Das ist durchaus wahr - ich wollte nur sagen, dass das Thema „Eigenheim“ wenig mit der Enteignungs-Debatte zu tun hat, damit es in dieser Hinsicht nicht zu Missverständnissen kommt.
Ob ein hoher Anteil an Eigenheimen in einem Land wie Deutschland sinnvoll ist, darüber kann man vortrefflich streiten. Die Grünen haben ja als erste Partei dieses „heiße Eisen“ angepackt und sich gegen die Förderung von Eigenheim-Bauten ausgesprochen, eben weil der Platzbedarf verhältnismäßig hoch ist und mehr Eigenheime bedeutet, dass der Grüngürtel der Städte kleiner und der Speckgürtel größer wird - und das ist nicht nur bei Hochwasser ein Problem (Stichwort: Oberflächenversiegelung). Die Reaktion der anderen Parteien (nur die Linke äußerte sich positiv) war natürlich wieder das entsetzte: „Seht her, alle Eigenheim-Besitzer und solche, die es werden wollen: Die böse, grüne Verbotspartei will euch an den Kragen!!!1!!11!elf“ - und zwar durch die Bank weg von CDU, CSU, SPD, FDP und AfD…
Wir sind halt kein Flächenland wie die USA, bei uns ist Bauland Mangelware… aber einen Wahlkampf wird man mit der Forderung nach weniger Einfamilienhäusern leider nicht gewinnen können 
Die Frage ist dabei natürlich: Will man, dass Berlin weiter wächst? Gibt es dafür überhaupt genug Raum? Oder will man die räumliche Größe und die Bevölkerungszahl schlicht stabil und dabei die Mieten günstig halten? Bedeutet: Hier spielen noch andere Interessen eine Rolle. Gerade in Berlin ist Bauland auch einfach extrem knapp und Berlin kann ja nicht einfach anfangen, in Brandenburg zu bauen…
Diese realpolitischen Probleme machen manche Lösung, die eigentlich gut klingt, leider unmöglich. Wäre unbegrenzter, stadtnaher Raum verfügbar, wäre es natürlich einfacher, das Geld in den Neubau zu stecken, bewusst niedrige Mieten anzusetzen, damit den Mietspiegel zu senken und den Immobilienkonzernen die Aufwärtsspirale zumindest schwieriger zu machen. Aber das erfordert halt, dass ein großer Teil des Wohneigentums in Berlin in Staatshand ist. Und so viel neu zu bauen, um diesen Anteil zu erreichen, ist vermutlich mit dem bestehenden Bauland nicht möglich. Eine Enteignung hingegen hätte genau diesen Effekt: die zu enteignenden Wohnungen machen 10% der gesamten Wohnungen in Berlin aus. Das verändert das Gewicht von Privat und Staat deutlich und kann erhebliche Auswirkungen auf den Mietspiegel haben.
Kurzum:
Wenn der Staat seinen Bestand von 25 auf 35% anhebt und niedrigere Mieten etabliert, sinkt der Mietspiegel der gesamten Stadt. Dadurch sinken auch die Mieten der Wohnungen in Privathand. Um einen vergleichbar großen Effekt durch Neubau zu erreichen müsste man - selbst wenn das Land dafür bestehen würde - deutlich mehr zahlen.
Mich würde interessieren, woher der Unterschied in der Einschätzung kommt. Schätzt der Berliner Senat einfach zu konservativ?
Womit automatisch eine Umverteilung von Oben in die Mitte eintritt. Steuergelder kommen eben im Schnitt stärker vom „oberen Ende“ der Einkommensspirale, während diejenigen, die zur Miete wohnen, zumindest meist nicht „ganz oben“ in besagter Spirale sind, sondern irgendwo im unteren bis mittleren Bereich.
Das hier keine perfekte Umverteilung von ganz oben nach ganz unten vorliegt stimmt - aber die Umverteilungsrichtung ist meines Erachtens deutlich genug.
Und das ist der Punkt, in dem wir uns denke ich einig sind: Man muss sehr, sehr genau überlegen, ob die Enteignung aufgrund der hohen Initialkosten und möglichen laufenden Kosten wirklich das beste Mittel ist.
Die Frage ist halt, ob man das Ziel des „bezahlbaren Wohnraumes“ auch anders erreichen kann. Der Mietendeckel scheiterte daran, dass die Bundesländer hier nicht die nötige Gesetzgebungskompetenz haben, ist daher nur eine Lösung, wenn der Bund es so will. Das hilft Berlin nicht.
Andere Möglichkeiten sind auch kritisch. Zum Beispiel könnte Berlin natürlich einfach Mieter bei der Miete subventionieren, aber das würde halt bedeuteten, dass Steuergelder direkt in die Taschen der Konzerne fließen, es wäre ein Umverteilung in die falsche Richtung, quasi von Mitte-Oben nach ganz oben. Und es wäre natürlich eine Lösung, die sehr hohe laufende Kosten erzeugt, dafür aber kaum Initialkosten. Unter’m Strich aber eine schlechtere Lösung.
Also was für Alternativen gibt es noch? Also außer zu akzeptieren, dass die Mieten in Berlin weiter steigen?