Ich nehm das jetzt mal als Beispiel, aber das kam ja mehrfach.
Ich hab dazu eine Frage:
Was soll der Ombudsman/frau/stelle dann mit einer anonymen Meldung machen?
Zu XY gehen und ihm die an den Kopf knallen?
Und was dann?
Ich kann ja verstehen, wenn die zuständige Stelle die anzeigende Person anonym hält wenn sie mit dem Beschuldigten Kontakt aufnimmt, aber in dem Zusammenhang nach einer anonymen Anzeige Tätigkeit zu verlangen erschließt sich mir nicht.
Mit der Person in den Dialog kommen, aufklären wie der weitere Prozess ablaufen kann, Sicherheiten man gewähren kann wenn sie aus der Anonymität rauskommt (und welche nicht).
Das ist doch kein Ja-oder-nein Zustand, wer sowas noch nie gemacht hat wird sich ja nicht gleich mit „Moin hier ist Frau Soundso aus der Buchhaltung“ melden sondern erstmal vorsichtig Kontakt aufnehmen, und das eben auch anonym.
Wie Margarete korrekt angemerkt hat: Sammeln, wenn es 10 anonyme Beschwerden gibt, ist das schon mal ein anderer Schnack. In so einem Fall kann man dann auch die betreffende Person mal ansprechen dass es anonyme beschwerden über sie gibt - das kann solches Verhalten auch schon mal eindämmen (vielleicht übt das jemand sogar einfach komplett unreflektiert aus und braucht einfach mal ne deutlich Ansage was er_sie da eigentlich tut).
Selbst wenn an die beschuldigte Person gar nix kommuniziert wird kann es auch gut für die Betroffenen sein, das einfach mal jemandem erzählt zu haben und zu wissen, dass diese Info vielleicht irgendwann mal einer anderen betroffenen Person hilft. Wenn einem was schlimmes widerfahren ist kann es unheimlich heilsam sein das Gefühl zu haben, dass man selbst was tun kann.
Das ist ein sehr sehr guter Kommentar, danke dafür. Ich möchte das deutlicher unterstreichen, als nur mit einem Herzchen.
Einzig würde ich insofern hier
abweichen, als dass es mir doch auch sehr um den Inhalt geht (siehe Beiträge oben), aber ja, mindestens genau so um die Form.
Ja!
Ich schließe mich dem Wunsch nach einer solchen weiteren Wiederaufnahme des Themas bzw. einer (diesmal wirklichen) Reflexion eurer Berichterstattung an, wie @TreuerHoerer sie hier vorschlägt.
Wohl wahr! Es wäre schön, wenn ihr die Kurve noch bekommt und es die Mühe wert war.
„Ein strenger Mann guckt mich an und fragt mich, wollen sie das wirklich so behaupten…“ dieser Satz macht mich ein wenig sprachlos im Kontext von sexualisierter Gewalt gegen Frauen. Ich wünsche mir da mal ein Gespräch mit Christina Clemm.
Edit: ich habe mich mit der Gelbhaar Affäre nicht beschäftigt und die LdN415 nicht gehört und bin weiterhin stark irritiert über diesen relativierenden Rechttfertigungsdialog in der LdN416.
Zum Thema „der arme Mann“ wurde zu unrecht angeprangert und sein Leben zerstört:
wieviele Frauenleben werden tagtäglich zerstört, weil das ganze System immer wieder relativiert und den Frauen „selbst schuld“ unterstellt und es kaum zu Verurteilungen kommt?
ist es nicht eher so, wenn man sich die prominenten Fälle der Vergangenheit so anschaut, dass die Leben der Männer eben nicht zerstört sind, sondern diese in der Regel alle rehabilitiert werden? Ist es nicht sogar so, dass sogar wenn sie verurteilt werden, ihnen Solidarität sicher ist?
Riskiert man eigentlich nicht auch eine Anzeige wegen Verleumdnung, wenn man seine Missbrauchs-Vorwürfe nicht beweisen kann? Ist das nicht auch ein Grund, sich eben nicht (!) mit eidestattlicher Erklärung etc. zu äußern, da solche Taten oft nicht beweisbar sind?
In einem anderen Kontext wurde mir von einem Rechtsanwalt empfohlen, lieber „Anzeige gegen Unbekannt“ zu erheben und dann die beschuldigte Person der Polizei zu nennen, statt eine Anzeige gegen den Täter zu erheben, der sonst Gegenanzeige erheben könne, wenn seine Schuld nicht bewiesen werden könne.
Von der Lage hätte ich mir eher gewünscht, solche (rechtlichen) Sachaspekte zu erörtern, statt mit anekdotischer Evidenz (Ulf hat ja immer eine passende Geschichte aus seinem privaten Umfeld parat) herumzuschwadronieren.
Wir hatten bei uns mal einen Vorfall der mir in meiner gewerkschaftlichen Funktion 3x zugetragen wurde, davon 1x anonym, ich hatte dann ein ausgiebiehes Gespräch mit HR, die hatten denselben Fall auch 2x gemeldet bekommen und bereits bearbeitet.
Später in Diskussion mit den anderen Gewerkschaften die hatten den Fall auch bekommen dort aber ausschließlich anonym.
Hätten wir jetzt alle denselben Fall etliche Male archivieren sollen?
Es hat ein wenig Pusselarbeit benötigt um alle Meldungen demselben Vorgang zuzuordnen, ansonten hätte der „Täter“ ja quasi als Intensivtäter gegolten.
Kann also auch nicht zielführend sein alles zu sammeln.
Etwas anderes kann man machen, sofern Rückfragen möglich sind (also nicht anonymer Zettel sondern anonymisierte Mail): Fragen was der Meldende erwartet was man tun soll als Ombudsstelle.
Den Tip hatte ich jetzt von meiner HR in einem anderen Fall bekommen: „Was erwartet die Person von dir als Chef was du tun sollst“
Auf diese Weise kriegt man dann ganz gut raus wie ernst es der meldenden Person ist und kann entsprechend weiter handeln.
Und will man mit einer anonymen Meldung ohne was dazu Lynchjustiz ist es mit an sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit eine Hexenjagd zum Schaden des Beschuldigten.
Nein, du verdrehst den Vorschlag. Sammeln ist nicht veröffentlichen. Und natürlich kann man das. Ist das schon zu viel? Seriously? Vielleicht solltest du angesichts der Zahlen von Gewalt gegen Frauen mal in dich gehen.
Please don’t feedback the feedback.
Ich bin jetzt im 6. Jahr treuer Lagehörer und empfehle den Podcast gerne weiter. Doch bei der Causa Gelbhaar bin ich leider etwas enttäuscht. Ihr bittet regelmäßig um Feedback und korrigiert kleine Faktenfehler, das ist super. Bei Feedback zu eurer Meinung hingegen hätte ich es gerade bei diesem Thema deutlich gelungener gefunden, wenn ihr das großartige Feedback eurer Mitarbeiterin stehen gelassen hättet als legitime andere Meinung (wenn ihr euch nicht gar ihrer Meinung anschließt). Ihr geht jedoch in die Defensive und redet euch um Kopf und Kragen, kaut noch einmal eure Argumente durch, als müsstet ihr jetzt der Mitarbeiterin beweisen, dass sie unrecht habe. Das fand ich schwach. Spätestens bei dem Argument, dass auch Männer von Missbrauch betroffen sein können, wird es wirklich zum Fremdschämen. Ein solches Argument würdet ihr, käme es von einer anderen Person, als zu vernachlässigen oder Whataboutism besser einordnen.
Probiert doch mal aus, Feedback zur eigenen Meinung stehen zu lassen, statt es kleinzureden, wenn ihr es schon nicht annehmen wollt.
Das klingt, als wäre Lebenserfahrung verwerflich. Sollen wir jetzt auch deinen Bericht über den Rechtsanwalt und „Anzeige gegen Unbekannt“ wegen seiner anekdotischen Evidenz in Zweifel ziehen?
Danke für den Hinweis. Vielleicht wurde mein Gefühl dabei weniger von der Aussage selbst ausgelöst, sondern davon, welchen Raum sie dieser Aussage in dem Zusammenhang dieser Thematik einräumen.
Nein, verwerflich ist das sicherlich nicht. Ich muss da nur inzwischen immer schmunzeln. Bei einem Lage-Bingo würde ich als ein Ankreuzfeld notieren: „Ulf sagt, er kenne dazu eine Geschichte aus seinem privaten Umfeld.“ An dieser Stelle empfand ich selbst das als unnötig, an anderen aufschlussreich oder interessant. Ich habe auch keinen Grund, seine Anekdoten in Zweifel zu ziehen.
Aber bitte ziehe meine Anekdote in Zweifel! Es ist eine Erinnerung von einem Laien, verbunden mit der Frage, ob das hier nicht auch zutreffe. Recht ist schließlich komplex!
Das ist richtig, aber sammeln um des sammelns willens ist auch nicht zielführend.
Bitte nicht auf die Ebene …
Ich arbeite hier als Gewerkschaftliche Vertrauensperson und habe auch mit solchen Fragen zu tun und nehme sie sehr ernst. Aber es bleibt die Frage: was soll man mit so einer Sammlung anonymer Meldungen tun?
Hätten wir aus dem einen Vorfall den ich beschrieb wirklich einen Intensivtäter machen sollen, nur weil wir so viele anonyme Meldungen bekommen haben über die unterschiedlichen Kanäle?
Wir hatten einiges zu tun um herauszufinden, dass es am Ende nur ein Vorfall war und nicht 5 - 6 wie es zuerst aussah.
Den Hinweis, dass für verschiedenste Gewalttaten fast immer Männer verantwortlich sind, hört man dieser Tage häufig. Das faktisch richtig aber was folgt (politisch) daraus?
Man könnte damit anfangen, dass sich Männer hinterfragen. Not all men. Ich weiß. Aber viele.
Aber ich glaube, die Diskussion hatten wir schon. Es ist leider Fakt. Woran das liegt, keine Ahnung. Nicht Genetik würde ich sagen. Eher Sozialisation und vielleicht Hormone.
Ich habe hierzu bisher nichts geschrieben, weil ich nicht betroffen bin.
Aber: Geht es nicht eigentlich um die Veröffentlichung durch Journalisten ohne vorherige ernsthafte Prüfung des einen Vorwurfs? Das bedeutet ja nicht, dass eine Ombudsstelle dennoch weiterhin andere Vorwürfe sammelt und sich mit der Aufklärung intern befasst.
Sprich der Kontrast zwischen Aufklärung und Publikation.
Ja klar. Aber das man das sammelt heißt ja nicht, dass man seinen Verstand ausschalten soll, wenn man merkt dass es sich immer um den selben Fall handelt muss das entsprechend dokumentiert werden. Solche „Puzzlearbeit“ gehört dann ggf. dazu. Es ist ja auch ein Unterschied, ob zum gleichen Mitarbeitenden 10 anonyme Meldungen im ähnlichen Schreibstil innerhalb 24 Stunden eintreffen, oder über den Verlauf von mehreren Jahren in ganz unterschiedlichen Kontexten und Schreibstilen.
Ich sage ja explizit nicht dass man „anonym einfach glauben soll“, aber anonymen Beschwerden gar nicht zu antworten oder zu sammeln ist als Gegenreaktion zu krass (und so klang die Lage in LdN 415 mit „direkt in den Papierkorb“)
Vielleicht gehen wir einfach zu sehr von unterschiedlichen Szenarien aus. Ich gehe von Mails aus, und der Möglichkeit, Rückfragen zu stellen. Wenn einfach nur anonyme Zettel eingeworfen werden ist das auch nochmal ein anderes Szenario, da kann man wirklich nur sammeln und einordnen.
Da argumentierst du gegen einen Strohmann. Das will doch keiner, dass man anonyme Beschuldigungen einfach an die Öffentlichkeit zur „Hexenjagd“ gibt. Aber es gibt Zwischentöne zwischen „komplett ignorieren“ und „alles glauben“, und wer die nicht sieht macht es sich finde ich sehr, sehr einfach.
Edit:
Hatte gerade meinen „certified boomer moment“ und kam mit der zitierfunktion nicht klar, sorry dafür.