Was machen die Grünen eigentlich Falsch, dass sie aus dem chaotischen regieren der aktuellen Regierung nicht irgendwie in den Umfragen kapital daraus schlagen?
Ich bekomme nichts von ihnen mit und irgendwie gäbe es doch so viele Ansätze, der Regierung etwas entgegenzusetzen. Insbesondere der Klimaschutz würde sich doch geradezu aufdrängen.
Wenn ich mir ansehe, wie die AFD in jedem Satz Migration unterbringt und damit ein Thema setzt, dem alle hinterherlaufen, ist es mir total unverständlich, warum nicht in jedem Satz, den ein Grüner in ein Mikrofon spricht, das irgendwie allem übergeordnete Thema Klimakrise vorkommt. Das würde in meinen Augen den Diskurs in die (richtige) Richtung verschieben und ein neues wirklich relevantes Thema setzen.
Und dabei wäre eigentlich auch das Thema der Frage egal, weil man ja Klimakrise/Klimaschutz mit jedem anderen Thema verbinden kann.
Ich fände interessant zu beleuchten, warum es um die Grünen so absolut still ist.
Klimaschutz = Wirtschaftsschutz und Wachtumspotential
Soziale Ungleichheit bekämpfen zur Stärkung des Binnenmarktes und als Verständnis des Liberalismus, da so Geld in der Masse verfügbar wird und der Markt zu den besten Ideen regelt.
Mit dieser Themensetzung stärkt man die Soziale Marktwirtschaft und den Wirtschaftsstandort Deutschland.
Und so wie du sagst, das Ganze an den vielen schlechten Beispielen der Regierung deutlich machen.
Also in der Zeit, die ich momentan abonniert habe, kommen die Grünen wenig vor - vor allem in Kommentaren der Journalisten zur Union mit Anmerkungen, was nun von den Grünen erwartet würde oder Ampelvergleiche.
Die Grünen sind für Berichterstattung wenig sexy: keine Aufreger wie Trump, keine Krise wie Spahn, Merz, Klingbeil. Und Klimaschutz will ja nach dem Ampelfiasko eh keiner mehr lesen.
Die grünen Wettern gegen China haben aber kein Problem mit den USA. Ist für uns als Exportnation mit großer Abhängigkeit vom Chinesischen Markt nicht wirklich Klug.
Wenn man moralisch Argumentieren will kann man das gerne tun aber dann gleiche Maßstäbe ansetzen.
Gibts für diese Einschätzung einen konkreten Anlass? Ich nehme das in der Partei deutlich anders Warnung auch grüne Abgeordnete äußern sich regelmäßig relativ kritisch zur US-Administration (vorsichtig gesagt)
Meine “quick and dirty” Erklärung wäre, dass bei den Themen, die die Menschen gerade viel beschäftigt, insb. Wirtschaft und Migration, den Grünen wenig Kompetenz zugeschrieben wird. Deswegen drängen sie zu diesem Thema nicht so sehr durch.
Darüber hinaus hat das Thema Klimaschutz für die Menschen keine allzu große Relevanz mehr hat, wie das Politbarometer vom November 2025 ganz gut zeigt:
46 Prozent sind der Ansicht, dass bei uns zu wenig für den Klimaschutz getan wird, für 22 Prozent wird zu viel getan und 28 Prozent sind mit den aktuellen Maßnahmen zufrieden.
Das ist ja gerade mein Punkt, dass das Thema Klimaschutz auch wegen der Grünen und dem zu geringen Fokus der Grünen darauf hinten runter fällt.
Ich mein: Frage zu Migration; Antwort: wird bei zu wenig Klimaschutz schlimmer
Frage zur Wirtschaft; Antwort: Klimafreundliche Zukunftstechnologien sind unumgänglich
Frage zur Rente; Antwort: wird sich nur langfristig bezahlen lassen, wenn wir die Klimawende schaffen.
Und das ganze zu jedem Thema und gerne auch sehr plakativ, dass macht die AFD mit der Migration und hat das Thema trotz geringer Zuwanderung noch immer ganz oben bei den Leuten. Vielleicht heißt es da ja, dass man auch von den Taktiken lernen muss, die Erfolgreich sind.
Denn wenn das Klima wieder mehr besprochen wird, wird es auch in den Medien und dann mittelbar in den Köpfen der Leute den Platz finden, den wir ihm offensichtlich aktuell nicht mehr geben. Was ein fataler Fehler ist!
Die AfD profitiert aber vor allem daran, dass andere Parteien und Medien das im großen Stil aufgreifen.
Wenn die Grünen zuletzt versucht haben das Thema auf den Tisch zu kriegen war ja eher die Antwort, dass die Grünen den Sinn für die Realität verloren haben und Dinge fordern die gar nicht mehr umsetzbar sind wenn die Wirtschaft den Bach runter geht.
Wer bestimmt denn, was in den “Medien” steht? Die Partei oder das Medium? Wenn man möchte, dann kann man sicher Kritik an vielem durch die Grünen finden. Aber wann war die letzte Talkshow zu Klima bei Lanz, Illner und Co.? Wie viel Raum wird dem Thema durch Medien noch gegeben? Dass alles mit Klima zusammenhängt will niemand mehr hören.
Denke eher das ist der Punkt.
Vlt. braucht es wieder “Aufreger” wie die Letzte Generation, aber dann ist es ja überzogen. Oder eine Wetterkatastrophe.
Welches Kapital sollen die Grünen denn schlagen? Umfragewerte erhöhen, ist erstmal keine Politik. Und gewählt wird auch nicht. Ich würde mir als Grüner auch erstmal Zeit nehmen, um zu überlegen, wie mal bei der nächsten Bundestagswahl erfolgreich wird. Als Sündenbock und Hassobjekt für die Nation würde ich auch nicht herhalten.
Deshalb habe ich ja auch den Eindruck, dass die Grünen zu Brav mit dem Thema umgehen. Egal welche Frage und welcher Politiker, in jedem Satz muss Klima vorkommen. Hängt vielleicht allen bald zu den Ohren raus, Migration aber auch und trotzdem wird das immer wieder auf den Tisch geholt.
Und die Regierung angreifen damit, dass sie Klimaschutz nicht macht, geht auch immer, zumindest bei der Regierung. Ich glaube irgendwie nicht, dass Migration das schwerwiegendere Problem für die Menschen in Deutschland ist, es wird ihnen aber von der AFD immer wieder aufs Brot geschmiert. Die gewinnen ja dadurch, dass sie das Thema obwohl es objektiv viel geringer geworden ist, immer wieder hervorholen in jedem anderen Kommentar. Bei denen liegt die Schuld für alles an der Migration (vielleicht etwas übertrieben, aber ich denke man sieht den Punkt), die Grünen müssten für alles Klimapanik schreien. Und wenn sie nicht mehr in Talkshows eingeladen werden deswegen dann halt darüber jammern, dass sie geghostet werden. Meine Frage ist: welches Personal bräuchten die Grünen dafür und was spricht gegen diese Strategie, um das Klima wieder in den Fokus zu bringen. (Wo es definitiv hingehört!!!)
Ich fürchte, dagegen spricht, dass das Thema bereits jetzt stark polarisiert und dazu führt, dass viele Menschen, wenn sie „Klima“ hören, sofort die Mauer hochziehen und nicht mehr für Argumente empfänglich sind.
Das ist das zentrale Problem:
Die AfD ist damit erfolgreich, Migration als ultimativen Sündenbock für alles darzustellen, weil sie den Menschen erzählen kann, dass ohne Migration (bzw. mit stark kontrollierter Fachkräftemigration) alles besser wäre. Das geht mit dem Thema „Klima“ nicht. Allenfalls können wir versprechen, dass Dinge wie das Ahrtal-Hochwasser seltener werden, aber auch da ist jedem klar, dass es eine internationale Anstrengung bedarf und Deutschland alleine da kaum etwas dran ändern kann. Und wir können immer mit dem Zeigefinger warnen, dass alles noch viel schlimmer wird, wenn wir nicht genug tun, aber das hilft eben leider auch kaum. Im Gegenteil, das Thema „Klima“ geht auch immer mit dem Thema „Verzicht zum Wohle der Zukunft“ einher, sei es der Verzicht auf’s Fliegen, auf den dicken SUV oder auf’s Fleisch. Wenn wir argumentieren, dass auch beim Thema Migration auf vieles verzichtet werden müsse (siehe allgemeine Diskussion zum Arbeitskräftemangel) wird wieder die qualifizierte Fachkräfteanwerbung als Joker rausgezogen und der Drops ist gelutscht.
Rein diskurstheoretisch betrachtet hat die AfD mit der Wahl ihres Sündenbocks einfach gewonnen. Da kommen wir mit Argumenten nicht drum rum. Wir können das Thema nicht annähernd so gut emotionalisieren, und Fakten scheinen niemanden zu interessieren. Wir gewinnen ganz klar auf der Faktenebene, aber das erreicht die Wähler nicht, egal, wie oft wir „Klima!“ schreien…
Ich finde man macht es sich zu einfach, wenn man jetzt auf die Grünen schiebt, dass das Thema Klima nicht auf der Titelseite ist.
Jeder kann ne Demo organisieren. Jeder kann sich Aktionen überlegen. Jeder kann in der Partei oder sonst eine Umweltorganisation eintreten und ne steile Aufmerksamkeit erzeugende These raushauen oder Aktion starten. Vlt macht man es sich zu einfach. Wenn es einen aufregt, ggf die Energie nutzen und selbstwirksam werden, anstatt sie mit Kritik an anderen die ja nichts tun zu verbrauchen
Naja, Umfragewerte erhöhen würde doch dazu führen, dass die anderen Parteien sich auch dem Klima widmen „müssten“, dann würde das ja auch wieder zu einem „Gewinnerthema“ für die Grünen werden, weil sie das Thema besetzen.
Da sie ja keine „extremen“ Positionen einnehmen sollten, sondern nur die (wissenschaftlich immerhin bestätigte) Gefahr Tag ein und Tag aus erwähnen würden sähe ich nicht, dass die anderen Parteien sich deshalb nicht mit ihnen auf eine Koalition einigen könnten. Zumindest merh ausschließen als vor der letzten Wahl würden sie die Grünen auch nicht können…
Klimaschutz ist “politisch” auserzählt. Wir wissen ziemlich genau, 1) dass wir die Energieproduktion etc. dekarbonisieren müssen und 2) wie das funktioniert, nämlich durch den Ausbau erneuerbarer Energien, Umstellung von Co2-intensiven Materialien etc.
Jetzt muss man das halt umsetzen und das ist schlicht sehr viel Arbeit. Hier haben die Grünen wenig politisches Kapital, da die Menschen, die tatsächlich an der Dekarbonisierung arbeiten (Handwerker, Industrielle etc.) die Grünen gar nicht wählen. Die “Klimapolitik” der Grünen richtet sich in der Kommunikation letztlich an Menschen, die wenig mit der Energiewende am Hut haben. Das macht diese Partei aktuell unattraktiv.
Wenn die Grünen wieder als “Klimapartei” wahrgenommen und in der Breite erfolgreich sein wollen, müssen sie sich deutlich entakademisieren. Andernfalls wird die Partei zur bedeutungslosen Echokammer.
Ich tue mich schwer zu verstehen, was du eigentlich meinst, weil du sehr allgemein bleibst.
Bezogen auf das Thema: Wären die Grünen bei irgendeiner Wählergruppe erfolgreicher, wenn sie gegenüber der Biden-Administration kritischer gewesen wären? Wenn ja, bei welchem Aspekt genau? In welcher Hinsicht waren die USA und China da gleich zu behandeln?
Bezogen auf deine These: Seit wann hat Moral eigentlich so einen schlechten Ruf? Wenn man es grundsätzlich für erstrebenswert hält, moralisch gut zu handeln (Konsens?) und gleichzeitig Wert auf Klugheit legt (wie auch immer man die konkret füllt), wäre es doch genau richtig, soweit moralisch zu handeln oder zu argumentieren (wobei hier wohl eher handeln im Sinne von außenpolitischer Kommunikation gemeint ist?), wie es klugerweise möglich ist, was logischerweise dazu führen müsste, dass man moralische Argumente gegenüber verschiedenen Staaten unterschiedlich stark betont? Wieder der Bezug zum Thema: Es gibt in Deutschland mit Union und AfD aktuell zwei Parteien, die in Umfragewerten gemessen deutlich erfolgreicher sind, als die Grünen. Wäre es deiner Meinung nach wirklich ein Erfolgsrezept für die Grünen, díe außenpolitischen Positionierungen und deren außenpolitischen Stil zu übernehmen? Ich sehe das nicht, aber vielleicht kannst du das ja genauer erläutern.
Ich wollte gar nicht sagen, dass die Grünen Schuld daran sind, dass das Thema Klima untergegangen ist, mein Punkt war eher, dass sie vielleicht aus dem nichts Tun der Regierung Kapital schlagen könnten, und damit das Thema auch wieder aus der Versenkung hervorkommen könnte,
Ja, die AFD hat einen Sündenbock und schiebt alles darauf ohne sachliche Zusammenhänge. Und die anderen Parteien rennen hinterher, worauf ja auch in der Lage schon oft hingewiesen wurde und was zu einem überhöhen des Themas führt.
Genauso penetrant glaube ich würde es sein, wenn die Grünen ständig und immer das Thema Klima rausholen und es in Verbindung mit der Zukunft bringen und wieder und wieder sagen, dass die Regierung, Welt, Wirtschaft und wer auch immer die Zukunft verspielt.
Emotionalisieren ließe sich das sehr gut, hat schon funktioniert und würde bestimmt wieder funktionieren. Zukunftsängste sind für viele Leute greifbar, Ja, man muss dramatisieren, in diesem Fall aber irgendwie ja auch wissenschaftlich unterstützt.
Das wäre mein Punkt, diese Penetranz würde in meinen Augen eine Chance haben. Söder würde ausrasten, weil jeder Satz eines Grünen alles aufs Klima zurück bringt. Dadurch müsste er aber auch wieder übers Klima reden, sich in Diskussionen rechtfertigen etc. Und nach der Logik würde das Thema wieder mehr in den Vordergrund kommen.