Ich würde mich freuen, wenn ihr den Global Justice Report 2026 vorstellt und diskutiert.
Der Bericht ist gerade rausgekommen und entwirft ein langfristiges Szenario, wie sich soziale Gerechtigkeit, wirtschaftlicher Wohlstand und Klimaschutz miteinander verbinden lassen. Zu den Kernideen gehören:
Welche politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Veränderungen wären in Deutschland und Europa notwendig, um ein solches Szenario zumindest teilweise umzusetzen? Welche Vorschläge haltet ihr für realistisch – und welche eher für utopisch?
Ja, wichtiges Thema. Der Report ist leider in den Medien stiefelterlich rezipiert worden. LdN sollte diese Lücke schließen.
Es könnte damit zu tun haben, dass die Umsetzbarkeit aufgrund vieler Widerstände außer Reichweite erscheint.
Duncan Green (LSE) schreibt:
Wie vermutlich viele andere auch habe ich die positive Berichterstattung (in der linksliberalen Presse) über den neuen „Global Justice Report“ des World Inequality Lab (Thomas Piketty und Kollegen) begrüßt. Es handelt sich dabei um einen vollständig quantifizierten Fahrplan, der aufzeigt, wie wir von der heutigen Situation bis zum Jahr 2100 zu einem lebenswerten, gleichberechtigten Planeten gelangen können, indem Umverteilung, Dekarbonisierung und Suffizienz in einem einzigen, in sich schlüssigen Rahmen vereint werden.
Der „Global Justice Report“ ist eine bemerkenswerte intellektuelle Leistung. Er verdient es, gelesen, diskutiert und als Planungsinstrument von allen genutzt zu werden, die sich ernsthaft mit dem Zusammenspiel von Ungleichheit und Klima auseinandersetzen. Der quantitative Rahmen ist wirklich nützlich, die historischen Analogien sind gut gewählt, und allein schon die Bereitschaft, sich überhaupt mit Politik auseinanderzusetzen, hebt ihn von den meisten vergleichbaren Berichten ab.
Doch seine Theorie des Wandels lässt sich besser als eine Theorie dessen beschreiben, was sich ändern sollte – verbunden mit dem Versprechen, dass dieser Wandel eintreten wird, sobald die Menschen ihre materiellen Interessen erkennen und sich entsprechend organisieren. Das ist eine schwache Grundlage. Der sozialdemokratische Wandel im 20. Jahrhundert fand aufgrund spezifischer Konstellationen organisierter Macht, spezifischer institutioneller Möglichkeiten und spezifischer Krisen statt, die bestimmte Koalitionen aktivierten. Der Bericht muss klarer darlegen, wie diese Bedingungen erneut geschaffen werden könnten – oder welche neuen Formen politischer Organisation die Arbeiterbewegung ersetzen könnten, die den letzten Wandel vorangetrieben hat.
Die Zahlen sind brillant. Nun muss jemand den politischen Begleitband schreiben.