Schwierige Frage.
Letztlich kommt beides auf’s gleiche raus, der Unterschied ist halt nur, wer die Rendite zahlt.
Was damit gemeint ist:
Der Wert von Immobilien steigt im Laufe der Zeit i.d.R. (wenn sie halbwegs instand gehalten werden und die Wohngegend nicht zum Ghetto wird…). Sollte die Immobilie irgendwann verkauft werden, wird dabei natürlich auch eine Rendite verwirklicht. Diese zahlt aber nicht der Mieter, sondern der Käufer der Immobilie. Diese Rendite verwirklicht sich halt oft über Jahrzehnte nicht - und das ist i.d.R. auch im Interesse des Mieters (wer hat schon Bock auf ständig wechselnde Vermieter?)
Es gibt daher bei Immobilien zwei Renditen:
- Die laufende Rendite, die sich durch Mietzahlungen fortlaufend verwirklicht und auf die der Investor angewiesen ist, wenn man nicht will, dass der Investor seine Immobilien alle paar Jahre verkauft.
- Die Rendite beim Verkauf der Immobilie durch Aufdeckung der stillen Reserven.
Legt man daher für die moralische Bewertung der angemessenen Rendite das Investitionsvolumen zu Grunde, führt man quasi beide Renditen zusammen. Das würde oft dazu führen, dass der Investor kaum überhaupt Miete verlangen könnte - denn wenn der Wert der Immobilie um 6% in einem Jahr steigt wäre das ja schon genug Rendite. Der Mieter könnte also nach dieser Auffassung quasi umsonst in der Wohnung leben, weil ja der Investor durch die reine Existenz der Wohnung schon genug (nicht verwirklichte) Rendite erzielt.
Und das würde wie gesagt dazu führen, dass Immobilien nur als sehr langfristige Investitionsobjekte interessant wären, weil sie kurz- und mittelfristig keine Gewinne abwerfen würden. Der Anreiz, in Immobilien zu investieren, wäre folglich für die meisten Investoren sehr niedrig bzw. nur dann gegeben, wenn sie die Immobilien alle paar Jahre verkaufen.
Aus Sicht der Investoren wäre das natürlich… problematisch. Wenn man, wie ich und vermutlich auch du, die Position vertritt, dass Mietobjekte generell kein Investitionsobjekt sein sollten, sondern als existenzielle Lebensgrundlage vom Staat ohne Gewinnabsicht gehalten werden sollten, sieht man das natürlich weniger problematisch.
TL;DR:
Beide Sichtweisen sind absolut zulässig, die Frage ist halt, wo man gesellschaftlich hin will und wo man selbst politisch steht.
Das ist kein zwangsläufiger Mechanismus, sondern letztlich die typische „Privat vor Staat“-Argumentation aus dem liberalen Lager. Man könnte auch argumentieren, ob man die staatliche Verwaltung nicht effizienter organisieren könnte, z.B. auch durch Einbindung der Mieter, die ein ebenso großes Interesse an Effizienz haben wie es ein privatwirtschaftlicher Investor hätte.
Steuern fallen vor allem von Vielverdienern an und sind dadurch i.d.R. eine Umverteilung von Mitte-Oben nach Mitte-Unten, wo die meisten Mieter verortet sein dürften. Inflation spielt hier kaum eine Rolle, mit Ausnahme diesen Jahren durch zahlreiche Corona-Effekte sind wir in Deutschland und Europa seit Jahren im Bezug auf die Inflation ziemlich im Optimum - nicht zu wenig (jeder hat Angst vor dem Gespenst der Deflation…) und auch nicht zu viel (niemand will Hyperinflation).
Da also die Subventionen für den staatlichen Wohnungsbau, falls nötig, mit weit größerem Teil aus Steuern als aus Inflation gedeckt werden, profitieren sehr wohl die Mieter eben dieser Wohnungen, wenn sie nicht gerade den Spitzensteuersatz verdienen, was quasi ausgeschlossen ist…