Hej ihr Zwei,
erst mal vorweg, ich liebe die Lage. Bin nich immer eurer Meinung, muss ich auch nicht. Bei dem Thema hier bin ich aber so sehr anderer Meinung, dass ich jetzt was an euch schreiben möchte.
Erst mal vorweg: Find ich wunderbar, dass ihr das Thema noch mal aufgreift und euch da auch noch mal mit Frauen zu unterhalten habt! Leider kommt ihr irgendwie zum falschen Schluss. Zur Einordnung: Ich bin ein CIS Mann.
Ich finde es ganz wichtig, dass FLINTA* Personen, wenn es um sexuelle Übergriffe geht, geglaubt wird. Ohne wenn und aber. Das Konzept nennt sich Betroffenorientiertheit/Betroffenenzentriertheit. Denn wie es so häufig bei sexuellen Übergriffen ist: Ein griff an den Po oder sonst was lässt sich nicht nachweisen. Und wenn man es nicht nachweisen kann, ist es nicht passiert oder wie? Das funktioniert so nicht. Ich würd sagen, wenn man den Betroffenen glaubt, stellt das nicht die Unschuldsvermutung auf den Kopf, sondern dreht vll. erst mal nur die Beweislast um. Sie liegt jetzt nicht mehr bei der Betroffenen, sondern beim Täter. Anders, wie wenn die Betroffenen den Griff an den Po beweisen müsste…
Und wenn man mit FLINTA* Menschen redet, dann wird ganz schnell ganz klar, wie vielen sexuellen übergriffen diese Menschen ausgesetzt sind, wie das Patriachart sie auf jeder Ebene ihres Lebens unterdrückt und berührt. Und das ist eine Form von empowerment und auch ein Paradigmenwechsel zu sagen: „Wir glauben euch jetzt einfach mal“. Das wird meistens nämlich nicht getan. Weder bei Freund*innen, auf de Polizei, im Gericht, … und ist Teil des Problems. Die Strukturen/Gesellschaft ist patriachal, und damit schützt sie Täter. Das gilt es auf zu brechen.
Die Forderung von euch, ein ‚klärendes Gespräch mit einem Täter zu haben‘, die find ich ziemlichen Quatsch (sorry). Habt ihr mal Betroffene von sexuelierster Gewalt/sexuellen Übergriffen gefragt, ob die sich mit dem Täter hinsetzen wollen, um ein klärendes Gespräch zu haben?! Ich kenn keine die Lust hat Mann X oder Mann Y zu erklären, dass der Griff an den Busen nicht in Ordnung war. Ist auch ehrlich gesagt nicht die Aufgabe von Betroffenen!! Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe und sollte nicht an FLINTA* Menschen hängen bleiben, und schon erst recht nicht an denen, die umittelbar von dem Täter betroffen sind.
Euer Gedankenexperiment, dass man Regeln für ein Land ausdenken sollte, ohne zu wissen, ob ich am Ende Mann* ode Frau* bin, ist ganz spannend. Es vernachlässigt allerdings, dass diese Regeln später nicht in einem luftleeren Raum greifen, sondern in einer komplexen Gesellschaft, die, unter anderem, sexistisch und patriachal ist. Und in dieser Gesellschaft muss es einen Schutz und eine besondere Hinwendung zu den von Gewalt betroffenen Menschen geben.
Und zu guter letzt: Ihr erklärt diese Forderung, den Betroffenen zu glauben, damit, dass eine Bewegung ein Momentum gewonnen hat und sich damit selbst überholt/überschlägt. Dem widersprech ich: Ich hab ein bisschen das Gefühl, dass ihr beide, CIS Männer die ihr seid, bisher noch nicht die Chance hattet, euch in die Position von Menschen rein zu fühlen/rein zu versetzen, die seit dem sie geboren sind, vom Patriachat betroffen sind. Wenn ihr die Stimmen dieser hört, euch da wirklich tief reinfühlt, vielleicht auch mal eine Machtkritische/sexismus kritische Forbildung in dem Bereich macht (macht ihr sowas? habt ihr sowas schon mal gemacht), ich glaub dann kommt ihr zu anderen Schlüssen.
Nach wie vor, toller Podcast. Ich freu mich jede Woche drauf. Aber ich finde in dem Bereich habt ihr noch ein bisschen was nach zu holen… Vll. wäre irgendwie ein Seminar/Lehrgang/… oder wirklich tiefe, empathische und ergbnisoffene Gepsräche mit Freundinnen/Mitareiterinnen von euch ratsam, um die Persptive von Menschen, die seit ihrer Geburt von Sexisumus, sexualisierter Gewalt, Übergriffen, Angst, Patriachat, unsichtbaren Wänden, Normen was den Körper angeht, … betroffen sind.
Uuuuuuund da fällt mir noch ein: Ihr sprecht häufig von Opfern. Das ist ein nicht so schönes Wort. Es reduziert/strahlt irgendwie Passivität aus. Betroffene wird von vielen „Opfern“ bevorzugt.
Liebe Grüße aus Berlin ![]()