Causa Gelbhaar LdN 416

Hej ihr Zwei,

erst mal vorweg, ich liebe die Lage. Bin nich immer eurer Meinung, muss ich auch nicht. Bei dem Thema hier bin ich aber so sehr anderer Meinung, dass ich jetzt was an euch schreiben möchte.
Erst mal vorweg: Find ich wunderbar, dass ihr das Thema noch mal aufgreift und euch da auch noch mal mit Frauen zu unterhalten habt! Leider kommt ihr irgendwie zum falschen Schluss. Zur Einordnung: Ich bin ein CIS Mann.

Ich finde es ganz wichtig, dass FLINTA* Personen, wenn es um sexuelle Übergriffe geht, geglaubt wird. Ohne wenn und aber. Das Konzept nennt sich Betroffenorientiertheit/Betroffenenzentriertheit. Denn wie es so häufig bei sexuellen Übergriffen ist: Ein griff an den Po oder sonst was lässt sich nicht nachweisen. Und wenn man es nicht nachweisen kann, ist es nicht passiert oder wie? Das funktioniert so nicht. Ich würd sagen, wenn man den Betroffenen glaubt, stellt das nicht die Unschuldsvermutung auf den Kopf, sondern dreht vll. erst mal nur die Beweislast um. Sie liegt jetzt nicht mehr bei der Betroffenen, sondern beim Täter. Anders, wie wenn die Betroffenen den Griff an den Po beweisen müsste…
Und wenn man mit FLINTA* Menschen redet, dann wird ganz schnell ganz klar, wie vielen sexuellen übergriffen diese Menschen ausgesetzt sind, wie das Patriachart sie auf jeder Ebene ihres Lebens unterdrückt und berührt. Und das ist eine Form von empowerment und auch ein Paradigmenwechsel zu sagen: „Wir glauben euch jetzt einfach mal“. Das wird meistens nämlich nicht getan. Weder bei Freund*innen, auf de Polizei, im Gericht, … und ist Teil des Problems. Die Strukturen/Gesellschaft ist patriachal, und damit schützt sie Täter. Das gilt es auf zu brechen.

Die Forderung von euch, ein ‚klärendes Gespräch mit einem Täter zu haben‘, die find ich ziemlichen Quatsch (sorry). Habt ihr mal Betroffene von sexuelierster Gewalt/sexuellen Übergriffen gefragt, ob die sich mit dem Täter hinsetzen wollen, um ein klärendes Gespräch zu haben?! Ich kenn keine die Lust hat Mann X oder Mann Y zu erklären, dass der Griff an den Busen nicht in Ordnung war. Ist auch ehrlich gesagt nicht die Aufgabe von Betroffenen!! Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sollte nicht an FLINTA* Menschen hängen bleiben, und schon erst recht nicht an denen, die umittelbar von dem Täter betroffen sind.

Euer Gedankenexperiment, dass man Regeln für ein Land ausdenken sollte, ohne zu wissen, ob ich am Ende Mann* ode Frau* bin, ist ganz spannend. Es vernachlässigt allerdings, dass diese Regeln später nicht in einem luftleeren Raum greifen, sondern in einer komplexen Gesellschaft, die, unter anderem, sexistisch und patriachal ist. Und in dieser Gesellschaft muss es einen Schutz und eine besondere Hinwendung zu den von Gewalt betroffenen Menschen geben.

Und zu guter letzt: Ihr erklärt diese Forderung, den Betroffenen zu glauben, damit, dass eine Bewegung ein Momentum gewonnen hat und sich damit selbst überholt/überschlägt. Dem widersprech ich: Ich hab ein bisschen das Gefühl, dass ihr beide, CIS Männer die ihr seid, bisher noch nicht die Chance hattet, euch in die Position von Menschen rein zu fühlen/rein zu versetzen, die seit dem sie geboren sind, vom Patriachat betroffen sind. Wenn ihr die Stimmen dieser hört, euch da wirklich tief reinfühlt, vielleicht auch mal eine Machtkritische/sexismus kritische Forbildung in dem Bereich macht (macht ihr sowas? habt ihr sowas schon mal gemacht), ich glaub dann kommt ihr zu anderen Schlüssen.

Nach wie vor, toller Podcast. Ich freu mich jede Woche drauf. Aber ich finde in dem Bereich habt ihr noch ein bisschen was nach zu holen… Vll. wäre irgendwie ein Seminar/Lehrgang/… oder wirklich tiefe, empathische und ergbnisoffene Gepsräche mit Freundinnen/Mitareiterinnen von euch ratsam, um die Persptive von Menschen, die seit ihrer Geburt von Sexisumus, sexualisierter Gewalt, Übergriffen, Angst, Patriachat, unsichtbaren Wänden, Normen was den Körper angeht, … betroffen sind.

Uuuuuuund da fällt mir noch ein: Ihr sprecht häufig von Opfern. Das ist ein nicht so schönes Wort. Es reduziert/strahlt irgendwie Passivität aus. Betroffene wird von vielen „Opfern“ bevorzugt.

Liebe Grüße aus Berlin :slight_smile:

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Das geht auch nicht, weil es meistens auch nicht geht. Wie soll man beweisen, dass erwas nicht passiert ist? Abgesehen von Vorwürfen schwerer Straftaten, denen man mit einem Alibi begegnen könnte.

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Was die Lage (denke/hoffe ich) meint, ist, „Es kann nicht sein, dass man sagt: du kommst, wir glauben dir“ und dann daraus ohne weitere Prüfung Konsequenzen zieht/Öffentlichkeit herstellt.

Besser wäre von Philipp und Ulf gewesen: „Es kann nicht sein, dass man sagt: du kommst, wir handeln.“

Das „erstmal glauben“ ist wichtig da die Beweislage u.U. schwierig ist, es ist wichtig für Betroffene die sich bei Ombudsstellen melden dass einem als allererstes Verständnis statt Skepsis entgegenschlägt, auch wenn man nicht direkt einen Videobeweis oder so dabei hat. Auf dieser Basis kann dann gemeinsam geguckt werden: War es Missverständnis oder Übergriff? Lässt sich das klären oder braucht es Konsequenzen? Und eben natürlich auch: Gibt es entweder Beweise/Zeug:innen, oder den Willen der Person die Vorwürfe eidesstattlich zu versichern?

Es kann doch nicht so schwer sein einmal auseinanderzudividieren, dass „erstmal glauben“ für die Aufarbeitung von Vorfällen wichtig ist, aber nicht automatisch heißt, dass nach der Herstellung von Vertrauen keine kritische Überprüfung der Vorwürfe stattfindet. (Edit: Korrektur von mir: Habe den Lage-Teil nochmal gehört, das sagen die beiden eigentlich sogar ungefähr so.)

Ich weiß nicht warum sich die Lage in der Formulierung da so schwer tut, vielleicht ist da gerade zu viel Druck aufm’ Kessel, vielleicht bietet es sich hier an den Podcast mal stärker zu scripten was man genau sagen will und nicht mit Blick aufs Pad frei vor sich hinzuformulieren.

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Danke dafür. Habe mich auch total geärgert, wie hier verharmlost wurde. Und dann das: “Ja, mag selten sein, aber diese Fixierung auf diese Perspektive Mann gegen Frau, die macht diese Diskussion nicht gut.”

„Mag sein“? „Fixierung“? Andere Themen werden fast nur auf statistischer Häufigkeit begründet, hier wird das ein wenig grandseigneurhaft einfach beiseite gewischt. Absolut fragwürdig! Ich fände es sowieso an der Zeit, dass in jeder Folge eine außen stehende Person hinzukommt, damit die beiden Hosts sich nicht einfach immer nur gegenseitig bestätigen. Hier braucht es frische Impulse, finde ich.

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Hallo Ulf und Philip,

Hier schließe ich mich an.
Gut, dass ihr bei der Diskussion um sexualisierte Gewalt eine Frau zu Wort kommen lassen habt. Als Frau fand ich euer Gespräch danach allerdings teilweise aus vielen hier schon genannten Punkten schwierig. Ich habe einige Jahre im Sozialen Bereich mit Schwerpunkt sexualisierte Gewalt gearbeitet und mir sind einige Dinge aufgefallen. Es ist beim hören einfach so offensichtlich, dass sich zwei Männer über dieses Thema, was strukturell jede einzelne Frau (und im Einzelfall natürlich auch einige Männer, keine Frage) betrifft, unterhalten. Ich würde mir, was das Thema angeht, wünschen, dass ihr euch mit dem Anti-Gewalt- Bereich (gegen Gewalt an Frauen* und Mädchen*) vernetzt und mehr auseinandersetzt. Z.B. ist der Begriff „jemanden zum Sex zwingen“ schon in sich widersprüchlich, da es sich hier um Gewalt handelt, die sexualisiert ist und sie mit dem eher positiv besetzten Begriff „Sex“ nichts zu tun hat. Durch ein solches Framing wird suggeriert, dass aus einem Zwang eine konsensbasierte Situation entstanden ist. So wird die Gewalt subtil relativiert. Ebenso ist es wichtig, dass es nach einem sexuellen Übergriff Orte (vor allem Beratungsstellen, aber auch Therapeut*innen) gibt, die als Gegenpol zur gesellschaftlichen Grundskepsis, Selbstzweifeln und Schambesetzung was das Thema angeht einfach DA SIND und dir glauben. Es ist nicht ihr Job, investigativ vorzugehen und der „Wahrheit“ näher zu kommen. Dafür gibt es ja bereits Polizei und Gerichte. Es gibt viele Profis im Anti Gewalt und Anti Diskriminierungs Bereich, die da noch vieles besser und genauer erklären können und ein Input von diesen wäre notwendig, wenn ihr euch diesbezüglich auf den Weg machen wollt. Und das hoffe ich sehr!

Ich hoffe sehr, ihr könnt diese Kritik konstruktiv aufnehmen.

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Nein, das ist keine Nebelkerze, du hast es nur nicht verstanden, was ich damit zusammengefasst habe: die patriarchale Gesellschaft, Unterdrückung der Frauen, sexualisierte Gewalt, victim blaming, rape culture. @Diana hat dies wie folgt formuliert:

Das wiederum habe ich mit

gemeint; zum unterschiedlichen Gebrauch des Terminus „glauben“ haben sich schon andere geäußert. Solltest du das nach einem weiteren Anhören des Kapitels nicht nachvollziehen können, kann ich, wenn ich ein bisschen mehr Zeit habe, einschlägige Passagen aus dem Transkript hier reinkopieren oder die betr. Zeiten nennen. (Aber es wäre nett, wenn du das selbst nochmal anhören würdest.)

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Ich verstehe nicht wie das in der Praxis funktionieren soll. Mal ganz konkret: Das heißt, wenn eine FLINTA*-Person über dich (Jodelkraeh) sagt, dass du ihr an den Po gegriffen hast, bist du okay damit wenn das alle unhinterfragt glauben? Würdest du selbst es auch glauben? (manchmal erinnert man sich ja an Sachen nicht…)

Würdest du verstehen, dass sich dann deine Freund:innen von dir abwenden und du ggf. deinen Job verlierst, falls du nicht zufällig beweisen kannst dass das nicht stimmt (wie soll man das bitte beweisen?)

Disclaimer: Ich will auf keinen Fall behaupten, dass das ganz oft passiert oder so. Ich will nur einmal durchdenken zu welcher Absurdität das führt.

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Bei all der Diskussion über die unterschiedlichen Verwendungsweisen und Interpretationen von „glauben“ verschwindet die eigentliche Causa Gelbhaar: Da ging es darum, dass eine Frau frei erfunden wurde.

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Ich kann mich vielem hier nur anschließen.
Ich fand euren letzten Beitrag schon echt …schlecht (edit Mod.) (habe meine Kritikpunkte im anderen Thread schon angebracht). Da ihr sonst konstruktiv mit Kritik umgeht, war ich gespannt auf die neue Folge.
Leider war alles was nach dem Kommentar eurer Mitarbeiterin kam nicht besser als die letzte Folge. Ich habe bei meinem Post zu letzter Woche versucht möglichst unemotional zu schreiben und euch den problematischen Gehalt eure Zitate versucht mit Studien usw. zu erklären. Bitte verzeiht mir, dass dieser Beitrag nun vielleicht etwas sarkastisch oder gerne auch wütend gelesen werden kann.

Ihr betreibt innerhalb von wenigen Minuten

  • Tone Policing - alle im Forum (respektive alle? Frauen) sind emotionalisiert bei dieser Debatte
  • Täter Opfer Umkehr - inzwischen sind die eigentlichen Opfer sind Männer, weil Bewegungen wie Metoo über ihr Ziel hinausschießen. (Leben wir in der gleichen Welt!?)
  • Whatsaboutism - eine Befeuerung der Männer sind auch Opfer Debatte
    • das Männer auch Opfer sein können, hat nie jemand in diesem Forum bestritten, soweit ich mitgelesen habe - natürlich leider auch Männer unter patriarchaler Gewalt und natürlich können auch Frauen Täterinnen im Patriarchat sein - aber es ging in eurer Folgen eben gerade um sexualisierte Gewalt gegen Frauen

außerdem:

  • Studien darüber wie wenig Falschbeschuldigungen es im Vergleich zu tatsächlichen Taten und vor allem zu tatsächlichen Taten, die nie angezeigt geschweige denn verurteilt werden, gibt es - ich habe in meinem letzten Post einige verlinkt, google hilft sicher auch. Die von mir verlinkten Studien sind einmal vom BKA und einmal vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziert, dass sind sicher keine radikalen Initiativen, die in ihrer Forschung „übers Ziel hinausschießen“

  • Ist ja schön, dass viele Frauen bei euch arbeiten und dass ihr mit so vielen Frauen gesprochen habt, aber das ändert nichts an dem problematischen Gehalt der Aussagen euerseits

  • Wohin genau soll diese von euch genannte Metoo „Pendel“ hin ausgeschlagen sein? Dahin gehend, dass jetzt fast jeden Tag ein Mann von seiner (Ex-)Frau ermodert wird? komisch davon hab ich noch gar nichts mitbekommen. Oder meint ihr vllt die Errungenschaft, dass es keine Femizide mehr in Deutschland gibt und jetzt nur noch unschuldige Männer zu unrecht beschuldigt werden? Komisch davon habe ich auch noch gar nichts gehört. Oder das Männer sich plötzlich überlegen müssen was sie anziehen, damit sie nicht Opfer von Cat-Calling werden oder im Büro Blicke kassieren? Oder das ständig Missverständnisse entstehen, weil Männern von ihren Chefinnen ungefragt zu nah gekommen wurde und sie sich jetzt nicht mehr sicher auf ihrer Arbeit fühlen und generell ja eh schon nur noch mit Pfefferspray aus dem Haus gehen.

  • Und euer Abschluss von wegen, dass ihr euch hier eben um die Nebenwirkungen kümmern würdet, verkennt die komplette Kritik an eurer letzten Folge: Es war ja eben das Problem, dass ihr das Hauptproblem (Gewalt gegen Frauen) komplett ignoriert und euch zu sehr um diese „Nebenwirkung“ kümmert

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Wenn dein bestes Beispiel für die vielen Leute, die vorwerfen man hätte ein anderes Thema besprechen müssen, @Diana ist, dann hast du (oder ich liege ganz falsch) ihre Kritik nicht verstanden. Sie sagt doch deutlich, dass man gerne über die Nebenwirkungen reden kann, man sollte sie aber richtig einordnen. So wie man über Impfschäden reden kann, dabei aber auf dabei aber nicht verschweigen sollte, ob gesamtgesellschaftlich die Impfung nicht trotzdem vorteilhaft ist.

Ich habe es oft genug gehört und mein Eindruck, mit dem ich nicht alleine bin, hat sich nicht geändert. Das zentrale Zitat habe ich gebracht. Ich glaube halt, Ombudsstellen müssen Orte sein, wo Betroffenen erstmal uneingeschränkt geglaubt wird.

Und nochmal: der Glaube der Ombudsstelle hat Gelbhaar nicht zu Fall gebracht, sondern Ulf und Philips Kollegen vom RBB.

Hui, klingt da sowas wie Sippenhaft durch, oder täusche ich mich?

Diana ist mein bestes Beispiel in einem anderen Sinne, als du meinst: Ich finde, dass sie die Kritik absolut verständlich, sehr differenziert und ausgewogen herübergebracht hat, was die meisten anderen aus meiner Sicht nicht so gut geschafft haben. Ja, ich konnte der Argumentation folgen, ich habe Diana verstanden, bin aber trotzdem anderer Meinung als sie. Konkret: Obwohl ich auch eine Frau bin, mit einschlägigen Erfahrungen, finde ich, dass man die Causa Gelbhaar auch so aufrollen kann, wie im Podcast geschehen, also ohne die „Nebenwirkung“ in den Gesamtkontext der patriarchalischen Gesellschaft explizit einzuordnen. Ich habe – wie viele hier im Forum – dieses Hintergrundwissen und brauche nicht jedesmal eine Einführung in diesen Themenkomplex.

Diesen Eindruck habe ich auch. Deswegen habe ich auch oben von „vielen“ gesprochen.
Dein „zentrales Zitat“ habe ich auch schon kommentiert; außer mir hat sich auch @SchnappAdler dazu geäußert:

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Oh und noch eine Bitte, ggf. auch an hörer*innen mit plus-Abo:

Bitte kopiere jemand mal das Transkript von Ciaras Beitrag hier rein.

Vielen Dank!

Edit:
Hier zumindest mal der Link mit Zeitmarke zur Stelle im Podcast:

Hallo @vieuxrenard und @philipbanse

ich schließe mich den Stimmen hier an, die dieses Thema Lage-untypisch nicht gut behandelt finden. Auch ich bitte euch sehr um eine Sendung/Beitrag, mit Gast zur weiblichen Perspektive und Kompetenz bei Betroffenenarbeit.

Ich verstehe dass ihr Schwierigkeiten habt, „die Prämisse, wir müssen den Frauen [Betroffenen][…] erstmal glauben“ zu akzeptieren. Genau deshalb die obige Bitte. (Bzw. Hört euch ergänzend selbst noch mal genau Ciaras Beitrag an und sprecht mit ihr.)

Ich habe als Mann nur begrenzte Vorstellungen und Erfahrung wie sich Frauen / FLINTA Menschen in unserer Gesellschaft fühlen.
Aber ich weiß, dass mehr als jede zweite Frau Belästigung erlebt und mehr als jede dritte körperliche oder sexualisierte Gewalt [1]. Und ich wäre leider nicht überrascht wenn Menschen die im Thema sind, da noch höhere zahlen nennen.
Trotz der gesellschaftlichen Fortschritte herrschen immer noch massive alltägliche patriarchale Strukturen. Auch und vor allem in unserem Denken und Automatismen. Die sind oft so festgefahren, dass es schwer ist sie überhaupt zu bemerken.

Grade deshalb, bitte: holt da eine weibliche / FLINTA Perspektive mit Kompetenz zum Thema in die Sendung!

Vielen Dank und viele Grüße

Timm

[1] z.B. https://www.frauennotruf-hamburg.de/sexualisierte-gewalt/zahlen-und-fakten/
https://www.bmfsfj.de/resource/blob/84328/0c83aab6e685eeddc01712109bcb02b0/langfassung-studie-frauen-teil-eins-data.pdf

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Liebes Lage-Team, liebes Forum,

ich höre seit 5 Jahren die Lage und habe sie schon oft weiterempfohlen. Wegen der Wiederaufnahme der Causa Gelbhaar in der LdN habe ich mir jetzt einen Account im Forum erstellt. Ich habe die Ausgabe letzte Woche, als das Thema zum ersten Mal behandelt wurde, gehört und hatte mir schon gedacht, dass es dazu Feedback geben würde und vermutlich auch viel Gegenwind, auch wenn ich den beiden größtenteils in der Sache zugestimmt habe. Deshalb habe ich mich gefreut, dass Ulf und Philip das Feedback in der darauffolgenden Lage in gewohnter Manier aufgegriffen haben. Bis ich dann ihr Feedback gehört habe, das mich sehr bestürzt hat.

Da ich die Lage nun schon so lange höre, bin ich es gewohnt, differenzierten, empathischen, reflektierten Journalismus zu hören und ich kann nur vermuten, dass diese Ausnahme davon durch Emotionalität/Irritiertheit angesichts vieler wütender Kommentare (die vermutlich auch nicht alle fair sind) beeinflusst ist.

Ich stimme Ulf und Philip in der Sache in den meisten Punkten zu. Ich glaube, wenn es darum geht, einen potentiellen Täter (ich nenne jetzt nur die maskuline Form, denn es sind in einer überwältigen Mehrheit Männer) juristisch zu verfolgen, ist eine eidesstattliche Versicherung sinnvoll. Ich glaube auch, dass der Rechtsstaat konsequente Mechanismen braucht, um falsche Beschuldigungen aufzudecken und zu verhindern, dass Unschuldige bestraft werden. Und zwar nicht nur, um die unschuldigen zu schützen, sondern VOR ALLEM, und ich habe mich sehr gefreut, dass Ulf und Philip dies in der ersten Folge auch klar herausgestellt haben, um tatsächliche Opfer zu schützen, damit ihnen häufiger und schneller geglaubt wird und sie sich neben all dem Trauma nicht auch noch anhören müssen, sie würden ja nur wieder einen Mann in den Dreck ziehen wollen. Ja, danke dafür!

Ich weiß auch, dass Ulf und Philip die meiste Zeit nicht zu den schweren Vorwürfen gegen Gelbhaar Bezug nehmen, sondern zu den „nicht so schweren“, die noch erhoben werden. Aber was soll das genau bedeuten? In jedem Vorwurf geht es um sexuelle Übergriffigkeit. Es geht nicht um „der hat mich Idiot genannt“ oder „der hat mir meinen I-Pod geklaut.“ Sexuelle Übergriffe können auch im „Kleineren“ traumatisch sein, sie verstärken in jedem Fall ein grundsätzliches, manchmal schwerer, manchmal schwächer erlebtes Gefühl der Ohnmacht, des Ausgeliefertsein und die Betroffenen nehmen das mit nach Hause, nehmen das überall mit ihn und in den meisten Fällen schweigen sie darüber, u.a. auch durch das Gefühl der Ohnmacht.

Falls diese Übergriffigkeiten denn so tatsächlich passiert sind, falls Gelbhaar sie denn tatsächlich begangen hat. Es geht ja nur um die Mechanismen von Anschuldigung und Schuldüberprüfung, um die juristischen Mechanismen hinter diesem Thema. Es geht ja um generelle gesellschaftliche, juristische Vorgänge.

Wirklich? Tut es das? Können wir uns bei so einem Thema rein auf rationale Mechanismen konzentrieren und so tun, als würde unsere Sprache und wir selbst als Person dahinter verschwinden und kein Gewicht haben, unseren Beitrag nicht beeinflussen?

„Dann wars vielleicht doch ein Missverständnis!“ - „Ich hab gesagt, der Herr Scholz ist ein Idiot, nicht du!“, „Ach, ich dachte, das wär mein I-Pod.“ Aber doch nicht „Ach so, dass ich dich da angefasst habe, fandest du gar nicht cool!“ „Das war ein Missverständnis“ ist ein Narrativ von (in der überwältigen Mehrheit) männlichen Tätern. Denn was sollen sie auch sonst sagen, um sich herauszureden?

„Wenn man potentielle Mörder frei rumlaufen lässt, warum sollte man dann AUSGERECHNET hier eine Ausnahme von der Unschuldsvermutung machen?“ Ausgerechnet hier? Ausgerechnet bei Sexualisierter Gewalt? Ist das am anderen Ende der Kriminalitätsskala, direkt neben Steuerhinterziehung und übler Nachrede oder was?

Ich höre die Lage lange genug, um genau zu wissen, dass Ulf und Philip sexualisierte Gewalt verurteilen und systematische Gewalt gegen Frauen immer wieder anprangern, auch wenn die Politik es nicht immer tut. Aber nach dieser Folge, nach diesem Feedback, könnte man auf die Idee kommen, dass sie zwischendurch mal einen Spaziergang zum Lager „Jetzt regt euch mal nicht so auf“ gemacht haben. Deshalb würde ich mir sehr wünschen, damit so ein falscher Eindruck nicht nochmal entsteht, dass hier eine Auseinandersetzung mit Emotionalität bei Feedback und mit der eigenen Rolle (die bei diesem Thema NICHT neutral ist), stattfindet. Wir brauchen einen reflektierten, ausgewogenen Umgang mit diesem Thema und weil es nun mal sehr schwer ist, außerhalb seiner selbst zu stehen, ist es vielleicht manchmal besser, die Stimmen direkt zu hören und mehr zu hören, die viel näher dran sind. Das haben Ulf und Philip immerhin ja auch schon im Feedback reflektiert, in gewohnter Manier.

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Ich stell mal die Gegenfrage: was ist mit all den FLINTA* Menschen, die etwas sagen, wo es zu Übergriffen kam/sexualisierte Gewalt ausgeübt wurde, und denen wird nicht geglaubt? Oben wurd eine Statistik zitiert, dass es 3% Falschaussagen (wie im Falle Gelbhaar) gibt. Das ist nicht viel, und jede Falschaussage ist eine zu viel. Den Betroffenen zu glauben, wirkt hier nur plausibel, statt zu sagen: „Beweis mal“, was offensichtlich häufig nicht möglich ist (gegrabtsche, sexualisierte Kommentare, …) , find ich total legitim.

Und WIE dann mit solchen Anschuldigungen umgegangen wird, ist ja noch mal eine ganz andere…

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Du täuschst dich. Keine Ahnung was du mit so einem Vorwurf erreichen willst.

Aber egal, man darf die Beiträge auch toll gefunden haben. Ich verstehe immer noch nicht, wieso man bei einem Medienversagen das Problem dann bei der Ombudsstelle sucht, die grundsätzlich erstmal den Betroffenen glaubt.

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Was ist genau die Gegenfrage, auf die ich jetzt antworten soll? „was ist mit“ finde ich schwierig zu beantworten.

Grundsätzlich: Ich finde die Situation, dass Übergriffe selten geahndet werden und dass das öffentlich machen eines Übergriffs einen Spießrutenlauf für die Betroffene Person bedeutet, sehr schlimm. Was du vorschlägst ist allerdings die radikale Komplettumkehr: Alles wird geglaubt ohne jegliche Beweislast.

Magst du auf meine Frage antworten?

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Wow, damit sind wir dann wieder in der Zeit der Hexenverfolgung zurück und verabschieden uns von der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und modernen Errungenschaften wie dem Strafprozessrecht.

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Ich verstehe den Absatz so: Der entscheidende Punkt ist wenn etwas an die Öffentlichkeit gelangt.
Dass Journalist*innen bevor sie über einen Sachverhalt öffentlich berichten (oder eben staatliche Rechtsstrukturen im Rahmen einer Untersuchung oder eines Verfahrens) eidesstattliche Erklärungen verlangen können bzw. sollten ist eine Sache.

Die andere Sache sind Ombudsstellen, die vertraulich arbeiten und Vorwürfe nicht publik machen. Diese Stellen sollten keine eidesstattlichen Erklärungen von den Betroffenen verlangen, um zu handeln - das wäre ein ganz fatales Zeichen und sie könnten ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen.

Dazwischen wurde in der Lage nicht unterschieden, es ist aber zwingend notwendig dazwischen zu unterscheiden und das kritisieren wir. Die Unschuldsvermutung muss gelten - vor Gericht. Eidesstattliche Erklärungen sind ein gutes Mittel - für offizielle Untersuchungen und ggf. Absicherung von Journalistinnen. Bei der Arbeit einer Ombudsstelle funktionieren diese Ansätze nicht, diese muss zwingend die Betroffenenperspektive einnehmen, was sich mit den von den anderen Kommentatorinnen angebrachten Statistiken und den patriarchalen Strukturen begründen lässt. Das habe ich auch in meinem Beitrag hier geschrieben.

Bitte korrigiere mich, falls ich Dich nicht richtig verstanden habe @cvsh . Das wäre zumindest mein Punkt :slight_smile:

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Ich habe mir nach Jahren des Lage Hörens ebenfalls einen Account gemacht weil mich diese beiden Abschnitte so gestört haben.
Insbesondere die 2. Episode ist kaum hörbar weil ihr an der Realität so vorbei redet und die strukturellen Aspekte kleinredet. Meine Vorredner*innen haben dazu inhaltlich ne Menge sinnvolles gesagt. Ich will hier nur ebenfalls meinen Unmut ausdrücken und bin gespannt ob ich’s schaffe weiter zuhören. Das ich einen Abschnitt abbrechen musste ist mir bei der Lage noch nicht passiert.

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