Nein, deren Antworten interessiert mich eigentlich überhaupt nicht!
Wir wissen alle, dass die aktuelle Vermögensverteilung von der deutlichen Mehrheit der als hochgradig ungerecht empfunden wird.
Und es gibt gute Gründe, anzunehmen, dass die aktuelle Vermögensverteilung für die Gesellschaft, aber auch für das funktionieren der Volkswirtschaft dysfunktional ist.
Da besteht unzweifelhaft Handlungsbedarf.
Abgesehen davon: Du hast mir in etlichen Detailpunkten meiner Ausführungen im Detail widersprochen. Wofür Du Dich aber aussprichst oder was Deine Haltung in dieser Frage ist, ist zumindest mir nicht deutlich geworden.
Ich habe mich glaube ich missverständlich ausgedrückt. Ich wollte darauf hinaus, dass in der Debatte (zumindest wo ich sie verfolge) eine gewissen Rechtfertigungspflicht auf der Seite der unteren 90 oder 99% (zumindest unterschwellig) oft noch mitschwingt - nicht bei dir! - das war mehr eine Ergänzung und kein Widerspruch. Ich teile deine Ausführungen an der Stelle und hier in deiner Antwort zu 100%.
Ich finde es auch super, dass du hier mal was aufmachst und zur Debatte stellst und möchte nicht despektierlich rüberkommen. In fast allem anderen bin ich voll deiner Meinung.
Ich bin
wie du für den Ausgleich der kalten Progression (auch wenn das so ein FDP-Thema war ich fand es schon immer unlogisch, das nicht auszugleichen, bin da bei dir)
für einen höheren Mindestlohn, deinem Argument habe ich an der Stelle widersprochen. Die Idee ist, dass zwar tatsächlich einige Arbeitsstellen nicht mehr finanzierbar sind, sich der Effekt aber durch eine Stärkung des Binnenmarktes wieder ausgleicht und sogar mehr Stellen schafft als er kostet (und mehr Wohlstand). Solche Kurven (Lohn/Arbeitsangebot) von Ökonomen, an denen die Jobverluste plausibilisiert werden sind (zumindest an meiner Uni damals) immer linear gewesen, was - meine Interpretation - mikroökonomische negative Effekte systematisch verzerrt und damit makroökonomische Effekte nicht entsprechend gewichtet
für mehr statt weniger Wohngeld, höheres Bürgergeld (oder wie heißt es jetzt gerade wieder?) und höhere Bezüge nach AsylbLG, mehr statt weniger Arbeitnehmerrechte (gewerkschaftliche Beteiligung ist extrem niedrig, ich bin mir sicher, da könnte etwas im Argen liegen), geringere Mehrwertsteuer für Lebensmittel, sozialer Wohnungsbau, mal etwas mehr finanzieller Spielraum für Kommunen, Ausbau Öffis, billigere Öffis → und DANN, von diesem (etwas) faireren Punkt aus schaut man sich an, wer den Klimaschutz finanzieren kann (ich bin mir sicher oben ist immer noch gut was da)
für Klimaschutz auch aus Sicht der unteren 50%, die zur Miete wohnen, nicht xmal in den Urlaub fliegen und auch mit einer Prämie kein E-Auto kaufen können. Völlig absurd, dass mir mein Vermieter eine Öl-Heizung in den Keller stellen darf, dass mein Chef mit billigem Kerosin nach Bayern fliegen kann, dass man jedem Unternehmen erst einmal lang und breit die Vorzüge von eigener Stromproduktion sanft und ruhig erläutern muss und es erst funktioniert, wenn sich etwas in max. 10 Jahren rechnet - mir fehlt da oben insgesamt ein wenig der Druck angesichts der Realitäten
dafür, dass man sich auch mal anschaut wer den Netzausbau bezahlt, ich habe das Gefühl, da als (gezwungener) Erdgaskunde überproportional die Last zu tragen, weil alle die sich selbst versorgen am Ende im Winter bei Dunkelflaute das dicke Netz genauso brauchen wie ich
dafür, dass man die letzten Vermögensreserven der unteren % - nämlich die Rentenansprüche - mal erhöht oder zumindest schützt, statt alle zwei Wochen zu besprechen wieviel man da wegnehmen muss
Die Mehrheit kann sich auch irren. Man kann auch überlegen, ob die vielen mächtigen Quasi-Monopole das Problem ist, weil kein Wettbewerb die Gewinne nicht schleift. Leider entzieht sich das ganz große Problem dem deutschen Gesetzgeber, denn es sind an der Spitze ausnahmslos amerikanische Unternehmer und Milliardäre .
Vielleicht doch ein Verweis auf das Beispiel China (angeregt durch die aktuelle LdN-Folge und einen Beitrag hier im Forum):
Hinweis: Mir geht es hier nicht um Planwirtschaft oder Kommunismus. Hier geht es um die Dynamik, die Kraft, die Effektivität und die Effizienz von Marktwirtschaft und damit von Gewinnstreben.
Bevor jetzt wieder einige mit Schnappatmung losstürmen, nicht vergessen, was meine Haltung zu Marktwirtschaft ist:
Die besondere „Note“ der chinesischen Marktwirtschaft ist der sog. „Staatskapitalismus“: Der Staat setzt sich sehr langfristige Ziele und „lenkt“ den Markt mit vielen unterschiedlichen Mitteln in Richtung dieser Ziele.
Beispiel der Effektivität und Effizient von Marktwirtschaft
Chinas Weg aus der Armut: Von Ideologie zu Pragmatismus
Die Mao-Ära: Armut durch Planwirtschaft
Nach der Machtübernahme der Kommunistischen Partei 1949 wurde China konsequent nach sowjetischem Vorbild als Zentralplanwirtschaft organisiert. Das Ergebnis war katastrophal: Der „Große Sprung nach vorn" (1958–1962) – Maos Versuch einer radikalen Kollektivierung und forcierter Industrialisierung – löste eine der schlimmsten von Menschen verursachten Hungersnöte der Geschichte aus, der schätzungsweise 15 bis 55 Millionen Menschen zum Opfer fielen. Marktanreize wurden verboten, Bauern in die Industrieproduktion zwangsversetzt, und die ideologische Konformität hatte stets Vorrang vor wirtschaftlicher Vernunft. 1978, am Vorabend der Reformen, betrug das BIP pro Kopf lediglich 155 US-Dollar – China war eines der ärmsten Länder der Welt, und rund 80% der Bevölkerung lebten in ländlicher Armut.[1][2][3][4][5]
Die Wende 1978: Marktwirtschaft als Pragmatismus
Deng Xiaopings Devise „Suche die Wahrheit in den Tatsachen" markierte den historischen Bruch. Ab 1978 wurden schrittweise marktwirtschaftliche Elemente eingeführt: Zunächst durfte die Landbevölkerung Überschüsse auf Märkten verkaufen (Haushaltsverantwortungssystem), dann entstanden Sonderwirtschaftszonen mit massivem Auslandskapital, schließlich folgte der WTO-Beitritt 2001 und die Integration in den Weltmarkt. Die Kommunistische Partei behielt die politische Kontrolle, gab aber die wirtschaftliche Ideologie faktisch auf – ein hybrides System, das westliche Beobachter heute teils als „Staatskapitalismus", teils als „Turbokapitalismus" bezeichnen.[2][6][1]
Das Ergebnis: Historisch beispiellose Armutsreduktion
Die Zahlen sind ohne Präzedenz in der Weltgeschichte:
Armutsquote: Fiel von fast 90% (1981) auf unter 4% (2016) gemessen an der Weltbank-Grenze von 1,90 USD/Tag[7]
Absolut: Rund 770 Millionen Menschen wurden seit 1978 aus extremer Armut befreit – das entspricht 75% der globalen Armutsreduktion in diesem Zeitraum[8][9]
Mittelschicht: Wuchs von ca. 39 Millionen (3% der Bevölkerung) im Jahr 2000 auf rund 707 Millionen (51%) bis 2018[10]
BIP: Stieg von 150 Mrd. USD (1978) auf 18,74 Billionen USD (2024)[11][1]
Westliche Entwicklungshilfe: Marginal, nicht kausal
Dies geschah fast ohne westliche Entwicklungshilfe: China erhielt zwar in der Transformationsphase bescheidene Beträge – etwa 1,4 Mrd. USD Entwicklungshilfe im Jahr 2001 (ca. 1,10 USD pro Kopf) sowie japanische Yenkredite für Infrastruktur ab 1979 – doch diese waren im Verhältnis zur Eigenleistung verschwindend gering. Der Aufstieg basierte im Wesentlichen auf inländischen Ersparnissen, ausländischen Direktinvestitionen (die das Land durch eigene Sonderwirtschaftszonen aktiv anzog), sowie einer staatlich gesteuerten Exportstrategie.[12][13][14]
Natürlich ist die Einkommensungleichheit erheblich gestiegen (der Gini-Koeffizient hat sich deutlich verschlechtert), und der Wohlstand ist stark urban konzentriert. Dennoch bleibt der Kern unbestreitbar: Die pragmatische Integration von Marktwirschaft hat den Wohlstand geschaffen.
China scheint mir ein sehr fragwürdiges Beispiel, um dein Argument zu stützen, schließlich ist ein überaus erfolgreiches Land, obwohl das Wirtschaftssystem stark von unserem abweicht. Das scheint deiner These eher zu widersprechen. Du versuchst zu argumentieren (bzw. argumentieren zu lassen), dass der Grund für den Erfolg eine Angleichung an das westliche System sei. Das willst du durch eine Trennung zwischen China vor 1978 und China nach den Reformen 1978 aufmachen.
Ich bin kein China-Experte und kann das nicht abschließend beurteilen, du sicher auch nicht. Aber wenn man in die von dir selbst zitierten Quellen schaut, liest man:
Despite political upheavals during the Mao era, China’s GNP grew an average of 6.2% annually over the period 1952–1978.[19]: 50 Industrialization during the Mao era resulted in the significant accumulation of both physical and human capital, which laid the foundation for China’s successful reforms.[30]: 55 The World Bank’s first report on China assessed the Mao era positively, citing rapid growth and industrialization as well as the „virtual elimination of the worst aspects of poverty,“ although it also identified room for improvement.[17]: 104
Ansonsten habe ich kein gesteigertes Interesse daran, länger gegen irgendwelche AI-Slop-Argumente vorzugehen, die an mehreren Stellen Facebook-Posts als Quelle heranziehen.
Verstehe ich nicht - welche These meinst Du?
Gerade im Hinblick auf Marktwirtschaft und Gewinnstreben weicht das chinesische Wirtschaftssystem gar nicht so sehr von unserem ab. Eher im Gegenteil: Die Marktwirtschaft dort dreht z.T. wesentlich „freier“ und wilder als bei uns („Turbokapitalismus“). Der wesentliche Unterschied ist, dass es einen staatlichen Plan über Dekaden hinweg gibt, der konsequent und systematisch ohne „demokratische Störungen“ verfolgt wird.
Verstehe ich ebenfalls nicht: Nur weil unter Mao eine „relative“ Verbesserung einsetzte, blieb das Land bis 1978 immer noch eines der ärmsten Länder der Welt. Erst mit der Einführung marktwirtschaftlicher Reformen hat China geschafft, das zu ändern - und zwar signifikant.
Komisch - das habe ich offenbar ganz anders verstanden als Du. Und deckt sich mit meine nachträglichen Recherchen:
Ökonomen, Politikwissenschaftlern und China-Experten sind sich weitgehend einig: Chinas Wirtschaft ist in wesentlichen Bereichen radikaler kapitalistisch als viele westliche Marktwirtschaften, während sie gleichzeitig stärker staatlich gesteuert bleibt. Nicht umsonst nennt man diese paradoxe Kombination häufig „Staatskapitalismus”, „Parteistaatskapitalismus”, „marktliberaler Staatskapitalismus chinesischer Prägung”
Chinas Privatsektor trägt etwa 60% zum BIP bei. Diese Zahl ist Teil der häufig zitierten „60/70/80/90”-Formel, die die Bedeutung des Privatsektors zusammenfasst:]
60% des BIP werden von privaten Unternehmen erwirtschaftet
70% der Innovationskapazität stammen aus dem Privatsektor
80% der städtischen Beschäftigung erfolgt in privaten Firmen
90% der neuen Arbeitsplätze werden von privaten Unternehmen geschaffen
Der Staat behält Kontrolle über Schlüsselsektoren: Schwerindustrie, Energieversorgung, Infrastruktur, Telekommunikation, Banken, Verteidigung und Raumfahrt. Staatsunternehmen (State-Owned Enterprises, SOEs) kontrollieren nach wie vor etwa 30-40% der industriellen Wertschöpfung, und die größten Banken sind in Staatshand. Diese ermöglichen massive wirtschaftspolitische Eingriffe – etwa die gewaltigen Konjunkturprogramme ab 2008, die ohne staatliche Bankenkontrolle unmöglich gewesen wären.
Die Grenzen zwischen politischer Macht und Kapitalbesitz sind durchlässig. Von den 3.220 Chinesen mit einem Privatvermögen über 100 Millionen Yuan sind 2.932 Kinder höherer Parteikader. Wirtschaftlicher Erfolg korreliert stark mit politischen Beziehungen („Kader-Kapitalismus). Und trotz dessen ist das Wachstum des Wohlstands atemberaubend!