Nach VW mit seinen Plänen zum Personal- und Standortabbau nun auch BMW und Mercedes:
Leichte Erholung für Porsche.
Welche Perspektiven bleiben?
Einfach nur auch E-Autos bauen ist angesichts der Konkurrenz aus China u.a. wohl nicht das Allheilmittel.
Nach VW mit seinen Plänen zum Personal- und Standortabbau nun auch BMW und Mercedes:
Leichte Erholung für Porsche.
Welche Perspektiven bleiben?
Einfach nur auch E-Autos bauen ist angesichts der Konkurrenz aus China u.a. wohl nicht das Allheilmittel.
Die Entwicklung war doch absehbar. Elektromobilität erfordert weniger Teile. Automatisierung erfordert weniger Menschen. China ist in E-Mobilität Vorreiter, die Marktanteile von deutschen Herstellern sinken, je weiter wir in die Zukunft schauen. Nicht vorhersehbar war vlt. Trumps Zollchaos.
Alles in allem führen weniger Nachfrage, mehr Konkurrenz und technischer Fortschritt zu weniger Bedarf an Mitarbeitern.
Abgefedert wird es vermutlich etwas durch die höheren Investitionen in Rüstung. Aber wie lange? Wenn wir 2030 alles aufgefüllt haben. Sollte der Ukraine Konflikt zum Erliegen kommen. Ist das eine nachhaltige Nachfrage? Würde ich schon mit Risiko betrachten (unabhängig von der Diskussion, ob Rüstung gut oder schlecht ist).
Daher bleiben eig nur 3 Optionen. Den Fortschritt nicht verpassen. Deutschland muss alternative Wirtschaftsfelder entdecken. Die Autokonzerne erfinden sich neu mit komplett neuen Ideen (vlt. Mobilität bereitstellen, nicht Autos. Moia z.B. auch auf dem Land. Oder was ganz anderes). Es gab mal einen Staubsaugerhersteller, der jetzt eine sehr erfolgreiche Küchenmaschine verkauft.
Aus oben genannten Gründen, führt aus meiner Sicht aber nichts daran vorbei, dass die Autobauer weiter Personal abbauen werden.
Also eher Transformation zu eAuto-Kleinserienhersteller (Porsche, BMW,Mercedes) und ggf noch VW als größerer Player? Ansonsten eher Mobilitätshersteller und alternative Geschäftsfelder?
Wenn soviel Personal zwangsläufig freigesetzt wird, löst es dann unser Fachkräfteproblem? Soviel wie möglich in die Pflege schieben (um- oder angelernt?) ? ![]()
Solange die Unternehmer gleichzeitig (hohe) Gewinnausschüttungen vornehmen, kann ich zumindest das Gejammer nicht ernst nehmen.
Ansonsten: Transformation… und zwar nicht in Richtung Rüstung (wer will skalierte Rüstung und wohin soll das führen), sondern in Richtung E, Kleinwagen und Bus, Straßenbahn.
Auf BMW bezogen:
Vom Stellenabbau sind vor Allem Verwaltung, Entwicklung, Planung und Management betroffen, BMW schließt die Fahrzeugproduktion vom Stellenabbau aus.
Grund für den Stellenabbau ist vor Allem der stark zurückgehende chinesische Markt, der von den Zuwächsen in Europa und den USA nicht aufgefangen werden kann.
Nach offiziellen Absatzzahlen hat BMW in Europa im ersten Halbjahr +5,4%, in Deutschland allein +10,2%, allerdings in China -20,4%.
Bei diesem Stellenabbau spielt der Umstieg auf die E-Mobilität aus meiner Sicht eine nahezu untergeordnete Rolle, da BMW nicht in der Produktion Personal einspart und die neue Klasse (iX3 etc.) sehr gut auf dem Markt (bis auch China) ankommen. Die Auftragsbücher im Bereich E-Fahrzeuge sind voll, die Lieferzeiten liegen momentan bei 6-8 Monaten.
Wie bei anderen deutschen Automobilherstellern hat man in den letzten Jahren aber einen erheblichen Anteil seines Gewinns in China erwirtschaftet, und der bricht nun weg.
Als persönliche Anekdote: Ich war gerade beruflich in Asien unterwegs, was man dort z.B. in Thailand oder Indonesien, Malaysia und selbst in Vietnam an neuen chinesischen E-Autos sieht, ist kaum zu glauben. Marken, die hier keiner kennt zu Preisen, die hier keiner kann. Ja, da fährt auch mal ein teurer BMW oder Mercedes. Aber die Menge fehlt.
Zum Vergleich, bei BMW lag der chinesische Marktanteil in den Jahren 2019 bis 2024 bei 30-33%, dieses Jahr wird er eher bei 20% liegen. Bis 2024 wurde das Wachstum von BMW fast ausschließlich vom steigenden Absatz in China getragen.
Mein Fazit: Die deutschen Automobilhersteller müssen schrumpfen, da sie den chinesischen Markt zumindest momentan verloren haben.
Habe hier inhaltlich nichts beizutragen, aber das Thema würde mich für die Lage ebenfalls interessieren. Ein Interview mit jemand kompetentem aus dem Dunstkreis der Industrie wäre spannend. Denn auch mir ist absolut nicht klar, was die Mittelfriststrategie der Autoindustrie ist, die ja nun an allen Fronten (zum Teil natürlich selbstverschuldet) unter Druck steht. Wird man das alte Geschäftsmodell (im wesentlichen teure Autos für den Export und für Firmenkunden) aufgeben und sich komplett anders aufstellen? Oder will man den Krieg mit China aufnehmen? Ist der Plan nochmal großflächig Hilfen aus der Politik zu bekommen, bevor der Kahn sich dem Untergang nähert? Von mir auf jeden Fall ein +1 für das Thema in der Lage.
Doch.
@longfellow hat schon das Wesentliche dazu ausgeführt.
In die Pflege vielleicht nicht in erster Linie, aber ins Handwerk z.B.
Würde aber schon bedeuten, das man das Thema „Um- oder Aufqualifizierung“ von freiwerdenden Automobilfachkräften zumindest in Teilen einkalkulieren muss? Als Regierung?
Oder regeln das die potentiellen neuen Arbeitgeber eigenständig auf eigene Kosten?
Ist die Binnennachfrage bzw. der europäische/ US-Markt (trotz Zölle) noch groß genug für den Absatz deutscher eAutos? Bei bleibender chinesischer Konkurrenz?
Es gibt wohl verschiedene Wege, auch die Agentur für Arbeit bietet Umschulungen an.
Gerade die Automobilunternehmen werden mit Sicherheit von den mächtigen Gewerkschaften gezwungen werden, wenn sie viele Leute ausstellen, denen auch den Weg in eine neue Perspektive leichter zu machen.
Es gibt da ja Möglichkeiten über die Agentur für Arbeit.
Qualifizierungschancengesetz, Berufsberatung im Erwerbsleben,…
Läuft also meist auf einen Bildungsgutschein heraus. Der wiederum über die Agentur für Arbeit finanziert wird. Also quasi über den Staat.
Die Frage wäre auch welche Verantwortung die Unternehmen da übernehmen?
Grundsätzlich fände ich auch einen Experten mal interessant der die Perspektiven der Autoindustrie in Deutschland beleuchtet.
Vor allem beim Thema eAuto: wie günstig, aber gewinnbringend können deutsche Hersteller produzieren und verkaufen? In welchen Segmenten rechnet sich das, wie hoch lässt sich das skalieren, wie sehen die Absatzmärkte aus?
Vielleicht wäre ein:e Expert:in für transformative Wirtschafts- und Arbeitsmarktforschung geeignet, die künftigen Entwicklungen insg. zu beleuchten.
Zwei schon etwas ältere Studien zeigen jedenfalls, dass sich der Arbeitsplatzabbau fortsetzen wird.
Der Umbau zur Elektromobilität könnte einer Studie zufolge in den kommenden zehn Jahren bei gleichbleibender Entwicklung den Wegfall von weiteren 140.000 Arbeitsplätzen in der deutschen Autobranche zur Folge haben. Das entspricht gut 15 Prozent der insgesamt 911.000 Menschen, die 2023 in der Branche arbeiteten. Zwischen 2019, als in Deutschland nur wenige rein batterieelektrische Fahrzeuge gefertigt wurden, und 2023 sind bereits 46.000 Arbeitsplätze gestrichen worden.
Zu diesem Ergebnis kommt die Studie „Beschäftigungsperspektiven in der Automobilindustrie“ des Forschungsinstituts Prognos im Auftrag des Verbands der Automobilbauer (VDA). Dazu wurde die Entwicklung von 700 Berufen in der Automobilindustrie ausgewertet.
Besonders betroffen vom Arbeitsplatzrückgang in der Branche sind der Studie zufolge die Berufe, in denen derzeit ein großer Teil der Beschäftigten arbeitet, wie etwa Maschinenbau und Metallbearbeitung. Gefährdet seien hier insbesondere Jobs bei Zulieferern, die sich auf das Geschäft mit Verbrennern konzentrierten.
Die Autoindustrie in der Region Stuttgart schrumpft. Selbst wenn sie einen Zahn zulegen würde bei der Transformation, verschwinden tausende Arbeitsplätze und damit Wohlstand und Industrie. Das prognostiziert eine neue Studie des IMU-Instituts, die jüngst erstmals öffentlich vorgestellt wurde.
Die Gründe für die trüben Aussichten: Die Digitalisierung von allem nur Denkbaren – von zahlreichen Gimmicks im Auto bis hin zum autonomen Fahren – und der Wechsel hin zum Elektroauto sorgen für tiefgreifende Änderungen in der Branche. Und die werden Arbeitsplätze kosten, sagen Stieler und Dispan, selbst wenn die Autofirmen schneller werden würden beim Umbau. Einfach weil weniger Menschen benötigt werden, um E-Autos zu bauen, denn ein Elektromotor ist deutlich einfacher und hat weniger Teile. In nicht mal 20 Jahren, also bis 2040, muss demnach mit 83.000 weniger Jobs im Auto-Sektor gerechnet werden. Das wäre ein Drittel weniger als bisher. Eingerechnet sind da bereits die Jobs, die neu entstehen könnten: beim autonomen Fahren – vor allem in der IT –, in der Batterieindustrie sowie beim dringend notwendigen Ausbau der Ladeinfrastruktur.
Da wären tatsächlich Arbeitsmarkt-Alternativen spannend.
Die gibt’s:
Die Energiewende und Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel erfordern in den kommenden Jahren zusätzliche Arbeitskräfte. Wie Modellrechnungen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zeigen, werden für die Umsetzung der Energiewende bis 2030 rund 157.000 zusätzliche Arbeitskräfte benötigt, im Jahr 2040 noch rund 102.000. Für Klimaanpassungsmaßnahmen – etwa den Bau von Deichen oder Bewässerungsanlagen – sind bis 2030 und 2040 jeweils mehr als 40.000 Arbeitskräfte erforderlich.
Die Nachfrage steigt vor allem in der Energieversorgung, im Baugewerbe, in der Land- und Forstwirtschaft, im IT-Bereich sowie in vorgelagerten Zulieferindustrien.
Dass Menschen, die sich um- bzw. weiterqualifizieren, länger von Erwerbslosigkeit betroffen sind, ist wohl angesichts der Bedarfe unwahrscheinlich.
Man darf natürlich die Branchen nicht abwürgen:
Die Frage wäre wie weit man noch eine Wahl als Arbeitnehmer hat; muss ich nehmen was grad gesucht wird?
Denke so wählerisch können wir nicht mehr sein. Der Druck wird hoch genug sein das man nimmt was man kriegen kann an Arbeit.
Andere Art von Motivation. ![]()
Nun ja, es wird ja in vielen Bereichen gesucht. Es bleibt also nach wie vor reichlich Auswahl.
Allerdings steht ‚irgendwas mit Autos‘ bei jungen Männern mit einfachem bis mittlerem Schulabschluss weiterhin hoch im Kurs, wenn man auf die geschlossenen Ausbildungsverträge guckt:
(Lila → Frauenanteil)
Das ist auch 2026 so:
(Quelle)
Da werden sich viele künftig wohl neu orientieren müssen.
Hier noch eine differenzierte Darstellung für 2025:
„Wir stehen vor einem fundamentalen Strukturwandel, dem größten in der Geschichte der Bundesrepublik“, sagt die Technologie- und Innovationsforscherin Katharina Hölzle. Gerade in der deutschen Automobilbranche hätte eigentlich schon längst allen klar sein müssen, dass es mit dem scheinbar ewigen Wachstum nicht mehr lange weitergehe, ein Wandel dringend nötig sei: „Die Zeichen waren da, die Experten haben es alle gesagt“, so Hölzle. Aber weil es dann eben doch noch eine Weile so weitergegangen sei wie früher, habe niemand den Mut gehabt, „wirklich radikal zu sagen, dass die Branche sich ändern muss“.
Wobei die Umschulung vom VW-Fließband-Arbeiter zum Solar-Panel-Anschrauber möglich ist, der Abschlag im Gehalt aber jeden schwer atmen lassen wird. Heute sehen wir den Irrtum in der Aussage: „die deutsche Auto-Industrie hat das kleine, billige E-Auto verschlafen“. Nicht falsch, aber jetzt wo welche kommen, werden sie halt nicht in Deutschland gebaut. Glückwunsch
Das ist ein wichtiger Punkt.
Wer im Extremfall komplett umschult, ist im höheren Alter wieder Berufsanfänger. Mit entsprechendem Gehalt.
Aber Konsens scheint zu sein, das viele Hersteller und auf Verbrenner spezialisierte Zulieferer massiv Stellen verlieren werden.
Was ggf auch zeitweilig höhere Transferleistungen wie Arbeitslosengeld nötig sind (sofern keine Abfindungen gezahlt werden)
Was sagen die Parteien dazu?
Die AfD sieht beispielsweise die Zukunft im Verbrenner und fordert daher eine Aufhebung eines Verbrennerverbotes.
Was ja selbst in der Autoindustrie als abwegig betrachtet wird.
Zunächst sollte man die Situation einmal nüchtern anhand der Fakten betrachten. Dazu gehört diese Statistik:
Frei verfügbar habe ich leider kein Bild in besserer Qualität gefunden, zur Referenz: letzter Balken ist 2025 mit 154.500 Mitarbeitern, erster Balken ist 2009 mit ~96.000 Mitarbeitern. Der große Sprung 2021 auf 2022 liegt an der Integration des chinesischen Joint Ventures (+22.000 oder so) und generell großem Personalaufwuchs.
Das BMW Management hat schlicht zu viel eingestellt zuletzt. Keine Ahnung, was sie da geritten hat. Ich habe einige Jahre in der Branche bei so ziemlich jedem großen OEM als Berater gearbeitet und den Automatisierungsgrad verbessert. Es war immer schon absehbar, dass Mitarbeiter nicht eingestellt werden, um erforderliche Arbeit zu erledigen, sondern weil Manager in diesen Konzernen einfach gerne möglichst viele Mitarbeiter haben.