Wie hängen soziale Ungerechtigkeit und Rechtsextremismus zusammen?

Noch mal zu der Meta-Studie, die Doppelrahmstufe oben zitiert:

  1. Meta-Studien sind immer schwierig, da kaum jemand den sehr umfangreichen Auswahlprozess wirklich nachvollzieht. Wie so etwas aussehen kann, hatten wir hier im Forum auch schon mal, bei einer Meta-Studie (über die CO2-Entwicklung von Atomkraft), deren Ergebnisse sogar vom IPCC zitiert wurden. Jedoch warnten sogar die Studienautoren selbst davor, dass die zitierten Zahlen zu niedrig sein dürften. (Kann man hier nachlesen: Atomkraftwerke und Energiewende Beitrag 187 )

  2. Die Meta-Studie beschäftigt sich schon von vorne herein primär mit sozialer Abstiegsangst (insecurity) aber kaum mit sozialer Ungerechtigkeit (inequality). Das kann man ganz gut an den Kriterien erkennen, die sie mit wachsendem Populismus verknüpfen, siehe „Table 2“ im Paper. (die Tabelle ist sogar überschrieben mit „Table 2. Summarizing the effect of economic insecurity on populism“.

  3. Ein weiteres Problem, dass beim Überfliegen der Studie auffällt, ist dass linker und rechter Populismus in einen Topf geworfen werden: „[…] the availability of left-wing populism might reduce the demand for right-wing populism. Therefore, we
    focus on populism in general, not just right-wing populism.
    Die genannte Begründung erscheint als Vermutung und wird auch nicht weiter untersucht.

Aus diesen Gründen, aber vor allem wegen Punkt 2, erscheint mir die Studie in dieser Diskussion wenig aussagefähig, weil das Ergebnis, dass Populismus vorrangig aus sozialer Abstiegsangst rührt, schon im Arbeitsprozess angelegt war, da man die Alternative kaum betrachtet hat.

Das reiche und wohlhabende Menschen mit Verlustängsten anfällig sind, ist ja nichts Neues und es gibt ja auch eine ganze Reihe einzelner, reicher AfD-Unterstützter. Aber welchen Anteil machen diese Menschen in den Wahlergebnissen der AfD, dass ist doch die Frage.

@JohanneSAC
Ich will hier nicht noch mal im Detail durchkauen, wie sinnvoll oder sinnlos ein Verbotsverfahren ist, das hatten wir hier im Forum schon. Daher nur kurz: Das AfD-Verbotsverfahren ist in meinen Augen keine Lösung.

Zum Thema zurück:
Vor ein paar Tagen gab es ein sehr gutes Interview in der Taz mit einer Forscherin zum Thema ungleiche Vermögensverteilung und auch zu den politischen Konsequenzen:

edit: Typos und Formulierung

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