter dem Aspekt dass die Hosts dieses Podcasts sich regelmäßig zu Klimaschutz und auch FFF bekennen.
Das Thema ist so viel größer und wichtiger als man denkt und Medien, Politiker und Co. schweigen komplett.

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Lieber Lukas,
die EEG Novelle ist auf jeden Fall ein wichtiges Thema - Du hast Recht, dass man sich das genau ansehen muss.

Dass die Lage sich damit beschäftigen wird halte ich für relativ erwartbar, schließlich haben Ulf und Philipp schon in Lage #13 und #14 über die letzte EEG Novelle gesprochen.
Die Frage „Wo sind die Grünen“ ist natürlich schwer zu beantworten, weil mir nicht ganz klar ist was Du genau erwartest. Eine erste Stellungnahme zum Referentenentwurf gibt es hier


Die Videos von „Money for Future“ konnte ich mir leider beide nicht anschauen, ein wütender Mann in einem PKW bzw. zwei wütende Männer die durcheinanderschreien - das finde ich als Format sehr anstrengend.
Der Text der von Alex verlinkt war fand ich bislang am hilfreichsten, danke dafür!
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Hallo Hasenkoettel,

Danke für deine Antwort. Die Stellungnahme habe ich bereits gelesen, ich halte das für viel zu oberflächlich. Wenn es nur um den allgemeinen, von der Regierung ausgeschriebenen Ausbau ginge, dann wäre es fast noch verschmerzbar was da auf uns zukommt.

Leider betrifft es auch voll und ganz die Privathaushalte, die durch diesen Entwurf absolut nicht darin bestärkt werden die Energiewende durch dezentrale Stromerzeugung zu fördern. Ohne diese können wir die Energiewende direkt sein lassen. Ferner wird es ohne kleine bis mittlere, lokale Speicher auch im größeren Stil (Stichwort 100kWp) nichts werden. Die Vergütungen für den eingespeisten Strom und damit das darin angestrebte „Prosumer-Modell“ sind wohl kaum weniger relevant. Es ist daher absolut unattraktiv eine solche Anlage zu installieren.

Dass dir die Videos nicht zusagen tut mir natürlich leid, du hättest dir ja auch die ebenfalls verlinkte Komplettfassung oder wenigstens die Zusammenfassung durchlesen und anhand von Seitenzahlen mit mir diskutieren können. Ich habe diese nämlich gelesen und hätte mich auf mehr Input gefreut, gerade wenn man kritisch dazu steht.
Ich finde diese Videos ganz treffend. Personen aus der Branche diskutieren das Thema (und sind entsprechend aufgebracht, was ich vollständig nachvollziehen kann. Liegt aber vielleicht auch daran, dass ich jobbedingt sehr tief ins Thema hineingehen kann). Es ist mir persönlich lieber etwas von solchen Leuten zu hören als eine völlig realitätsferne Stellungnahme von Politikern zu sehen, die inhaltlich genau zeigen wie wenig die Thematik verstanden wurde. Der Beitrag von AlexS war in der Tat interessant.

Ob das mit Folge 13 und 14 jetzt nur ein schlechter Scherz sein soll oder ernst gemeint habe ich ehrlich gesagt nicht herauslesen können. Soll das etwa bedeuten dass es reicht ein Thema nur einmalig zu besprechen? Dann frage ich warum jede Woche über Trump, Klimawandel usw. berichtet werden sollte, es wurde ja schon mal in der Vergangenheit darüber gesprochen. Ich bin ehrlich, bei der Aussage kann ich echt nur mit dem Kopf schütteln.

Dennoch danke ich dir natürlich für den Kommentar.

Hallo Lukas,
bezüglich Folge 13 und 14 haben wir wohl aneinander vorbei geredet.
Ich wollte nur darstellen, dass Themen wie das EEG Gesetz grundsätzlich in der Lage vorkommen.
Ich glaube ich werde in diesen Tagen immer etwas unruhig und grantelig wenn ich Formulierungen wie „Medien, Politiker und Co. schweigen komplett“ lese, wenn damit eigentlich nur gemeint ist „Medien bzw. Politiker berichten bzw. kommentieren nicht in der Intensität und Richtung die Du dir wünschen würdest“, was ja eine ganz andere Aussage ist.

Ich habe tatsächlich eben mal in die Dokumente rein gesehen und dann wieder etwas zurückgeschreckt, die Anzahl an Seiten sind mir dann doch für mein Privatvergüngen und ohne Vorbildung etwas zu hoch :wink:

Ich habe gerade noch hier


einen Kommentar gelesen der sich (ich glaube im Gegensatz zu den Links oben, da ging es glaube ich immer um den Referentenentwurf) auf den Entwurf betrifft der durchs Kabinett ist, wo wenn ich das richtig sehe einige (wenn auch mit Abstand nicht alle) der kritisierten Regelungen abgeräumt sind.

Jetzt nächster Schritt ist ja Bundestag, und Bundesrat ist auch noch dran wenn ich das richtig gelesen habe, spätestens da kann es ja gut sein, dass die Grünen noch etwas reinverhandeln können, ggfs. gibts ja auch schon im Bundestag nochmal Argumente.

Ah - und insgesamt hatten wir glaub ich noch ein Mißverständnis unterwegs. Ich bin gar nicht kritisch gegenüber der EEG Kritik - Ich bin da noch nicht tief genug drin um da eine Meinung zu haben, mit der Tendenz dazu die Kritik zu teilen. Ich war nur irgendwie von den zwei Videos abgestoßen und hatte den Impuls das zu teilen - das war vielleicht Quatsch ohne eigenen inhaltlichen Beitrag :wink:

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Hallo Hasenkoettel,

Danke für deine ausführliche Erläuterung! Mir ist tatsächlich nicht aufgefallen dass ich dem ganzen mit der Formulierung „schweigen komplett“ einen unglücklichen Spin gebe, vor allem in aktuellen Zeiten.
So wie du es korrigiert hast trifft es mein Anliegen besser. Ich bin darüber enttäuscht dass nicht in der Breite darüber gesprochen wird, in der andere, meines Erachtens unwichtigere Themen besprochen werden.

Ich habe den Kommentar gelesen und bin leider immer noch sehr enttäuscht was man damit bewirken möchte. Im wesentlichen zieht man nach wie vor richtig fest an der Handbremse der Photovoltaik. Es bleibt am Ende alles gleich, außer dass ein paar Grenzen aufgeweitet wurden, die jetzt höher, aber immer noch deutlich zu niedrig sind. 71 GW bis 2030 ist vollkommen witzlos, da müssten wir bei 300-400GW sein um die Energiewende überhaupt irgendwie sauber durchführen zu können. Dauernd wird von sauberem Wasserstoff gesprochen, wo soll der denn bei so wenig Strom herkommen? Vermutlich waschen wir ihn dann doch aus dem Erdgas aus Nordstream 2 raus, einfach weil wir die Energie nicht bereitstellen können. Das bisschen Zubau würde nicht mal für Batterieelektrische Mobilität reichen, wie man damit die Energiehungrige Industrie versorgen will entzieht sich vollkommen meiner Vorstellungskraft.

Auch das letzte Video was ich geteilt habe bezieht sich auf den letzten Stand der Novelle. Wenn das ganze jetzt in den Bundestag geht wird das doch nur durchgenickt. Die abstimmenden Politiker verstehen davon doch gar nichts. Wie auch, sie haben ja meist nicht mal Erfahrungen/Abschlüsse im Ingenieursbereich, der z.B. mir ermöglicht da recht tief hineinzugehen.

Dass die Strompreise für uns in den nächsten Jahren deshalb weiter steigen, dass wir für unsere Anschlussleistung zuhause pauschal Gebühren zahlen müssen ist alles weiterhin enthalten. Die ganzen Kritiken und jetzt auch Änderungen beziehen sich nämlich vollständig auf industrielle PV-Größen. Die Privatperson wird weiter vollkommen ausgeblutet, insbesondere die, die in PV investiert haben. Insellösungen wären eine Option sich davor zu retten, tragen aber zur Energiewende kaum was bei. Diese Abstimmungsgrundlage wird effektiv auch noch die letzten tausend Jobs aus der regenerativen Energiebranche auslöschen.

Daher kann ich dir (und auch anderen) gerade Die Diskussionsvideos sehr ans Herz legen, einfach weil es da auch um das geht, was uns betrifft. Wenn die beiden von Money for Future zu „anstrengend“ sind (schau gerade bei dem letzten Video mal nach 1:10 Minuten rein, der zusammenschnitt am Anfang ist etwas ungünstig wie ich finde) gerade das Video von ganz oben ansehen, da wird es etwas ruhiger erläutert (Kanal: Leben mit der Energiewende). Bezieht sich zwar auf den Referentenentwurf, aber die Regelungen für Privatverbrauchter bleiben ja identisch.

Daher bleibt mit nur übrig mich für die ausführlichen Erläuterungen deinerseits zu bedanken und mich zu entschuldigen, dass ich da direkt so streng reagiert habe. Ich habe viele Ingenieure aus Auto, Medizin und Umwelttechnik um mich herum, da herrscht ziemlicher Konsens über das Thema, weil alle relativ schnell tief einsteigen können. Dass ich damit andere schnell überfordere hab ich leider etwas ausgeblendet, sorry :v:t2:

Ich selbst habe einfach nur keine Lust noch mehr Geld für meinen Strom und meine Anschlussleistung zu bezahlen, obwohl PV und Wind den Strom eigentlich günstiger machen. Siehe dazu auch das EEG-Paradoxon weiter oben. Personen die mit Erdwärmepumpen und E-Autos was für die Umwelt tun möchten werden so nämlich abgestraft, weil deren Anschlussleistungen meist hoch sind.

Das finde ich nicht in Ordnung.

Da der Entwurf jetzt schon im Bundestag ist, ist das ein sehr aktuelles Thema und der Entwurf ist nicht wirklich ambitioniert, vor allem wenn wir die Klimaziele erreichen wollen ist ein höherer Ausbau notwendig.

Leider sind die Videos vom Herrn Farenski (leben mit der Energiewende) oft mehr reißerisch als fachlich wirklich gut.

Hier würde ich eher bei den Reaktionen der Fachverbände nachlesen, wo die Hacken im Entwurf sind.


Das die EU Richtline nicht umgesetzt wird, die besagt, dass 30 kWP nicht mit Umlagen belastet werden sollen ist schon ein starkes Stück.

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Danke RIW für die Antwort!

Genau dafür habe ich diesen Beitrag ja erstellt, dass viele Informationen gesammelt werden können. Sicherlich sind die Videos nicht die objektivste Quelle, insbesondere auch weil die Personen natürlich in der Branche involviert sind. Ich finde aber sie bieten einen ganz guten Einstieg für Interessierte.

Ich bin ehrlich gesagt immer noch etwas sprachlos, dass so ein absurdes Papier jetzt im Bundestag liegt und was die Politiker damit glauben bezwecken zu können. Aber gut, ich denke das Thema ist gegessen und wird die Tage so durchgehen. Mein Optimismus hat mich was Politik angeht leider schon lange verlassen.

Monitor hat das Thema auch aufgegriffen

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Hallo, ich kann @Lukas a nur zustimmen.

Die vom Wirtschaftsminister als großer Wurf für die Energiewende vorgestellte EEG-Novelle wird das Gegenteil bewirken und den Ausbau der erneuerbaren Energien massiv verhindern.

Das Problem besteht darin, dass Herr Altmeier von Personen beraten wird, die das Thema Stromversorgung in Deutschland mit dem Stand von vor 20 Jahren betrachten - mit der Devise: „Der Strom muss Großteils aus einem zentralen Kraftwerk durch die großen Energieversorger bereitgestellt werden. PV- und Windstrom sind fluktuierend und belasten eigentlich nur die Netze.“ Aber wir leben nicht mehr in dieser Zeit - viele der heutigen Modelle der regenerativen Energieversorgung sind sogar netzentlastend.

Das Beispiel aus dem Monitor-Beitrag zeigt: ein wirtschaftlich agierender Mittelständler (vermeintliche Zielgruppe der CDU) hat festgestellt, dass PV-Strom heute die günstigste Variante ist, seinen Betrieb mit Strom zu versorgen. Tagsüber, wenn der Strom benötigt wird, wird er maßgeblich von der PV-Anlage selbst erzeugt und geliefert. Das Netz wird entlastet, da es hier um mehrere hundert Kilowatt geht. Das ist Energiewende. Da das Unterhemen nun aber nach dem Vorschlag zur EEG-Novelle den selbsterzeugten Strom in einem Ausschreibungsverfahren verkaufen muss und den eigenen Bedarf für teures Geld einkaufen muss, wäre ein derartiges Konzept nicht mehr wirtschaftlich und der Beitrag zur Energiewende würde entfallen.

Ein anderes Beispiel: Kürzlich wurde der E-Auto-Ladepark am Kreuz Hilden eröffnet. Die 21 Ladeplätze dort werden hauptsächlich aus der großen PV-Anlage auf dem Dach und den Carports gespeist. Nachts wird in einem Batteriespeicher zwischengespeichert. Das ist ein perfektes Konzept im Sinne der Nutzung und wirtschaftlichen Vermarktung des eigen-erzeugten Ökostroms. Das Netz wird durch diesen E-Auto-Ladeparks nicht belastet. Das war immer ein großes Argument von Kritikern der Elektromobilität – nach dem Motto: „Da muss man ein Gaskraftwerk gleich neben an zum Ladepark bauen.“ Nein – muss man nicht. Es gibt so etwas wie technologischen Fortschritt. Das Wissen davon scheint aber leider noch nicht im Wirtschaftsministerium angekommen zu sein.

Im Übrigen stammen viele der innovativen Speicherlösungen, die solche Konzepte erst ermöglichen, von deutschen Firmen. Diese innovativen Firmen wären nach den PV-Installateuren die ersten Opfer, die einer EEG-Novelle nach diesem Vorschlage zum Opfer fallen würden.

2012 hat eine EEG-Novelle (auch unter CDU Führung) bereits die zu diesem Zeitpunkt weltweit führende PV-Industrie in Deutschland zu Grunde gerichtet. Etwa 100.000 Jobs gingen dadurch verloren. Der Weltmarkt wird nun durch Chinesische Firmen dominiert. Mit dem aktuellen Vorschlag ist eine ähnliche Entwicklung zu befürchten, unter der Wind-, PV- und Speicherindustrie massiv zu leiden haben wird. Hauptsache, die 20.000 Braunkohlearbeitsplätze werden subventioniert und künstlich am Leben gehalten.

Auch die in den letzten Jahren erfolgreiche Nutzung von PV-Strom im privaten Bereich in Kombination mit Batterie-Speichern entlastet die Netze. Technisch ist das kein Wunderwerk mehr, sondern Standard. Wirtschaftlich und Ökologisch ist es auch. Eine Einspeise-Förderung bräuchte man da gar nicht mehr, da der erzeugte Strom dezentral vor Ort auch verbraucht wird. Die EEG-Umlage hätte somit künftig sogar sinken können. Strom-Speicher sind im Entwurf aber überhaupt nicht vorgesehen. Da aber die größten Stromverbraucher in Deutschland keine EEG-Umlage zahlen, sondern nur die kleinen Kunden, hat das Thema keine Lobby.

Solange man sich aber im Wirtschaftsministerium nicht mit dem aktuellen Stand der Technik auseinandersetzt und sich stattdessen für die Lobbyarbeit der großen Energieversorger empfänglich zeigt, braucht es uns nicht zu wundern, weshalb wir den Kohleausstieg unnötig bis 2038 fördern oder eine Gaspipeline bauen, die nach noch nicht einmal der Hälfte ihrer eigentlichen Lebensdauer eingestampft werden müsste, wenn die Bundesregierung bei ihren Klimazielen bleiben möchte. Herrn Altmeier kann man wahrscheinlich noch nicht einmal einen Vorwurf machen – er wurde einfach falsch beraten und denkt tatsächlich, etwas Gutes auf den Weg zu bringen. Also wird wohl weiterhin die Energiewende kaputt reguliert werden. Wer mal versucht hat, den vorgeschlagenen Gesetzestext zu lesen und zu verstehen, weiß wovon ich rede.
Die Juristen unter euch können sich ja mal dran versuchen…

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