Du machst dir wirklich keinerlei Mühe, deine Quellen zu verstehen, die zitierten Zahlen zu überprüfen und ihre Anwendbarkeit auf die konkrete Diskussion zu hinterfragen.
Die von dir verlinkte Presseerklärung behauptet, dass PFAS jährlich 16 Billionen Euro “sozialer Kosten” verursachen. Wie die Organisation ChemSec zu dieser Zahl kommt, erklärt sie in einem Bericht:
The issue of contaminated soil is especially troublesome. Earlier this year, a large newsroom investigation revealed that Europe has over 17,000 sites contaminated with PFAS. If we assume that the contamination in global soils is similar, remediation costs would be over €2,000 billion.
Another high remediation cost is water purification. One of the world’s leading PFAS experts, Professor Hans Peter Arp, estimates the cleaning costs to be €238 billion, only in the EU.
Extrapolate that figure to apply globally, and the cost of PFAS to the world is €16 trillion, per year. And that’s a conservative estimate, not including damages to animals or reduction of property prices, for example.
Die von ChemSec zitierte “Investigation” listet übrigens 23.000 Orte in der EU mit feststellbarer Kontamination. Wie ChemSec zu den angeblich 17.000 kontaminierten Orten kommt und welche Kriterien dafür verwendet wurden wird genauso wenig erklärt, wie die gesamte restliche Methodik des Berichts.
ChemSec erklärt auch nicht, wie es die 17.000 Orte global extrapoliert und wie sich die angenommen Kosten für die Sanierung berechnen. Es ist also völlig unklar, wie man bei den 2 Billionen Euro Sanierungskosten für PFAS-Kontamination an Land ankommt.
Und dann kommt die Berechnung der Kosten für die Wasserfiltrierung. CheSec verweist auf das Video eines Vortrags von Prof Hans Peter Arp, der das Thema etwa ab Minute 12:30 diskutiert. Die zitierten 238 Milliarden Euro jährlichen Kosten für Wasserreinigung werden von Prof App als “maximale Extrapolation” der theoretischen Kosten der Reinigung des gesamten Wasserverbrauchs Europas (EEA) mit der fortschrittlichsten Reinigungstechnologie genannt.
Darin enthalten sind die gesamten jährlichen 200 Milliarden Kubikmeter industrielle Abwässer der EEA, obwohl viele dieser Abwässer vermutlich gar nicht nennenswert mit PFAS kontaminiert sind. Und es ist der gesamte Trinkwasserverbrauch von 38 Milliarden Kubikmeter jährlich enthalten, obwohl bei weitem nicht alle Trinkwasserquellen mit PFAS belastet sind.
Mal davon abgesehen, dass wir dann auch sämtliche anderen bekannten Schadstoffe aus dem gesamten Wasserverbrauch rausfiltern würden, die Kosten aber ausschließlich den PFAS zuschreiben.
Dieser theoretische Maximalwert wird dann von ChemSec “global angewendet”, erneut ohne eine Methodik zu nennen, um insgesamt auf die eindrucksvolle Zahl von 16 Billionen Euro jährlicher Kosten zu kommen.
Das ist Schwachsinn. Kann man als Lobby-NGO so machen, habe ich in meiner Tätigkeit für NGOs auch schon so gemacht, aber das ist dann eben politische Kommunikation und keine wissenschaftliche Arbeit.
Du wiederum verwendest diese Zahl von 16 Billionen völlig unkritisch, um damit die angeblichen externalisierten Kosten von PFAS in Autobatterien zu berechnen. Das funktioniert so nicht. Vergiss diese Zahl bitte einfach. Sie hat mit dem tatsächlichen Problem (PFAS in Batterien) nichts zu tun.
PFAS-Emissionen in Batterien entstehen bei der Produktion und bei der Entsorgung. Das Auffangen dieser Emissionen und die ökologisch korrekte Entsorgung ist in diesen Situationen (an einer Handvoll Standorten) technisch sehr viel einfacher (und damit billiger) als die Filtrierung des gesamten Brauchwassers der globalen Bevölkerung.
Dass das auch passiert, dafür braucht es politischen Druck. Die Verteufelung von Batterien unter Verwendung von Bullshit-Zahlen braucht niemand.