Causa Gelbhaar LdN 416

So, ich denke, die Kritik ist nun sehr umfangreich ausgedrückt worden. Es macht nicht wirklich Sinn, wenn sie jetzt noch 50 weitere Beiträge wiederholen. Deshalb mach ich hier demnächst mal zu.

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Wenn ich einen Vorwurf machen wollte, würde ich wohl kaum „oder täusche ich mich?“ schreiben. „Ulf und Philips Kollegen vom RBB“ ist halt um einiges länger als „der RBB“ oder „die RBB-Journalisten“. Aber wenn das nicht so gemeint war, alles bestens.

Nun zur Sache:

Tatsächlich geht es hier um einen Gesamttext, im Prinzip sogar zwei (LdN 415 und 416). Daher finde ich es wichtig, den gesamten Text mit heranzuziehen, auch wenn der von dir zitierte Satz eindeutig erscheint. Ulf erläutert nämlich im Anschluss:

„Wenn diese Berichte/Vorwürfe/Schilderungen irgendwelche Konsequenzen haben sollen, die eben über so ein empathisches Eingangsgespräch hinausgehen, dann können sie nicht mehr einseitig eine Beschuldigung als wahr unterstellen, ne? Dann muss man auf der nächsten Stufe schon ein bisschen genauer hinschauen.“ (0:56:34–52)

Das heißt also, bis dahin gilt das hier breit geforderte „erst einmal glauben, was einem erzählt wird“ (und dafür habe ich mich auch sehr eindeutig positioniert, s. Skepsis-Bemerkungen weiter oben).

Ich sehe das größte Problem auch beim RBB, finde es aber auch durchaus kritisierenswert, dass Gelbhaar von der Liste gestrichen wurde, obwohl die besagte Anne K. gar nicht existiert.

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Ist noch nicht online, aber auf Instagram kannst du zumindest einen Teil von Ciaras Statement finden.

Danke, ich habe es aber leider nicht gefunden (vllt. da ich keinen Instagram Account habe?).

Wer Zugang hat zur Textform oder Ausschnitten von Ciaras Statement in der Sendung, bitte einmal hier hinein kopieren bevor das Thema zu gemacht wird. Das würde den Kontext etwas verbessern fürs Archiv.

Danke :slight_smile:

Edit:
Danke Anna (@Schiessbogen) für deinen Link

Der Vollständigkeit halber hier der Text von Instagram (wenn auch deutlich anders als in der Sendung):

lagedernation:
Habt ihr eine Idee, wie wir in der #MeToo-Debatte Betroffene stärken könnten, ohne die Unschuldsvermutung zu gefährden?

Mein Vorschlag wäre: Zuerst sollte den Betroffenen grundsätzlich geglaubt werden. Dann ist die Hemmschwelle, Vorfälle zu melden, einfach kleiner.
Und wenn die Vorwürfe den Ruf einer beschuldigten Person schädigen, sie ihren Job verlieren oder vor Gericht landen kann, müssen sie sorgfältig geprüft werden, um eine faire Behandlung aller zu gewährleisten.

Autorin: Ciara Cesaro-Tadic

Unsere Quellen
Lage der Nation Folge 415
[…]

Unterm Strich kann ich dir da kein Konzept vorlegen, was ein „one-fits-all“ ist. Was mir bei diesen Diskussionen nur immer wieder aufstößt ist, dass wir derzeit in einem System Leben, welches strukturell Täter schützt. Und ein Symptom dieses Systems ist, dass Betroffenen Menschen nicht geglaubt wird. Und wenn dann Menschen vorschlagen: „Hey, wie wärs wenn wir das mal umdrehen, wir glauben jetzt einfach mal den Betroffenen uneingeschränkt, weil wir leben nun mal in einem patriachalen System, welches dieses und jene für einen Großteil der Bevölkerung zur bitteren Realität macht.“, dann wird immer aufgeschrien „Das ist ungerecht, weil, kann ja missbraucht werden.“ In dem System in dem wir derzeit leben, ist es allerdings für viele FLINTA* leider nur eine Frage wann (und nicht ob!) etwas passiert. Und ich vermute mal, dieser Aufschrei hat mit der Angst vor der Aufgabe von Privilegien zu tun. Lebt sich ja schön als männlich gelesener Mensch in unserer Gesellschaft. Und was ist daran so schlimm ein System was offensichtlich nicht funktioniert, mal gegen ein anderes aus zu tauschen? Wir können ja mal schauen wie das funktioniert und ob sich was verändert und wenns die absolute Vollkatastrophe ist, wieder zurückdrehen.

Betroffenenzentrierung bedeutet (unter anderem), dass die Betroffenen bestimmen wie es weiter geht. Vll. will eine Betroffene es erst mal gar nicht, dass irgendwas öffentlich geklärt wird oder vor Gericht geht. Und wenn so etwas dann vor Gericht verhandelt wird, dann muss es zur einer Beweisaufnahme kommen. Aber bis dahin ist a) ein langer Weg und b) ich vermute mal (bzw. so wie ich es bisher erfahren habe) wollen das viele Betroffene gar nicht, sondern bevorzugen andere Wege der Klärung.

Macht das irgendwie sinn?

Wie gesagt, das Transkript ist noch nicht da.
Vielleicht klappt es so?

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Ciara Cesaro-Tadic (0:50:18–34):

„Ich habe danach lange über eure Aussagen nachgedacht, mit Kolleginnen von der Lage gesprochen und im Forum gelesen. Und ich muss sagen, für mich als junge Frau sind da ein paar Aspekte zu kurz gekommen. Ihr habt im Podcast mehrmals gesagt, dass sich Missverständnisse durch ein nettes Gespräch aufklären lassen können. Aber sexuelle Übergriffe und Gewalt sind in der Regel eben keine Missverständnisse. Sie geschehen meist im Rahmen von patriarchalen Machtstrukturen, in dem Täter die eigenen Machtposition[en] ausnutzen.
Und damit hängt eben zusammen, dass unsere Gesellschaft schon seit tausenden Jahren von männlich dominierten Strukturen geprägt ist. Das führt auch dazu, dass Opfer im Bereich sexualisierte Gewalt immer noch häufig nicht ernst genommen werden und meistens schweigen. Deshalb gibt es auch eine so hohe Dunkelziffer. Vor dem Hintergrund ist es umso wichtiger, den Betroffenen erst mal grundsätzlich zu glauben. Denn Zweifel und Misstrauen führen dazu, dass noch weniger Menschen den Mut finden, Hilfe zu suchen und solche Vorfälle zu melden.
Zu kurz kommt mir auch, dass es weiterhin Vorwürfe gegen Gelbhaar gibt. Und zuletzt will ich noch mal darauf hinweisen, wie selten es vorkommt, dass Frauen gezielt falsche Anschuldigungen erheben, um Männern zu schaden. Auch wenn oft das Gegenteil behauptet wird. Denn mal ehrlich: Welche Frau will sich die ganze Debatte dan[ach] schon antun, wenn ihr nichts passiert ist? I guess nicht viele.“

PS: @vieuxrenard Ich hoffe, es ist okay, wenn ich so viel am Stück aus dem eigentlich für Plus-Kund*innen vorgesehenen Transkript zitiere? [Edit: Bei der Gelegenheit: Tonspur und Text sind verschoben.]

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Man merkt halt einfach dass sie empathischer sind mit dem Mann, der hier mutmaßlich falsch verurteilt wurde, als mit den Frauen, die in anderen Fällen einer sexuellen Belästigung ausgesetzt sind. Anscheinend können sie sich da nicht wirklich reinversetzen..
Es bleibt am Ende hängen, dass sie denken viele Fälle wären ausgedacht und es bräuchte „einen strengen Mann, der bei der eidesstattliche Versicherung zuschaut“…
Diese Folge macht mich fast noch wütender als die Folge davor..

Sie hätten echt einfach nur das Zitat von ihrer Kollegin so stehen lassen sollen und zahlen und fakten nennen sollen wie oft es defacto falsche beschuldigungen gibt und wie selten Täter*innen tatsächlich verurteilt werden:

von 100 vergewaltigungen kommt es nur bei 1(!!) Zu einer Verurteilung!!

Dann sollen sie den frauen mit den sie vorher geredet haben, wirklich zuhören! Statt in der podcast folge sich selber wieder nur …aus der Perspektive eines falsch verurteiltes mannes zu sprechen (edit Mod.).. was sagt das darüber dass so viele Männer davor mehr angst haben was super selten vorkommt, statt zu sehen wie oft frauen diese gewalt zu erleben und oft jahrelang darunter leiden, häufig unter einer PTBS leiden,…

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Nein,

dieser Kommentar ergibt leider kein Sinn.

Du möchtest mit dem Grundsatz in dubio pro reo in einen wesentlichen Aspekt des Rechtsstaatsprinzipies eingreifen, welches von der Ewigkeitsklausel umfasst ist.

Das Prinzip in dubio pro reo dürfte zu dem ein Teil des Menschenwürdegehalts bzw des unantastbaren Kernbereichs des Rechtsstaatsprinzips sein.

Ein Eingriff wäre somit an sich nicht zu rechtfertigen.

Als mögliche Rechtfertigung wird zudem lediglich vollständig unsubstantiiert ein „Patriarchat“ und der Schutz von „Tätern“ behauptet, ohne dass konkret die Umstände darlegt werden.

Also soll voraussichtlich ein unantastbares Strukturmerkmal der Verfassung auf der Grundlage von Vermutungen verletzt werden.

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Das sollte kein Problem sein, die Lage ist CC-BY (creative commons), s. Impressum.

Danke dir! :heart:

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Der ständige Vergleich zum Rechtssystem, der Verfassung und der Unschuldsvermutung ist komplett verfehlt, denn in Deutschland haben Menschen ein Recht auf Freiheit und einen fairen Prozess und ja, klar, nehmen wir dafür in Kauf, dass auch andere mutmaßlichen Straftäter frei bleiben, wenn die Beweislast nicht ausreicht. Weil das Recht auf Freiheit so schwer wiegt und das ist auch richtig so.

Warum das Argument in diesem Fall nicht passt: niemand hat das Recht auf einen Job. Selbst wenn alle Beschuldigungen entkräftet wären (was sie nicht sind, weiter Vorwürfe bestehen), ist es bedauerlich, dass Gelbhaar sein Mandat verloren hat, aber ihm wurde eben nicht das Recht auf seine Freiheit entzogen, wie die Grünen Stelle exakt richtig beschrieben hat, die Ombudsstelle ist kein Gericht und muss daher nicht die gleichen Maßstäbe ansetzen. Wenn die Vorwürfe für die Grünen ein Risiko bei den kommenden Wahlen darstellte, wieso sollten sie Gelbhaar dann nicht „entlassen“?

Problematisch ist, dass einem Fall überhaupt so unverhältnismäßig viel Sendezeit zugeordnet wurde, der ein Randphänomen ist. In Deutschland sind ca. 3% der zur Anzeige gebrachten sexuellen Übergriffe Falschbeschuldigungen (Quelle: Sexualisierte Gewalt: Mythos der Falschbeschuldigung - Kultur - SZ.de) während 99% der sexuellen Übergriffe von den meist weiblichen Betroffenen nicht zur Anzeige gebracht werden, unter anderem auch, weil sie befürchten, dass ihnen nicht geglaubt wird (Quelle: BKA-Studie: Hohe Dunkelziffer bei Sexualdelikten und Cybercrime | BR24). Leider bestätigt das Gespräch von Ulf und Philipp genau diese Sorge.

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Genau das. Es geht um grenzüberschreitendes Verhalten, was von der betroffenen Person so wahrgenommen wird!

Super gut zusammengefasst!

Mich hat auch gestört, dass ihr ständig von „Wahrheit“ oder „Missverständnissen“ gesprochen habt. Hier kann ich vor allem auf den Kommentar von @der_Matti verweisen. Es braucht bei grenzüberschreitendem Verhalten aus meiner Sicht nicht diese „Wahrheit“, die ihr - ich sage mal heraufbeschwört. Wenn eine Person eine Handlung als grenzüberschreitend wahrnimmt, dann war sie auch grenzüberschreitend, weil das ja die eigene Wahrnehmung ist. Und mit dieser Wahrnehmung sollte sie zu einem Awarnessteam oder einer Ombudsstelle gehen können, die dann auch in ihrem Interesse handelt. Was dieses Interesse genau ist, kann ja auch ganz unterschiedlich sein. Das muss ja noch nicht mal Konsequenzen für den Täter sein, sondern kann auch einfach nur ein Gespräch mit einer solidarischen Person sein, ein Auskotzen über die gesellschaftlichen Zustände oder ähnliches. Dass es die Ombudsstelle braucht, um den Fall überhaupt bearbeiten zu können hat @krawweltheo ganz gut beschrieben.
Übrigens lassen sich viele Grenzüberschreitungen natürlich auf einfach verhindern, in dem zum Beispiel einfach nachgefragt wird, ob gerade körperliche Kontakte oder ähnliches okay für die andere Person ist.Bei der fehlenden Differenzierung zwischen Ombudstelle und Gericht und deren jeweiligen Funktionen sowie der annekdotischen Evidenz schließe ich mich auch einfach vielen hier an.
Eure Schleier des Nichtwissens Erklärung ignoriert aus meiner Sicht einfach wieder, dass wir in einer patriarchalen Gesellschaft leben und damit Frauen diskriminiert werden. Deswegen ist es an der Stelle aus meiner Sicht nicht sinnvoll zu fragen, ob das Ombudsverfahren für alle fair ist. Bei dem betroffenenzentrierten Ansatz geht es ja gerade darum bestehende Diskriminierungen auszugleichen. Zum Beispiel eine Frauenquote ist bzw. wäre ja auch nicht für jeden einzelnen Mann fair, weil sie selbst bei gleicher Eignung Frauen bevorzugt. Sie ist aus meiner Sicht aber gesellschaftlich notwendig und trotzdem richtig, weil Männer strukturell überall sonst und auch in den letzten Jahrhunderten bevorteilt wurden. Ist aus meiner Sicht gut vergleichbar zu dem diskutierten Beispiel.

Um nochmal zu einem kurzen Fazit oder Zusammenfassung zu kommen. Ihr stellt den Ansatz zunächst im Interesse der Betroffenen zu handeln weiterhin in Abrede. Damit erhöht ihr die Hürden für betroffene Frauen ihre Erfahrungen zu teilen und deswegen fördert ihr aus meiner Sicht strukturell tatsächlich den Missbrauch dieser Machtstrukturen. Das finde ich wahnsinnig schade, ich bin davon enttäuscht und auch ein bisschen wütend. Meine Freundin wird deswegen vermutlich euren Podcast nicht weiter hören und ich überlege noch was ich für Konsequenzen daraus ziehe. Es geht nicht darum, dass ihr keine eigene Meinung dazu haben dürft oder wir diese nicht akzeptieren. Doch es geht für uns darum, ob wir ein Projekt unterstützen wollen, was diese Meinung verbreitet und damit an dieser Stelle unserer Gesellschaft schadet. Ich sage auch nochmal ausdrücklich, dass ihr mit der Art und Weise wie ihr über jedes bisherige andere Thema gesprochen habt, aus meiner Sicht zu einer besseren Gesellschaft beitragt. 2/2

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Ich habe mich auch bei diesem Thema in der letzten Lage schon zu Wort gemeldet und vor allem die aufgeführten Kritikpunkte unterstützt. Das muss ich leider wieder tun. Es sind auch zu der aktuellen Lage schon wieder zu viele richtige Beiträge, als das ich sie alle lesen könnte, aber bei denen die ich lesen konnte waren schon nahezu alle wichtigen Argumente dabei. Ich möchte sie - im Zweifel auch nur für mich - nochmal zusammenfassen und mit meinen Worten erklären. Ich versuche mal chronologisch auf eure Aussagen in der Lage einzugehen.
Erstmal habe ich mich sehr gefreut, dass ihr Chiara die Möglichkeit zur Stellungnahme gegeben habt. Die würde ich zu hundert Prozent unterschreiben. Aus meiner Sicht hättet ihr im besten Fall gesagt, dass euch das vollends überzeugt hat, euch entschuldigt und wärt zum nächsten Thema übergegangen.
Ihr sagt gleich im Anschluss, dass ihr diese weibliche Perspektive in eurer Berichterstattung zwar mit drin hattet, unter anderem weil ihr mit anderen Frauen darüber gesprochen habt, nur nicht mit einer weiblichen Stimme zu Wort kommen lassen habt und das hättet machen sollen. Dem will ich aus meiner Sicht klar widersprechen und das zeigt sich finde ich auch recht deutlich in dem ihr die nächste Viertelstunde jeden Punkt von Chiara mindestens relativiert, wenn nicht sogar komplett widersprecht und bei eurer Meinung bleibt. Das ist natürlich euer gutes Recht, aber da habe ich mich doch sehr gewundert inwiefern ihr das Gefühl hattet diese Perspektive schon vertreten zu haben.
Als nächstes hat mich eure Argumentation gestört, dass es keine Zahlen gäbe wie viele Anschuldigungen unwahr wären. Im Feedback zur letzten Lage haben einige Menschen zahlen (wenn ich mich richtig erinnere 3 % unwahre Anschuldigungen) genannt und Belege angeführt. Ich muss zugeben, dass ich es selbst nicht noch einmal recherchiert habe, aber das wäre ja vielleicht auch eher euer Job. Ich hätte erwartet, dass ihr zu diesen genannten Statistiken Stellung bezieht. Ansonsten haben andere ja auch schon die Möglichkeit genannt bei Expert*innen nachzufragen.
Als nächstes sprecht ihr von einem Spamfilter in den Ombudsstellen. Ihr habt sicher Recht, dass das Fälle falscher Anschuldigungen reduzieren könnte. Aber ich möchte hier mal die Frage stellen, was der Preis wäre und in gewisser Weise die Verhältnismäßigkeit hinterfragen. Selbst wenn die Ombudsstelle so empathisch wäre, wie ihr beschrieben hättet, wäre der Preis von einer potenziellen Zurückweisung von Anschuldigungen mindestens eine höhere Hürde für tatsächlich betroffene Menschen sich an die Stelle zu wenden. Doch, wenn es eh ein großes Übergewicht an Fällen gibt, in denen aufgrund des Patriarchats Männer nicht zur Verantwortung gezogen werden, dann fände ich das nicht verhältnismäßig. Dann würde ich ehrlich gesagt tatsächlich lieber ein paar wenige falsche Anschuldigungen zulassen, als zu riskieren, dass sich weiterhin zu wenige Frauen mit ihren Erfahrungen melden. Das ist doch ähnlich wie die z. B. die Gängelung beim Bürgergeld. Klar gibt es einen ganz kleinen Anteil der das „ausnutzt“. Aber z. B. mehr Sanktionen zu verhängen schadet so viel mehr Menschen zu Unrecht, als dass es gerechtfertigt wäre.
Das Argument der false Balance unterstütze ich und muss ich glaube ich nicht noch einmal weiter ausführen.
Mich hat es auch gestört, dass das einzige Forumszitat, was ihr gebracht habt offensichtlich eine ziemliche Extremposition war, die aus meiner Sicht die meisten so nicht geteilt haben. Das wirkte mir tatsächlich auch ein bisschen Strohmann-mäßig, wie ihr euch damit auseinandergesetzt habt. Nein, auch ich will euch nicht unterstellen, dass ihr die Abschaffung der Ombudsstellen gefordert habt. Trotzdem finde ich eure Position, dass diese nicht im Interesse der Betroffenen handeln sollten, überhaupt nicht überzeugend und falsch.

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Ich finde, es macht sehr viel Sinn, wenn die Kritik in 50 weiteren Beiträgen ausgedrückt wird, auch ich habe mir dafür nach Jahren als Lage+Hörerin extra einen Account angelegt. Denn offenbar haben die bisherige Kritik und das Statement von Ciara :hearts: :hearts: :hearts: ja nicht ausgereicht.

Inhaltlich bin ich eigentlich gar nicht weit entfernt von Ulf und Philip, Rechtsstaat muss Rechtsstaat bleiben, egal bei welchem Verbrechen usw. Aber was muss ich da heute hören – das Pendel schlägt in die andere Richtung aus??

Freunde. Erst in dieser Woche hat der Bundestag beschlossen, dass Frauen nach einer Vergewaltigung die Pille danach nicht mehr selbst bezahlen müssen. Ein Skandal, von dem bisher wahrscheinlich nur Betroffene wussten, ich jedenfalls hatte noch nie davon gehört. Wie viele Minen dieser Art liegen da noch und wie lange schon? Wer kümmert sich darum, dass diese Scheiße endlich weggeräumt wird, werden das wieder die Opfer sein?

Noch immer dürfen Frauen in diesem Land nicht selbst über ihren Körper entscheiden. Jedes Jahr werden 95.000 Frauen Straftäterinnen, die fristgerecht und nach einer Zwangsberatung(!) abtreiben, während eine Impfpflicht in der Pandemie nicht durchsetzbar war wegen you know der körperlichen Unversehrheit, die einfach unantastbar ist.

Im Fall Lindemann haben die Opfer, die bereits gegenüber Medien ausgesagt haben, alle entschieden, keine Anzeige zu erstatten. Meint Ihr, die haben sich das alle ausgedacht, um für 15 Minuten von der Weltöffentlichkeit gehasst zu werden? Sicher nicht.

Also wann schlägt das Pendel denn nun endlich mal übertrieben in die andere Richtung aus? Ich warte.

Am Ende seid Ihr eben auch nur zwei Dudes, die sich wirklich ernsthaft Mühe geben – I believe – aber die andauernde und strukturelle Benachteiligung nicht sehen. Das tut mir doppelt Leid.

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Entschuldigung, woher hast du dieses abwegige Rechts- und Gerechtigkeitsempfinden.

„Jemand hat kein Anspruch auf einen Job.“
Du kannst als Arbeitgeber einen Arbeitnehmer auch nicht einfach wegen einer Vermutung kündigen.

Es passt nicht ganz, da bei einem Abgeordneten natürlich noch andere politisch strategische Erwägungen hinzukommen, aber die grundlegende Wertung der Verdachtskündigung kann übernommen werden.

Es bedarf einer Anhörung, eines dringenden Tatverdachtes (hier dürfte Wahrscheinlichkeit wegen der Politikereigenschaft ausreichen), des Ausräumens aller anderen wesentlichen entschuldigend Erklärungen und wenn sich bis zum Ende des Kündigungsschutzprozesses die Unschuld herausstellt, ist die Kündigung auch unwirksam.

Natürlich ist hier kein Arbeitsrecht anwendbar, aber der Rechsgedanke ist übertragbar.

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Die Kritik, die viele in diesem und dem vorherigen Thread beschäftigt, scheint vor allem darin zu liegen, dass sich die beiden und die Moderatoren dieses Threads nur auf technokratische Argumente stützen. Dabei geht es in den Kommentaren nicht so sehr um den Inhalt an sich, sondern um die Art und Weise, wie dieses Thema behandelt wird.

Besonders auffällig ist die Überheblichkeit und das Herabsetzen der betroffenen Personen, die in den Rückmeldungen zur letzten Folge deutlich spürbar war. Dies steht im krassen Widerspruch zu dem, was man von der Lage gewohnt ist – einer normalerweise empathischen, differenzierten und vor allem klaren Auseinandersetzung mit den Zahlen und Fakten.

Das wiederholte Hervorheben anekdotischer Evidenz sowie der Fokus darauf, dass das eigene Team fast ausschließlich aus Frauen besteht, passt so gar nicht zu dem, was man von der Lage gewohnt ist.

Für mich zerbricht hier gerade etwas Wichtiges, und ich denke, viele der Kommentierenden empfinden das ähnlich.

Wenn ich mir wünschen dürfte, wie die Reaktion darauf aussehen sollte, dann wäre es folgendermaßen: „Wir haben festgestellt, dass die Kommentare ungewöhnlich zahlreich und sachlich sind. Es scheint, als hätten wir Schwierigkeiten, diese Perspektiven nachzuvollziehen – andernfalls würde das Feedback nicht so konstant und intensiv sein."
Bitte sprecht darüber, wie sich das für euch anfühlt und thematisiert auch die mögliche Ohnmacht oder den Reflex, dies unbedingt einordnen und erklären zu müssen. Ladet jemanden von außen ein, die dies mit euch bespricht und analysiert – jedoch nicht jemanden aus eurem eigenen Team, das in einem Abhängigkeitsverhältnis zu euch steht.

Abschließend möchte ich besonders auf die zahlreichen weiblich gelesenen Kommentierenden hinweisen, die sich große Mühe geben, ihre Sichtweise zu vermitteln. Sie tun dies, weil sie an das Format glauben und sich die Zeit nehmen, etwas beizutragen. Seht das als Kompliment an die Lage und das, was ihr aufgebaut habt. Niemand würde sich so viel Mühe machen für ein Medium, das sich in die vielen Podcasts einreiht, die mansplainen und den Status Quo verteidigen. Ihr seid genau das nicht – und wir wollen, hoffen und wünschen uns, dass das so bleibt.

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Nun noch meine paar Cents zu einem Teilaspekt des Themas:

Selbstverständlich muss eine Ombudsstelle erst mal Personen die sich melden emphatisch gegenüber sein etc aber sobald Konsequenzen im Raum stehen (Gefahr für Ruf, Job, Freiheit etc) müssen klare und faire Verfahren greifen. Wegen ein paar weniger anonymer Beschwerden darf der beschuldigten Person ohne weiter Prüfung und ggf Möglichkeit sich dazu zu verhalten kein Nachteil entstehen. Hier ein paar Szenarien und dazugehörige Vorschläge

A) Gibt es klar nachweisbare Verfehlungen die rechtlich relevant sind und belegbar, muss das auf dem rechtlichen Wege geklärt werden. Die Ombudsstelle motiviert die Betroffenen sich an die Polizei, Anwälte etc zu wenden und berät dahingehend.

B) gibt es ein paar wenige anonyme Beschwerden gegen eine Person, kann man die anonymen Quellen bitten sich vertrauensvoll zu melden mit „Klarname“. Dies setzt aber professionelle und vertrauensbildende Strukturen voraus. Meldet sich niemand mit offenen Visier, kann man nichts tun.

C) Häufen sich anonyme Beschwerden über einen längeren Zeitraum und es lässt sich niemand überzeugen mit Name und Gesicht vorzutreten, muss man ggf „Ermittlungen“ anstellen. Dies hat allerdings vertraulich und sensibel zu geschehen, sodass möglicherweise Unschuldigen kein Nachteil entsteht. Bei Gelbhaar war meines Wissens auffällig, dass alle Beschwerden binnen 48 Stunden eintrafen. Solche Plausibilität müssen auch berücksichtigt werden bei der Entscheidung ob man „ermittelt“.

D) melden sich Personen mit Klarname und Vorwürfen die unter der Grenze des Rechts sind aber dennoch als Verfehlungen gelten, muss das Gespräch gesucht werden und der Versuch unternommen werden die Situation auf diesem Wege zu klären. Ist das nicht möglich oder macht sich derjenige wieder schuldig, dann erst dar es den vertrauensvollen Raum 3er Gruppe aus Ombudsstelle, Beschuldigten und Beschuldigenden verlassen.

Die Beispiele sind natürlich vereinfacht und nicht komplett. Was ich damit zu Ausdruck bringen möchte ist, dass nach dem initialen offenen Ohr und emphatischen eingehen auf das mutmaßliche Opfer u.a. folgende Faktoren maßgeblich für die nächsten Schritte sein sollten:

  • Schwere der mutmaßlichen Verfehlung
  • Belege / Zeugen
  • Menge der Vorwürfe
  • Plausibilität
  • mögliche Konsequenzen für Beschuldigten und Beschuldigenden
  • Dringlichkeit

Sollte sich jemand getriggert fühlen ist das nicht meine Absicht. Der Wunsch ist Opfern zu helfen - egal ob sie unter sexueller Belästigung oder falscher Beschuldigung leiden. Und wenn es vertrauenswürdige Stellen und Prozesse gibt, können Kollateralschäden vermieden werden, denn die schaden auch der Glaubwürdigkeit von Opfern.

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Ich bin begeistert von all den Leuten, die hier konstruktiv ihre Kritik äußern! Ein großes Lob an euch alle. Ich kann hier nichts weiter dazu beitragen außer Ulf und Philipp zu bitten diese Kritik anzunehmen und außer mit evtl einer Entschuldigung auch erstmal nicht darauf zu reagieren. Nehmt euch Zeit und lasst euch von Expertinnen (FLINTA*) beraten, ihr werdet es nicht bereuen und könnt mit eurer Reichweite ein starkes Signal setzen wie mit so einer Situation umgegangen werden kann auch wenn Mann sich zwei mal verrannt hat.

Respekt an euren Podcast, dass ihr es geschafft habt euch so eine unglaubliche Community aufzubauen.

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