Gerne.
Ich verstehe dabei Hegemonie nach Gramsci:
Mit Hegemonie wird im Anschluss an Gramsci „ein Typus von Herrschaft benannt, der im Wesentlichen auf der Fähigkeit basiert, eigene Interessen als gesellschaftliche Allgemeininteressen zu definieren und durchzusetzen“ aus Wikipedia.
Deutschland versteht sich selbst als Auto-Nation. Inklusive Zulieferern ist die Automobilbranche Deutschlands größter Industriezweig.
(Deutsche) Automobilkonzerne haben ein großes Eigeninteresse daran, dass die Struktur der gesellschaftlichen Mobilität gleich bleibt - weltweit sollen Menschen weiter deutsche Autos kaufen, gerne mit steigender Stückzahl pro Haushalt. Aber auch Parteien, wie die CDU/CSU, die den Konzernen und Zulieferunternehmen nahestehen, haben daran ein Interesse. Und sogar sowas wie der Typus „weißer Mann“ hat tendenziell ein Interesse daran, dass ein Mobilitätsideal des 20. Jahrhunderts von Autonomie, Geschwindigkeit, Abenteuer, „einzelnes Auto rauscht durch beeindruckende Natur“ aufrechterhalten wird, weil es die Vormachtstellung einer bestimmten Idee von der gesellschaftlichen Norm „Mensch“ verfestigt. Ja, auch die Angestellten haben ein Interesse daran, weiter ihr Leben finanzieren zu können - vielleicht auch weiter einen Prestigeträchtigen Job zu haben.
Jetzt zeigt sich allerdings immer deutlicher: „Das Auto“ ist eine ziemlich schädliche oder unzureichende Form der Mobilität für einen Großteil der Menschheit global gesehen, und für den Planeten im ganzen sowieso. (Wobei mir wichtig ist, eben auch die Punkte abseits von CO2 miteinzubeziehen: Erdöl-Unglücke, Lithiumminen, Verkehrstote, Umweltzerstörung, Klimawandel…)
Meine These: auch in Deutschland würde eine Mehrheit der Bevölkerung von einer anderen Mobilität profitieren. Aber anstatt wirklich Neues zu entwickeln, manifestiert die Antriebswende die gesellschaftlichen Machtverhältnisse - und die Mehrheit der Bevölkerung begrüßt das. Weil konservative Parteien, Auto-Konzerne mit großem Werbebudget, wichtige Akteure der Öffentlichkeit, die Popkultur etc. erfolgreich ihre persönlichen Interessen als Norm, Ideal und Allgemeininteresse verkaufen → hegemoniale Macht.