Da hast du, glaube ich, recht. Ich habe auch eher den Eindruck, dass wir von einer kulturellen Entfremfdung dieser Arbeiter/Angestelkltenschicht reden. Dass ein Trump mehr „street credibility“ bei einer doch substantiellen Gruppe hat als zum Beispiel eine Kamala Harris, ist für mich nur dadurch erklärbar, dass er einen expliziten „Anti-Intellektualismus“ an den Tag legt - und zwar ganz bewusst.
In dieser Hypothese ist Trump quasi die fleischgewordene Antithese zu den „Berkeley-Demokraten“, die Diversity pushen, Themen wie Abtreibung, Demokratierettung (welche Demokratie muss denn gerettet werden?), Feminismus, Queer, Postkolonialismus als Hauptthemen nehmen und als „intellektuell und abgehoben“ wahrgenommen werden.
Das hieße (und ich schreibdenke mal): GERADE Trumps „Anti-Intellektualismus“ und seine Ausfälle zeigen „Ich verstehe euch und rede nicht so abgehobenes Zeug wie die Demokraten“ plus sein Fokus auf die Themen Wirtschaft und die Wiederherstellung eines Wohlstandsversprechens.
Das ist sicher so, von Trumps Seite ist da eine große „Wucht“, die aus Anti-Intellektualität entstehen kann. Andererseits - Wenn die Demokraten offensichtlich an die 53% nicht erreicht haben, und darunter auch viele Frauen und Latinos, aber immerhin auch zu 1/3 PoC, woran kann das liegen? Da müsste man doch auch mal reinschauen. Ich fand diese Aussage nach wie vor erhellend, auch für eine deutsche progressive Linke:
Dort kritisiert sie, dass die Ansprache der Wähler nicht funktioniert, dass die Wählergruppen wie die Latinos selbst mit Konstrukten wie „LatinX“ nichts anfangen können und sich dadurch eher abwenden und noch weitere Dinge. Also grundlegende Dinge, wenn man eine Wahl gewinnen möchte.
Natürlich hast du recht, dass auf der Sachebene eine demokratische Politik besser wäre für die meisten US-Amerikaner. Nur musst du die Menschen auch erreichen, und wie Isabella Weber in der aktuellen Lage zu dem Thema Inflation und Sorgen und dem Umgang der Demokraten damit hervorgehoben hat, das haben die Demokraten nur unzureichend getan. Es fehlt ihnen in Stil und Haltung wahrscheinlich gerade das Prinzip der Lebensnähe, zumindest wahrgenommen.