Vieles, was du schreibst, kann ich gut nachvollziehen, auch wenn ich den von Dir beschriebenen Extremfall bisher nur in sehr abgewohnten Studentenwohnheimen erlebt habe. Allerdings ist doch das meiste beim Haus mit Garten in Suburbia ganz ähnlich. Man hat vielleicht weniger Nachbarn, diese lernt man aber dafür umso intensiver (und langfristiger) kennenlernt:
Es gibt immer einen Nachbarn, der direkt nebenan auf seiner Terrasse grillen/ein Lagerfeuer machen muss, so dass der Rauch in das Wohnzimmer zieht. Hat man mal im Winter nicht in aller Frühe Schnee geräumt, die Zeitung aus dem Briefkasten geholt oder sind um 9 Uhr die Vorhänge noch zugezogen, wird gleich geklingelt, „um zu sehen, ob alles in Ordnung ist“. Der Rentner auf der anderen Straßenseite führt genau Buch, wann die Hecke wieder zu hoch gewachsen ist und belehrt einen dann über die einschlägige Verordnung. Wenn die Kinder im Garten zu laut sind oder gar auf der verkehrsberuhigten Straße vor dem Haus Fußball spielen, kommt eine Intervention der gesamten Anwohnerschaft. Selbst simple Bauvorhaben, wie ein Carport, führen zu epischen Fehden mit den Nachbarn. Der Querdenker drei Häuser weiter mit seinem schon etwas ölverlierenden SUV ignoriert konsequent das Tempo-30 oder Spielstraßen-Schild („ist ja nie was passiert“). Überhaupt lebt man Grundstück an Grundstück mit den immergleichen - sorry - Spießern, denen man auf Gedeih und Verderb ausgeliefert ist, und in 45 Jahren nicht mehr, als ein „Guten Tag“ oder „gutes Wetter für Tomaten dieses Jahr“ wechseln wird.
Das ist natürlich genauso eine Karikatur, wie deine Beschreibung von shared spaces. Doch „l’enfer, c’est les autres“ und ich muss mich im Leben einfach mit anderen Menschen arrangieren. Das gilt in der dichten Stadt genauso wie in der Suburbanität.
Das ist ein herer Wunsch und prinzipiell stimme ich der Aussage, dass neue Häuser autark zu sein haben zu, aber ist das nicht ein ziemlicher umständlicher Schlingerkurs? Erst Umwelt durch Neubauten unnötigerweise belasten und dann die Belastung irgendwie gering halten. Das ist doch ein wenig, als würde ich eine funktionierende Waschmaschine wegwerfen, weil die neue pro Waschgang 0,05 kWh weniger verbraucht.
Zudem ist das größte Umweltproblem bei aus EFH bestehenden suburbanen Siedlungen meiner Meinung nach nicht der erhöhte Energieverbrauch pro dort wohnender Person (denn da kann man sich Lösungen vorstellen), sondern der durch die Zersiedelung erzeugte massive Mobilitätsbedarf nach mittellangen und langen Wegen, der mehr Autofahrten, Straßen und Parkplätze erzwingt. Dieses Problem ist aus meiner Sicht völlig ungelöst.