Bedarfsgerechter Verkehrsmittel-Mix für Stadt und Land. Was funktioniert wirklich?

Genau,

  1. neue Verbrenner verbieten (done), dann auch alte
  2. Große Elektroautos verbieten (die nicht-Autofahrer bringen sich schon in Stellung: niemand braucht ein großes Auto)
  3. Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30/80/100 (s.o.)
  4. Klimaanlagen verbieten (s.o.: braucht niemand)
  5. Straßen nicht mehr erneuern (s.o.)
  6. Parkplätze massiv abbauen

Vielleicht sollte man das Autofahren nicht schlechter machen müssen sondern eher öffentliche Verkehrsmittel so interessant machen, dass man umsteigt.

Das ist im aktuellen System eine Illusion. Das Privatauto ist für den Großteil der Menschen das optimale Verkehrsmittel und die bestmögliche Mobilitätsversicherung. Der ÖV wird niemals in der Lage sein, ein völlig gleichwertiges Angebot zu schaffen.

Natürlich gibt es trotzdem Raum für Verbesserungen im ÖV. Deutschland könnte problemlos das doppelte für den ÖV ausgeben und würde damit pro Kopf immer noch nicht ganz oben mitspielen. Es ist nur so, dass es Nutzenaspekte gibt, in denen der ÖV nur schwer an das Auto herankommt. Die flexible Verfügbarkeit beispielsweise.

77% der Menschen in Deutschland leben in Städten [Grad der Urbanisierung in Deutschland | Statista]. Das Auto ist nicht das optimale Verkehrsmittel in der Stadt.

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Es stimmt, dass viele Menschen in Städten leben. Es macht aus meiner Sicht einen großen Unterschied, ob es sich dabei um Land-, Klein-, Mittel- oder Großstädte handelt. Der ÖV profitiert von großen Bevölkerungen auf kleinem Raum durch steigende Skalenerträge.

Eine Stadt wie Berlin kann sich daher einen deutlich breiter ausgebauten ÖV leisten, zumal die Stadt weitgehend autonom ist und wenig Pendelverkehr in andere Richtungen besteht. Für andere Städte gilt das weniger. Im ländlichen Raum mit Penderverflechtungen die über große Distanzen gehen, haben es selbst Großstädte schwer ein auch nur annähernd gutes ÖV-System auf die Beine zu stellen. Hier ist das Auto König.

Auch bei Regionen, die auf dem Papier viele Einwohner haben oder verdichtet wirken, gibt es im ÖV große Probleme. Das Ruhrgebiet ist beispielsweise eine Region mit 5 Millionen Einwohnern, aber einer polyzentrischen Siedlungsstruktur mit „leerem“ bzw. dünnbesiedeltem Raum in der Mitte. Gleichzeitig gibt es dort sehr starke Penderverflechtungen. Entsprechend erleiden die A40 genauso wie die parallel Bahnstrecke (Perlenkette Duisburg, Mülheim, Essen, Wattenscheid, Bochum, Dortmund) jeden morgen den Verkehrsinfarkt.

Letztlich sind die Vorteile des Autos zahlreich. Man ist zeitlich vollkommen flexibel, muss keine weite Strecke zu einer Haltestelle zurücklegen, ist weitgehend unabhänging, kann alleine fahren oder mit Mann/Frau und drei Kindern, muss weniger mit anderen direkt interagieren, kann (gefühlt) jeden Ort der Welt damit erreichen ohne große Umwege in Kauf nehmen zu müssen und Lasten transportieren. Das alles und mehr mit einem einzelnen Verkehrsmittel.

Wenn man nahe des Stadtzentrums lebt, kurze Wege und keine über die Stadt hinausgehenden regelmäßigen Wegstrecken zurücklegt, dann kann man sehr gut ohne Auto leben. Genauso mache ich es momentan. Aber einerseits trifft das so garantiert nicht auf 77% der Menschen in Deutschland zu und andererseits sehe ich persönlich selbst bei meinem hervorragend angebundenen Standort (U-Bahn direkt vor der Wohnung, Innenstadt 7 Min. zu Fuß) die großen Potenziale des Autos das ich nicht habe.

Welches Verkehrsmittel oder welcher Mix kommt deiner Meinung nach als bestmögliches/optimales Verkehrsmittel in Frage?

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Ich stimme dir grundsätzlich zu und verstehe, warum im Ruhrgebiet viele Menschen zum Auto greifen. Der Ruhr-Park [eine Shopping-Mall] liegt an der Autobahn. Beim Pendeln mit dem Auto äußerst praktisch. Mit dem Bus kaum zu erreichen, und die Innenstädte leiden darunter. Beim CentrO das gleiche.

Ich finde wichtig zu verstehen, dass Autos keinen inhärenten Vorteil in der Stadt haben, sondern ausschließlich dann, wenn die Städte jahrzehntelang ohne Rücksicht auf Verluste an das Auto angepasst werden. Genau das kann man aber langfristig umdrehen und verbessern. Wenn man beispielsweise beim Bau von Bürogebäuden nicht Parkplätze voraussetzt, sondern eine gute ÖPNV-Anbindung.

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Ein schönes Beispiel wie Ursache und Wirkung umgekehrt wird. Hätte man einen gut ausgebauten ÖPNV, würde man eine Mall eben auch nicht an die Autobahn sondern an die U-Bahn Station ansiedeln.

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Ja, aber jetzt steht die Mall da und es ist ja nicht so schwer, da ÖPNV hinzubauen.

Ich würde sogar noch weitergehen: Hätte man sich allerorts um gute Fußwege (insbesondere barrierefreie und auch für Menschen im Rollstuhl nutzbare) und um vernünftige Radwege bemüht und hätte man nicht unsere Städte in den vergangenen Jahrzehnten dem A… geopfert, dann hätten auch kleinere Städte mit 5.000 EinwohnerInnen eine angemessene Einkaufsinfrastruktur und das, was man dort nicht bekäme, fände man in der nächsten Stadt. Die immergleich aussehenden Malls an der Autobahn mit einem Einzugsbereich von 100km würde es dann einfach nicht mehr geben.

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Die Anbindung des Ziels ist nicht ganz so entscheidend, der Weg dazwischen ist viel wichtiger. Ich bin beispielweise vor Jahren innerhalb einer Großstadt gependelt und musste dafür quer durch. Mit dem Auto ging das in rund 20 Minuten, mit dem ÖPNV (einmal Umsteigen) dauerte es 45+.

(Für Ortskundige: Bonn, von Beuel nach Duisdorf.)

Ich würde es so formulieren: Für die Allgemeinheit ist das Auto in der Stadt nicht optimal, für den Einzelnen viel zu häufig schon.
Hängt maßgeblich davon ab, ob man einen Parkplatz findet.

Ah, gleich zwei Klassiker kombiniert: Fluss überqueren und kein Ende der Strecke in der Innenstadt.

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