Wehrdienst oder Flüchten?

Das ist doch Blödsinn, niemand ruft zu so etwas auf. Klares Strohmann Argument.

Entweder es gilt Artikel 1 Grundgesetz generell, und das auch im kriegsfall, oder nicht. Bei der Ukraine unterstützen wir die Flucht auch von wehrfähigen Männern dadurch, dass wir sie hier aufnehmen, aber wenn man nur das Gedankenspiel für Deutschland auf macht, dann ist man Vaterlandsverräter oder Schlimmeres. Na vielen Dank.

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Das Eine sind die, die es tun und das andere die, die darüber reden.
Ich kann mir eine neue Smart-Watch kaufen und nutzen oder ich kann jedem erzählen, dass ich mir nun die neue PixelWatch4 kaufen werde und warum ich das tun werde und warum das die richtigste Entscheidung ist, die ich je in meinem Leben getroffen habe.
Genauso wird hier auch allergisch auf E-Auto-Fahrer reagiert, die nur schreiben, warum es bei ihnen persönlich gut funktioniert oder über Veganer gesagt: woran erkennt man einen Veganer? Gar nicht, aber macht nichts. Er wird es dir erzählen.
Sie berichten ja nicht nur, sie erwarten auch, dass ihre Meinung geteilt wird.

Nein, tue ich nicht.

Edit: Zur Ukraine: meines Wissens gibt es dort keinen Ersatzdienst, man kann also nicht verweigern. Damit besteht auch nach unserem Grundgesetz ein besonderer Schutz. Wenn die Ukraine die Auslieferung fordert, werden wir dem aber vermutlich auch nachkommen müssen.

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Du kannst ja die Ukrainer fragen wie sie es finden das wehrfähige Menschen das Land verlassen. Auch da wird es viele geben die das nicht gut finden und für egoistisch halten. Ich verstehe halt auch immer noch nicht wieso sich hier so gesträubt wird einzusehen das es genau das ist :person_shrugging: Man kann es ja gerne für dich selbst rechtfertigen, aber man muss doch zumindest so ehrlich zu sich sein. Und was anderes wird hier doch gar nicht gesagt.

Man trifft im Leben nun Mal auch egoistische Entscheidungen die das eigene Leben und Wohlbefinden über das aller anderer stellt.

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Ich finde unverändert, die Diskussion setzt am falschen Punkt an.

Das Argument “ich will nicht sterben” kaufe ich sofort. Ja, es ist egoistisch, aber so existenziell, dass ich dem nichts entgegenhalten möchte. Sich selbst zu opfern ist auch aus meiner Haltung heraus zu viel verlangt.

Aber hier geht es nicht ums Sterben, sondern darum, dass Sterben dadurch zu verhindern, dass man seinen Anteil an der Verteidigungsfähigkeit der Gesellschaft beiträgt in der Erwartung, dass das einen Krieg und damit das Sterben erheblich unwahrscheinlicher macht.

Und wer jetzt nicht dazu beitragen möchte, der hofft - ob bewusst oder nicht - ja offensichtlich, dass genügend Andere bereit sind, dieses Opfer an Lebenszeit (6 Monate) zu bringen. Ist das nicht egoistisch?

Um dieses Argument mogeln sich alle, die die “Verpisser-Position” vertreten, herum!

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Im Verteidigungsfall kann man auch in Deutschland eingezogen werden. Ob man den Dienst an der Waffe verweigern kann ist strittig. Der BGH sieht es durchaus als möglich an, dass auch die Verweigerung des Kriegsdiensts an der Waffe eingeschränkt werden kann. Unstrittig ist dagegen, dass man auch als Verweigerer als nichtkämpfende Kraft im Verteidigungsfall in die Bundeswehr eingezogen werden kann. Im Verteidigungsfall gibt es so gesehen keinen wirklichen Ersatzdienst, um den Dienst bei der Truppe zu umgehen. Von daher unterscheidet sich die deutsche Rechtslage gar nicht so sehr von der ukrainischen.

Es gibt aber auch Juristen, die der Ansicht sind, dass das Grundrecht auf Kriegsdienstverweigerung im Verteidigungsfall eingeschränkt werden kann. So heißt es in einem Urteil des Bundesgerichtshofs:
„Soweit der Verteidigungsfall mit einer Gefährdungslage nicht nur für die Landesverteidigung, sondern für die Grundrechtsverwirklichung eines jeden einhergeht, gilt dies indes ebenso für Schutzgehalte, die Art. 4 GG für zur Landesverteidigung berufene Wehrpflichtige gewährleistet. Daher erscheint es auch nach deutschem Verfassungsrecht nicht von vornherein undenkbar, dass Wehrpflichtige in außerordentlicher Lage zusätzlichen Einschränkungen unterliegen und in letzter Konsequenz sogar gehindert sein könnten, den Kriegsdienst an der Waffe aus Gewissensgründen zu verweigern.

Letztlich ist es bissl wie beim Führerschein.
Natürlich kann man sagen, ich lasse mir keinen Sehtest und Erste-Hilfe Kurs aufzwingen.
Und ich mache keinen Führerschein, weil ich kein Verkehrsunfallopfer werden will.
Nachvollziehbar, aber trifft auch den Punkt nicht wirklich.

Naja, in der deutschen Geschichte gab es doch ein paar Kriege wo deutsche an die Waffen gezwungen wurden, um für die Interessen von Staat und Kapital zu kämpfen. Seit dem zweiten Weltkrieg war Deutschland selbst nicht direkt an derartigen Missionenen beteiligt. Das hat aber nur funktioniert, weil wie Merz sagen würde: die anderen die Drecksarbeit übernommen haben.

Wir sollten uns wehren gegen den Versuch das sich Deutschland wieder an solchen Missionen beteiligt! Wir sollten dem Staat klar machen, das er nicht damit zu rechnen hat, das wir unser Leben geben, wenn er sein imperiales Interesse durchsetzen will.

Vertraust du darauf, das Merz nicht anderes im Sinn hat?

Wir wissen nicht wer Deutschland in 20 Jahren regiert. Du gehst davon aus, dass die Feinde der Demokratie von außen kommen, aber was wenn das nicht so ist?

Sollten wir dieses Land wirklich auf Gut Glück bewaffnen und ihm unser Leben unterordnen?

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Ich stimme dem allen durchaus zu, deute es aber anders:

Absolut. Gar keine Frage, kein Widerspruch, nichts. Niemand darf jemals gezwungen werden, in ein fremdes Land zu ziehen, um dort Krieg zu führen.

Ich halte echt nicht viel von Merz, aber das würde ich ihm definitiv nicht unterstellen.

Dann wäre es meines Erachtens hilfreich, wenn die militärisch-taktische Kompetenz nicht nur in den Händen von Polizei und Berufsmilitär liegen würde, also in Bereichen, die tendenziell eher leicht Rechts der Mitte stehen. Eine „Machtübernahme durch Rechts“ ist jedenfalls deutlich wahrscheinlicher, wenn es weniger „mittige“ oder gar „linke“ Menschen im Militärapparat gibt. Deswegen sage ich ja immer wieder: Wir brauchen mehr linke Polizisten und Soldaten. Alleine, damit die Selbstkontrolle in diesen Institutionen besser funktioniert.

Sollen wir dieses Land wirklich auf Gut Glück nicht bewaffnen und darauf vertrauen, dass die weltpolitische Lage sich wieder entspannt und weder Putin, noch Trump auf dumme Ideen kommt?

Also ich sehe das Risiko durch Angriffe von Außen aktuell als deutlich größer an als Angriffe von Innen. Selbst wenn Rechtsextremisten in Deutschland die Macht an sich reißen würde das nicht von Heute auf Morgen passieren. Nur, weil man sich heute von Demokraten militärisch ausbilden lässt, heißt das ja nun nicht, dass man Morgen für Extremisten bereitwillig in den Krieg ziehen muss. Ich habe damals Wehrdienst geleistet und wäre der Letzte, der für eine rechtsextreme Regierung in den Krieg ziehen würde. Ganz im Gegenteil…

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