Du bestreitest also, dass es die von @DasgrosseA genannten psychologischen Gründe gibt, aus denen Terrorismus schwerwiegender beurteilt wird als andere Lebensgefahren? Also du bestreitest, dass es hier Verzerrungen in der Wahrnehmung gibt?
Das Leben ist nun einmal komparativ. Wenn wir bestimmen wollen, wie groß eine Gefahr im alltäglichen Leben ist, müssen wir dies anhand von Fakten tun, nicht anhand von „gefühlten Bedrohungen“. Wenn die objektive, messbare Bedrohung durch Sachverhalt 1 signifikant höher ist als durch Sachverhalt 2, aber dennoch die Wahrnehmung ist, dass man ständig mit Angst vor Sachverhalt 2 durch’s Leben geht, während man Sachverhalt 1 ignoriert, ist das per Definition eine Fehlwahrnehmung. Das kannst du gerne bestreiten, aber das ist m.E. ein unumstößlicher Fakt.
Und niemand hier sagt, dass man „das Problem ignorieren“ sollte, das ist deine falsche Interpretation. Wir sollten das Problem mit angemessenen Mitteln, die so wenig Kollateralschäden wie möglich erzeugen, angehen. Die Gegenseite in der Diskussion will das Problem hingegen mit maximalen Mitteln angehen und nimmt dabei beliebige Kollateralschäden (im Hinblick auf die Freiheit der Migranten und Muslime) in Kauf, weil es sie selbst ja nicht trifft (sie sind halt keine Migranten oder Muslime). Und das macht es für mich zu einem im Kern rassistischen Diskurs.
Wenn Fakten ignoriert werden, ja, dann muss man das auch so benennen. Wenn unverhältnismäßige, diskriminierende politische Maßnahmen daher nicht auf Grundlage messbarer Bedrohungen, sondern rein auf Grundlage der gefühlten Bedrohung gefordert werden, muss man das entweder als Rassismus oder - wohlwollend interpretiert - als mangelnde Bildung oder Aufklärung benennen. Such dir aus, welcher Schuh dir besser passt.
Ich bin bei kontroversen Themen durchaus bereit, eine gut argumentierte Gegenmeinung als gleichwertig zu akzeptieren, aber eben nicht, wenn an den Fakten vorbei rein emotional argumentiert wird. In diesem Fall sind die Fakten meines Erachtens sehr deutlich, eben weil wir unzählige psychologische Studien haben, die gut begründen können, warum wir bestimmte Gefahren stärker wahrnehmen als andere. Wer dennoch darauf beharrt, dass die wahrgenommene Gefahr Maßstab politischer Maßnahmen sein sollte, dem werde ich widersprechen.
Was übrigens einem „Agree to Disagree“ nicht entgegen steht. Was bedeutet „Agree to Disagree“ für dich eigentlich, wenn nicht gerade, dass man die Position der Gegenseite vollständig ablehnt und keinen Weg sieht, einen Kompromiss zu finden?!? An dieser Position sind wir hier. „Agree to Disagree“ setzt nicht voraus, dass man die Argumentation der Gegenseite als gleichwertig oder überhaupt schlüssig akzeptiert, sondern kommt im Gegenteil eigentlich nur zur Anwendung, wenn es unüberbrückbare Differenzen gibt…
Das ist zu erwarten, wenn ich als Linker mir durchlese, was Konservative in manchen Foren diskutieren, finde ich das auch alles andere als überzeugend.
Und jetzt willst du mir wohl noch erklären, dass Konservative nicht auch denken würden, dass „die Linken es einfach nicht verstehen“… Menschen vertreten Meinungen öffentlich, weil sie davon überzeugt sind, dass diese Meinungen richtig sind. Das gilt für Linke, Konservative, Nazis, Islamisten und alle anderen auch… die Reaktion, anderen die eigene Meinung besser erklären zu müssen, ist noch der humanistischste Weg, mit dieser Situation umzugehen.