Ich würde dir dringend raten dich mehr zum Thema zu belesen als hier so steile Aussagen zu platzieren.
„Wasserstoffautos“ sind nämlich ebenfalls „Elektroautos“, das sagt schon der Name. Daher bitte eher an den korrekten Bezeichnungen orientieren, die da lauten:
- Batterieelektrisches Fahrzeug (Battery Electric Vehicle - BEV)
- Brennstoffzellenelektrisches Fahrzeug (Fuel Cell Electric Vehicle - FCEV)
Außerdem haben FCEVs natürlich ebenfalls Elektromotoren mit ggf. Neodym und natürlich auch Hochvoltbatterien verbaut, sonst könnten die Fahrzeuge gar nicht fahren oder überhaupt starten.
Während Batterieelektroautos mittlerweile Cobaltfreie Akkus haben (also einige Modelle von Telsa, andere bisher nicht), ist man da bei FCEVs noch nicht so weit.
Wasserstoff-Verbrennungsmotoren sind übrigens im Bereich Power-to-Liquid-Systemen anzuordnen, weil die Verbrennung von H2 genau so ineffizient ist wie bei anderen Brennstoffen auch. Wenn schon H2, dann Brennstoffzellenelektrisch.
Energetisch ist Wasserstoff in der Mobilität totaler Quatsch. Um mal darzustellen wie viel Energie allein in der Prozesskette verloren geht folgende Darstellung:
Erkennbar ist, dass es mit H2 mehr als doppelt so viel Energie bedarf, um die gleiche Mobilitätsleistung zu vollbringen wie mit direkter Elektrifizierung durch Batterien.
Das alles basiert schon auf der Annahme, dass wir überhaupt genug Ökostrom hätten, um alles CO2 neutral herzustellen, was nicht der Fall ist. Heißt im Klartext, dass Wasserstoff aus Erdgas gewonnen wird und dabei CO2 entsteht. Stand heute ist H2 im Auto ungefähr gleich schmutzig wie Diesel fahren.
Um auch den nächsten Irrtum direkt auszuräumen: Man kann H2 natürlich auch in der Wüste herstellen weil da mehr Sonne scheint. Den Vorteil verliert man dann aber direkt wieder, wenn man es mit dem Schiff oder per Pipeline transportieren muss.
Dazu kommt, dass es eben nicht nur einen Elektrolyseur an jedem Windrad braucht, um den Wasserstoff herzustellen und abends nen Tank abzuholen, sondern eben auch extrem aufwändige Infrastruktur zum Verdichten und umtanken/transportieren.
So sieht eine Wasserstoff-Tankstelle aus:
Diese Infrastruktur bräuchte es dann an jedem Windrad und in kleinerem Maßstab auch jeder zuhause zusätzlich zum Elektrolyseur. Hier wird nur H2 verdichtet um es dann Tanken zu können, mehr passiert hier nicht. Diese Anlage kostet übrigens 2 Millionen Euro und kann 40 Autos oder 4 Busse pro Tag betanken. Mehr schafft der Verdichter nicht.
Nennt mich Pessimist, aber es ist eher unrealistisch, dass jeder sowas bald zuhause hat. Warum auch, wenn man auch einfach einen Stecker ins Auto stecken kann und das einzige erforderliche Bauteil eine Sicherung im Sicherungskasten und eine 500€ Wallbox ist.
Zusätzlich bräuchte man zuhause dann auch das dreifache an Solarfläche auf dem Dach, Wirkungsgrad ist ja geringer. Und man hat permanent einen lauten Verdichter im Garten stehen.
Und weil Wasser ja ohnehin ein wichtiges Thema in diesem Thread ist: Wasser in bester Trinkwasserqualität braucht man für grünen Wasserstoff natürlich auch. Haben Windräder eigentlich Wasseranschlüsse? Oder muss da jeden Tag ein Tanker kommen und Wasser vorbeibringen?
Die Rechnung geht nicht auf und wird auch in Zukunft nicht aufgehen. Allein durch den Wirkungsgrad wird H2 im Auto immer mindestens doppelt so teuer sein wie batterieelektrische Mobilität.
Heutige Wasserstoffpreise sind keine Marktpreise. Die 10€/kg sind subventioniert und Steuerbefreit, während Strom selbst extrem besteuert ist. Ein realistischer Marktpreis für H2 liegt heute mit Infrastrukturabschreibung bei ca. 25-35€/kg, das entspricht dann 25-50€/100km Fahrstrecke.
Wir werden Wasserstoff brauchen. Industrie, saisonale Speicher, Luft- und Schifffahrt sind darauf angewiesen, weil es da stand heute keine bessere Lösung gibt. Da müssen wir die höheren Verluste in Kauf nehmen, weil andere taugliche Verfahren noch mehr Verluste haben.
Auf dem Land gibt es eine bessere Lösung, nämlich Batterieelektroautos. Das gilt für Autos, aber auch LKW und NFZ im Allgemeinen. Übrig bleiben einige wenige „Spezialfahrzeuge“, die man ja auch anders betreiben kann.