Tesla - wirklich subventionswürdig?

Der Vergleich zum Rohöl-Tanken kommt vielleicht hin, das mit dem Wasser-Tanken ist offensichtlich Nonsens. Außer Sie beziehen sich auf ein Auto mit Kernfusionsantrieb, bei dem das Wasser wirklich der Brennstoff wäre.

Ich muss eingestehen, dass dieser Thread, der sich ausschließlich um PKWs dreht, definitiv der falsche Rahmen für meinen Beitrag war. Verschlimmert habe ich das ganze dann auch noch dadurch, dass ich der Vollständigkeit halber aber unnötigerweise auch die Tankstellen aufgelistet habe.
Meine Einschätzung bzgl. E-Mobilität habe ich bereits in meinen beiden Beiträgen unterstrichen. Zur Sicherheit nochmal: Ich bin davon überzeugt, dass nahezu der gesamte Landverkehr (und ggf. auch der Wasserverkehr) elektrifiziert sein wird – angetrieben entweder über eine direkte Netzanbindung oder über Batterien. Nichtsdestotrotz verfolge ich mit Interesse, dass Siemens weitere Wege erkundet und dafür in die Entwicklung von LOHC-betriebene Züge investiert.

Mein eigentlicher Punkt pro LOHC zielte darauf, dass wir in der zukünftigen Energieversorgung neben dem Primat des Stromnetzes eben auch Energiespeicher brauchen. Als brauchbare Optionen stehen hier bisher grüner Wasserstoff und grünes Methan zur Debatte. Wasserstoff ist schwer handzuhaben und Methan hat einen deutlich schlechteren Wirkungsgrad. LOHCs könnten hier der Kompromiss sein, sofern ihr Wirkungrad besser als der von Methan ist. Und falls wir beschließen diese Energieträger aus sonnenverwöhnten Gebieten zu importieren (da dort die PV-Gestehungskosten eine halbe bis ganze Größenordnung niedriger als in Deutschland wären), dann spielt auch die Transportabilität des Energieträgers eine wichtige Rolle. Einen Tanker mit LOHC zu befüllen ist eben deutlich leichter umzusetzen als eine Befüllung mit Wasserstoff oder gar als ein interkontinentales Stromnetz à la Desertec.

Kennst du neben deinem Vorschlag für den Transport mit dem Tanker noch einen anderen sinnvollen Use-Case? Was ich so gefunden habe, liegt die Energiedichte bei ca. 10% im Vergleich zum Diesel. Da würde also jeglicher Transport eh wegfallen, genauso wie das Thema mit der Bahn. Aber vielleicht gibt es da ja neuere Daten.
Und noch eine Frage zum Wirkungsgrad von Methan. Warum soll der denn „schlecht „ sein? Bei der Methanisierung kann wenigstens noch CO2 eingesetzt werden welches vorher abgeschieden wurde.

Der Gesamtwirkungsgrad eines Strom-Methan-Strom Speichers wird bei etwas über 30% verortet. Zum aktuellen bzw. prognostizierten Wirkungsgrad via LOHC kann ich nichts Belastbares sagen, da die aktuelle Forschungspapiere leider hinter Paywalls stecken (anscheinend ist hier @Lukas näher an der aktuellen Forschung dran?). Es ist aber naheliegend, dass er nach der Lernkurve höher liegen wird als bei der Methanisierung, da (a) hier wegen der schwächeren chemischen Bindungen (vermeintlich?) weniger Energie bei der Synthese verloren geht und (b) der Wirkungsgrad einer Brennstoffzelle höher ist als der einer Gasturbine.

PS: Hier ein EU Bericht, der u.a. die verschiedenen Forschungsprojekte zu LOHCs aufgreift.

Mal eine Frage an die Tesla-Kenner: Baut Tesla in irgendeiner seiner Fabriken bereits selbst Akkus in Serienproduktion die man also heute in ihren Fahrzeugen kaufen kann? Bitte am besten mit Quelle. :slight_smile:

In Grünheide ist jedenfalls die Produktion geplant und ich glaube auch in den USA.
Für 2022 wäre jedenfalls eine gigantisches Zuliefervolumen geplant (laut Tesla Podcast)

Nanu, was ist den da passiert:
Batterieförderung: Tesla verzichtet auf staatliche Förderung

Aber sie wollen trotzdem an dem Aufbau der Batterie-Fertigung festhalten. Sehr spannend.

Gibt auch noch mehr Interessantes von Tesla:

Anscheinend verzichtet Tesla auf die Beantragung der staatlichen Förderung:

https://www.zeit.de/mobilitaet/2021-11/tesla-gigafactory-verzicht-staatliche-foerderung

Beim Überfliegen der Förderkriterien des IPCEI Batteries kann ich schon verstehen, warum man nicht unbedingt diese Förderung haben möchte:
Wenn man viele (günstigere) Materialien von ausserhalb der EU einsetzen möchte, wenig R&D am europäischen Standort plant sowie wenig Interesse an Transparenz gegenüber mit weiten Durchsuchungsbefugnissen ausgestatteten bürokratischen Organen hat.
Ist natürlich ein wenig spekulativ was die Gründe bei Tesla genau waren. Aber wer möglichst autark wirtschaften will, für den empfinde ich die Förderung doch als zu invasiv formuliert.

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Da magst du vielleicht recht haben, aber wieso fällt das Tesla erst jetzt auf?

Als Vergleich, jeder Uni-Professor, der irgendwo (DFG*, Bund, EU) Fördermittel beantragt, muss sich vorher die Vergaberichtlinien bzw. die Ausschreibungstexte genau ansehen und sein Forschungsvorhaben präzise darauf ausrichten, also Umfang, Personal, Partnerunternehmen usw…
Da fällt es mir schwer zu glauben, dass die riesige Firma Tesla so etwas einfach übersieht.

*DFG = Deutsche Forschungsgesellschaft

Die Financial Times hat eine gute Erklärung:

The EU requires any sites in receipt of the funds to be the “first industrial deployment” of the technology, according to official documents, meaning the batteries cannot already be made at another Tesla plant.

But legal challenges to the construction of the plant, which will produce cars first before making batteries, have delayed its opening by several months. That means the company, whose valuation hit $1tn earlier this year, is likely to begin producing the same batteries elsewhere sooner.

Sprich, man will nicht auf die Fertigstellung von Grünheide warten bevor man die Batteriezellen einsetzt. Somit ist die protektionistisch formulierte EU-Förderung für Tesla nichts - und zwar weil das Tesla Werk in Grünheide nicht schnell genug fertig wurde. Das wusste Tesla zum Zeitpunkt der Einreichung der ursprünglichen Förderungsanträge aber nicht und fällt entsprechend „erst jetzt“ auf.

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Du hast wohl Recht, was den Bauverzug angeht und auch die die Wirkung. Aber das IPCEI ist halt, wie die FT schreibt, ein Innovations-Förderungsprogramm. Das schreibt auch das BMWi (Quelle):

Das Vorhaben muss von bedeutender, innovativer Natur sein oder einen wichtigen innovativen Mehrwert unter Berücksichtigung des Stands der Technik in dem betreffenden Sektor darstellen.

Und es scheint bei der Sache um einen neuen, von Tesla entwickelten Batterietyp 4680 (Quelle) zu gehen. Tesla wollte sich mit der Förderung also die Serieneinführung dieser Batterietypen finanzieren lassen.

Und durch die Bauverzögerungen in Berlin müssen sie diese Batterien nun zu erst in einem anderen Werk einsetzen. Das Tesla das kann, zeigt in gewisser Weise aber auch, dass sie auf die Förderung nicht angewiesen waren, sonst hätten sie die Einführung der Batterien wahscheinlich nicht selbst stemmen können. Insofern ist es wohl auch kein großer Verlust für Tesla und die Fördergelder stehen nun für andere, möglicherweise kleinere Unternhemen bereit.

Und nur um das klar zu sagen, Tesla ist bei Weitem nicht die einzige Firma, die sich über öffentliche Fördergelder Entwicklungen nachträglich finanzieren lässt, die sie eigentlich auch selbst bezahlen können und würden, gäbe es die Förderungen nicht. Ganz im Gegenteil, als AG ist man sogar gezwungen, alles an Geld mitzunehmen, was irgendwie geht.

Ich möchte hier noch einmal eine nüchterne Sicht auf das Thema Tesla anbieten. Ganz unabhängig davon, wie Musk einzuschätzen ist. Das hier betrifft den Energiemarkt und wovon uns die „Musk-Debatte“ ablenkt :+1: