Und es gibt ein paar Offensichtlichkeiten.
Wenn Chancen und Möglichkeiten leistungsunabhängig von vorhandenem Vermögen abhängen, ist das ungerecht.
Wenn die Geburtslotterie im Hinblick darauf, in welcher Familie man aufwächst, maßgeblich darüber entscheidet, ob sich die eigenen Fähigkeiten entwickeln und Begabungen ausschöpfen lassen, ist das nicht gerecht.
Wenn Nachkommen und künftige Generationen in ihrem Recht auf intertemporale Freiheitsverwirklichung massiv beschnitten werden, ohne dass sie sich dagegen wehren können, ist das definitiv nicht gerecht.
Wenn also die Zwangsläufigkeit des Schicksals auf Zufall und Willkür gründet und keine Möglichkeit besteht, sich ihr durch eigenes Handeln zu entziehen, dann ist man bloß Opfer unausweichlicher Um- und Zustände.
Für Ungerechtigkeiten dieser Art haben wir eigentlich eine ganz gute Intuition.
Das bedeutet zwar keineswegs, dass jeder selbstreklamierte Opferstatus auch tatsächlich gegeben ist, wie das permanente Rumgeopfere der Rechten zeigt, aber es zeigt sich doch eine Grundtendenz dahingehend, dass zur Gerechtigkeit auch Gestaltungsspielräume, die eigene Gegenwart und Zukunft betreffend, gehören.
Mir erscheint es so, dass die Besitzstandsverteidigungsgesellschaft hierzulande (und in vielen anderen Ländern) auch deshalb Gerechtigkeitsdiskurse abblockt, weil sie befürchtet, in einem faire(re)n Wettbewerb zu unterliegen bzw. ins Hintertreffen zu geraten.
Denn Fairness läuft zwangsläufig darauf hinaus, dass Privilegien bestimmter Gruppen abgebaut werden.
Also bringt man seine Schäfchen ins Trockene und mauert die Stalltür zu.
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Side note:
Dass Gerechtigkeitsdiskurse randständig sind, erkennt man auch daran, dass der Themenvorschlag von @merlin_123 zum Global Justice Report hier im Forum auf verbreitetes Desinteresse stößt, wie an den Aufrufzahlen unzweifelhaft zu erkennen ist: