Ist die Frage, ob es sinnvoll ist, jetzt jemanden mit Potential in die erste Reihe zu stellen. Der wird in der derzeitigen Stimmungslage wieder von Konservativen und Springer mit Kampagnen überzogen.
Strategisch würde ich warten, bis die Leute in 3 Jahren abgenervt sind von Insta-Wurstfressern und Fake-Schleudern. Vielleicht gibts dann wieder so viel Stimmen, dass es fürs Regieren reicht.
Ich glaube nicht, dass man in der aktuellen Bedrohungslage der Demokratie Strategien mit einem Horizont von mehreren Jahren verfolgen sollte. Wenn es schlecht läuft, startet um den Jahreswechsel die Operation Steigbügel, also eine Minderheitsregierung, die sich regelmäßig von der AfD stützen lässt. Dann können wir froh sein, wenn es drei Jahre später noch demokratische Wahlen geben wird. Nennenswerten Widerstand der rechten Demokraten erwarte ich hier sowenig, wie in den USA.
Zugegeben, ich habe den Artikel gerade nur überflogen aber derweil, der sagt, dass man den Klimawandel durchaus populistischer kommunizieren sollte und emotionaler ist schon ein bisschen das, was ich empfinde. Genauso müssten Dinge wie das (inzwischen unsägliche) Klimageld, dass ja als großer Hebel für die Akzeptanz erscheint, wieder herausgeholt werden. Nur weil man nicht in der Lage war, das gegen die FDP durchzusetzen ist es ja nicht falsch.
Und natürlich ist es immer schön, intelligenter zu argumentieren als die AFD, gleichzeitig muss man es aber auch schaffen, seine Politik greifbar(er) zu vermitteln. In technokratisch lösungsorientierten Ansätzen zu argumentieren erreicht halt viele Leute nicht, könnte es sein, dass man da eventuell nachschärfen muss und prägnante Punkte sehr plakativ (und oft) macht.
Ich meine ja nicht, dass die Politik monokausal sein muss, aber bei jedem Thema den Bogen zum Klima zu spannen erschiene mir halt interessant.
„Dazu ein paar schöne Stories, die nicht nur Verlust enthalten, sondern potenzielle Verbesserungen. Z.B. saubere Luft, Ruhe und Grün in Städten, ganz konkret.“
Genau das vermisse ich bei den Grünen: Die positiven Narrative, Bilder von dem, was wir erreichen können, wenn wir uns mehr ums Klima kümmern.
Das wäre besser als alle dystopischen Angstszenarien und würde vielleicht auch den einen oder anderen Klimaskeptiker mitnehmen.
“Indem wir das Klima schützen, schützen wir nicht nur uns. Wir schützen unseren Wohlstand, sichern und schaffen gute Arbeitsplätze, machen unsere Städte und ländlichen Räume lebenswerter und sorgen dafür, dass künftige Generationen in Freiheit leben können.
[…]
Klimaschutz als Chance für unsere Gesellschaft
Durch die Nutzung von klimafreundlicher Sonnen- und Windenergie schützen wir nicht nur die Umwelt, indem wir CO2-Emissionen reduzieren, sondern wir bewahren auch unsere Geldbeutel vor steigenden Energiekosten. So machen wir unsere Zukunft sauberer, gesünder und sozial gerechter. Klimaschutz sichert und schafft gute Jobs, zum Beispiel in der Mobilitätsplanungoder der Energiespartechnik”
Ich habe zunehmend den Eindruck, dass viele Kritiker der Grünen sich primär über ihre politischen Gegner über die Grünen informieren.
Die CDU wird bereits an der EU-Kom scheitern. An den Bürgern erst recht. Ich bin auch nicht sicher, ob Reiche wirklich einen Gasfetisch hat, oder es wirklich um Versorgungssicherheit geht. Letztere wäre dann wieder ein handwerkliches Problem. Wenn wir nur x MW klimaneutrale Ktaftwerke in einem bestimmten zeitpunkt errichten/installiern können, aber zur Versorgungssicherheit eine höhere Menge benötigt wird, ist die Entscheidung pro Gas wieder keine politische, sondern Sachzwang.
Ich bleibe daher dabei: niemand steht der Dekarbonisierung wirklich noch ernsthaft politisch entgegen.
Wenn das so ist, dann nur aus spieltheoretischen Gründen. Die Frage nach der Geschwindigkeit der Dekarbonisierung ist in der Tat noch akut. Aber nur, weil die wirtschaftlichen Auswirkungen der Geschwindigkeit noch thematisiert werden. Genau hier könnten die Grünen auch mitdiskutieren. Klimaschutz als Sachpolitik. So hat es Habeck ja - glaube ich - auch versucht. So werden die Grünen aber nicht wahrgenommen, sondern als Moralposteln. Damit sie bei Studierenden, Lehrern und anderen Akademikern gut ankommen. Die Grünen müssten m. E. stärker die Nähe zur (grünen) Industrie suchen und sich für eine Wählerschaft aus diesem Bereich öffnen.
Ich verstehe um ehrlich zu sein nicht, was du damit sagen willst. Der Klimawandel ist und bleibt eine politische Frage, da er durch Entscheidungen und Maßnahmen politischer Akteure angegangen wird. Das hat auch erstmal nichts mit der eindeutigen wissenschaftlichen Faktenlage zu tun und auch nichts mit bestehenden politischen Entscheidungen (zB Klimaabkommen), die ja nicht auf ewig unverrückbar sind.
Das haben sie versucht und sind ziemlich gescheitert. Habecks industriefreundliche Politik war zwar streckenweise durchaus beliebt, am Ende hat das Feindbild aber wenig mit echten Positionen und viel mit medialen Kampagnen zu tun. Was sind denn die konkreten Aussagen und Forderungen, die zu sehr „Moralapostel“ sind?
Gerade der Vorsitzenden Franziska Brantner oder bekannten Parteimitgliedern wie Özdemir und von Notz kann man wirklich nicht vorwerfen, sich nicht genug um den Anschluss an die politische Mitte ™️ zu sorgen. Auch in den Bundesländern in denen die Grünen in Regierungsverantwortung sind, wird (vllt mit Ausnahme Berlin) immer ein Realo-dominierter Kurs gefahren.
Bei der letzten Wahl haben die Grünen übrigens die meisten Stimmen an die Linke verloren.
Mir scheint, den Grünen fehlt nach Habecks und Baerbocks Abgang das Führungspersonal und sie kämpfen aktuell mehr mit sich selbst und ihrem schlechten Ansehen in der Bevölkerung, als dass sie einen Plan aus der Opposition entwickeln können. Da werden intern einfach erst einmal Richtungsstreits ausgekämpft.
Und zu allem Überfluss beginnen sie dann, um überhaupt noch medial stattzufinden, polemisch über andere Politiker herzufallen - selbst solche, die Ihnen eher nahe stehen.
Kürzlich hat es Laschet getroffen weil er einen Brief zur Unterstützung der Ukraine und gegen Trumps Friedensplan nicht binnen eines Tages unterschrieb. Da fielen Vertreter der Grünen über ihn her als sei er ein Unterstützer Putins. Völlig zweitrangig war für die Kritiker, dass er bei ähnlichen Briefe zuvor zu den Unterzeichnern gehörte.
Vielleicht sind die Grünen nach den Wahlverlusten noch auf der Suche nach dem richtigen Weg?
Mit Robert Habeck hatten sie einen charismatischen, pragmatischen und erfolgreichen Spitzenmann, der - von Opposition und Medien auf Schärfste bekämpft - mit der Partei abgewählt wurde. “Jahrelang wurden viele von Robert Habecks Vorschlägen als naiv, falsch oder ideologisch abgetan. Industriestrompreis, Deutschlandfonds, Ausnahmen bei der Schuldenbremse – alles galt als grüner Irrweg. Heute setzt die Merz-Regierung genau diese Massnahmen um und verkauft sie als neue Vernunft. Die Ironie ist unübersehbar.” (Cyrill Luchsinger kürzlich bei Linkedin).
Habeck hat es geschafft, Klimaschutz & Wirtschaft gemeinsam zu denken! Andererseits hatten die Grünen zu wenig die breite Masse der Menschen im Fokus.
Klimaschutz als Begriff wurde aber durch die unseligen Debatten während der Ampel-Zeit weiter verbrannt, für viele Bürger war Klimaschutz zu abstrakt, nice-to-have und weit weg von ihren persönlichen Herausforderungen. Die Grünen habe versäumt, die drängendsten Bedürfnisse der Menschen aufzugreifen. Stattdessen hat die AfD geschickt die früheren Wähler der SPD umworben und sich das Mäntelchen einer Arbeiterpartei umgehängt.
Warum also nicht eine soziale Klimapolitik anbieten, die den Menschen den unmittelbaren Nutzen von Klimaschutz vor Ort aufzeigt? Beispiele:
Bürgerbeteiligung an EE-Anlagen, bei denen die Erträge in der Kommune bleiben
Dezentrale Energieversorgung - energieautarke Städte und Dörfer, die unabhängig machen von weltpolitischen Ereignissen und hohen Preisschwankungen
Klimafreundliche Mobilität durch intelligente Mobilitätslösungen auch auf dem Land schaffen, damit der Verzicht aufs Auto leichter fällt
Genossenschaftlchen, klimafreundlichen und bezahlbaren Wohnungsbau vorantreiben.
Konzepte zur Stärkung der regionalen und klimafreundlichen Lebensmittelproduktion entwickeln.
Durch die o.g. Aktivitäten sinnvolle Arbeitsplätze schaffen, die fair bezahlt werden und die Zeit-Bedürfnisse der Menschen respektieren.
Nein, denn das sind zum einem keine grünen Kernthemen sondern schlicht offensichtliche Dinge, die Habeck pragmatisch unterstützt hat. Und zum anderen wird nicht die “Industriestrompreissau” durchs Dorf getrieben und Medial massiv aufgebauscht.
Röttgen und Kiesewetter sind ebenfalls zu kritisieren, keine Frage. Es sind auch beide Scharfmacher ihrer Partei, die oftmals jeglichen Respekt vor anderen Meinungen als der ihren vermissen lassen.
…
Aber was haben die oft schwer erträglichen Kiesewetter und Röttgen mit den Grünen zu tun?
Ist schon relevant, ob es ein einseitiges “über Laschet herfallen als wäre er ein Unterstützer Putins” ist, oder ein Vorfall bei dem Laschet nicht nur von der Opposition, sondern auch von Parteikollegen kritisiert wurde.
Ebenso, dass sich die Grünen dafür entschuldigt haben.