Ich höre die Lage seit vielen Jahren, sie war sogar der erste Podcast, den ich (meist im Auto) regelmäßig konsumiert habe. Was mich von Anfang an fasziniert hat, waren die drei klaren Schritte
- Darstellung der Lage
- Einordnung der Lage
- Bewertung der Lage
wobei letzterer selbstverständlich die Meinung der Autoren widerspiegeln darf und soll.
Leider ist mir seit einiger Zeit vermehrt aufgefallen, dass die Meinung bereits in der Darstellung sehr dominant wird, viele Dinge gleichsam gar nicht mehr hinterfragt werden müssen, weil sie so sind, wie sie eben (nach dieser Meinung) sind.
Gleichzeitig wird über den sog. „Kulturkampf“ berichtet. Aus meiner Sicht ist nicht jeder, der z.B. gegen das „Gendern“ ist, ein Kulturkämpfer oder gar ein (Rechts-)Populist, wie auch immer man zu dem Thema an sich eingestellt sein mag. Das gilt im Zweifel auch für den thüringischen Ministerpräsidenten. Was jemand für ein „echtes“ Problem hält, obliegt m.E. dem, der selbiges beschreibt. Kulturkampf führt dabei in allen Richtungen leicht zur Indoktrination, was jemand jetzt bitte als „echtes“ Problem zu betrachten habe und was nicht. Genau das ist aber demokratiefeindlich, weil es dem Bürger nicht mehr die Wahl lässt. Man kann versuchen, die Menschen zu belehren, dass sie bitte keine (immerhin nicht verbotenen) populistischen Parteien wählen, aber verhindern wird man das nur durch ein attraktives Gegenangebot, das auf die (auch nur wahrgenommenen) Probleme der Bürger eingeht. Kurz gesagt: Bevormundung oder Überheblichkeit helfen nicht!
Die aktuelle Regierung macht doch das, was AfDlinge angeblich wollten: Sie führt einen Kampf gegen Gendern, Klimaschutz, sozialen Ausgleich,Migration bis an und über die Grenzen von Rechtsstaatlichkeit und Anstand hinaus. Mit “Erfolg”: Die Zuwanderung ist seit Jahren rückläufig, aktuell auf einem Tiefststand. Abschiebungen auf einem Höchststand. Wie reagieren die Umfragewerte der AfD? Stärkste Partei. Wie lange will man dieses in so vielen anderen Ländern gescheiterte Experiment noch weitertreiben, bevor die Befürworter einsehen, dass das nicht funktioniert? Die eigene Stiftung hat verstanden, dass das im europäischen Ausland nicht klappt, der eigene Kanzler demonstrierte in der Opposition und nun in der Regierung, dass das nicht klappt. Keinem der Ministerpräsidenten, die es so versuchen, ist gelungen, die AfD nennenswert zu schwächen. (Jetzt bitte nicht den “Dänemark”-Joker ziehen, der wurde u.A. in der LdN schon ausgibigst zerlegt und wäre ansonsten bestenfalls die Ausnahme, die die Regel bestätigen würde).
Der Kampf gegen eingebildete Probleme wie Gendern oder Grundrechte von Transmenschen oder ähnlicher Schmarrn, löst welches konkrete Problem im Alltag welcher Menschen? Wie konkret sollte denn ein “attraktives Gegenangebot” aussehen, das auf die herbeifantasierten und von Lügenschleudern ala Nius und Springer heraufbeschworenen “Probleme” von AfD-Wählern eingeht aussehen? Und welche realen Probleme würden dann gelöst?
Dass die AfD selbstverständlich nicht nur eine populistische sondern eine in weiten Teilen rechtsextremistische Partei ist, und dass auch eine extremistische Partei keineswegs zwangsläufig verboten wird, wurde hier im Forum schon in aller Breite erläutert. Bitte einfache Tatsachen zu Bedingungen und Aussagekraft von Verbotsverfahren irgendwann mal zur Kenntnis nehmen.
Das wird tatsächlich öfters von langjährigen Hörern angesprochen. Vielleicht ist da also wirklich was dran. Ich bin erst seit Corona dabei, wo ich die vermehrte Freizeit mit Podcasts füllte.
Aber
Aus meiner Sicht ist nicht jeder, der z.B. gegen für das „Gendern“ ist, ein Kulturkämpfer oder gar ein Rechts (Links-)Populist
Jeder darf Gendern, wenn er das möchte. Problematisch wird es, wenn er sein Umfeld exzessiv nötigt, das auch zu tun.
Jeder darf nicht Gendern, wenn er das möchte.
Problematisch wird es, wenn er sein Umfeld exzessiv nötigt, das auch nicht zu tun.
Geht mir auch so. Früher habe ich wirklich jeden Beitrag gehört. Die journalistische Fleißarbeit im einleitenden Zusammenfassen des Sachverhalts schätze ich nach wir vor. Ich kann mich allerdings des Eindrucks nicht erwehren, dass Euch während der deskriptiven Phase zunehmend die Gäule durchgehen und Ihr zu gunsten einer persönlichen Einordnung auf eine umfassendere Darlegung der Pro- und Kontra-Argumente verzichtet. Das hat zur Folge, dass ich inzwischen einige Themenblöcke abbreche. An Meinungsstärke mangelt es in der Behandlung politischer Themen heutzutage sicher nicht, eine gründliche Aufarbeitung derselben ist es was die Lage für mich, trotz manchmal anderer Schlussfolgerungen, so wervoll macht.
Ich schließe mich dem an. War jahrelang plus abonnent, in letzter Zeit finde ich die Lage extrem einseitig und wenig nuanciert. Früher wurde oft versucht das beste Gegenargument zur eigenen Position zu präsentieren, derzeit sind es öfter halbherzige Strohmänner. Ich würde mir wirklich etwas mehr Vorsicht diesbezüglich wünschen damit die Lage nicht im Einheitsbrei der links-grünen Medienlandschaft versinkt.
Kann mich nur den Vorrednern anschließen. Ich selbst habe die Lage gerne gehört, um eben nicht nur in meiner Bubble Informationen und Meinungen zu hören. Es ist aber mittlerweile mit Überheblichkeit und Der Überzeugung, dass die eigene Meinung die einzig richtige ist überladen.
Das Feedback höre ich auch in meinem Freundeskreis der deutlich weiter links steht als ich und teilweise der gleichen Berufsgruppe angehört, wie die Lage Hosts.
Ohne jetzt auf einzelne Beispiele einzugehen, könnte der vielleicht aktuell stärkere Meinungsbeitrag der Hosts schlicht daran liegen, dass ein progressive gesinnter Podcast natürlich sehr viel „lauter“ ist, wenn die Union eine Politik macht, die in Teilen die AfD fordert und Klimaschutz durch Gas Kathi torpediert?
Wie sollen Philip und Ulf darauf denn reagieren als das nicht in aller Deutlichkeit abzulehnen? @JohanneSAC hat eingangs doch sehr gut anhand von Beispielen betont, warum die Positionen der Union quatsch sind und was die Hintergründe sind. Die Politik der Union ist auf so vielen Ebenen einfach so offensichtlich kontraproduktiv:
Angebotsorientierte Wirtschaftspolitik während einer Binnenmarktkrise ausgelöst durch geringe Nachfrage wegen ausbleibender Kaufkraft
Stärkung der Abhängigkeiten fossiler Energieträger inmitten einer Krise ausgelöst durch fossile Energieträger
Geplante Streichung für Budgets, die sich für Demokratie einsetzen, inmitten des erstarken rechtsextremer Parteien
Zusammensparen des Sozialstaats bei gleicher Verschonung von Überreichen, was rechtsextreme Tendenzen ebenfalls begünstigt
Verschleppung des Bekämpfens des Klimawandels, weil kurzfristige Gewinne der fossilen Lobby der Union wichtiger sind
Kulturkampf a la Wirtschaft vs Klimaschutz, was Blödsinn ist
Eine Wirtschaftsministerin, die offensichtlicher als sonst Politik für EON und RWE macht, teilweise deren Positionen 1:1 übernimmt und dadurch das gesamte Land in Mitleidenschaft zieht und Zukunft für Deutschland verspielt.
Und bestimmt gibt es noch mehr Beispiele, die mir gerade nicht einfallen. Es ist doch vor diesem Hintergrund nur logisch, dass Ulf und Philipp hier lauter als sonst reagieren. Ist doch nur menschlich. Dass das zu Lasten der sachlichen Einordnung geht, sehe ich nicht. Letzteres ist aber sehr subjektiv, das sehe ich ein.
Ich finde zudem, dass der Übergang von möglichst sachlicher und multiperspektivischer Darstellung eines politischen Konflikts zu verzerrendem “sane-washing” in Zeiten immer absurder werdender Positionen aus einer politischen Richtung fließend sind. Das war mir in den Anfangsmonaten der Merz-Regierung gelegentlich in der LdN etwas sehr wohlwollend und zurückhaltend. Signalsätze sind (nicht speziell in der Lage) oft sowas, wie “da hat er schon einen Punkt…” und dann wird heruminterpretiert bis aus illegitimen Bullshit (“Abschiebungen bereinigen das Stadtbild” “zu sexualisierter Gewalt fällt mir ausschließlich der triebgesteuerte Fremde ein”) schein-legitime Debattenbeiträge destilliert werden können. Von daher fand ich gut, wie die Lage in der vorletzten Folge mit der jüngsten rassistischen und sexistischen Äußerung von Merz umgegangen ist und ich war auch in der jüngsten Folge froh, dass die Kritik an Reiche allmählich die erforderliche Deutlichkeit erreichte. Grade auch, dass klar benannt wird, dass die jüngsten Äußerungen im FAZ- Artikel nicht irgendwelche Fehler oder Missverständnisse waren, sondern strategische Lügen, um eine fossile und anti-grüne Agenda zu befeuern, fand ich grundsätzlich positiv.
Grade dann, wenn man an manchen Stellen so klar ist, besteht aber die Gefahr, allmählich Richtung Bubble-Stammtisch zu rutschen. Ohne jetzt konkrete Zitate im Kopf zu haben, ist das auch bei mir ein subjektiver Eindruck, dass das gelegentlich passiert und häufiger als früher. Früher betraf das eher Themen, die beiden Hosts nicht sehr nahe zu sein scheinen, oder in denen sie sich nicht so auskennen, zuletzt war das schon mal häufiger ein Gefühl nach der einen oder anderen Folge. Ich werde in den kommenden Folgen mal mehr danach Ausschau halten, dann kann ich das vielleicht präziser und konstruktiver erläutern (oder die Kritik auch zurücknehmen).
Nach den Anfangsjahren wo ich jede Folge gehört habe, fing das so Ende 2023 an, wo für mein Empfinde die Themen oft einen zu starken urbanen Drall hatten und ich die Lebensrealität der Menschen im ländlichen Bereich als nicht so relevant wahrgenommen habe.
Das mag von den beiden Host wahrscheinlich nicht mal bewusst so ausgerichtet gewesen sein, hat aber mein Interesse an dem Podcast selbst geschwächt.
Im Forum war ich eigentlich immer, wenn auch viel nur zum mitlesen wegen der Pro & Contras vieler aktueller Themen.
Unklar in ihrer Ansprache fand ich beide nie, eher gewillt für eine offene Diskussionskultur das Meinungsspektrum nicht zu stark einzuengen.
Mit der Politik der aktuellen Regierung finde ich die noch deutlicher und direktere und Einordnung dir richtig Reaktion.
Wenn man sich die Rede von Harald Lesch in München anhört (ab 3:49), kann man sich ausmalen was da gerade voran getrieben wird und wie notwendig das ist, was die LdN liefert.
Das ist ja nach meinem Verständnis gar nicht der Kritikpunkt. Es geht vielmehr darum, dass dem Prinzip
genug Raum eingeräumt wird und dass die einzelnen Segmente klar von einander getrennt bleiben.
Ich konnte beispielsweise mit der Lage zur Israel Deklaration von Antisemitismus wenig anfangen. Das lag nicht daran, dass ich die Einordnung falsch oder unangemessen fand. Ich bin da schon auf der Seite der Hosts. Nur fand die Darstellung der Gegenposition praktisch nicht statt. Und das hat einfach dazu geführt, dass ich mich schlecht informiert gefühlt habe. Allein, weil die Beweggründe der Abgeordneten für ihre Entscheidung für mich weitgehend im Dunkeln blieben und ich mir kein eigenes Bild machen konnte.
Mir ist der neue Tonfall auch aufgefallen, und ich glaube, es geht den beiden wie vielen von uns, denen der neue Kurs der Merz-Regierung einen bitteren Nachgeschmack hinterlässt. Ich bin mir aber sicher, die Hosts finden bald wieder zurück zu mehr Sachlichkeit und goldener Mitte. Sie sind schließlich nicht bekannt dafür, das gute alte Hufeisen allzu sehr zu strapazieren.
Was ich dagegen sehr wohltuend fand, sind die Lagen gewesen, bei denen ein Gastmoderator/in mit am Start war. Man spürte dann wieder mehr den früheren “Wind”.
Ich habe früher die Lage gehört, weil es ein Nachrichtenpodcast war. Mittlerweile ist es gefühlt immer mehr ein Meinungspodcast. Was ja okay ist, ich skippe nun nur teils komplette Themen, bei denen ich von vornherein weiß das ich mit der Meinung der Hosts nicht übereinstimme. Dank Kapitelmarken ist das ja kein Problem.
Dinge wahrnehmen, sich fragen was der andere gemeint haben könnte, im Zweifel noch mal nachfragen. Situation einordnen, sich ein Urteil bilden und dem gegenüber Argumente vorschlagen, die den eigenen Standpunkt begründen. Vernünftig auf Augenhöhe kommunizieren und Diskurs zulassen.
In der Welt der Erwachsenen hat das handeln eine Konsequenz zur Folge. Und entweder man handelt so, dass einem die Konsequenzen recht sind oder man sollte sich im Nachhinein nicht darüber aufregen, dass ein anderes Ergebnis eintritt als erwartet. In den Fall sollte man sich hinterfragen und reflektieren.
Ich finde ihr drückt das wirklich gut aus, ich empfinde das (leider) ähnlich.
Ich hatte mal den Gedanken, dass das vielleicht durch den Wechsel vom “gelernten Beruf" zum reinen Fokussieren auf die “Podcaster/Influencer Rolle” unbewusst zugenommen hat, schlicht weil die Exposition der „eigenen“ Bubble ggü. dadurch zwangsläufig einen höheren Anteil einnimmt. Aber ggf. ist es auch schlicht eine Frage der Wahrnehmung - sehr schwer zu sagen.
Mein Eindruck ist, dass die Themen „größer“ geworden sind. In meiner Erinnerung war die Lage früher sehr viel Innenpolitischer. Es wurde wöchentlich auf die Details von Gesetzen eingegangen, Details im Stromnetz erklärt, über die Situation der Bahn oder Gewerkschaften gesprochen, … . Und bei Auslandsthemen oft gute Interviewpartner.
Mit dem russischen Angriffskrieg, Trump 2, Gasa Krieg, … ist die Themenlage viel globaler geworden. Die große Stärke der Lage, das Herausarbeiten von Feinheiten in Gesetzen und Gesetzesvorhaben, bleibt da natürlich etwas auf der Strecke.
Stimme ebenfalls zu. Manchmal greife ich mittlerweile bei gewissen Themen zu anderen Podcasts, die auf Darstellung, Analyse und Einordnung fokussieren und weniger absolut in die Bewertung gehen.
Finde ich schade, da ich die Lage nach wie vor außerordentlich schätze.
Vielen Dank für die engagierte Diskussion. Ich glaube ehrlich gesagt nicht, dass wir unter dem Strich weniger Fakten liefern - selbst wenn man völlig anderer Meinung ist als wir, kann man bei uns nach wie vor die wesentlichen Fakten zu den politischen Themen der Woche hören. Was ich für plausibel halte, ist die Wahrnehmung, dass wir mehr bewerten und einordnen und diese Teile nicht immer schematisch trennen. Ich bin mir aber wirklich nicht sicher, ob das ein Nachteil ist.
Nach meiner Wahrnehmung - und das deckt sich mit zahllosen Stimmen, die wir in den letzten Jahren als Feedback bekommen haben - ist der zentrale Mehrwert der Lage, den Menschen in einer zunehmend unübersichtlichen Welt Orientierung zu geben. Natürlich sind die Fakten dazu die Basis, aber ich sehe unsere Aufgabe vor allem darin, ein Narrativ zu entwickeln, wie diese Fakten zusammenhängen und was man daraus lernen kann. An diesem Narrativ kann man sich dann ja abarbeiten: Nur weil wir natürlich von unserer Meinung überzeugt sind, heißt das ja nicht, dass auch alle andere diese Meinung teilen müssen.
Interessant finde ich den vereinzelt erhobenen Vorwurf der Überheblichkeit: Ich finde es nicht überheblich, eine Meinung zu haben und sie auch für die überzeugendste zu halten. Zutreffend ist allerdings, dass es zunehmend illegitime Positionen im politischen Diskurs gibt, und denen gegenüber formuliere ich sicherlich scharf und nicht immer journalistisch „neutral“. Das allerdings ist mein persönlicher Beitrag zu einer wehrhaften Demokratie: undemokratische oder rechtsstaatsfeindliche Positionen auch als solche zu bezeichnen. Leider gibt es rechtsstaatsfeindliche Positionen zunehmend auch in der Union (beim Thema Zurückweisungen zB, aber auch beim fortgesetzten Bruch des Klimaschutzgesetzes), was mir große Sorgen macht. Die Lösung kann aber doch nicht sein, so zu tun, als sei das völlig in Ordnung.
Insofern wäre meine Replik auf den Vorwurf von zu viel Meinung oder gar Überheblichkeit: Wir sind einfach als Journalisten mit immer mehr Absurditäten konfrontiert, die aus meiner Sicht nach einer scharfen Einordnung verlangen, weil schein-objektives, unterkühltes einerseits/andererseits letztlich eine Form von False Balance wäre. Es ist eben nicht egal, ob politische Positionen legal oder illegal sind. Und angesichts der galoppierenden Klimakatastrophe fällt es auch schwer, über den offenen Rückbau von Klimaschutz einfach nur staubtrocken zu berichten als ginge es um die Lottozahlen.