> Welchen Vorteil hätte dieses System gegenüber einem vollständig aus Steuermitteln finanzierten ÖPNV?
Keinen würde ich sagen.
> Die Fixkosten bei den Kosten des Autofahrens nicht zu berücksichtigen ist einfach ein so typischer, aber ebenso massiver, Fehler,...
Kein Fehler, Absicht!
Für die Fixkosten entscheide ich mich ja dann, wenn ich mir ein Auto kaufe. Das hindert mich aber nicht daran, mich bei der einzelnen Fahrt trotzdem für öffentliche Verkehrsmittel zu entscheiden; dabei wäge ich ab zwischen Dauer, Kosten, Transportsportkapazität, Komfort usw. Meine These ist aber, dass beim 9-Euro-Ticket der Hauptfaktor die Zeit ist die ich gegen die Benzinkosten bei der Autofahrt abwäge. Im Moment ist fast jede Fahrt mit Nahverkehrsmitteln billiger als mit dem Auto.
> Also soll eine Busfahrt teurer sein als eine Zugfahrt zwischen den gleichen Orten und der ICE ist günstiger als Regionalexpress? Aktuell ist es tatsächlich umgekehrt, das schnellere Verkehrsmittel ist in der Regel das teurere.
Das war kompliziert von mir ausgedrückt. Mein Vorschlag beinhaltet ja Zeiteinheiten (statt den üblichen Entfernungen) - die können aber unterschiedlich teuer sein. Eine Stunde Busfahren ist billiger als eine Stunde Regionalexpressfahren als eine Stunde ICEfahren. Weil der ICE schneller ist, entscheide ich mich vielleicht trotzdem für ihn, auch wenn er teurer ist.
> partielle Bewegungsprofile
Natürlich nur optional, nicht obligatorisch.
> Du willst quasi das Gegenteil: Eine möglichst genaue Abrechnung, wer wie viel ÖPNV nutzt, um die Leute entsprechend ihrer Nutzung an den Kosten zu beteiligen. Dieser Weg wird aber immer dazu führen, dass Menschen, die ein Auto haben, sagen werden: „Also die Fixkosten für’s Auto habe ich ohnehin - und die variablen Kosten sind günstiger als der ÖPNV“.
Puh - was will ich? Ich wollte einen neuen Denkansatz anstoßen, Entfernungen nicht mehr unbedingt in Kilomentern sondern vielleicht eher in Stunden zu messen. Wenn öffentliche Verkehrsmittel sehr günstig sind (wie gerade jetzt) ist für mich im Moment vor allem die Frage, wie lang eine Fahrt dauert, bis ich ans Ziel komme (siehe Beispiel von HansHans). Ich brauche mit öffentlichen Verkehrsmitteln zwei Stunden bis ich bei der Oma bin die 120km entfernt wohnt und eine dreiviertel Stunde bis ich im Nachbarort bin, der 4km weg ist. Oder anders ausgedrückt: Die Oma wohnt nicht 120 oder 4 Kilometer weg, sondern 120 oder 45 Minuten.
Müsste sich - solange öffentliche Verkehrsmittel etwas kosten - die benötigte Zeit nicht in den Kosten wiederfinden, weil das doch die Hauptressource ist, die ich beanspruche?
Vielleicht sollte ich meine philosophischen Überlegungen als Frage formulieren:
Wie können Reisekosten sinnvoll und logisch gestaltet werden, wenn Entfernungen nicht mehr in Kilomentern, sondern in Stunden berechnet werden?