Ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob das so stimmt. Mein anekdotischer Eindruck ist schon, dass weder Handwerker noch Industrielle bei dem Thema und der Wahlentscheidung eine homogene Gruppe wären. Grade die, die sich besonders für Energiewende engagieren, ihre Geschäftsmodelle anpassen, Technik entwickeln etc., wählen zum Teil sehr wohl die Grünen. Das ist aber auch keine so große Gruppe, dass die den Unterschied an der Wahlurne machen, oder?
Wenn ich mir Analysen zur Wählerschaft und zu verlorenen Wählern anschaue, sind die Grünen zwischen allen Stühlen gelandet. Beispielhaft mal diese beiden:
Die “Merkel-Lücke” scheint ein eher leeres Versprechen zu bleiben und letztlich verlieren die Grünen Wechselwähler in alle Richtungen. Ich würde nicht sagen, dass Klimaschutz keine Rolle mehr spielt, aber eben nicht mehr die lagerübergreifende Rolle wie um 2020. Das wurde insbesondere von der Union und der FDP als Gefahr erkannt und zielstrebig zerstört, sodass das Thema einerseits grundsätzlich einen Teil der Wähler abschreckt, andererseits in der konkreten Umsetzung die Wähler spaltet. Die einen (eher wohlhabenden) wollen Klimaschutz, aber bitte schön ohne dass sich für sie groß was ändert, die anderen soziale Abfederung über Klimageld u.ä.
Praktisch alles, was man den Grünen nun aus verschiedenen Richtungen rät und das von verscheidenen Fraktionen in der Partei angestrebt wird, wurde in der Vergangenheit schon vergeblich erprobt. Ich fürchte, dass die lagerübergreifende Zustimmung zu konkretem, am nötigen orientierten Klimaschutz ein Sondereffekt bleibt, der nicht zurückkommen wird, womit das Potential der Grünen deutlich reduziert wird, weil sie sich für einen Teil ihrer Wählerschaft immer nur in etwa soviel attraktiver machen können, wie sie einen anderen Teil verlieren. Glückwunsch an die politische Konkurrenz und die journalistischen Handlanger der Fossil-Industrie aus dem Springer-Verlag, die die Grünen mit jahrelangen Kampagnen gestutzt haben, blöd halt, dass damit Klimaschutz politisch in den Bereich des unlösbaren geschoben wurde, aber zu vielen war es das wohl wert oder sogar ganz recht.