"Weniger": Weg von alter Wachstumslogik & systemisch anders Denken beim Thema Verkehrswende

Podcast vom 17. Dez zur Verkehrswende:

Beim Thema Verkehrswende und E-Mobilität fehlt mir eine systemische Perspektive.

Die Erzählung, wir müssten nun möglichst schnell neue Elektroautos produzieren, wirkt für mich wie eine Fortschreibung der alten Wachstumslogik – nur mit anderem Antrieb. Dabei haben wir in Deutschland bereits einen historisch hohen Fahrzeugbestand. Das Kernproblem scheint weniger der Antrieb als die schiere Menge an Autos und ihre geringe Auslastung zu sein.

Aus Ressourcen- und Klimasicht erscheint es mir häufig sinnvoller, vorhandene Fahrzeuge möglichst lange zu nutzen, statt sie frühzeitig durch neue zu ersetzen – selbst wenn diese elektrisch fahren. Die Herstellung neuer Fahrzeuge, insbesondere von E-Autos, verursacht erhebliche Emissionen und Rohstoffverbräuche, die in der öffentlichen Debatte oft zu wenig gewichtet werden. Und in dem Podcast ebenso.

Natürlich ist E-Mobilität langfristig Teil der Lösung, vor allem in Städten und bei hoher Fahrleistung. Aber ohne eine grundsätzliche Diskussion über Suffizienz – also weniger Fahrzeuge, längere Nutzungsdauer, weniger Neuproduktion – bleibt die Verkehrswende unvollständig.

Mich würde interessieren, ob und wie diese Perspektive mitgedacht wird:
Nicht nur welcher Antrieb, sondern wie viele Autos wir insgesamt brauchen – und ob „weiter nutzen statt neu kaufen“ nicht ein zentraler Hebel für echte Nachhaltigkeit wäre.

Ergänzend würde mich auch die gesundheitliche Perspektive interessieren. In der öffentlichen Debatte wird selten thematisiert, welche langfristigen Auswirkungen neue technologische Umgebungen auf den menschlichen Körper haben. Bei anderen Technologien – etwa beim Smartphone – wurde erst zeitverzögert deutlich, dass es zumindest Diskussionsbedarf hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Effekte gibt.

Mich würde zudem interessieren, ob es zu elektromagnetischen Feldern, Hochvolt-Batterien und der veränderten Exposition im Alltag von E-Autos bereits belastbare Langzeituntersuchungen gibt – oder ob dieser Aspekt bislang kaum berücksichtigt wird.

Ich fände es für 2026 interessant auch vermehrt zu wagen “weniger” zu denken und wie das denn gehen kann.

Schne Grüße, Christin

Die Schwierigkeit ist dabei wohl, das unsere praktizierte Art der Marktwirtschaft auf einem „Mehr“ basiert. Also vor allem dem schnellen Austausch von Konsumgütern in immer kürzeren Zyklen. Das schafft Umsatz in Unternehmen, mit Gewinnen mehr Steuern für den Staat, mehr Einkommen für Arbeitnehmer, die damit mehr konsumieren, damit auch mehr Steuern generieren.
Selbst wenn man das nur einfrieren würde, käme es zwangläufig zu einem „Weniger“ in allen Bereichen. Also auch weniger Staatsausgaben, etc.
Das heißt da müsste man grundlegend wohl unsere Art zu Leben in Frage stellen und ein Gegenmodell haben, das international funktioniert.

Natürlich kann man ein Auto länger nutzen oder ein Smartphone was sicher nachhaltig ist. Neu ist nicht zwangsläufig besser.

Komplexes Thema.

Dass sich aus Emissionsperspektive E-Mobile schnell CO2-mindernd auswirken, ist längst vielfach wissenschaftlich belegt. Und durch die schrittweise Entfossilisierung der Autoindustrie wird es immer besser.

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Das ist aber eigentlich kein Widerspruch. Nehmen wir an, der durchschnittliche Arbeitnehmer gibt 15% seines Einkommens für das Auto aus. Wenn wir das auf 8% senken und den Fuhrpark nachhaltig abbauen, sollten die eingesparten 7% so oder so in anderer Form in den Kreislauft zurückfließen, indem eben was anderes konsumiert wird. Sozusagen muss das Ziel nicht unbedingt weniger Konsum sein, sondern nur ein grünerer Share of Wallet. Und dann ist die Frage, ob wir domestisch genügend grünes Angebot haben, denn es hilft uns natürlich nicht wenn die 7% z.B. für digitale Dienstleistungen ausgegeben werden. Aber den Gedanken an sich finde ich super spannend.

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Die Studie scheint aber das Szenario „Neuwagen Verbrenner“ ggü. „Neuwagen E-Auto“ zu untersuchen, da ist der Fall klar.

Wenn ich aber einen bestehenden Verbrenner fahre, bis er auseinander fällt sollte der Breakeven deutlich später sein - solange das verbrannte Benzin weniger CO2 erzeugt als die Produktion des neuen E-Autos sollte das Klima ja in der Bilanz profitieren (unter der Annahme dass dann das neue E-Auto nicht produziert wird).

Langfristig müssen wir natürlich 100% E-Quote kriegen, aber einen noch fahrtüchtigen Verbrenner zu Gunsten eines E-Neuwagens zu verschrotten macht wahrscheinlich weder wirtschaftlich noch klimatechnisch Sinn…

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Klar wird der Klimavorteil erst später realisiert, aber dennoch ist ein Umstieg in aller Regel sinnvoll:

Die Ausnahme sind „Garagenwagen, die im Jahr weniger als 3.000 km gefahren werden.“

Es gibt noch einen aktuellen Fichtner-Vortrag, der auch auf die rasante Batterie-Entwicklung eingeht:

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Von den technischen Vorteilen abgesehen : ist davon auszugehen das die Hersteller in Deutschland absehbar konsequent auf reine eMobilität umsteigen? Was ist dann mit den alten Verbrennern wenn das Benzin europaweit unerschwinglich wird? Was machen finanziell schwache Haushalte wenn es für ein eAuto nicht reicht (finanziell und infrastrukturell)?

Mal einfach weitergedacht…

Mit größerer Marktdurchdringung purzeln die Preise.

Die EU setzt ja schon Mindestpreise für E-Autos aus China fest, damit die heimische Automobilindustrie nicht gänzlich chancenlos ist.

Ließe man dem Markt freies Spiel, wären schon jetzt deutlich günstigere Anschaffungspreise drin.

Die Fortschritte bei Batterieentwicklung und serieller Produktion sind groß.

Zudem werden mehr Rohstoffquellen erschlossen, was den Markt belebt (Stichwort Diversifizierung) und somit mittel- bis langfristig auch zu Preissenkungen führt. Darüber hinaus werden kaum noch kritische Rohstoffe wie Kobalt oder Nickel benötigt.

Ein Elektromotor hat im Schnitt nur 200 verbaute Teile, ein Verbrennungsmotor mehr als das Sechsfache.

Der langfristige Verschleiß ist außerdem viel geringer, sodass Wartungs- und Reparaturkosten bei E-Mobilen geringer sind.

Der neue Lesch-Vortrag wirft einen systemischen Blick aufs Energiesystem: