AfD Bundesparteitag in Erfurt

Um mal den advocatus diaboli zu spielen: ich schon.
Ohne Argumente ist das halt nicht mehr als eine Meinung.

Dass Gleiches auf AFD-Demos völlig normal ist interessiert „die andere Seite des Spektrums“ dann gar nicht.
In jedem Politik-Podcast, den ich zum Parteitag gehört habe, wurde das thematisiert und auch die Aussage von „Widersetzen“ „ein faschistischer Journalist ist immer noch ein Faschist“ auch sehr kritisch eingeordnet. Die Organisation hat sich da ganz klar delegitimiert, genauso mit dem Entschluss der Bild in der Pressekonferenz keine Fragen zu beantworten. Auf der anderen Seite gilt natürlich das gleiche für die AFD. Und in einem Fall reden wir von einer NGO im anderen von einer Partei. Wie man an dieser Stelle also zu dem Entschluss kommen kann, die Brandmauer sollte hinterfragt werden, ist mir schleierhaft.
Bevor das passiert, sollte die AFD Gewalt auf ihren Demos delegitimieren und verhindern und die freie Presse als freie Presse anerkennen.

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Anne Rabe trifft mal wieder den Punkt:

Doch egal, wie die Wahlen im Herbst ausgehen, die politische Landschaft droht sich nicht nur zu verändern, wenn die AfD Regierungsmacht erlangt. Sie hat sich seit der Gründung dieser Partei vor 13 Jahren bereits Stück für Stück verändert. Seit dem Ende der NS-Diktatur war es keiner rechtspopulistischen oder rechtsextremen Partei gelungen, sich dauerhaft im parlamentarischen Betrieb zu etablieren oder zu regieren. Das ist jetzt anders, sogar in Berlin liegt die AfD in Umfragen zur Landtagswahl bei 18 Prozent.

Die Partei macht keinen Hehl daraus, wie sie mit Andersdenkenden umgehen möchte. Björn Höcke sprach auf dem Parteitag von »Seelenverwundeten«, die AfD müsse sie heilen, therapieren und Normalität herstellen. Es ist eine Diktion, die an NS-Rhetorik erinnert. Parteichefin Alice Weidel bekennt sich längst offen zu dem Thüringer Landesvorsitzenden und profitierte bei ihrer Wiederwahl von seinen radikalen Netzwerken.

In Erfurt haben sich Zehntausende gegen den AfD-Parteitag gewandt; initiativ wurden hier unter anderem Politiker von SPD, Linken und Grünen und Kampagnenprofis wie der Deutsche Gewerkschaftsbund und die Organisation Campact. Doch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch immer sehr viele Menschen die Gefahr der autoritären Bewegung unterschätzen. Zu viele halten sie vor allem für ein Problem Ostdeutschlands. Das ist umso erstaunlicher, weil wir seit gut zehn Jahren in vielen westlichen Demokratien ähnliche Entwicklungen erleben. Dort kam es bereits zu schwerwiegenden Veränderungen der politischen Strukturen mit teils tödlichen Konsequenzen.

In den USA wurden bei Protesten nicht nur unbewaffnete Menschen von ICE-Beamten erschossen, zahlreiche Migranten wurden zunächst in menschenunwürdige Abschiebegefängnisse und dann außer Landes gebracht. Die Experten der medizinischen Fachzeitschrift The Lancet schätzen, durch die Kürzungen bei der Entwicklungshilfe USAID könnten bis 2030 bis zu 14 Millionen Menschen weltweit sterben. Zuletzt unterstützte der reichste Mensch der Welt und Fanboy der AfD, Elon Musk, rassistische Pogrome in Belfast mit Aufrufen auf seiner Plattform X.

Was ist mit der bürgerlichen Mitte in Deutschland nur los? Ihr fällt es trotz alledem schwer, anzuerkennen, wie gefährlich die Sehnsucht nach Autoritarismus und Gewalt ist, und dass sie direkt aus ihren Reihen entsprungen ist. Noch immer wird der Mythos von der AfD als Professorenpartei erzählt, die von Rechtsextremisten gekapert worden sei, aber eigentlich einen konservativen Kern habe. Dabei wird ausgelassen, dass besonders radikale Akteure wie der thüringische Landeschef Björn Höcke zu den Gründungsfiguren der Partei gehörten und dass die AfD genau jenes Projekt war, auf das klandestin agierende, rechtsextreme Kreise jahrzehntelang gewartet hatten.

Seit Gründung der AfD hat sich die Zahl rechtsextremer Straftaten mehr als verdoppelt. Inzwischen kommt es laut Statistik des Bundeskriminalamts jeden Tag zu mehr als vier rechtsextremen Gewalttaten.

Man muss aber auch feststellen, dass der Kanzler sich den wissenschaftlichen Erkenntnissen zum Umgang mit Rechtsextremismus und Populismus konsequent verweigert und somit nicht zum Hoffnungsträger im Kampf um die Demokratie taugt. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung warnt seit Längerem auf der Grundlage von Studien vor einer rhetorischen und inhaltlichen Öffnung nach rechts. Diese habe im internationalen Vergleich stets den Rechtsextremisten genutzt und die Konservativen geschwächt.

Die demokratische Bürgergesellschaft kann sich in der Auseinandersetzung mit dem Rechtsextremismus also keinesfalls auf die Politik verlassen. Sie sollte diese Auseinandersetzung vielmehr unabhängig von ihr führen, eigenständig.

Diese Reserve der Wehrhaftigkeit, die in der Bürgergesellschaft liegt, gilt es nun zu heben. Das politische Versagen muss nicht zu einem gesellschaftlichen Versagen werden. Die Bundesrepublik im Jahr 2026 ist nicht die Weimarer Republik von 1933. Die Lehren aus der nationalsozialistischen Terrorherrschaft werden nicht allein in Gedenkveranstaltungen gezogen. Sie müssen viel mehr Handlungsmaxime aller Demokraten sein.

(Hinter Paywall)

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Bei einem Vortrag in Wuppertal beschrieb Al-Mafaalani, was unter den aktuellen Bedinungen gut zu tun wäre, um der Gefahr durch Bewegungen wie die AfD zu begegnen und was man eher lassen sollte. Als er die Folie auflegte, gab es Gelächter im ganzen Hörsaal, weil er eigentlich draufschreiben hätte können: Immer genau das Gegenteil von dem, was Merz macht. Als ob der Kanzler und seine Berater immer, wenn sie sich fragen, wie der Afd zu begegnen wäre, den gleichen Vorzeichenfehler machen…

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An Leute wie Merz, Söder & Co. hat man diesbezüglich schon keine Erwartungen mehr.

Viel schlimmer finde ich das empiriefreie Gelaber von ahnungslosen Politikjournalist:innen in den Medien.

Und zwar ganz gleich, aus welcher Richtung die kommen.

Selbst Taz-Journalist:innen ‚glänzen‘ da in einigen Fällen mit abstrusen Vorstellungen.

Und das ist noch (mit) die seriöseste Quelle, was Aufklärung über Rechtsradikalismus angeht.

Doch selbst da wird im Hinblick auf AfD-Wählende gerne mal verharmlost.

Anbei:

Advocatus diaboli… ich dachte, das wäre hier mein Job. :wink: Die Inhalte aus S-A wurden bereits an anderer Stelle diskutiert. Mit meiner Meinung bin ich wohl nicht allein. Jurist bin ich aber auch keiner.

Irgendwie wirfst du meine zwei Takes etwas durcheinander und bestätigst zudem direkt meine Aussage zu den verhärteten Rändern. Eine sachliche Metaanalyse der Debattenkultur ist kaum mehr möglich, weil fast alle sofort in den Modus „aber die anderen müssen erstmal…“ verfallen.

Mir ging es auch überhaupt nicht darum, die AfD zu verteidigen oder die Brandmauer wegzureden (dazu gibt’s ebenfalls andere Forentopics). Ich fand es lediglich spannend, dass die ZEIT hier das Schweigen der Politik ankreidet, und habe die (durchaus provokante) Frage in den Raum gestellt, ob dieses Schweigen nicht genau die logische Konsequenz der aktuellen Brandmauer-Praxis ist.

Lese ich da nicht raus.

Sie wirft den Parteien vor, so zu tun, als wäre die AFD nicht im Begriff gerade Sachsen-Anhalt (SA) zu übernehmen und das Thema nicht öffentlich zu adressieren. Ob das aber überhaupt nötig ist, sei dahin gestellt. Erstens dürfte das „Problem“ (sofern man es als Problem sieht) beim Wähler dort angekommen sein und zweitens fühlt sich ein überzeugter AFD-Wähler nur bestätigt, wenn die „Systemparteien“ die AFD als Problem adressieren. Ich halte es für viel sinnvoller, den Wählern dort klar zu machen, dass eine AFD-Regierung in den anderen Bundesländern nicht als Protest wahrgenommen wird, sondern ein Problem ist, dass dann nur und genau die Bewohner von Sachsen-Anhalt betrifft. Mit Mitleid brauchen sie dann nicht zu rechnen.

Vielleicht noch zum besseren Verständnis, Anne Rabe ist eine ostdeutsche Schriftstellerin und Essayistin, die sich antifaschistisch engagiert.

Ihre Kritik an Politiker:innen wie Merz richtet sich nicht dagegen, dass die Brandmauer noch eingehalten wird, was - wissenschaftlich betrachtet - absolut sinnvoll ist, sondern dagegen, dass Politiker:innen wie Merz AfD-Mimikry betreiben und die rechtsradikale Partei dadurch aufwerten, wie Forschung ebenfalls zeigt.

An die Zivilgesellschaft richtet Rabe den Appell, sich nicht auf die Politiker:innen (v.a. nicht auf die Konservativen) zu verlassen, sondern das Bekämpfen des Rechtsradikalismus selbst in die Hand zu nehmen.

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Diesen Abschnitt meinte ich… Brandmauer, keine Inhalte kopieren, am besten gar nicht ansprechen, dann gehen die schon weg. Thematik also beschweigen, Feind einfach nur so verdammen.

Da ging es ja darum, die potenzielle Machtübernahme der rechtsradikalen AfD in Sachsen-Anhhalt zu beschweigen, um sie nicht zu beschwören.

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Immerhin: Man kann dabei zuschauen, wie in der Union jetzt Vorschläge als tolle neue Idee aufgelegt werden, die erst seit so ungefähr 5 Jahren debattiert werden. Noch ca. 5 Jahre also, dann sind sie ungefähr auf dem Stand von heute… „Wie wäre es denn, wenn wir erstmal Höckes aktives und passives Wahlrecht angehen… oder wir prüfen erstmal einen einzelnen Landesverband“ Wie so ein Schüler, der erst ne halbe Stunde zu spät kommt und dann Sachen sagt, die vor 20 Minuten besprochen und geklärt wurden. Tolle Idee, hatte vor dir noch nie jemand, deswegen müssen wir jetzt alle erst mal überlegen… Thüringen - Spahn schlägt Wahlrechtsentzug für AfD-Landeschef Höcke vor

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Spahn denkt immer noch, man könnte die AfD entschärfen, wenn man nur einen Faschisten kaltstellt. Unglaublich.

Dazu verweise ich noch mal auf das Interview mit Ann-Kathrin Müller.

Die AfD ist durch und durch rechtsradikal.

Aber gut, man kann von Krypto-Trumpisten wie Spahn auch nichts Sinnvolles erwarten.

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