„Was Männer kosten“ - Gesellschaftliche Kosten des Patriarchats

Ich mach dann mal wieder die Gegenposition, damit eine Diskussion vielleicht zu Stande kommt :wink:

Das Problem an dieser Theorie ist, dass die Gründe dafür, warum Männer mehr kosten erzeugen, vielfältig sind. Ein zentrales Problem ist sicherlich die Sozialisation, gerade in noch sehr patriarchal geprägten Ländern, aber auch bei uns im „Westen“. So sind Aspekte wie „maßloser Fleischkonsum“, „Alkoholkonsum“, „Dicke Autos fahren“ und „Durchsetzung mit körperlicher Überlegenheit / Gewalt“ weiterhin Themen, die stark mit einem ungesunden „Männlichkeitsideal“ einhergehen. Das sind sicherlich Dinge, die man ändern kann und sollte.

Aber man muss letztlich auch die „Nature vs. Nurture“-Debatte bei diesem Thema aufmachen, da die hormonelle Entwicklung beim Mann leider auch problematisch ist. Nicht umsonst treten diese problematischen Verhaltensweisen oft gehäuft in der Pubertät auf. Testosteron ist leider ein starker Einfluss (bis hin zur biologischen Determinante) und die Frage, ob dieser durch eine sozial- und umweltverträglichere Sozialisation vollständig ausgeglichen werden kann, ist jedenfalls spannend. Sollte dem nicht so sein, muss man vorsichtig sein, hier nicht zu „strafend“ auf Umstände zu reagieren, für die der Einzelne aufgrund biologischer Determination wenig kann.

Auch stellt sich natürlich bei Konzepten wie dem einer „Schulden-Uhr“ die Frage nach der Gerechtigkeit im Hinblick auf eine etwaige Sippenhaft. Es macht zwar Sinn, einen Ausgleich für „die Frauen“ auf Kosten „der Männer“ erstreben zu wollen, aber wenn dadurch dann auch diejenigen Männer benachteiligt werden, die ihr bestes tun, diese schädlichen Verhaltensweisen nicht an den Tag zu legen, wird es auch wieder problematisch. Also ich als jemand, der seit 25 Jahren Vegetarier ist, kein Auto besitzt und auch keine Schäden durch Gewaltverhalten verursacht, würde nur ungern für meine primitiveren Geschlechtsgenossen zur Kasse gebeten werden, das würde sich schon sehr wie Sippenhaft anfühlen.

In diesem Sinne bin ich in jedem Fall dafür, mehr Scheinwerferlicht auf die problematischen Aspekte der typischen männlichen Sozialisation zu richten und darauf einzuwirken, diese Aspekte zu vermindern. Dieser Bullshit wie „Echte Kerle essen Fleisch, vertragen ordentlich Alkohol, fahren dicke Autos und können sich durchsetzen!“ muss unbedingt aufhören, ist aber leider unglaublich tief (auch in der westlichen Kultur) verwurzelt, vor allem bei eher konservativ geprägten Menschen - eben weil „es schon immer so war“. Finde ich zum Kotzen, aber ich weiß auch nicht, wie man das aus den Köpfen der Menschen rausbekommt. Letztlich sollte das (nicht unbedingt notwendige) Autofahren, Alkoholkonsum und Fleischkonsum ähnlich gesellschaftlich stigmatisiert werden wie das Rauchen. Der Kampf gegen das Rauchen hat letztlich gezeigt, dass man durch Maßnahmen wie Werbeverbote und strenge Nichtraucherschutzgesetze definitiv die öffentliche Wahrnehmung beeinflussen kann. Fleischkonsum, Autofahren, Alkoholkonsum - und in gewissen Kreisen auch körperliche Durchsetzungsfähigkeit - werden hingegen immer noch überwiegend positiv konnotiert… leider.

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