In einigen Gemeinden Deutschlands gibt es ja bereits Projekte, bei denen Flüchtlinge während der Zeit ihrer Arbeitslosigkeit gemeinnützige Tätigkeiten übernehmen. (Beispielsweise Unterstützung im Sportverein oder Pflege öffentlicher Anlagen etc.). Das wird zum Teil positiv, zum Teil negativ diskutiert (Umstrittenes Gesetz: Arbeitspflicht für Asylbewerber | BR24). Ich denke aber, dass es dabei helfen kann, sich wertvoller zu fühlen, und nicht rein als Ballast. Auch könnte es die Meinung der Bevölkerung über angebliche „Asyl-Schmarotzer“ ändern.
Meine Idee ist, dieses Konzept auf Arbeitslose auszuweiten und damit einen positiven Beitrag für die gesamte Gesellschaft zu leisten.
Arbeitslose könnten, ähnlich wie Flüchtlinge, für 15 bis 20 Stunden pro Woche gemeinnützige Arbeiten in ihrer Gemeinde übernehmen. Tätigkeiten wie die Pflege öffentlicher Anlagen, die Unterstützung lokaler Vereine und die Mitarbeit in sozialen Projekten würden die lokale Infrastruktur verbessern und den Arbeitslosen die Möglichkeit geben, einen wertvollen Beitrag zu leisten.
Die Tätigkeiten passen idealerweise sogar zu den Fähigkeiten und Interessen der Arbeitslosen. Wer handwerklich begabt ist, könnte beispielsweise bei Renovierungsarbeiten helfen, während andere in Bildungseinrichtungen oder Freizeitprogrammen mitwirken könnten.
Durch solche Projekte könnten Flüchtlinge und deutsche Arbeitslose in Kontakt kommen, womit Vorurteile abgebaut werden könnten.
Ein solcher Ansatz wäre nicht nur positiv für die soziale Integration, sondern würde auch dazu beitragen, dass sich Arbeitslose wie Flüchtlinge als wertvoller Teil der Gemeinschaft fühlen. Es sollte sowieso „Common Sense“ werden, dass sich alle Mitglieder der Gesellschaft für die positive Entwicklung ihrer Gemeinde einsetzen.
Durch die Einbeziehung von Arbeitslosen in solche Programme würde auch die Verpflichtung von Asylanten zur gemeinnützigen Arbeit nicht mehr als diskriminierend gelten, da sie alle Menschen gleichermaßen betreffen würde.
Bei aller positiven Intention: steckt da nicht auch viel idealisiertes Wunschdenken dahinter?
Es gibt speziell bei Langzeitarbeitslosen sehr konkrete Gründe für eine anhaltende Arbeitslosigkeit.
Um ob die Betroffenen da alle mit der erhofften Motivation und Dankbarkeit an solche gemeinnützigen Tätigkeiten gehen, ist ein anderes Thema
Damit ich das richtig verstehe: Die Menschen ( in einer ohnehin maximal vulnerablen Position) sollen Arbeit für saftige 80ct Stundenlohn angeboten bekommen, und je nach Ausgestaltung drohen bei nicht-Annahme obendrauf Sanktionen?
Es braucht schon ein beeindruckendes Stück Gehirn-Akrobatik um das als selbstlosen Dienst am Geflüchteten darzustellen, dem ja sonst einfach total langweilig wird.
Die Flüchtlinge die ich kenne waren v.a. frustriert, dass sie nichts machen durften. Sie wollten einen Beitrag leisten.
Außerdem find ich die 80ct auch ziemlich unpassend. Ich würde es als ein Geben und Nehmen sehen - Sozialleistungen bekommen aber wie selbstverständlich dafür etwas zurückgeben. Und eben nicht nur für Flüchtlinge sondern für alle.
Klingt für mich völlig absurd. Jemand möchte gern zur gemeinnützigen Tätigkeit gezwungen werden? Das würde ich einfach mal bezweifeln.
Auch ist es völlig absurd anzunehmen, dass solche Arbeit der Integration dient.
Lasst die Menschen in richtigen Erwerbsjobs arbeiten. Und wenn es dazu einer Weiterbildung bedarf, ermöglicht ihnen diese Weiterbildung - finanziell und zeitlich oder auch mit Unterstützung durch Sozialarbeiter etc. Integriert sie in eurer Nachbarschaft, Bekanntschaft, Vereinen. Beim Jäten eines Gemeindebeetes entsteht sicher kein Kontakt.
Für mich klingt dieser Beitrag mit seiner Überschrift völlig euphemistisch. Es ist keine Verbesserung der Situation. Es ist Zwangsarbeit.
Deutschland hat jahrzehntelang keinerlei Integrationsbemühungen unternommen. Ganz im Gegenteil: Lange war eine Integration überhaupt nicht erwünscht.
Das Ergebnis sieht man jetzt.
Ernsthafte Integration durch sofortige Arbeitserlaubnis, dezentrale Unterbringung und Unterstützung bei Deutschkursen, Weiterbildung, Anerkennung von Abschlüssen, Einbindung in die Gesellschaft würde die Situation verbessern.
Gilt übrigens auch für Arbeitslose bzgl. der passenden Punkte.
Zwangsarbeit wird nicht besser, nur weil man sie anders nennt. Jemanden für 80ct die Stunde zur Arbeit zu zwingen, wird sicherlich nicht dazu führen, dass die Person sich als „wertvoller Teil der Gemeinschaft“ fühlt. Und warum das besser sein soll, als die Menschen gleich richtig aus- bzw weiterzubilden und sie in richtige Jobs zu vermitteln, muss mir auch erstmal wer erklären.
Ja und man sollte sie arbeiten lassen (Stichwort Arbeitserlaubnis), Sprachkurse anbieten und die Integration so fördern. Passiert aber alles nicht.
Wie passen diese beiden Sätze zusammen? Bist du dafür, auf die 80ct auch noch zu verzichten?
Spricht man mit Flüchtlingen klingt das alles andere als absurd. Man kann vieles als Zwangsarbeit titulieren. Die Frage ist wie es umgesetzt wird und wie der Blick in der Gesellschaft auf diese Initiative sich entwickelt.
Wie gesagt, ich habe mit vielen Flüchtlingen Kontakt. Und das was sie wollen ist nicht als „Schmarotzer“ angesehen zu werden - was leider in unserer Debattenkultur nicht selten der Fall ist. Klar sollten sie möglichst schnell in den Arbeitsmarkt integriert werden - aber da gibt es eben ganz anderen Hürden (siehe verlinkten Artikel). Dies wäre eine niederschweflige Übergangslösung.
Ein Beispiel aus meinem Umfeld - ein Akademiker, der nun 1 Jahr auf Jobsuche war - war ebenfalls dieser Idee nicht abgeneigt.
Wenn man Bild-like die Maßnahme als Zwangsarbeit deklariert sind wir wieder in der „dagegen“-Kultur. Aber man kann es auch als Chance betrachten. Es ist ein Vorschlag, eine Idee.
Ich glaube die gemeinsame Arbeit in einem Sportverein oder - zB beim Pflegen des Parks in der Stadt - lernt man die Kultur und Sprache besser kennen als in Sprachkursen (wobei diese natürlich auch wichtig sind).
Ganz ehrlich würde ich auf die 80ct verzichten. Was sind denn das im Monat? 25€?
Dann würde ich lieber für alle nicht Berufstätigen die 15-20h verpflichtend einführen, dann fühlt sich auch niemand diskriminiert - weil es schließlich jeden treffen kann. Den promovierten Akademiker und den, der die Schule abgebrochen hat. Klar ist das eine Idee die ich so sonst von nirgendwo her kenne oder erprobt sehe. Es gibt sicher auch viele organisatorische Hürden - zB wer organisiert die Arbeit, was ist mit Arbeitsschutz, … Aber es wäre mal ein Ansatz um Vorurteile abzubauen.
Was allerdings nicht passieren darf ist wie bei den 1€-Jobbern damals, die dann irgendwie in dieser Zwischenwelt von Arbeit und Nicht-Arbeit hängen geblieben sind.
Aber ich würde das dann eher als freiwillige, quasi ehrenamtliche Option sehen. Ggf mit einer „Aufwandsentschädigung“.
Unter verpflichtendem Zwang bekommt es leicht ein komischen Zungenschlag
Wir hatten immer wieder Flüchtlinge im Kirchenasyl. Die helfen im Pfarrhaus mit, kehren den Pfarrhof, verteilen Gesangbücher im Gottesdienst. Das Grundstück dürfen sie nicht verlassen, da sie sonst abgeschoben werden können.
Die katholische Kirche hat auch schon Flüchtlinge im Altenheim als Ehrenamtliche eingesetzt.
Es würde mich also wundern, wenn sich Flüchtlinge nicht ehrenamtlich betätigen dürften.
Empfehle deinen Freunden doch mal bei der Tafel anzufragen, im örtlichen Altenheim oder beim Sportverein. Vielleicht gibt es auch einen Kirchenchor, in dem sie sich einbringen können oder sie können ein Instrument spielen?
All das bringt viel mehr für die Integration als beim Bauhof die Arbeiten zu machen, die sonst keiner machen will und sich von rechtsradikalen Kollegen dumm anmachen zu lassen ohne sich wehren zu können, da ja sonst Sanktionen drohen.
Ich habe das Gefühl, dass hier im Thread zwei grundsätzliche Misskonzeptionen vorherrschen.
Es ist kein Naturgesetz, dass man für nichts-tun Geld bekommen sollte. Und so sehe ich die von mir vorgeschlagene Tätigkeit auch nicht als Zwangsarbeit, sondern als ein Geben und Nehmen. Man erhält vom Staat (dh vereinfacht: von den Menschen die Steuern zahlen) Geld, und gibt im Gegenzug seine Arbeitskraft in die Gemeinschaft. Das finde ich fair.
(Damit man mich nicht falsch versteht: es ist eine große Errungenschaft, dass Menschen in Deutschland das Existenzminimum gewährt wird, auch wenn sie sich partout weigern zu arbeiten. Allerdings sollte man dies nicht belohnen. Meiner Meinung nach sollte Konsens werden, dass man für Geld arbeitet bzw. der Gemeinschaft etwas zurück gibt. Ausgenommen natürlich Menschen die aufgrund von körperlicher oder psychischer Krankheit oÄ nicht beitragen können).
Es ist kein Naturgesetz, dass Freiwilligenarbeit immer unbefriedigend sein muss und dass freiwillige immer nur Jobs machen müssen, die eh keiner machen will. Ich Gegenteil, anstatt die betroffenen Personen damit zu Beschäftigen den „Müll anderer Leute“ zu beseitigen, könnte man sich Arbeiten vorstellen, die sonst nicht gemacht würden, aber einen positiven Effekt für die Gemeinde hat. Wäre es nicht schön, wenn das Blumenbeet am Ortseingang besonders schön aussieht. Oder der Rasen im Park gepflegt aussieht, weil er regelmäßiger gemäht wird? Oder der Bolzplatz intakt gehalten wird und nicht verwahrlost.
Zum vorherigen Kommentar: es gibt sicher Möglichkeiten für zB Flüchtlinge sich ehrenamtlich zu engagieren. Aber diese sind begrenzt und es braucht eine gehörige Portion Mut und Selbstmotivation für diese Menschen so eine Möglichkeit zu suchen. Außerdem besteht dann wieder die Gefahr der Ausnutzung- denn warum kriegen andere für ähnliche Arbeit Geld, man selbst aber nicht mehr als die, die bewusst und mit Absicht „faul“ sind. Wäre es Common Sense, dass man in Deutschland - quasi wie selbstverständlich- etwas in der Gemeinde tut, wenn man Sozialhilfe bekommt (und zwar der promovierte Arbeitslose wie der neu angekommene Flüchtling), dann hätte das ganze einen 180 Grad anderen Charakter.
Wie gesagt, grundsätzlich ja eine schöne Vorstellung.
Aber der Punkt Ausnutzung ist halt immer ein Risiko, so selbstlos sind Menschen halt nicht.
Und man muss schon genau schauen was für Tätigkeiten
Ja. Es ist lediglich das Grundgesetz und höchstrichterliche Rechtsprechung.
Der Unterschied zwischen Freiwilligendienst und Zwangsarbeit liegt nicht darin, ob die Arbeit schön ist oder nicht oder ob sie gerecht ist oder nicht sondern ob sie freiwillig ist oder nicht. Und wenn Zwang in Form von Entzug des Existenzminimums angedroht wird ist es nicht freiwillig.
Wenn wir wollen, dass der Park schön aussieht, soll die Gemeinde jemanden einstellen, der den Park pflegt. Und wenn Geflüchtete da besonders gut passen, kann man doch gerne eine Job- und Weiterbildiungs-Messe für diese Zielgruppe organisieren.
Was ich nicht fair finde, ist dass Politik beim oberen Ende der ökonomischen Hierarchie bitte nur freiwillig und mit Anreizen arbeiten soll, aber beim unteren Ende mit Zwang. Bei Betrachtung von Schaden und Nutzen lässt sich das kaum rational begründen.
Ich würde es als Zwangsarbeit tilitulieren wenn Menschen dazu gezwungen werden.
Es besteht doch jetzt schon die Möglichkeit sich Ehrenamtlich irgendwo zu engagieren auch für Flüchlige, Arbeitslose oder sonst wen. Wenn Menschen es also tuen möchten, ist doch die Frage was hält sie davon ab ? Und diese Probleme müssen dann aus dem Weg geräumt werden.
Denn grundsätzlich stimme ich dir zu das Gemeinnützige arbeit etwas gutes ist und zur integration beitragen kann.
Vom Entzug des Existenzminimuns war nie die Rede, das habe ich in meiner Antwort auch klar ausgeführt. Ich finde es nur durchaus interessant zu beobachten, dass scheinbar niemand hier der Meinung ist, dass man für Geld (was über das grundgesetzlich geregelte Existenzminimum hinaus geht) auch ruhig etwas verlangen darf. Das scheint mir auch ein gesellschaftlicher Trend durch den Wohlstand der letzten Dekaden zu sein. Ende der 40er/ Anfang der 50er war da doch meinem Empfinden nach noch ein anderer Drive und ein anderes Selbstverständnis in unserer Gesellschaft.
Außerdem: Menschen motivieren sich nicht leicht für freiwillige Arbeit. Aber spricht man mit Zivis, die einen solchen Dienst machen mussten(!), so empfanden die allermeisten diese Arbeit als sehr bereichernd. Vielleicht braucht unser Land da einen kleinen Anschub.
Außerdem wäre es kein Zwang sondern ein Anreiz: man kann immernoch ablehnen, dann bekommt man eben als Arbeitsloser oder noch nicht anerkannter Flüchtling das Existenzminimum. Andernfalls eben einen sozial verträglichen Betrag.
Aber dann ist doch alles gut. Man bekommt das Geld fürs Existenzminimum. Und man kann arbeiten gehen, wenn man mehr haben will.
Ich würde es umdrehen. Nicht der Arbeitgeber kann etwas verlangen für das Geld sondern der Arbeitgeber muss etwas bezahlen, wenn er eine Arbeit verrichtet haben will. Also ein ganz normaler Arbeitsmarkt.
Wenn wir als Arbeitgeber die Kommunen nehmen, dann ist es aber ja aktuell so, dass es aufgrund der verschiedenen Budgets für die Kommune zwar möglich ist ein Bürgergeld auszuzahlen, Mietkosten zu übernehmen, etc., nicht aber noch ein paar Euro draufzulegen um die Person z.B. für die Pflege der Grünanlagen einzustellen. Selbst wenn der Stadtbauhof (oder wie das lokal auch immer heißt) schon überlastet ist fehlt dafür einfach das Budget.
Eine Option zu schaffen, mit wenig Budget Leute hier zu beschäftigen und deren Einkommen so zu erhöhen fände ich da durchaus überlegenswert. Selbst bei nur einem Euro pro Stunde als plus käme am Ende schon ein Betrag von gut 150€ pro Monat raus, bei einem anderen Zusatzbetrag pro Stunde entsprechend mehr.
Problem wäre aber wieder, dass man unter Umständen eine Konkurrenz zu regulären Beschäftigungen schafft indem entweder dann eben eine nötige Aufstockung des Stadtbauhofs entfällt oder eine Beauftragung externer Firmen. Es müssten also schon sehr konkrete Grenzen gesetzt werden.
Denkbar wäre auch, dass Gemeinnützige Organisationen so Helfer finden könnten, wo aktuell das Ehrenamt oft an die Grenze kommt, z.B. der Fußballverein einen Platzwart, die Tafel einen Fahrer oder Helfer, etc.