Achtung, mein Kommentar ist etwas bissig, gilt aber nicht Ihnen, sondern dem Thema.
Ich finde @TilRq hat das fantastisch auf einen Punkt gebracht und erläutert auch, dass der Racheimpuls im Zweifel für die Gesellschaft nicht die bessere Option ist.
Natürlich ist das Bedürfnis nachvollziehbar. Aber genau das grenzt eben Rechtsstaatlichkeit von Selbstjustiz ab. Es werden bei Mördern und Sexualstraftätern auch immer wieder Todesstrafen verlangt, was dem emotionalen Befinden erstmal guttut, aber schon beim 2. Gedanken daran wieder Unsinn ist.
Aufgrund unserer Verfassung sind wir dem Wohl der Gesellschaft und dem Individuum verpflichtet. Da gehört - so traurig das ist - auch immer ein gewisser Preis dazu. Die Frage nach der „realistischen Alternative“ - die übrigens von gewissen Menschen gefordert wird - ist ja:
- wir sperren Kinder ein
- Lebenslänglich heisst bis zum Ableben
So, vielleicht kennt jemand den Film „Die Verurteilten“. Jetzt haben wir in DE natürlich keine US-Knastverhältnisse, aber gehen wir mal davon aus, dass die 12-jährigen für 20 Jahre in den Knast wandern. Wie stellt ihr euch vor, dass die wieder rauskommen? Das ruiniert ihnen im Zweifel das ganze Leben und führt in jedem Fall wieder zu Gewalt und gescheiterten Existenzen. Die Gewalt kann sich dann an sich selbst oder an anderen entladen. Entlädt sie sich am Individuum ist es uns als Gesellschaft irgendwie wieder „egal“, weil man ggü. Straftätern ggf. biased ist. Entlädt sie sich an der Gesellschaft / anderen folgt daraus zwangsweise die Frage, wieso diese der Justiz bekannte Person „einfach so frei herumläuft“ und dann sind wir eben dummerweise innerhalb eines 2. Gedankens bei der totalen Dystopie - dann werden die Forderungen laut, die Leute halt einzukerkern, bis sie verrotten. Das kostet aber Steuergeld, also ist die Giftspritze halt doch irgendwie convenient. Und die Hemmschwelle „die Bösen“ halt einfach zu entsorgen ist von diesem Schritt auch wieder nur eine potenzielle Frage der Zeit.
Mein persönliches Fazit
Ich halte eine Senkung des Strafbarkeitsalters nicht für die wirklich sinnvollste Lösung. Ja, wir hatten jetzt einen Fall und solche Dinge passieren immer wieder - aber halt nicht ständig. Das sind krasse Ausnahmen. Dazu bin ich der Auffassung, dass es für solche Kinder sehr viel naheliegendere Verfahren geben müsste als sie einfach mal einzuknasten. Im Zweifel sind bei 12-Jährigen die Eltern und andere Bezugspersonen mindestens schwerstens mitverantwortlich, daher halte ich höhere Strafen oder ein geringeres Alter der Strafmündigkeit persönlich für den falschen Weg.
Und eine Sache sollten wir vielleicht alle nicht vergessen:
Wir alle sind nur ein paar dumme Entscheidungen und im Zweifel eine glückliche Kindheit vom Straftäter entfernt.
Die Frage, die wir als Gesellschaft beantworten müssen ist: wollen wir wegen emotionaler Befindlichkeit wieder mal in die Dystopie abrutschen?