Verschiedenes zur Reform des Gesundheitssystem

… Es wäre schön gewesen, wenn die Lage die vermeintlich “wissenschaftlich fundierten Vorschläge” mal bewertet hätte, zB, was die Bindung an die Grundlohnsumme für den Bereich der Physiotherapie bis 2018 bedeutet hat, warum es absolut wissenschaftlich erscheint, warum Beitragszahler mehr zahlen sollen, HM Erbringer weniger bekommen sollen, und nur die GKVen sich so gar nicht reformieren sollen, oder aber wie wissenschaftlich es denn ist, aus Rohdaten zu zitieren und der Kommission vorzulegen, die noch gar nicht ausgewertet und in den Kontakt gesetzt wurden. Anbei mal zwei Links, um sich mit der Materie vertraut zu machen:

und

Die von der Regierung beauftragte Kommission definiert 66 Maßnahmen um Kosten im
Gesundheitssystem zu senken. 10% davon betreffen Versicherte direkt.

Die Regierung so:

… wir kürzen nur bei den versicherten. Genau mein Humor.

Den größten Posten, die Beiträge für Hartz 4 Empfänger, hat Klingbeil ja schon abgeräumt

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Das Thema Lohnfortzahlung hat mit einer Reform des Gesundheitssystems eigentlich nichts zu tun. Es belastet nicht Versicherte, sondern Arbeitnehmer. Und es entlastet nicht das Gesundheitssystem, sondern Arbeitgeber, die die Lohnfortzahlung ja leisten. Die GKV dürfte dadurch vermutlich sogar mehr belastet werden, weil ja dann Versicherte früher ins Krankengeld fallen.

Ich weiß nicht, wie du auf die Idee „nur bei den Versicherten kommst“. Die Koalition hat heute angekündigt, dass die Reform auf Grundlage der Vorschläge der Kommission kommen soll. Und die beziehen sich weit überwiegend auf die Vergütung der Leistungserbringer, nicht auf die Kürzung von Leistungen für die Versicherten.

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Zumindest in Hessen ist es so, dass man die private Leistungsabrechnung des Arztes bei beiden separat einreichen muss, d.h. eine Rechnungskopie geht an die Beihilfe, die andere an die private Versicherung. Beide prüfen unabhängig.
Dabei ist zumindest bei uns in der Familie die private Versicherung sehr schnell in der Erstattung. Die Beihilfe hängt momentan 3-4 Monate zurück.
Das bedeutet, man finanziert die Arztkosten für mehrere Monate vor. Bei geringen Kosten ist das meist kein Problem, bei größeren Eingriffen kann das aber schnell problematisch werden.

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Es soll ggf. Teil der kommenden Gesundheitsreform werden. Das Krankgeld soll auch gekürzt werden. Den größten Posten aus den Kommissionsvorschlägen hat man schon abgeräumt, nämlich die langzeitarbeitslosen Beiträge aus dem Haushalt zu bezahlen. Irgendwo muss der Betrag ja her kommen.

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Und schon wurde die angeblich letzte Patrone wieder mal sinnlos in der Luft verschossen. Ich kann gar nicht sagen wie unfassbar wütend ich bin. Da entscheiden privilegierte Politiker, dass es ok ist nur einen Teil wieder mal bluten zu lassen, und das auch noch mehrfach. Ich bin froh, dass ich keine dieser Lobby Parteien gewählt habe, auch nicht bei den Landtagswahlen. Ich bin gespannt wie die Opposition auf dieses Desaster reagiert und vielleicht auch die Fraktionen. Wobei ich es nicht glaube.

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Noch ein Hinweis:

Amalgam wurde als kostenguenstiges, langhaltendes Zahnmaterial in 2025 verboten. Es gibt keine gleichwertige, kostenguenstige Alternative als Fuellungsmaterial. GIZ ist ein Fuellungsmaterial kurzer Haltbarkeit. Composite sind zuzahlungspflichtig und halten nicht so lange wie Amalgam.

Die Zahnversorgung ist somit teurer und schlechter geworden. Gruende fuer die Abschaffnung von Amalagam waren nicht medizinisch indiziert. Es gab keinen Protest aus der Bevoelkerung leider.

Somit heisst es hier auch: Schlechtere Versorgung fuer arme Menschen. Gesundheit im Mund wird verstaerkt eine Frage des eigenen Geldbeutels.

Tatsächlich? Ich war eigentlich heilfroh, als ich meine letzte uralte Amalgam-Füllung los war.

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Meines Wissens besteht Amalgam zu mindestens 50% aus Quecksilber. Solange die Füllung intakt ist, besteht kein offizielles Risiko für den Patienten. Bei der Verarbeitung bzw. Entsorgung kann aber wohl Quecksilber freigesetzt werden und in die Umwelt gelangen.
Ich persönlich würde mir ungern Amalgam einsetzen lassen, auch wenn das auf gefährlichem Halbwissen basiert.

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Ich bin noch auf folgendes Krankentage-Ranking in Europa gestoßen.

Demzufolge ist Deutschland weit davon entfernt, an der europäischen Spitze zu stehen und weder Karenztage noch Dauer der Lohnfortzahlung haben einen Einfluss auf die Fehlzeiten der Beschäftigten.

Vorgebrachte Gründe für eben diese Änderungsüberlegungen der Bundesregierung ist aber genau das Gegenteil:

Sicher sei, dass Deutschland „die höchste Zahl von Krankentagen in Europa hat“. Beide Koalitionspartner würden das gerne nach unten drücken, hieß es.

Das ist also auch keine verzerrte Datenlage mehr durch die elektronische Krankmeldung, sondern das ist einfach nur noch eine Lüge. Von Medien würde ich jetzt erwarten, diese Lüge bloßzustellen und zu fragen, wer auf wessen Kosten davon profitieren möchte.

Stattdessen bekomme ich aber vom Spiegel das hier:

Paywall, Archivlink: https://archive.is/koBgm

Ein Interview mit Enzo Weber, bei dem das “Blaumacher”-Narrativ übernommen, die falschen Zahlen als Grundlage für eine Problembeschreibung genutzt werden und dann mal ganz ergebnisoffen darüber geredet wird, welche sozialen Erungenschaften und Sicherungen wir aufgeben sollten, um dieses Fantasie-Problem zu lösen.

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Warum denn das, falls man fragen darf?

Aber wie gesagt: Das kostenguenstige und langlebige Fuellungsmaterial ist jetzt nicht mehr zugaenglich.

Über 30 Jahre alt und bröckelnd.

Es ist eine Legierung. Es handelt sich nicht um elementares, frei bewegliches Quecksilber, sondern um eine feste intermetallische Phase. Amalgam ist sicher innerhalb der Expositionsgrenzen.
Beim Legieren, Entfernen oder unsachgemässer Entsorgung kann Quecksilber freigesetzt werden. Aber deshalb gibt es technische Vorschriften.

Wenn ich das in der Presse richtig verstanden habe, soll ja nicht nur die Lohnfortzahlung gekürzt werden, sondern auch der Karenztag eingeführt werden:

https://www.merkur.de/wirtschaft/lohnfortzahlung-in-deutschland-regierung-plant-karenztag-bei-krankheit-merz-zr-94259040.html

Ich finde es richtig schlimm was da alles beschlossen wurde, weil sich das ja alles summiert und noch zu den ganzen steigenden Kosten dazukommt :frowning:

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Dann werde ich jetzt immer zum Arzt gehen und mich richtig lange krank schreiben lassen. Der Karenzblödsinn muss sich ja lohnen.

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Asozial ist nur, über hohe Steuern zu jammern und dabei zu übersehen und zu verschweigen, welche faktische Ersparnis diese BBG bei den eigenen Abgaben bringt.
edit: zum Thema selbst gibt es eigentlich nichts zu sagen, außer dass Merz vollmundig versprochen hat „alle Vorschläge sollen umgesetzt werden“ und letztlich wohl wieder nur das umgesetzt werden wird, das für soziale Schieflage sorgen wird und den Staat nicht belastet. Geliefert wie bestellt. Danke, Wähler.

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Das macht einfach nur wütend und sprachlos.

Keine kostenlose Mitversicherung des Ehepartners, Höhe Zuzahlung zu Medikamenten, 1 Tag keine Lohn bei Krankheit, … .
Alles Maßnahmen die wiedermal v.a. die arbeitende Mittelschicht trägt.
Scheinbar hat man aus den Wahlniederlage absolut nichts gelernt.
Bisschen polemische, aber man serviert der AFD (und Linken?) die Arbeiterschicht auf dem Silbertablett.

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Was fehlt ist der Fokus auf Prävention und Gesundheitsvorsorge. Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit der Deutschen, nicht nur Behandlung der Krankheit.

Damit könnte man Milliarden sparen. Nicht direkt, aber langfristig würden wir länger gesünder leben.

Politik für die nächste Wahl - wobei ich mir nicht sicher ob die Union und die SPD diese gewinnen wollen.

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Da so oft und so viel in diesem Forum über die BBG „gejammert“ wird einfach einige Gedanken aus einer anderen Richtung dazu:

  1. Ein Angestellter, der GKV-Beiträge bis zur BBG zahlt, zahlt monatlich mit seinem Arbeitgeber rund 1017,- Euro reinen KV-Beitrag (Beitragssatz incl. Zusatzbeitrag 17,5%). Die GKV-Ausgaben pro Versichertem belaufen sich auf unter 6000,- Euro.

Quelle: KBV - Deckungsbeitrag und -ausgaben

Da die Zahlen von 2023 sind habe ich bei 6000 stark aufgerundet. Ein Mensch der über der BBG liegt, zahlt also neben seiner Versicherungsprämie ungefähr nochmals 100% zusätzlich als Solidaritätskomponente für geringer verdienende Versicherte. Ohne BBG würde ich es irgendwann nicht mehr als Solidarität, sondern als Abzocke sehen (und Jüngere über den Wechsel in die PKV nachdenken)

  1. Die BBG liegt für die KV und Pflegeversicherung bei 69.750 Euro, etwa in dem Bereich, ab dem auch der Spitzensteuersatz greift. (Zu versteuerndes Einkommen 68.481,-€). Ohne BBG würden Menschen, die über diesen Grenzen verdienen also neben den 42% Steuern noch über 20% AN-Anteil an Sozialversicherungsabgaben zahlen. D.h. von jedem Euro den man über 70.000 Euro verdient gingen 62 Cent an den Staat. Da die BBG für Rente und AL-Versicherung deutlich höher liegt, sind es heute schon über 50 Cent. Passt das zum Anspruch der Leistungsgerechtigkeit. Ist es motivierend, wenn von jedem zusätzlich verdienten Euro die Hälfte weg ist.

Das Medianeinkommen in Deutschland liegt bei ca. 54.000 €. D.h. diese absurd hohen Belastungen fallen schon bei Menschen an, die rund 30% über dem Medianeinkommen liegen.

Daher wäre für mich eine Abschaffung der BBG schwer zu verstehen und absolut leistungsfeindlich.

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Und das ist wieder die immer-gleiche Diskussion über die Zwei-Klagen-Gesellschaft, wie Pispers es damals nannte: Die einen klagen, dass das Einkommen nicht für den Spitzensteuersatz reicht, die anderen klagen, dass der Spitzensteuersatz zu hoch sei.

Diese Information ist nur relevant, wenn man die Krankenversicherung (als Sozialversicherung) schwerpunktmäßig als Versicherung versteht und nur sekundär als Sozialsystem versteht. Versteht man sie schwerpunktmäßig als Sozialsystem und nur sekundär als Versicherung ergibt sich dieses Problem nicht.

Blöd gesagt: Der Mindestlohnempfänger und der Arbeitslose zahlen weit weniger als die 6000 Euro, die ein Versicherter erzeugt, ein. Also muss es auch Leute geben, die deutlich mehr als diesen Durchschnittswert einzahlen. Die Diskussion ist nur, wer das sein sollte: Der Durchschnitts-Arbeitnehmer über allgemein höhere Krankenversicherungsbeiträge, der Steuerzahler über eine steuerliche Kostenübernahmen bei z.B. Arbeitslosen oder eben der Vielverdiener. Letzteres hältst du als eher wirtschaftsliberal eingestellter Mensch für „Leistungsfeindlich“, während jeder, der etwas weiter links im politischen Spektrum steht, es schlicht als „Gerecht“ empfindet, dass die stärksten Schultern die schwerste Last in einem Sozialsystem tragen.

Das Problem ist, dass die Abgabenquote gerade nicht so „absurd“ ist, wie du es darstellst. Ganz vereinfacht gesagt:
1500 Euro Monatsbrutto: 22% Abgabenlast
2500 Euro Monatsbrutto: 29% Abgabenlast
3500 Euro Monatsbrutto: 33% Abgabenlast
4500 Euro Monatsbrutto: 36% Abgabenlast
5500 Euro Monatsbrutto: 38% Abgabenlast
6500 Euro Monatsbrutto: 40% Abgabenlast
7500 Euro Monatsbrutto: 41% Abgabenlast
8500 Euro Monatsbrutto: 42% Abgabenlast
9500 Euro Monatsbrutto: 43% Abgabenlast
14500 Euro Monatsbrutto: 44% Abgabenlast
30500 Euro Monatsbrutto: 45% Abgabenlast

Die Zahlen bei den fünftstelligen Monatsbruttos wäre ohne Beitragsbemessungsgrenze minimal höher, könnten gar bei extrem hohen Monatsbruttos im Bereich von 20.000 an die 50% kommen. Wer das als „Leistungsfeindlich“ bezeichnet, der lebt einfach in einer anderen Welt als z.B. ich. Wer damit argumentiert, dass dann niemand mehr 10.000+ im Monat verdienen wollen würde, hat jeden Berührungspunkt mit der Realität verloren. Sorry, aber mein Mitleid über ein paar Prozent Mehrabgaben für Menschen, die fünfstellig im Monat verdienen, ist sehr, sehr, sehr begrenzt.

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