Staatsschulden und Generationenbelastung

Liebes Lage-Team,

zunächst vielen Dank für eure herausragende Arbeit!
Bei der aktuellen Folge (271) ist mir jedoch ein „Fehler“ aufgefallen, den ich bei euch schon wiederholt gehört habe.

Im Kontext des Themas Nachtragshaushalt sprecht ihr über Staatsschulden und die neoliberale Ansicht, dass Staatsschulden (im Zusammenhang mit Klimaschutzinvestitionen) künftige Generationen belasten. Euer Argument ist, dass das falsch sei, da man ja die realen Kosten künftiger Klimakatastrophen ebenfalls in die Rechnung einbeziehen müsse.

So weit, so gut. Allerdings suggeriert ihr damit, dass die grundsätzliche Ansicht, dass künftige Generationen durch Staatsschulden finanziell belastet werden, richtig sei.

Das ist jedoch ökonomischer Nonsens, der leider viel zu sehr verbreitet ist und insbesondere von Wirtschaftsliberalen als Argument für eine schwarze Null genutzt wird. Die Schuldenlast ist für die junge Generation als Ganzes kein Problem. Denn sie erbt nicht nur die Schulden des Staates, sondern auch die Forderungen an ihn.

Der Staat verschuldet sich bei seinen Bürgern durch Staatsanleihen. Die Schulden des Staates sind also die Vermögen der Haushalte und Unternehmen. Beides wird vererbt, nicht nur die Schulden. Staatsschulden sind also keine Verteilungsfrage zwischen Generationen sondern nur eine Frage der Verteilung innerhalb der Generation.

Die ausführliche Darstellung (insbesondere auch für den „Sonderfall“, dass die Gläubiger im Ausland sitzen):
https://www.zeit.de/wirtschaft/2020-06/staatsverschuldung-konjunkturpaket-junge-generation-belastung

Es würde mich freuen, wenn ihr das bei Gelegenheit aufgreift und diesen Mythos etwas entzaubert.

Das finde ich einen interessanten Punkt - daher bin ich gespannt, was Menschen mit ökonomischem Sachverstand zu diesem Einwand meinen!

Ich würde mich besonders über Beiträge mit Quellen freuen, die über „ich denke“ hinausgehen.

Da sind ein paar nicht hundertprozentig richtige Ding drin:
Die vererbten Forderungen sind ja nur solange ein Asset, solang der Schuldner die Schulden begleichen kann. Die Target2-Forderungen Deutschlands sind also nur solange dem Vermögen Deutschlands zuzurechnen, wie seriöserweise davon ausgegangen werden kann, dass die Schuldnerstaaten jemals die Forderungen begleichen können. Aktuell werden die Forderungen zu 100% als Vermögen gerechnet. Bei steigenden Zinsen sind wir uns aber doch eigentlich alle einig, dass Italien, Spanien und Co nicht einmal mehr die Zinsen zahlen könnten ohne einen Staatsbankrott hinzulegen.
Auch verschuldet sich der Staat ja nicht bei seinen Bürgern durch Staatsanleihen, sondern bei den Käufern der Staatsanleihen - also über den Sekundärmarkt hauptsächlich die EZB. Staatsanleihen werden aufgrund der geringen Erträge wenig von Bürgern nachgefragt. Die EZB darf keine direkte Staatsfinanzierung betreiben, also betreibt sie indirekte.

Grundsätzlich hast du aber Recht - es werden sowohl Vermögen als auch Schulden vererbt. Problematisch sind die neuen Schulden nur, wenn sie statt für Investitionen für Konsum eingesetzt werden - wovon leider auszugehen ist.

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Es hängt sehr stark davon ab, in welchem geistigen Rahmen man an diese Frage herangeht.

Wir könnten ja auch in die Verfassung schreiben, dass bei Überschreiten einer gewissen Schuldenschwelle nun jeden Tag ein paar Jungfrauen geopfert werden müssen, um den Gott des Mammon zu beschwichtigen. Weil sonst fällt uns die Welt auf den Kopf. In diesem Fall wäre schwer dagegen zu argumentieren, dass jede weitere Verschuldung die kommenden Generationen (zumindest ein paar Jungfrauen unter ihnen) belasten werden. Ganz so arg treibt es die Schuldenbremse zwar nicht, aber auch sie fordert, dass die in Ausnahmesituation zulässige Neuverschuldung in den kommenden Jahren wieder abgetragen wird. Sprich: die Verschuldung von heute bedingt das Sparprogramm von Morgen (sofern man nicht einen Weg um die Buchstaben des Gesetzes herum findet).

Einfach Wegwischen kann man solche Argumente also nicht. Stattdessen müsste man darauf hinweisen, dass die „Theorie“ hinter der Schuldenbremse nicht fundierter ist als die Vorstellungen der Azteken bezüglich des Nexus zwischen Menschenopfern und dem Wohlwollen der Götter.

MMT

Einen Teil der Antwort hast Du schon von @lib bekommen.

Mit der Modern Monetary Theorie (MMT) bekommt man nochmal eine ganz andere Blickrichtung auf das Thema Staatsverschuldung. Ich bin auf die MMT durch einige Teilnehmer hier im Forum aufmerksam geworden und habe mich als studierter Volkswirt (der allerdings seit dem Diplom nicht mehr in den Fach gearbeitet hat) lange gegen die Aussagen und Schlussfolgerungen der MMT gestreut. Dann habe ich mich doch mal an die Originalliteratur gemacht (Deficit Myth von Stephanie Kelton). Ich bin zwar noch nicht ganz durch, muss aber sagen: Ich habe bislang „den Fehler“ nicht finden können!

Wesentliche Aussage der MMT ist: Staatsverschuldung ist nicht schlecht per se, wie es die meisten Ökonomen seit Jahr und Tag behaupten.

  1. Seit dem Ende des Goldstandards und des Systems fester Wechselkurse (Bretton Woods) können Staaten, die die Souveränität über ihre eigene Währung haben (was für alle EURO-Staaten nicht gilt!), ihre Staatsschulden jederzeit tilgen.
  2. Besser noch: Staaten, die Souveränität über ihre eigene Währung haben, müssen, um ihre Ausgaben zu finanzieren, überhaupt keine Schulden aufnehmen.
  3. Das liegt daran, dass Staaten, die Souveränität über ihre eigene Währung haben, Geld (sog. Fiat Geld) schöpfen können.
  4. Zwar auf keinen Fall beliebig viel. Denn sobald die durch die staatlichen Ausgaben induzierte private und Unternehmensnachfrage auf ausgelastete Kapazitäten trifft, steigen die Preise, d.h. Inflation entwertet nicht nur das Geld, sondern auch das Vermögen von Konsumenten und Unternehmen. Und Inflation - darin stimmen auch die MMT-Protagonisten zu - ist sehr schädlich.
  5. In den Augen der MMT dienen also Staatsanleihen gar nicht der Finanzierung der von Staatsausgaben, sondern sie dienen der Steuerung des Zinssatzes.
  6. Und Steuern dienen ebensowenig der Finanzierung der von Staatsausgaben, sondern sie dienen der Steuerung der Einkommens- und Vermögensverteilung (Umverteilung).
  7. Staatsausgaben, die durch Geldschöpfung finanziert werden, erzeugen also kein Defizit, sondern sorgen für einen Überschuss bei den Unternehmen oder Konsumenten, an die die Staatsausgaben gehen.
  8. Dabei ist die MMT ist nicht etwa eine noch zu beweisende „Theorie“ (auch wenn sie sich Theorie nennt), sondern eine „buchhalterische Beschreibung“ der Realität. Das ist wohl auch der Grund, warum ich auch noch keine umfassend negative Kritik von ernstzunehmenden Ökonomen an der MMT habe finden können (wohl aber an den Implikationen der MMT)

Diese Erkenntnis gäbe der Fiskalpolitik die Möglichkeit, alle Ausgaben, die eine Gesellschaft für wünschenswert hält, zu tätigen - solange die Ressourcen nicht ausgelastet sind.

Wenn das so stimmen sollte, dann gibt es überhaupt keine Rechtfertigung für die heutige Schuldenbremse. Vielmehr müsste es eine Ausgabenbremse im Hinblick auf die Auslastung der Ressourcen geben.

Dieser Punkt ist übrigens einer der wesentlichen Knackpunkte an den Implikationen der MMT:
(a) Kann der Staat überhaupt vorhersagen und feststellen, ob bzw. wann die Kapazitäten ausgelastet sind? Ich fürchte: Nein!
(b) Will sich die Politik überhaupt von solchen Sachargumenten „Auslastung der Kapazitäten“ bzw. „Inflation“ fesseln lassen? Ich meine: Dazu müsste man ähnliche institutionelle Regulierung einführen wie eine unabhängige Zentralbank.

Natürlich habe ich hier die MMT nicht vollumfänglich darstellen können.

Was das für die Euro-Staaten bedeutet, die ja keine Souveränität über ihre Währung haben, weiß ich noch nicht.

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exakt die Schulden müssen für nachhaltige Investments eingesetzt werden ansonsten kann ich mir auch vorstellen das die Generation 2150 uns echt alles an den Hals wünscht, sie werden aber sicher Geldschulden als die Umweltschäden haben wollen…

Die Target 2 Salden sind ja nur Rechenpositionen.
Aber Achtung Hans Werner (UN) Sinn versuchte da auch schon mächtig Verwirrung zu stiften und Ängste zu schüren…

Was auch immer übersehen wird ist wie überhaupt ein Wert des Geldes entsteht und wie der Wert halbwegs existent bleibt…

Ich kann da viele Podcasts von:

Wohlstand für Alle

empfehlen die Erklären diese Mythen sehr gut

ausserdem guckt mal bei YT nach einem kurzgesagt Video ‚egoistischer Altruismus‘

Vielleicht kann ein aktueller Wirtschaftsweiser nachhelfen :wink:

In Kapitel 3.3. heißt es:

„Streng genommen wird zwischen den Generationen schließlich nicht
nur die negative Vermögensposition der Staatsverschuldung vererbt, sondern auch die positive
Vermögensposition der Staatschuldtitel. Solange diese Titel von Inländern gehalten werden,
zahlen eigentlich die nächsten Generationen die Zinsen auf die Staatsschuld an sich selbst. So-
fern es nicht zu Wachstumsverlusten aufgrund der Staatsverschuldung kommt, mutiert das sonst
im Fokus stehende inter-generationelle Verteilungsproblem zu einem intra-generationellen Verteilungsproblem zwischen solchen Haushalten, die Staatsanleihen halten, und solchen, die dies
nicht tun“

  1. Richtig, die EZB kann ebenfalls die Staatsanleihen halten. Hier ist der Zusammenhang aber noch viel offensichtlicher. Die Zins-und Tilgungsleistungen der deutschen Staatsschulden werden dann an die EZB (als Inhaber der Staatsanleihe) gezahlt. Und an wen zahlt die EZB ihre Erträge aus? An ihre Anteilseigner, die Euro-Staaten. Der deutsche Staat verschuldet sich also bei sich selbst (abgesehen von der Unschärfe, dass er natürlich nicht alleiniger Anteilseigner der EZB ist, das Gedankenspiel ist bei einer nationalen Bundesbank klarer). Daraus kann also auch keine Umverteilung zwischen den Generationen erklärt werden.

  2. Dass die Forderungen werthaltig sein müssen, ist für die aufgeworfene Thematik auch nicht relevant. Für den Fall, dass die Forderung nicht werthaltig sind, passiert folgendes: Schuldtitel wird nichtig (weil nicht zurückzuzahlen), Forderung wird zum exakt gleichen Zeitpunkt abgeschrieben (weil nicht zurückzuzahlen). In der Generation vermindert sich also Forderung und Verbindlichkeit gleichermaßen, es besteht ebenfalls keine Umverteilung zwischen Generationen.

  3. Diese Zusammenhänge gelten nicht nur für investive Staatsausgaben, sondern auch für konsumtive. Das ist Saldenmechanik und eigentlich einfachste buchhalterische Zusammenhänge, unabhängig vom politischen Ziel der Staatsausgabe.

Zum Nachhören: Modern Monetary Theory (Rebroadcast Episode 866 Planet Money)

Die Eurozone verdeutlicht einen Aspekte, die für den Diskurs der USA, von wo die MMT-Debatte zu uns überschwappt, keine große Rolle spielen: die fehlende Indentität von politischem, volkswirtschaftlichem und währungspolitischem Organisationsrahmen.

Die USA sind zusammen mit ihren Anhängseln Kanada und Mexiko ein kontinentaler Wirtschaftsraum, der eine halbwegs geschlossene Volkswirtschaft darstellt. Die Institutionen der USA kontrollieren de facto diesen Raum. Der Austausch mit und die Abhängigkeit vom Rest der Welt ist überschaubar. Die Annahme, dass es sowas wie einen nordamerikanischen Wirtschaftsraum gibt, der wesentlich durch das staatliche Handeln der USA beherrscht wird, ist gerechtfertigt.

Ganz anders sieht es bei dem Patchwork des europäischen Staaten- und Wirtschaftsraums aus. Es gibt z. B. keine abgrenzbare luxemburgische Volkswirtschaft. Selbst kleine Handwerker und Bäckereiketten arbeiten da grenzüberschreitend. Aber es gibt eine luxemburgische Regierung und ein Parlament, das jederzeit beschließen könnte, dass zukünftig jedem Luxemburger monatlich 15.000 Euro bedingungsloses Grundeinkommen ausgezahlt wird. Schuldenfinanziert. Da man nur ein kleines Fettauge ist, das im riesigen Meer der europäischen Wirtschaft schwimmt, braucht man sich um Inflation sowie um Arbeitsplatzeffekte aus Sicht Luxemburgs nicht zu Sorgen. Darauf hat man eh keinen Einfluss.

Das macht die MMT nicht falsch. Es zeigt aber, dass im Euroraum bestimmte Einrichtungen, die überlichterweise einfach vorausgesetzt werden, gar nicht existieren. Auch die MMTler schlagen nicht vor, dass z. B. in den USA ein einzelner Bundesstaat oder gar eine Kommune sich in der mit dem Rest des Landes geteilten Währung nach Gutdünken verschulden können soll.

Das ist nach meinem Verständnis ein zusätzlicher Aspekt zu dem Punkt, dass die Euro-Staaten, anders als z.B. die USA oder das Vereinigter Königreich, Staatsschulden nicht einfach durch „Eintippen der Tilgungssumme in eine Tastatur“ tilgen kann (wichtig: die Schulden werden getilgt, nicht gestrichen). Das Problem: Es fehlt ein fiskalischer Euro-Bundeshaushalt, der die Souveränität über die Währung hätte (als Geld schaffen kann) und über Staatsausgaben einen Mangel an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage ausgleiche könnte (und gleichzeitig Steuern erheben könnte, um Überliquidität abzuschöpfen = Inflation vermeiden könnte und und Staatsanleihen ausgeben (oder tilgen) könnte, um den Zins zu steuern).

Den Aspekt, den @Guenter hier aufbringt, ist die Frage nach der Auslastung der Ressourcen. In der Euro-Zone wäre das Limit der Ausgaben der einzelnen Staaten ja die gesamten Ressourcen (Personal, Kapital, Ideen, …) aller Euro-Staaten.

@Guenter: Kennst Du Literatur, die die besonderen Aspekte einer Währungsunion wie die Euro-Zone im Zusammenhang mit MMT beleuchtet., ohne in Sprache und Detailgrad zu wissenschaftlich zu werden?

Vielen Dank, @mburger, das war mal eine ganz toll auf den Punkt gebrachte Zusammenfassung einiger der Kernthesen der MMT.

Ich würde gern noch zwei Gedanken zum Ausgangspositionen machen:

Der Aspekt „ausländische Akteure die Bundesanleihen halten“ ist keinesfalls ein Sonderfall sondern eher der Normalfall. Ich hab jetzt auf die Schnelle keine aktuelle Zahl gefunden aber 2017 waren 44,6% der Gläubiger (aus) Drittländer (https://www.bundesbank.de/resource/blob/752108/9aac09dbac6033e1c3f8b40a51a4a9b2/mL/2018-07-anleihemarkt-data.pdf, Seite 21).
Hier argumentieren die Gastautoren der Zeit ja, dass das nicht relevant sei, weil deutsche Anleger:innen ausländische staatsanleihen in höherem Volumen halten würden. Da die Autoren da aber nicht beschreiben was das so an Volumen ist, ob es sich dabei tatsächlich um Privatanleger handelt und man da auf jeden Fall ne risikobetrachtung tätigen müsste fehlt hier in meinen Augen dem Argument etwas tiefe.

Der in meinen Augen entscheidende punkt ist aber: selbst wenn man das Argument für Autoren erstmal kauft (die Schulden des Staates in der Zukunft sind Schulden gegenüber der zukünftigen Generation weil die die Forderung erbt) dann ist es m.E. Wichtig, sich diese zukünftige Generation genauer anzuschauen: die erbt nämlich die Forderungen nicht gleichmäßig, sondern die Kinder von Vermögenden erben.
Da argumentieren die Autoren der Zeit, dass sei nicht schlimm, da die vermögenden auch den Großteil der Steuerlast tragen (d.h. die staatliche Schuldenlast ihnen gegenüber aus ihren Steuergeldern selbst begleichen). An dieser Stelle wird aber der Generationenkonflikt ( oder die generationenungerechtigkeit) offenbar. Mit diesem Argument setzen die Autoren die zukünftig vermögenden (hohe Steuerlast) mit den Kindern von vermögenden (geerbte Forderung) gleich. Das ist aber ja gerade ein großes gesellschaftspolitisches Problem, dass durch hohe Schuldenlast zementiert wird (vermögende die nicht geerbt haben zahlen die durch Schuldendienst erforderliche Steuerlast).

Dazu kommt dass ich den Satz „vermögende Zahlen den größten Teil des Steueraufkommens“ auch … eher simpel finde, ich hab auch hier kurz recherchiert und bin mir nichtmals sicher ob das für das gesamtsteueraufkommen so gilt, aber da man da in die hier im Forum oft geführte Diskussion wer ist vermögend? Kommt mache ich das Fass mal nicht auch noch auf :slight_smile:

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Ich glaube nicht, dass wissenschaftliche Literatur, egal auf welchem Level, hier weiterhilft. In der Eurozone geht es um politische Fragen, nicht in erster Linie darum, was sachlich richtig bzw. geboten wäre.

Die FT bringt die aktuelle Lage gut auf den Punkt: Subscribe to read | Financial Times

Momentan entscheidet die EZB (in stiller oder nicht so stiller Übereinkunft mit den wichtigsten europäischen Regierungen), wie weit die Nationalstaaten „die Druckerpresse“ für ihre Ausgabenvorhaben einspannen dürfen. Schöner, richtiger, besser wäre es, wenn das europäische Parlament (eventuell eingeschränkt auf die Euroländer) als gewählte Volksvertretung solche Entscheidungen träfe, aber es ist unrealistisch, dass die Nationalstaaten dieser offenen Entmündigung zustimmen. Stattdessen wird nun der Spielraum der Haushaltspolitik zwischen Frankfurt, Berlin und Paris ausgeknobelt. Ab und zu darf vielleicht auch noch jemand aus Rom etwas dazu sagen. Der Rest der Staaten ist auf dem Papier souverän, de facto aber an das gebunden, was an anderer Stelle beschlossen wird.

Dies kann solange gut gehen, wie an den entscheidenden Stellen verantwortungsvolle und halbwegs mit dem europäischen Projekt konform gehende Personen sitzen. Aber was, wenn in Frankreich oder Italien mal jemand anderes die Fäden zieht? Oder in Deutschland ein populistischer Dummkopf kein Geld mehr „nach Brüssel“ schicken will? Dann bricht das Gentlemen’s Agreement, auf dem nun die Währungsunion fußt, ganz schnell zusammen. Und es gibt keinen juristischen oder politischen Rahmen, um dies zu verhindern.

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Die Deutsche Bank hat diese Daten:

Da ist das von @TRq angesprochene MMT schon seit 2014 gelebte Praxis. Am Ende kauft immer die Bundesbank oder EZB. Ob das lange gut geht werden wir sehen - aber Japan reported das schon seit 2016 nicht mehr (vermutlich weil die Bank of Japan schon 90+% hält).

Da zeigt sich der Rückschritt der Konstruktion der EZB als unabhängiges Organ. Diese ist eher mit der unabhängigen Reichsbank als mit der abhängigen Bundesbank vergleichbar.

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ich Reise mal komplett losgelöst
,Von den Geldtheorien egal ob sie jetzt MMT oder Hufeisen oder Schwund Geld oder oder oder betreffen;

Fintiv In das Jahr 2150 und Ich unterhalte mich mit vielen Leuten auf allen Kontinenten

Ich stelle ihnen allen eine Frage:

Stören euch die Billionen Euro/Dollar/Yen an Schulden die wir euch hinterlassen haben oder Stören euch die Umweltverschmutzung und die unterlassenen Klimaschutzbemühungem mehr, auf die wir verzichtet haben weil uns ein paar Kapitalisten und Vwler unbedingt in die schwarze Null drücken mussten?!

Ich glaub Geldschulden (derren Wert sich ja anhand vieler Aspekte beurteilen lässt) ist nicht so schlimm wie keine Lebensgrundlagen mehr zu haben.

bei Wohlstandfueralle gibts auch eine super Folge wegen Zins Inflation usw da wird es super erklärt… einfach mal googeln

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Hallo lib,

Danke für die Antwort auf den ersten Teil meines Beitrages.
Mir ist nur nicht so ganz klar in welche Richtung du argumentieren möchtest.
Auch in deiner Grafik dominiert ja die blaue Kurve (ausländische Investitionen) und der Vergleich mit dem von mir gepusteten Dokument legt nahe das unter „central bank“ in deiner Grafik ecb und Bundesbank subsumiert sind, oder?

Ausländische Investitionen in der Grafik ist z.B. die EZB.
Die Grafik besagt doch, dass nur 10% der Staatsschulden von der Privatwirtschaft - also z.B. Banken, und Bürgern gehalten werden. Und diese sind die einzigen, denen der Preis von Staatsschulden wichtig ist.
Das heisst zu 90% sind die deutschen Schuldbriefe von Institutionen gehalten, denen es egal ist wie wenig Rendite sie abwerfen - sie kaufen diese auf jeden Fall.
Banken müssen z.B. seit Lehmann 2009 einen geringen Prozentsatz an solchen als sicher erachteten Bonds halten - das heisst auch diese kaufen relativ unabhängig vom Preis.

Somit wird der Zins niedrig gehalten und wir haben einen Preis der Staatsschulden, der auf keinen Fall das Risiko eines Defaults widerspiegelt.
Und das ist das wahre Problem. Die Staatsschuldenpapiere sehen aufgrund der geringen Rendite so aus, als ob sie sicher währen, es aber eigentlich nicht sind. Dabei sind Staatsschulden ja nur das Versprechen auf kommende Steuereinnahmen. Die Staatsschuldenpapiere dürfen nie wieder einen freien Markt sehen, weil sie dann eben einen fairen Preis bekämen.
Also gibt es im Grunde keinen Weg heraus aus der MMT - und allein dieser Umstand ist ein Problem für kommende Generationen:
Wenn ein Land bevölkerungsmäßig schrumpft (wie z.B. Deutschland bis 2100 auf ca. 60 Mio. Einwohner), wird die Verschuldung pro Kopf massiv. Das heisst die letzten frei verkäuflichen Staatsschuldenpapiere müssten einen noch höheren Risikoaufschlag bekommen und das Delta zwischen Marktpreis und real gezahltem Zins wird noch klarer - und ermöglicht Arbitragegeschäfte in einem Ausmaß wie es seit der Griechenlandkrise nicht gesehen wurde. Diese führen aber unweigerlich zu einer Ausweitung der Geldmenge und zu einer markt-induzierten und von der Zentralbank finanzierten Inflation. Dann wird Deutschland wie Japan - mit dem Unterschied dass die Zentralbank Japans aufgrund ihrer in den 70er-90er Jahren aufgehäuften Auslandsvermögen Geldwertstabilität signalisieren kann. Die EZB hat nur Europas Einwohner.
Es wird also unweigerlich dazu kommen, dass die EZB mit indirekter Staatsfinanzierung die Konsumausgaben ihrer Bürger finanziert. Der einzige Weg hier raus ist eine Investition in Investmentgüter und Bildung. Beides ist kulturell in Europa aber nicht mehrheitsfähig. Wie schnell die Eurozone sich selbst (monetär) zerlegt ist dann jetzt nur noch die Frage wie schnell die Geldmenge ausgeweitet wird - also wie viel Staatsschulden in dieser Generation angegangen wird. Die Hoffnung dass ein Teil der neuen Staatsschulden wirklich für Investitionen und nicht für Konsum ausgegeben wird teile ich nicht.

Du reihst da eine Fehlannahme an die nächste.

Allein schon der „faire“ Preis. Relativ zu was ist der Preis für Eurostaatsanleihen denn „unfair“? Gegenüber britischen, japanischen oder US-amerikanischen Staatsanleihen? Gegenüber des Preises für ein Mietobjekt in Berlin-Mitte? Gegenüber einer Beteiligung an einer südafrikanischen Goldmine?

Griechenland zahlt einen geringeren Zins als z.B. die USA - dabei hat Griechenland ja schon bewiesen dass es im Grunde zahlungsunfähig ist.
Aber auch die Ausfallwahrscheinlichkeit eines Staats im Verhältnis zu einer beliebigen kreditwürdigen Person die sich ein Mietobjekt in Berlin-Mitte kaufen möchte.
Beide „Sicherheiten“ sind fehlbepreist - das wird sich aber irgendwann auflösen.
Selbes Problem sind in den USA beispielsweise die Studienkredite - die die letzten zwei Jahre im Grunde nicht getilgt wurden (und schon dreimal aufgeschoben wurden). Die Studienkredite sind gebündelt als „credit-backed-securities“ dann an Rentenfonds verkauft worden. Klingt nach „mortgage-backed-securities 2.0“?. Sobald klar wird, dass die dahinterliegenden Sicherheiten im Wert falsch angenommen wurden, werden alle diese verkaufen wollen.
Und die Euro-Anleihen sind nur so stark weil von Deutschland noch ein relativ geringes Risiko angenommen wird. In Hinblick auf Demographie und Produktivitätsentwicklungen zu unrecht. Wenn die EZB die letzten 10% der freien Papiere auch aufkaufen muss (weil der Preis nicht fallen darf ohne die eigene Bilanz kaputtzumachen) haben wir endgültig ein Problem der dann nicht mal mehr versteckten Staatsfinanzierung.