Laut einem Spiegel Rechner kann einen beispielhaften Single 2027 mit 100.000€ Brutto (natürlich ein vergleichsweise hohes Gehalt) eine Mehrbelastung von 100€ / Monat erwarten.
Familien entlasten ist klar. Aber ich frage mich, wo das noch hinführen soll, bei den aktuellen Lebenshaltungskosten, gerade in Großstädten.
Es bleiben knapp 57k netto / 4700€ im Monat.
Damit kommt man selbstverständlich gut über die Runden, aber neben einer 2-Zimmer Innenstadtwohnung ist ohne jegliches Erbe der Vermögensaufbau / das Sparen für Eigentum in Steuerklasse 1 gar nicht mehr so leicht.
Sollte man verheiratete Paare ohne Kinder und Reiche Erben nicht mal in die Pflicht nehmen, bis die Kaufkraft sich angleicht?
Grundsätzlich ist es immer in Ordnung, Kinderlose stärker zu belasten, solange eine Politik gewünscht ist, die mehr Kinder zum Ziel hat.
Wir profitieren davon, dass diese Kinder das Land am Laufen halten, wenn wir mal in Rente sind.
Außerdem sind Kinder ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Als Single dürfte man da finanziell immer besser stehen, erst recht als kinderloses Paar. Weswegen ich dort den viel wichtigeren Hebel sehe: weg von einer ehezentrischen Politik zu einer kinderzentrischen Politik. Statt Ehegattensplitting mehr Kindergeld.
Reiche besteuern kann man natürlich auch, aber das ist ein anderes Thema. Wobei die nach absoluten Zahlen natürlich auch schon ganz schön was beisteuern.
Also mit 4700€ im Monat keinen Vermögensaufbau als Single hinzubekommen ist aber schon schwer wenn man das möchte. Dann darf es halt nicht das Innenstadt-Appartment sein, 2 mal im Jahr verreisen,jedes Wochenende Party und Konsum. Und jetzt hier nicht mit Berlin oder München Innenstadt kommen. Wenn ich da arbeite muss ich mein Gehalt halt etwas anders verhandeln, aber das ist nicht der Durchschnitt in Deutschland 100.000 dort ist halt was anderes wie 100.000 im Saarland. Das muss man einkalkulieren.
Ansonsten Reiche (und das ist man mit 100.000 immerhin fast laut Definition) , und kinderlose Paare mehr mit in die Rechnung einzubeziehen ist denke ich ein no brainer
Dieser Post klingt für mich (gut verdienender Single mit ca. Hälfte des Einkommen von OP, 2-Zimmer Wohnung in guter Großstadt-Lage) ganz schön nach mimimi.
Aber, ja, Ehegattensplitting würde ich auch abschaffen (aus feministischen Gründen) und eine Erbschaftssteuerreform halte ich auch für unbedingt notwendig, aber nicht um mich zu entlasten sondern endlich dort zu investieren wo ich es für nötig halte (zB Bildungssystem).
Es gilt, was auch bei jedem anderen gilt: Das Problem sind nicht die Steuern, sondern die hohen Mieten in urbanen Bereichen. Davon aber mal abgesehen: Wenn mit 4.7k Vermögensaufbau gar nicht mehr so leicht ist, dann ist für die 92% die weniger verdienen praktisch unmöglich. Und das ist das größere Problem. Die müssen nämlich auch noch privat für die Rente vorsorgen.
Du musst arbeiten, um 100k zu verdienen? Armes Schwein. Wir stehen auf der gleichen Seite. Auf der Seite derjenigen, die ihre Arbeitskraft verkaufen müssen. Die Steuern und Abgaben sollten für uns alle runter und dafür auf der Kapitalseite rauf. Der Generalstreik sollte nicht nur von Paketzustellern, sondern eben auch von Anwälten und Vertriebsleitern getragen werden!
Wo sollen denn die billigeren Mieten herkommen? Beispiel Berlin, der Innenstadtbereich (S-Bahn-Ring) ist schon stark verdichtet, gleichzeitig extrem nachgefragt. Ich rede noch nicht mal über die soziale Teilhabe bzw. Vermeidung von Gentrifizierung schwächerer Einkommensgruppen. Bauland ist teuer, Bauen ist teuer, und wenn Du nicht Altruist mit Goldesel bist, möchtest Du ja mind. 2% Inflationsausgleich, 2% Instandhaltungsrücklage und etwas Gewinn machen. Genossenschaften bekommen in Innenstadtlagen auch kein Bauland mehr, wenn nicht sowieso politisch behindert bzw. verhindert wird.
Großstädte haben eine große Attraktivität und wenn sich das Stadtbild (nicht das von Merz, eher das architektonische) nicht groß ändern soll, indem wir nochmal 3 Stockwerke überall drauf setzen, dann haben wir Angebot und Nachfrage, dann zahlst Du das, was der Markt verlangen kann. Und ja, bei Wucher, Leerstand, Spekulation, Zweitwohnsitzen usw. kann man mal die Lupe auspacken und da tüchtig ausfegen, ich befürchte nur, in Summe wird das nicht signifikant etwas an der Angebotslage und damit an den Mieten ändern.
Zum eigentlichen Thema: 100/4700 ist 1/47. Also hier gehe ich mit @nadinkelbrot und sage mimimi.
Kinder zu erziehen ist ebenso Teil des Gesellschaftsvertrags wie das aktuelle Rentensystem, ein Umlageverfahren. Wenn es eine Möglichkeit gibt, das nicht über die Einkommenssteuer zu lösen, wäre mir das sehr recht, da sich Arbeit ja lohnen soll. Aber mehr beitragen sollten Kinderlose auf jeden Fall.
Genau das sollten wir halt für normalen Wohnraum nicht mehr tun. Wir haben jetzt mehrfach festgestellt, dass es eh nicht möglich ist aktuell privatwirtschaftlich Wohnungen zu bauen, sie sich normale Menschen leisten können. Der berühmte Investor, den man nicht verschrecken will, ist also grad mal scheiß egal für den Wohnungsbau. Der KANN nur Luxuswohnungen bauen. Es muss also der Bestand billiger werden. Habe das in einem anderen Thread bereits gesagt: Alle Mieten bis zu einer bestimmten Qualitätsstufe der Wohnung um 30% kürzen per Gesetz. Das Geld im System bleibt das gleiche. Es wandert nur von weniger Geld zu Menschen die es in Aktiendepots stecken zu Menschen die es in den Binnenkonsum stecken.
Auch das sollten wir tun. Aber der Staat muss es tun, weil sich die Wohnungen sonst niemand leisten kann. Nachverdichtung und staatlicher Wohnungsbau muss ein Gut von vorrangiger Bedeutung sein. Es müssen robuste Gesetze her, die das ermöglichen. Huch, hab ich grad Vergesellschaftung gesagt?
Ich stimme dir zu. Die Frage ist nicht, ob sich jemand in dieser Gehaltsklasse mehr Belastungen leisten kann, sondern warum er oder sie das sollte, wenn Arbeit bereits massiv belastet wird, Erbe und Vermögen aber nicht.
Das ist fundamental ungerecht, egal welches Gehalt es trifft.
Nein, ist es nicht. Nicht, solange die gleiche Politik Menschen mit den Kosten Eltern zu werden alleine lässt. Wenn Kinder so gewünscht sind, muss Reproduktionsmedizin von der gKV übernommen werden. Sonst tritt man ungewollt Kinderlosen, und das ist eine große Gruppe, doppelt in die dysfunktionalen Reproduktionsorgane.
Der Staat, also die Kommune oder das Land, wären eine Möglichkeit, steuersubventioniert Wohnraum zu schaffen. Das gehört dann aber zur Wahrheit dazu: alles, was nicht sozialer Wohnungsbau für ein bestimmtes Klientel (WBS) ist und trotzdem nicht den Marktpreisen entspricht, wird von Steuergeld subventioniert. Das Wohnen in attraktiven Lagen (im Vergleich der peripher-ländliche Raum, wo das Wohnen billig ist), wird mit Steuergeld ermöglicht bzw. sogar befördert. Und komischerweise lese ich hier im Forum eine überwiegende Ablehnung des Tankrabatts, also die Subventionierung mit der Gießkanne für Autofahrer.
Ich spinne das mal weiter: wir schaffen ein Landesamt für Wohnraumzuteilung, bei dem erstmal geprüft wird, ob man a) eine WBS-Wohnung bekommt oder b) eine steuersubventionierte Wohnung (WBS deluxe) beziehen darf.
Auch ich habe schon an anderer Stelle geschrieben, lieber @merkaii , wir haben netto vier komma knips Prozent Leerstand bundesweit. Aber das subventionieren vom Wohnen in der Stadt soll dann der Steuerzahler stemmen? Hm, finde ich ehrlich gesagt nicht.
Was der Staat (Land, Kommune) sicher nicht mehr tun sollte ist sein Tafelsilber zu veräußern.
Für mich denkbar wäre da folgendes Modell: der Staat behält das Bauland, der Investor baut und bekommt über 20 Jahre x% Rendite, danach geht die Bausubstanz ii kommunalen Besitz über. Der Investor kann weiterhin mit Gewinn bauen (zu ortsüblichen Preisen), macht seinen Schnitt nach Abschreibung der Investitionskosten und der Wohnraum wird a) vermehrt und b) im kommunalen Besitz mit der Möglichkeit, den Mietmarkt zu steuern.
Sehe ich auch so. Deshalb ist mir auch wumpe, ob eine Vergesellschaftung Investoren vergrault. Die bauen eh nur am Bedarf vorbei. Aber ohne Private Equity, dass in großem Stil auf dem Markt mitmischt, sinken eventuell die Bodenpreise wieder etwas, in welchem Fall es für die öffentliche Hand einfacher wird, zu bauen.
Wir sollten außerdem an den Stadträndern Neubaugebiete und S-Bahn anbindungen bauen. Und zwar schnell. Ich war in den letzten Monaten ein paar mal in Kopenhagen. Dort wird an den Rändern der Stadt gebaut, dass sich die Balken biegen. Und apropros Balken: Viel davon sind echt schick designte Vier-Stöcker mit Betonbauteilen im Erdgeschoss - und alles darüber sind Holz-Fertigbauteile. In meinem Stadtteil hier in Berlin hat eine Genossenschaft auch sowas gebaut. Zwei, drei Monate, und das Haus steht. Und deutlich ökologischer, als Betonmassivbau ist es auch noch.
Genauso, wie er aktuell steuersubventioniert Straßen baut. Oder Schulen. Oder im Moment gern genommen: Panzer.
Wir haben festgestellt, dass Neubau zu Marktpreisen keinen zufriedenstellenden Wohnraum zur Verfügung stellen kann und der Markt als Mechanismus es im Bestand ebenfalls nicht tut. Mir folgen für alle Gesellschaftsbereiche, bis hin dazu, dass in Frankfurt (und nicht nur da) Unternehmen Menschen nicht einstellen können, weil diese keine bezahlbare Wohnung finden. Vor diesem Hintergrund ist das von dir als Schreckgespenst gemeinte Landesamt für viele wohl eher eine Verheißung, als eine Drohnung.
Wobei ich nicht weiß, wofür wir das brauchen würden. Mieten senken, Rasenmäher. Alle im Schnitt 30% runter je nachdem wie teuer sie aktuell pro qm sind. Geld einfach anders verteilen.
Incels* sind auch ungewollt kinderlos. Sollte der Staat hier nicht besser auch aktiv werden? Vielleicht mit einer staatlich finanzierten Dating-App?
*edit: ich erweitere auf ungewollt Alleinstehende, weil sie aufgrund persönlicher oder äußerer Umstände allein sind. Meines Wissens gibt es dafür aber keinen allgemeinen griffigen Begriff?
Bei dem Vergleich ziehe ich mich aus der Diskussion dann auch zurück.
Billige rhetorische Potshots und Whatabout-Vergleiche mit einer frauenhassenden Subkultur, die ganz offensichtlich nicht in die gleiche Kategorie gehört, ist unterste Schublade und bringt dir weder Debattenpunkte, noch lässt es dein Anliegen in gutem Licht dastehen.
Vielleicht bin ich der Einzige hier, aber ich finde das eher diskriminierend. Wenn ich daran denke, wie viel mehr kinderlose Menschen für ihre Rente zurücklegen müssen, um sich dann ganz allein (oder mit Hilfe von bezahlten Helfer:innen etc.) im Rentenalter zu finanzieren, dann sehe ich schon einen sehr großen Vorteil bei Menschen, die Kinder haben.
Außerdem ist das sehr oft keine Entscheidung, kinderlos zu sein, die man allein trifft. Und dann werden diese Menschen zusätzlich mit höheren Steuern „bestraft“.
Grundsätzlich die Frage gesellschaftlich: Sind uns Kinder wichtig? Mit allem was dann dazu gehört.
Man kann auch Kinder als Luxusproblem betrachten, für das sich jeder frei entscheiden kann, was aber gesellschaftlich dazu führt das ich mindestens eine Arbeitskraft zeitweilig dem Arbeitsmarkt entziehe. Weil es ja ein Kind in die Welt setzt und großzieht.
Der Kinderlose bleibt dem Arbeitsmarkt erhalten, zahlt durchgängig Steuern und Sozialbeiträge, benötigt keine kostspieligen Kindergärten und Schulen.
Nur: irgendwann gehen uns die Arbeitskräfte aus, wenn Kinder gesellschaftlich als „nicht gewünscht“ wahrgenommen werden.
Also erstmal eine Grundsatzentscheidung.
Wenn „Ja“ für Kinder, dann die Frage, zahlen Kinderlose solidarisch für Eltern mit?
Wieso? Ich werde meine Eltern im Alter weder unterstützen noch pflegen und das wissen sie auch.
Das regelt schon das Grundgesetz. Wirtschaftlich sind Kinder immer teurer als Migration. Aber nur durch Kinder lässt sich Tradition und Identität erhalten. Und es ist fraglich, ob ein Land so viele Migranten mit entsprechender Qualifikation wie benötigt anwerben kann.
Wenn wir bereit wären, in Migranten annähernd so viel zu investieren wie in Kinder (bzw. mehr, weil wir uns ja alle einig sind, dass das gegenwärtige Niveau für die Kinder nicht ausreicht), dann wäre Deutschland ein Top-Ziel für junge, motivierte und intelligente Migranten aus aller Welt.