Die SPD ist ja nicht unsozial geworden, weil sie keinen Bock mehr auf Unterschicht hatte, sondern weil sie darin keine Mehrheiten mehr sah und die Grünen entfernen sich nicht immer mehr von linken Positionen, weil sie das richtig finden, sondern weil sie das auf Wahlkampfständen und in Diskussionen gespiegelt bekommen.
Naja, was Du da beschreibst, ist ja kein Problem von Subventionen für nachhaltigere Haus- und Fahrzeugtechnik, sondern dass die Inflation in den letzten Jahren besonders lebensnotwendige Ausgaben (Wohnen, Essen, Energie) disproportional getroffen hat, was vor allem die unteren Einkommensklassen belastet.
Ich glaube dir, dass das frustrierend ist. Aber ironischerweise hatte genau die Partei, die sich immer anhören muss, abgehobene, elitäre Klimaspinner zu sein, handfeste Finanzierungskonzepte, um diese Härten abzufedern: ein Klimageld, das CO₂-Preis-Einnahmen direkt an Menschen mit niedrigen Einkommen zurückgibt, kombiniert mit Mieterschutz gegen die Weitergabe steigender CO₂-Kosten, dazu sozial ausgewogene Kauf- und Leasinganreize für E-Autos und eine verschärfte Mietpreisbremse.
Gewählt aber wurde: Weiter wie bisher!
Ich auch nicht, und das Problem dieser Schicht, genau so wie Eltern für ihre Kinder und alte Leute in katastrophalen Pflegebedingungen fehlt schlicht die Kraft um sich auch noch ständig zu wehren. Und wenn doch womit denn bitte? Es gibt nur eine Partei die das noch so sieht, die ist aber aus anderen Gründen in Teilen ein Problem. Also an der Wahlurne nur die Wahl Pest oder Koller. Bliebe noch Protest aber auch da wieder Zeit Kraft und wer organisiert das ganze?
Mal fiktiv:
Der Spritpreis steigt auf 3€.
Was passiert?
Fahren Menschen dann nicht? Auch wenn sie zur Arbeit müssen?
Wenn die Politik nicht wirksam agiert?
Das wäre dann herauszufinden. Wenn mein Arbeitgeber meine Arbeitskraft braucht und ich habe kein Geld für den Sprit, wird im Notfall der einspringen - und das steuerlich geltend machen. Mit Sicherheit wird nicht passieren, dass ich deswegen zu Hause bleibe.
Denke auch das viele trotzdem tanken und woanders sparen. Essen, Urlaub, Einkauf.
Wir sind von „hohe Benzinpreise als gut für die Transformation bezeichnen ist falsch“ zu „ohne Hedonismus mach ich bei Klimaschutz nicht mit“ gekommen, also ich finde es sollte absolut genug sein wenn das E-Auto vor den Problemen von Öl und Gas schützt und Klimafreundlich ist…
Also in Summe fehlt mir in der Diskussion auf der einen Seite ein Blick für Menschen die finanziell nicht (oder nur schwer) transformieren können und auf der anderen Seite ein Blick für die Gesamtkosten - also das E-Auto ist schon jetzt wettberwerbsfähig wenn alle Kosten und Subventionen beachtet werden, aber die Anfangsinvestition scheint noch zu hoch zu sein (und es gibt praktische Nachteile was das alltägliche Laden betrifft)
Nur auch das Potential ist hat irgendwann ausgeschöpft. Allerspätestens wenns 30 Tage Nudeln mit Ketchup gibt damit der Weg zur Arbeit, der Schule und Miete Strom und Telefon bzw. Internet bezahlt werden kann ist halt echt Ende.
Was spricht denn gegen die Linke, ist sie Teil von Pesto und Cholera oder schon unwählbar? Aus sozialpolitischer Sicht bieten sie das deutlich beste Paket. Bitte bei der Argumentation daran denken, dass in der Demokratie Koalitionspartner immer dafür sorgen, dass Kompromisse gefunden werden. Die Linke pur wird man also nicht bekommen…
Sozialpolitisch gesehen volle Zustimmung, aber die Ansichten zu Russland und der Ukraine sorgen da bei mir für gewaltige Bauchschmerzen. Was sie für mich selbst nicht wählbar macht. Auch wenn ich alles andere was die so machen sehr gut finde. Und ja Kompromisse und so
Interessant dazu Felix Banaszak in der Pressekonferenz: https://youtu.be/kvU2X5hpMlw?si=ezLKLRhI5PDf0Y9d
ganz am Anfang argumentiert er (und damit ja die Grünen) dass ein Fördern des Umweltverbunds dazu führt, dass die Nachfrage nach Sprit sinkt - also ein Fördern von ÖPNV senkt die Nachfrage und das liese sich auch auf E-Autos übertragen
im Endeffekt ist das dann ähnlich wie tickel-down - die Förderung ist nicht für alle zugänglich (ÖPNV auf dem Land, E-Auto für niedrige Einkommen) kommt aber allen zu gute… das tickel-down häufig nicht funktioniert ist klar, ob das indirekt über die Nachfrage funktioniert wäre spannend - auch für die Lage
Die Nachfrage nach Sprit wird es schon senken, aber das wird genauso wenig auf den Preis durchschlagen wie das Anzapfen der nationalen Reserven… Die Argumentationskette stimmt, aber in den preisrelevanten Bereich kommt man erst bei riesigen Mengen. Also das ist ein Traumgespinnst und ich wäre bei dir, dass es ähnlich wie Trickle Down Gerede zu werten wäre
Es ist eine Mär, dass das die ganze Linke Partei so sieht. Die letzten Parteitagsbeschlüsse waren eindeutig: https://www.die-linke.de/themen/frieden/ukraine-krieg/.ich will nicht bestreiten, dass es da einige abweichler gibt. nur die meisten Linken Mitglieder die so dachten sind ins BSW gewechselt. Solche extremen pro Russland Meinungen gibt es beinah in jeder Partei. Ich erinnere nur an Kretschmer (CDU) „das letzte Bollwerk gegen die AfD“ („bevor die AfD stärkste Kraft wird wähle ich lieber den“) der extra nach Moskau gereist ist um mit putin zu telefonieren. Oder Platzeck (SPD) oder Mützenisch (SPD)“ keine angriffswaffen um auf Russland zu schießen „
Das einzige was sie verweigern sind Waffenlieferungen in Kriegsgebiete. Das hängt aber nicht daran, dass sie „Pro Russland“ sind. Das gilt für alle Kriegsgebiete. Kann man dagegen sein. Aber das hat nichts mit pro Russland zu tuen
Als Gesellschaft sind wir Fossil-Süchtige. Wenn das Heroin plötzlich doppelt so teuer wird, hören die Süchtigen dann auf, Heroin zu kaufen? Klar wären Ersatzdrogen verfügbar, klar wäre ein Entzug am besten. Aber halt auch so verdammt unangenehm. Da erzählt man sich lieber in hundert Varianten, dass es wirklich nicht anders geht, dass man nur noch diesen einen Schuss bräuchte, nur noch diese eine stressige Phase aber dann ist es wirklich vorbei, dass man überhaupt nicht abhängig ist, sondern einfach freie Entscheidungen trifft. Und immer deutlicher kommt mit steigenden globalen Durchschnittstemperaturen die finale Überdosis in Sicht.
Inwiefern ist es “trickle-down”, wenn man ÖPNV mal im Ansatz zu einem Bruchteil so massiv subventionieren würde, wie den privaten Autoverkehr? Immerhin produziert ersterer externen Nutzen, was Subventionen rechtfertigen würde, während letzterer massive externe Kosten, besonders für die die ihn nicht nutzen können/wollen produziert, was wenn überhaupt deutlich höhere Steuern als bisher schon rechtfertigen würde, damit wenigstens die Instandhaltung der Straßen durch die gedeckt würde, die sie nutzen und kaputt machen.
Was wäre eigentlich, wenn der Strompreis signifikant steigt? Der ja auch noch maßgeblich an fossilen Energien hängt?
So ab 1-2€ je kw/h….
(Die Höhe des Preises ist eine deutlich andere) Relativ schnell wird dann Strom aus den Nachbarländern importiert. Es hängen längst nicht (mehr) alle Länder so massiv am fossilen.Zudem sind die Preisschwankungen da weniger schnell, weil die meisten ja jahresverträge, teils auch mit längerer Preisbindung haben. Sowas wie jetzt dürfte sich also wenig auswirken.
Ps: gute Erinnerung, mal wieder den Stromtarif zu vergleichen😉
da haben wir ein Missverständnis - der Vergleich zum trickel-down ist bezogen auf die zitierte Argumentation - also das günstigerer ÖPNV für die Nutzer*innen toll ist wird niemand bestreiten
aber den ÖPNV billiger zu machen, weil Sprit teurer geworden ist ergibt erstmal keinen Sinn - das ist als würde man die Bodensteuer senken, weil die Mietnebenkosten steigen
der Effekt für die Autofahrenden soll entstehen indem Leute durch den Preisanreiz umsteigen und so die Nachfrage nach Kraftstoff sinkt (so die Argumentation die ich zitiert hatte) - diese Subvention des ÖPNV soll also indirekt die Autofahrenden entlasten durch die sinkende Nachfrage und diese indirekte Wirkung die eine gute Portion „auf den Markt hoffen“ beinhaltet hat für mich argumentative Ähnlichkeit zum trickel-down
Um die Diskussion abzukürzen:
- Ja die Spritpreise sind für viele Menschen eine Belastung. Manche davon können auch wirklich nicht kurzfristig auf Alternativen umsteigen.
- Aber nein, den Spritpreis künstlich (mit Subventionen) niedrig zu halten ist keine Lösung weil: a) Davon diejenigen am meisten profitieren, die am meisten Sprit verbrauchen, also tendenziell Reiche mit großen, teuren schnellen Autos. b) Es den Markt verzerrt und Anreize Sprit zu sparen oder sich technologisch anzuspassen zerstört.
- Sinnvoll wären statdessen Maßnahmen die technologieoffen und sozial gezielt helfen. Z.B.
Wieder die Möglichkeit einer Inflationsausgleichsprämie wie 2022, also die Möglichkeit einer steuerfreien Sonderzahlung durch den Arbeitgeber. Diesmal ggf. mit einem Deckel was das zu verstuernde Einkommen angeht (damit es primär sozial-Schwachen zugutekommt).
Oder eine staatliche Einmalzahlung ggf. auch wieder gekoppelt an Bedürftigkeit.
- Zusätzlich könnte man Spirtsparmaßnahmen, wie z.B. ein Tempolimit einführen, um die Nachfrage nach Sprit und damit den Preis zu senken.
Daher: Weg mit den Subventionen - und zwar überall !
Na den Volksaufstand wollen wir hier alle nicht erleben, wenn die realen Kosten des Autofahrens nach dem Verursacherprinzip getragen werden müssen. Da kommst du mit 3€/ Liter nicht aus.