Dass solcher Lobbyismus die Orientierung am Gemeinwohl tendenziell konterkariert, indem er Partikularinteressen ein Gewicht gibt, das ihnen nicht zukommt, ist naheliegend.
Politische Vertreter:innen, die Lobbyinteressen/-vorschläge übernehmen, würden allerdings argumentieren, dass genau die besondere Berücksichtigung dieser Interessen am Ende gemeinwohlfördernd sei. Motto: ‚Geht es der Wirtschaft (wahlweise auch bestimmten Wirtschaftszweigen oder Branchen) gut, geht es der Gesellschaft ein Stück weit besser.‘
Ob das zutrifft oder gerade nicht, ist dann Teil der politischen Auseinandersetzung (mit oder ohne Parteibuch).
Schwierig wird es aus meiner Sicht dann, wenn keine Interessenpluralität mehr gewährleistet ist, sei’s in der medialen Verbreitung bestimmter Positionen, sei’s in der Politikberatung.
Katherina Reiche steht ja z.B. nicht gerade im Ruf, sich vielseitig beraten zu lassen.
Das Aufrüsten bestimmter Wirtschaftslobbys in der EU ist höchstwahrscheinlich auch nicht gerade ein Zeichen von Perspektivenverbreiterung.
Letztlich muss man jedoch politische Entscheidungen - Lobbyeinfluss hin oder her - immer inhaltlich beurteilen.
Bloß weil der Bundesverband WindEnergie auf einen Fallstrick in einer Gesetzesvorlage hingewiesen und einen Verbesserungsvorschlag gemacht hat, um die Energiewende nicht auszubremsen oder sogar zu beschleunigen, muss dieser Vorschlag ja nicht falsch sein, selbst wenn er aus primär wirtschaftlichem Interesse heraus geäußert wurde.
Deswegen: Es ist wichtig, Einseitigkeit bei der Politikberatung kritisch zu hinterfragen und Lobbyvorschläge stets daraufhin zu überprüfen, ob sie gewissermaßen unterm Strich gemeinwohldienlich sind oder nur wirtschaftlichen Eigeninteressen bestimmter Akteur:innen dienen.
Schlussendlich muss man aber immer die Sinnhaftigkeit eines Gesetzesvorschlags selbst prüfen. Wem oder zu was nutzt es?
Dementsprechend kann man den Vorschlag dann begründet zurückweisen oder für mehr oder weniger gut befinden.
Und auch das hängt wiederum von der (unbewussten) ideologischen (Selbst-)Verortung ab.
Wichtig ist m.E. v.a., die Beurteilungsmaßstäbe, die man selbst anlegt, transparent zu machen (z.B. wie man die Klimaschutzinteressen junger und künftiger Generationen im Vergleich zur Renditeerwartung bestimmter Energieversorgungsunternehmen gewichtet, ums mal plakativ zu machen).