Weil das vor eins-zwei Wochen Thema im Forum war, hier eine Analyse von Friedrich Küppersbusch: https://youtu.be/7A1QRhwT77Y?si=NIyFkAF8aoUGifLY
Danke für den Hinweis, das Video ist in der Tat sehr gut. Einmal weil es als chronologische Aufarbeitung dient aber auch weil es einige gute Hinweise enthält, wie die Frage nach dem achtjährigen Jungen, der ebenfalls starb oder der Hinweis auf die israelische Einheit, die palästinensische Journalisten mit der Hamas in Verbindung bringen soll:
Sogar die israelische Staatsanwaltschaft ist von Antisemiten unterwandert ![]()
https://www.deutschlandfunk.de/israels-ex-militaerstaatsanwaeltin-nach-freigegebenem-video-mit-misshandlungen-eines-palaestinensers-100.htmlSchwere Vorwürfe der Regierung
“Ministerpräsident Netanjahu hatte die Veröffentlichung des Videos als „möglicherweise schlimmsten Anschlag“ auf Israels Image seit der Staatsgründung bezeichnet. Verteidigungsminister Katz meinte, jeder, der antisemitische „Blutanklagen“ gegen die Soldaten erfinde, sei der israelischen Uniform unwürdig.”
Hier der aus Guardian Artikel, der im Küppersbusch-Video erwähnt wird:
Laut diesem Artikel hat ein investigatives Team aus Israelis und Palästinensern aufgedeckt, dass Israels Militär eine Einheit betreibt, deren Aufgabe es ist die Tötung palästinensischer Journalisten nachträglich zu legitimieren. Dabei gibt das Militär vor auf welche Journalisten man sich zu fokussieren hätte.
Ziel der Einheit sei die Öffentlichkeitsarbeit. Sie sollten dem israelischen Militär den Rücken gegenüber Israels Verbündeten stärken, damit diese ihre Unterstützung nicht einstellen.
Das ist ein weiteres Beispiel dafür, dass der israelische Staat (und seine Unterstützer) dazu tendiert den Antisemitismusbegriff für Diffamierungskampagnen zu verwenden, um Kritiker ruhig zu stellen.
Mehr noch, Netanjahu behauptet mittlerweile der Leak sei der schlimmste „Anschlag“ auf Israels Ansehen seit der Staatsgründung. Merke, nicht die Verbrechen seiner Schergen die Gefangene misshandeln sind das Problem, sondern Staatsanwälte, die Fehlverhalten öffentlich machen.
Mir ist völlig unverständlich warum trotzdem viele Menschen in Deutschland, vor allem auch Politiker, auch weiterhin auf diese Propagandashitshow einer rechtsradikalen, nationalistischen Regierung hereinfallen. #NieWieder darf kein Freibrief für ehemalige Opfer sein, zu Tätern werden zu dürfen.
Edit: Antwort auf JohanneSAC hinzugefügt.
Das scheint aber offenbar nur eine der Aufgaben zu sein. Im ursprünglichen Artikel von +972 Magazine (Link zum +972 Magazine), auf den sich auch der Guardian beruft, heißt es noch weiter:
“If the global media is talking about Israel killing innocent journalists, then immediately there’s a push to find one journalist who might not be so innocent — as if that somehow makes killing the other 20 acceptable,” the intelligence source said.
Der Fall des getöteten PMP-Mitarbeiters würde also genau in den Aufgabenbereich dieser Einheit fallen.
Der Spiegel hat noch mal ein bisschen zu dem Thema recherchiert:
Aus einem Welt-Artikel (Link) dazu:
Die israelische Armee hatte als Beleg für Mutairs Mitgliedschaft bei den Qassam-Brigaden, dem ZDF ein internes Mitgliedsformular der Terrororganisation vorgelegt. Israelische Geheimdienstexperten halten das Dokument unter anderem wegen „Format, Symbolik und Terminologie“ für authentisch. Allerdings weise es formale Unstimmigkeiten auf und sei nicht an der dafür vorgesehenen Stelle von Abu Mutair unterschrieben, berichtet der „Spiegel“.
Nach wie vor scheint sich also nur die israeliache Seite sicher bei der Hamas-Mitgliedschaft des getöteten Technikers. Jetzt kann man natürlich sagen, dass die dabei die größte Expertise haben dürften. Aber Israel ist dabei aber eben auch, nachvollziehbarer Weise nicht objektiv.
Und ob man bei einem Terroristen (falls man Israel hier glauben will) unter 35 Mitarbeitern einen Raketen-Angriff rechtfertigen kann, halte ich auch für diskussionswürdig. Zumal dieser Techniker ja nicht an Kampfhandlungen beteiligt gewesen zu sein scheint.
Für mich auffällig: Israel könnte hier Aufklärung der Unklarheiten betreiben oder einen Fehler eingestehen. Oder sie erklären, die Unklarheiten nicht aufklären zu können, bei ihrer Überzeugung zu bleiben, aber anzuerkennen, dass es unterschiedliche valide Sichtweisen gibt.
Stattdessen schweigen sich die Ankläger, sowohl Israel als auch seine moralisch einwandfrei fühlenden Unterstützer jetzt einfach aus, nachdem sie zuvor mit Vorwürfen und Unterstellungen nicht gegeizt haben.
Ich weiß wirklich überhaupt gar nicht, was stimmt.
Aber einen Fakt muss man der israelischen Regierung im Kontext Presse vorwerfen: Dass sie keine freie Presse ins Land lassen. Beide Seiten können vieles behaupten. Unabhängige Presse wäre hilfreich (gewesen).
Wie stellst du dir vor, dass unabhängige Presse im Hamas-kontrollierten Gaza-Streifen unabhängig arbeitet? Ist Israel dann für den Schutz dieser unabhängigen Presse zuständig?
Wie wäre es, die Entscheidung den Medien selbst zu überlassen? Kriegsreporter haben sicher nicht in jedem Krieg Schutz dabei…
Hast du falsch verstanden. #NieWieder ist eine Aufgabe für uns.
Ja, so wie es in anderen Konflikten auch praktiziert wird.
In der ukrainischen Kriegszone sind durchaus internationale Reporter unterwegs. Die werden vom ukrainischen Militär teilweise gebrieft, wo es besonders gefährlich ist, und immer wieder sterben auch mal Reporter, wie z.B. hier
Niemand fordert, dass es völlig ungefährlich für Journalisten sein soll. Journalisten im Kriegsgebiet setzen sich immer einer großen Gefahr aus. Aber wenn eine Konfliktpartei in den von ihr kontrollierten Bereich eines Konfliktgebietes gar keine ausländische Presse hineinlässt, ist das ein Problem. Selbst die israelischen Medien dürfen aus diesen Gebieten - wenn sie überhaupt zugelassen werden - nur nach strikter Militärzensur berichten.
In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen ist Israel jedenfalls weiter abgerutscht und nun auf Platz 112 von 180 (-11 Plätze zum Vorjahr) und damit in der zweitschlechtesten von fünf Gruppen („Schwierige Lage“), das ist schlechter als viele afrikanische Krisenregionen.
Nein, #NieWieder ist eine Aufforderung an die ganze Welt. Aber das ist genau der Auslegungskampf um das Gedenken an den Holocaust: Bezieht sich #NieWieder auf „jüdisches Leben“ oder bezieht es sich auf „Völkermord im Allgemeinen, egal gegen wen“. Ich vertrete ganz klar letzteren Standpunkt, da er den erstgenannten umfasst.
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