Nicht erst seit dem Dammbruch im Bundestag („gemeinsame Abstimmung von CDU und AfD im Bundestag“) und so manchen Fragwürdigkeiten der letzten Zeit (von Klöckners Verbotsorgie, die mithin skurrile ‚Blüten‘ treibt, bis zum Scheitern der Wahl einer Bundesverfassungsgerichtskandidatin) mehren sich die Anzeichen für eine mangelhafte Abgrenzung von Rechtsdraußen/Rechtsextremismus im politischen Betrieb.
Zwei Beispiele:
In der aktuellen aspekte-Sendung („Wut auf Woke“) wurde u. a. aus Bad Freienwalde berichtet, dass der CDU-Bürgermeister einen gewalttätigen Überfall von Rechtsextremisten auf ein Fest der Vielfalt leugnet („einen Angriff habe es nicht gegeben“).
In der Gemeinde Gägelow, wo das jährliche Anti-Nazi-Festival „Jamel rockt den Förster“ stattfindet, geht u. a. der CDU-Landrat Tino Schomann mit etlichen Sonderauflagen gegen das Festival vor (s. hier).
Ein Gegenbeispiel ist die parteilose Bürgermeisterin von Spremberg, die in einem offenen Brief Alarm geschlagen und vor den Nazi-Umtrieben in ihrer Stadt gewarnt hat. Sie wurde allerdings auch dafür angefeindet.
Eine dieses Jahr veröffentlichte Studie hält für den Zeitraum bis 2024 fest, dass die „Brandmauer [in den Kommunen] zu bröckeln beginnt“, doch „noch lange nicht vollständig eingerissen“ sei.
Hält die Brandmauer? Eine aktuelle Studie von Wolfgang Schroeder, Daniel Ziblatt und Florian Bochert
Der Landkreis mit den häufigsten Kooperationen liegt übrigens im Westen.
In der Präsentation zum AgD-Strategiepapier wird eine Arbeitsgruppe „Brandmauer umwerfen“ genannt.
Vielleicht sollte ich noch erklären, was ich mit Brandmauer meine. Ich verstehe darunter nicht ausschließlich ein parteipolitisches Kooperationsverbot gegenüber der AgD, sondern ich möchte den Begriff in einem umfassenderen - mithin auch zivilgesellschaftlichen - Sinne als klare Haltung der Abgrenzung gegenüber Rechtsextremismus und proaktive Unterstützung von im weitesten Sinne antifaschistischen Initiativen verstanden wissen.
Nun stellen sich mehrere Fragen, von denen einige hier genannt seien.
Kommt das Gefühl für Anstand mehr und mehr abhanden? Wenn ja, was sind mögliche Ursachen dafür?
Ist die Brandmauer (im oben beschriebenen Sinne) durch den massiven Rechtsruck eines erheblichen Teils der Gesellschaft aufgeweicht?
Reagieren z. B. vor Ort Verantwortliche mit Abwehr, Leugnen der Probleme usw., weil sie eingeschüchtert sind, in vorauseilendem Gehorsam gegenüber einem vermeintlichen ‚Volkswillen‘ oder gar aus Überzeugung?
Welche Positivbeispiele und wirksamen Lösungsansätze gibt es?
Dieser Thread soll durchaus auch dafür offen sein, Erfahrungen auszutauschen oder weiterzugeben.
